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Hanauer G Ansstger
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 16 Pfg. die fünf« aespaltenePstitzetle oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Rektamentheil die Zelle 25 Pfg,, für Auswärts 35 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Redakteur. G. Schr - ckcr m Hanau.
Mf, 63- FerttspreLmlschluß Nr. 605.
Tievstaa den 15. März
FerosprechanMuß Nr. 605.
1904
IMUMMIMiilBH
Amtliches.
Landkreis hanau.
Belannimachnnflen des Königl. Landratsamtes.
Veirifft Bekämpfung der Blutlaus.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung Dom 3. -November 1902 — V 10722 — Nr. 23 der „Amtlichen Beilage" zum „Hanauer Anzeiger" — veranlasse ich die Herren Bürgermeister, die Baumbesitzer rc. durch ortsübliche Bekanntmachung auf die Vertilgung der Blutlaus nochmals hinzuweisen.
Hanau den 4. März 1904.
Der Königliche Landrat.
V 1643 v. Beckerath.
Gefundene nnb verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 rote Kinder-Tellermütze, ca. 4 Meter Gardinenstoff, 1 Pelzboa.
Verloren: 1 Zwicker mit Leder-Futteral auf dem Wege Nürnbergertor bis Forsthaus Wolfgang.
Abhanden gekommen: 1 großer Mülleimer.
Hanau den 15. März 1904.
Bus Stadt und Cand.
Hanau, 15. März.
Historische Gedenktage.
*2., MMMLL.starh zri.WchNWe Landgraf Moritz, fast 60 Jahre alt, nachdem er seit 5 Jahren (1627) die Regierung in die Hände seines SohneS Wilhelm V. niedergelegt hatte. Er führt in der hessischen Geschichte den Beinamen „des Gelehrten" und allerdings war gerade seine Gelehrsamkeit die Veranlassung, sogar zum Teil die Ursache der vielfältigen Widerwärtigkeiten seines Lebens, welche ihn zuletzt der Regierung überdrüssig machten.
15. März 1755 entfloh aus Cassel einer von den mancherlei Taugenichtsen, welche unter der der neuen französischen Kultur geneigten Regierung des Landgrafen Friedrich ihre Rechnung daselbst zu finden suchten und zum Teil wirklich fanden: der Rat Rudolf Erich Raspe aus Hannover, welcher sich mit einem ansehnlichen Teil des unter seiner Aufsicht stehenden fürstlichen Münzkabinetts aus dem Staube machte und nach England begab. Dort schrieb er ein vielgelesenes und nachher von Bürger übersetztes Buch: „Die Begebenheiten des Freiherr« von Münchhausen", wahrscheinlich den meisten unserer Leser, wenigstens seinem Inhalte nach, als „Münchhausens Lügen" wohl bekannt.
Ftuilktom
Das Geheimnis in der Kirche von Lansienselbold.
Von Schleucher-Langenselbold. (Fortsetzung.)
Die Uhr dagegen ist ein Erzeugnis unserer Zeit, stammt aus der durch ihre Uhrwerke welibekannten Stadt Bockenem in Hannover und ist von Herrn Uhrmacher L. Renner in Hanau s. Z. beschafft worden. Bemerkenswert ist, daß das Zifferblatt im Turm so angebracht ist, daß es nur von den LÄloßbewohnern gesehen werden kann. Wenn heute dieses noch als Mangel empfunden wird, wieviel mehr mag dieses M früheren Zeiten der Fall gewesen sein, wo die Uhr im Burgerhause noch eine große Seltenheit war,
Warum man den Turm über dem Südportal errichtet hat und nicht, wie sonst üblich, wevn es die Verhältniffe gestatteten und keine anderen gewichtigen Gründe mitsprechen, auf der Westseite hat erstehen lassen, mag eine offene Frage bleiben. Zwei höchst schätzenswerte Annehmlichkeiten für die Einwohner patten aber dadurch leicht herbeiaesührt werden können, einmal konnten zwei, ja sogar drei Zifferblätter bequem angebracht werden, die im größten Teile des Ortes sichtbar gewesen wären, zum andern wäre auch der Schall der Glocken durch das hohe Kirchdach nicht in der Weise aufgebalten worden, wie es jetzt »ei nur einigermaßen entgegengesetzter Windrichtung der Fall wo das Schlagen der Uhr gar ,licht und daS Geläute nur teilweise vernommen wird. Dieses letztere mag man denn auch wohl von Anfang an schon zum Leidwesen empfunden haben, weshalb man die Hinserdorser Glocke beibehielt, um durch sie « Zeichen der Kirchenglocken in daS Ober- bezw. Hinserdorf weiterzugeben. Und dieses alles hätte geschehen können ohne Nennenswerte Mehrkosten und obne der Herrschaft hinsichtlich
* Liturgischer PassionsgotteSdienst unter Mitwirkung des Kirchenchors findet morgen abend in der Jo- hanneSkirche statt.
* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Dürkheim und Schifferstadt ausgedehnt worden. Zum Ortsbereich von Dürkheim gehören Hardenburg, Ungstein und Wachenheim (Pfalz.)
* Versammlung. Die am Sonntag den 13. d. M. im Gasthaus „zum Brauktüb'l" anberaumte Versammlung der christlich-sozialen Gewerkschasten verlief in überaus befriedigerr- der Weise.' Lehrer Schlitt sprach über Ziel und Notwendigkeit der Gewerkschaften und die sich daran knüpfende Diskussion zeigte, welches reges Interesse die Mitglieder diesem Thema darbrachten. Es haben sich wiederum mehrere Arbeiter bereit erklärt, beizutreien. Die nächste Versammlung findet am 11. April abends 8»/- Uhr. im „Braustöb'l", Gärtner- stratze 31, statt, wozu alle christlich gesinnte Arbeiter freundlichst eingeladen sind.
* Konzert Fritz Duos. Das bereits -mgrkünditr- Konzert des Baritonisten Herrn Fritz Boos findet statt nächsten Sonntag, abends 8 Uhr, in der „Centralhalle", und zwar unter Mitwirkung des Cellisten Herrn H. Schlee- müller, Lehrer am Hoch'schen Konservatorium zu Frankfurt a. M., und des Herrn G. A l t v a t e r (Klavier). Es gelangen zum Dorirag Gesänge von Händel, C. Löwe, Schubert, Schumann, Beethoven, Brahms, A. Wolff. Eintrittskarten sind in den Hofbuchhandlungen erhältlich.
* Benefiz N-rnendorf. Die morgen zum Beuch; für unsern beliebten jugendl. Komiker Herrn Nauendorf einmalig in Szene gehende entzückende Operette: „Die Fledermaus", eines der schönsten und Meistgeze-eutzea SB«^~~M WkMr, Componisten Job. Strauß wird bei der morgenden Aufführung eine ganz vorzügliche Wiedergabe finden. Herr Naneudorf, der sich durch seinen Fleiß und seine schönen Leistungen so sehr beliebt gemacht hat, wollte an seinem Ehrru-Abend etwa- „Außergewöhnliches bieten, und durfte ihm dieses auch gelungen sein. Die hervorragende Besetzung der Parrieen durch erstklassige Gennaskräfte, insbesondere das Gastspiel des bekannten' TeuorSuffes Hermann Schramm vom Opernhaus in Frankfurt in der Partie des „Eisenstein", womit derselbe die größten Erfolge hatte, dürfte allein schon einen bedeutenden Genuß versprechen. Außerdem sind aber noch vier andere Gäste: Frl. Hansi Steyer, Frl. Bell, Siebert, Herr Carl Albert Mahl au und Herr Alarich Werner gewonnen worden, so daß die schönen Gesangspiecen auf die vortrefflichste Weise zur Geltung gebracht werden. Von unseren hiesigen Kräften seien nicht vergessen unsere stimmbegabte Soubrette Frl. Wehn, welche die „Adele" fingt; ferner Herr Decker und Frl. Verben, vor allem aber der Benesisiant, der
der bequemen Benutzung der Uhr irgendwelche Eiubußr zu tun, denn hier wie da wäre das Zifferblatt den Schloßtewohnern gleich gut sichtbar gewesen.
Ein eigentlicher Baustil ist an der Kirche nicht zu erlernten, nur der Turm und die Portale gehören der Neuaissauee an, während die Fenster romanisch find, indem sie den gemeinsamen Rundbogen und die Säule in der Mitte zeigen.
Nachdem so daS äußere Bild des Gotteshauses zur Darstellung gelangt, möge sodann sein inneres als weiterer Teil unserer Darbietungen folgen. Zum Eintritt sei das südliche, daS Turmportal gewählt.
Der Raum, welcher hier den Besucher zuerst aufnimmