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1,80^^X 60 Pfg, für aus- (^01^1(1!^ Siadt- und Landkreis Hanau 1OPfg. die fünf- wärtiae Eminenten mit dem bettefsenden Postmiffchlaz. XfZ ^ W W'W 9 gespalten-Petitzeile oder deren Raum, für Auswarislü Prz., Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. im Reklamenthei! die Zsle 25 Pfg.,
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Geruckt uns verlegt in derBuchdruckern des verein, ev. "
Waiienbaules in Hanau. = r , _ , _ . . Deraninwrtl. Redakteur: G. Schreck«! in Hanau.
'5I Erscheint täglich mit Ausnahme der «onn- und Feiertage, Mt belletristischer Beilage.
Nr. 73 Fernsprechanschluß Nr. 605,
gagge ..................................
Samstag den 26. März
FeruspreLanschluß Nr. 605
1904
Amtliches
Candkreis Banau.
Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.
Es ist noch eine Anzahl Bürgermeister und Gutsvorsteher mit der Erledigung meiner in Nr. 64 des „Hanauer Anzeiger" abgedruckten Verfügung von 14 ds. Mis. — V 1716 — betreffend die Regierungs-Po'izei-Vrrordniing vom 1. September 1898 (Einrichtung und Gebrauch solcher landwirtschaftlicher Maschinen, welche nicht im Fahren arbeiten) im Rückstände. Es wird hierdurch an die Erledigung dieser Verfügung mit Stößiger Frist erinnert.
Hanau den 25. März 1904.
Der Königliche Laudrat.
V 1716II I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Mülleimer, 1 Kinder-Matrosen-Mütze mit dem Namen Hertha, 1 kleines Kinderportemonnaie mit 26 Pfg. Inhalt, 1 grauer Strumpf, 1 Paar graue gehäkelte Kinderschuhe.
Verloren: 1 Hundemaulkorb.
Zugelaufen: 1 schwarzer Spitz, 1 schwarzer Pudel.
Hanau den 26. März 1904.
Mus Stadt und Cand.
Hartem, 26. März.
HWorgqc MculhW.
27« März 1628. Letzter gemeinschaftlicher Landtag der beiden hessischen Lande, Hessen-Cassels und Hefsen-Darm- stadts. ■ 3 H
* Schrtlseisr. Die Handarbeitslehrerin in der Mädchenvolksschule, Frau Hirtes, tritt am 1. April in den Ruhe« stand. Aus diesem Anlaß fand heute zum Schulschlusse eine finnige Feier in der genannten Schul-Anstalt statt, worüber wir noch berichten werden.
* Kgl. Gymnasium. Die Ausstellung von Schülerzeichnungen aus dem Schuljahre 1903/04, die im Zeichensaale des Kgl. Gymnasiums stattfindet, bleibt bis zum Montag nachmittag geöffnet.
Feuilleton.
Zum Palmsonntag.
Kränzt das Fest mit frischen Maien! Schmücke dich, du Gonesstadt, Opfergaben ihm zu weihen, Der sich dir als König naht!
_ Auf, mein Herz, und ihm entgegen! Seiner Ankunft dich zu freu'n, Sollst auch du ihm allerwegen Frohen Dankes Palmen stren'n?
Sieh von Klarheit ihn umfloffen! — Horch, wie lieblich tönt sein Gruß! Wo er weilt, da ist entsprossen.
Segen unter seinem Fuß!
Hast du seinen Gruß oernommen, Seine Segenshand erfaßt, O, sg heiß ihn froh willkommen, Ihn, den hochgelobten Gast!
Hosianna ist erklungen! Nimmer, hehrer Klang, verweh' Meiner Brust, die froh gesungen! „Hosianna in der Höhl" —
Reicher Herr, mit deinen Schätzen Kehr', ach kehre bei mir ein! Will mich, wie Maria, setzen Gläubig zu den Füßen dein!
Demuisvoll dich zu empfangen, Weit geöffnet ist die Tür! Kröne, Herr, mein heiß' Verlangen, Sprich dein: „Friede fei mit dir!" M. (4, v, M.
Palmarum.
- = ^ "l"u Tage der stillen Woche gedenkt die Christenheit 6 '^mchen Einzuges Christi in Jerusalem. Die Evangelien
** Ausstellung von Knabenhauvferttgkeits- arveiten im Knabenhort. Im hiesigen Knabenhort sind von jetzt ab bis nach den Osterferien wieder die aus dem Knabenbandfertigkeitsunterrichl Hervorgegangeneu Gegenstände ausgestellt, welche bei allen Besuchern ein berechtig!'"'Interesse erwecken werden. Mir der Kunstfertigkeit der erwähnten Gegenstände fällt zugleich ihre exakte und saubere Ausführung ins Auge und man kann den Lehrern, unter deren Leitung die sie und die jugendlichen Unfertiger ehrenden Erzeugnisse hervorgegangen sind, nur Anerkennung zollen. Man muß auch die Schnelligkeit bewundern, mit der sie diese vom pädagogischen Gebiet abliegende und ins industrielle Fach schlagende Seite des Unterrichts, die ihnen bis vor kurzem noch fremd war, sich angeeignet haben. Der vornehmlichste Zweck dieses Unterrichts ist, die Kombinationsgabe, den Kunstsinn und das Kunstverständnis der Jugend zu wecken und sie zu befähigen, die hier gesammelten Kenntnisse später im praktischen Leben nutzbringend zu verwerten. Diese Bestrebungen gewinnen immer mehr an Boden und sie haben bis jetzt schon schöne Erfolge erzielt. Der hiesige Knabenhandfertigkeiisunterricht besteht vorerst aus vier Abteilungen, die sich in die Herstellung von Stäbchen-, Kerbschnitt- und Pappe-Arbeiten und endlich Brandmalereien gliedern. Zunächst die Stäbchen-Abteilung: Diese bildet den Anfang des Knabenhandfertigkeits-Unterrichts und wird von den Zerrn Lehrern Berthold und Kreß geleitet. In ihr sind die Knaben im Alter von 9 bis 10 Jahren tätig. Diese bietet den Kindern besondere Freude, weil sie sie befähigt, aus dem einfachen Stab, den ihnen die Hecke oder der Wald bietet, fertige Gebrauchsgegenstände herzustellen. Einfach wie das Material ist das Werkzeug. Die Bearbeitung der Stauchen geschieht zuugchfr durch derr einWen Rundschnitt, dann den Längsschnitt, einfachen und komplizierten Kerbschnitt und Spaltschnitt. Aus dem so bearbeiteten Material werden dann die Gegenstände zusammengesetzt Der Kombinationsgabe und dem Geschmackssinn ist hierbei schon ein weiter Spielraum gegeben, es entstehen Bänke, Stühle, Gartenhäuschen, Naturbrücken, wie wir sie im Gebirge finden, Körbe u. s. w. In der nächsten Abteilung, in der wie in den übrigen die älteren Klassen tätig sind, erfolgt die Herstellung der Kerbschnittarbeiten, Leiter derselben ist Herr Lehrer Gunkel. Auf ein gewöhnliches glattes Brett wird eine mehr oder weniger kunstvolle Zeichnung, Figur rc. gebracht und diese dann mit einem meißelartigen Instrument ausgestochen. Das so hergestellte Brett wird gefärbt, ge
erzählen von dem begeisterten Zurufe der Menge: Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Palmenzweige werden dem einziehenden Heilande entgegengetragen, um die festesfrohe Stimmung des Volkes, das seinen Messias erwartet, kundzutun; man wetteifert, um den Herrn ehrenvoll zu empfangen, aber dieser weiß, wie wandelbar die jüdische Volks- gunst ist.
Wehmutsvolle Gefühle mögen damals in der Brust dessen aufgetaucht sein, der Israel erlösen wollte und doch gerade von dem „auserwählten" Volke so falsch verstanden wurde! Sollten doch nur wenige Tage vergehen, daß dieselbe Volksmenge, die ihm jetzt zujubelte, das wütende „Kreuzige, kreuzige ihn!" ertönen ließ; ein Gegensatz, wie er kaum schärfer gedacht werden kann: das friedliche Bild vom Palmsonntage und die wilde, haßerfüllte Schar am Morgen des Karfreitags!
So ist Palmarum eine ernste Mahnung für den Christen, nicht bloß nach augenblicklichen Stimmungen, sondern nach festen Grundsätzen das wahrhafte Verhältnis zum Erlöser zu werten. Die alte Frage: „Was dünkt euch um Christo?" verlangt eine entschiedene Antwort und nur der wird recht geantwortet haben, der Zeit seines Lebens die Treue dem Heilande gewahrt hat. Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt, das soll kein gelegentlicher Einfall sein, sondern das A und das O eines Christenlebens.
Möchten das auch vor allem die jungen, neukonfirmierten Christen beherzigen: „Treue steht zuerst, zuletzt im Himmel und auf Erden; wer ganz die Treue einsetzt, dem soll die Krone werden!" Hüten wir uns vor der Oberflächlichkeit und dem Wankelmute der Juden von damals! Das Christentum ist doch unendlich mehr als eine bloße Zeiterscheinung; es verlangt das ganze Herz und den ganzen Menschen, aber dafür ist's auch ein starker Trost, ja der letzte Notanker, in dem vielerlei Auf und Nieder eines jeden Berufs- und Menschenlebens. Mag es aus unserm Herzen am Palmsonntag ehrlich und treu ertönen, voll Dankbarkeit und Zuversicht: Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen deS Herrn!
Wlillsn-Kimzctt.
— Hanau, 26. März.
Die Konzertsaison neigt ihrem Ende zu und die Vereine sind bemüht, ihr Winterprogramm zu Ende zu führen. Gerade
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhattungsblutt 16 Seite«.
wachst oder gebeizt, ausgeschnitten, zusammengeleimt und es entstehen hier schon ebenso nützliche wie zum Teil kunstvolle und hübsche Gebrauchsgegenstände, die sich in jedem Salon sehen lassen können. Wir fanden Handschuhkästen, Wandbretter, Photographierahmen, Zeitungsmappen, Servierbretter, Schreib- zeuge u. s. w. u. s. w. — Die folgende Abteilung untersteht Herrn Lehrer Wagner und befaßt sich mit der Herstellung von Pappearbeiten. Es sind vollständig die Erzeugnisse, wie sie in der Kartonnagefabrik hergestellt werden und stehen diesen an Sauberkeit der Ausführung in nichts nach. Nach dem einfachen VeLiertäschchen, an dem die Knaben zunächst das Zerschneide«, Bekleben, Zusammenleimen rc. der Pappe erlernen, folgen einfache uns komplizierte viereckige Kästen, dann sechseckige, Kasten mit Kehlen, Gelenk u. s. w. Hierauf sehen wir Handschuh-, Toiletten-, Kragen- und Manschettenkästen, Bonbonieren, Schreib- und Zeitungsmappen, starke und leichte Gegenstände in geschmackvollster Ausführung. — In der fol-, genden und letzten Abteilung, welche Herrn Lehrer Knauf untersteht, wird Brandmalerei geübt. In ihr sind die Schüler aus den Oberklaffen beschäftigt und sie stellt an die Hand- ferligkeit sowohl wie an den Kunstsinn der Knaben schon erhebliche Anforderungen. Auf einem gewöhnlichen Zigarren- breltchen lernen sie zunächst den Stift führen und darauf folgen künstlerische Entwürfe, die später ausgemalt werden. Hierbei wird der Farbensinn geweckt, indem die Knaben zu den von ihnen gemachten Entwürfen — Pflanzen rc. — die Farben selbst zu wählen und die richtige Abtönung zu finden haben. Auch hier entstehen wertvolle Gebrauchs- und Luxusgegenstände, ähnlich wie in den andern Abteilungen. — Der Unterricht wird übrigens, entsprechend den Fortschritten, die er in anderen Teilen Deutschlands macht, auch hier noch weiter ausgebaut werden und ist für das nächste Jahr die Einführung von Modellieren und Hobelarbekten vorgesehen, dem sich dann später noch die Einführung von Metallarbeiten anschließen wird.
* Stadttheater. Zum Abschluß der diesjährigen Spielzeit geht wie schon mitgeteilt wurde, morgen: „Alt-Heidelberg" nochmals in Szene. Das vortreffliche Stück hat bisher seine Zugkraft immer bewährt, so daß auch die morgige Darstellung eine zahlreiche Hörerschaft finden dürfte, umsomehr, als sich unsere Mitglieder darin vom hiesigen Publikum verabschieden. Von denen, welche die hiesige Bühne für immer verlassen, feien erwähnt Frl. V erden, die einem Rufe an das Stadttheater in Cöln Folge leistet, und Herr Becker, der sich gleichfalls an eine größere Bühne verpflichtete. — Der Vorverkauf für
die letzten Wochen brachten uns noch eine Reihe beachtenswerter Darbietungen, sodaß man berechtigt war, dem vorgestrigen
2. Abonnemeniskonzerte des Weins'schen Gesangvereins mit Erwartung entgegen zu sehen. Wie gewohnt, hatten sich Besucher in großer Zahl eingefunden, sodaß die Säle der „Central- halle" voll besetzt waren.
Der unter der bewährten Leitung des Herrn Adolf Müller stehende konzertgebende Verein hatte ein interessant zu nennendes, unterhaltendes Programm ausgestellt, als Solisten Frl. Frida Carl aus Frankfurt a. M. (Klavier) und seinen Dirigenten Herrn ?ld. Müller (Bariton) gewonnen.
Frl. Frida Carl bot im 1. Teile des Programms Noc- turno Nr. 3 aus „Liebesträume" von Franz Liszt und Valse- Jmpromptu ebenfalls von Franz Liszt. Der jungen Künstlerin steht eine gediegene Technik zu Gebote, ihr Können zeugt von eingehendem Studium und musikalischer Begabung. Herr Adolf Müller, ein in unseren Konzertsälen stets gern gea sehener Solist, entfaltete seine frischen natürlichen Stimmmittel, seine prächtige Gesangskunst in glänzender Weise. Er wartete auf mit Carl Löwe's „Süßes Begräbnis" und der Ballade „Die Laurer" von Karl Löwe im ersten Teile, dem später im zweiten Teile des Programms noch einige ebenfalls ansprechende Nummern folgten.
Wie bereits erwähnt, trat der Verein selbst mit einem abwechslungsreichen Programm auf. Den EröffnungSchor bildete die Motette nach dem 111. Psalm von Orlando Laffo, der dann „Der Kleine" von Heqar, „Minnesänger" von R. Schumann und „Das Kirchlein" von E. Becker sowie noch weitere Chöre folgten. Außer zwei Nummern bot das Programm neue vom Verein vorher noch nicht gesungene Chöre. Uns wollte es scheinen, als ob der Verein diesmal numerisch etwas schwach auf dem Podium vertreten war und diese Lücken haben vielleicht auch beigetragen, daß hie und da die konremheir etwas schwank». Recht gut gelange« die prächtigen Volkslieder, die da« Programm in dankenswerter Weise zu verzeichnen hatte. Wir freuen uns, daß gerade in letzter Zeit die Pflege des Volksliedes bei unseren Gesangvereinen besonders wahrzunehmen ist. Möge dieser Weg auch weiter beschritten werden.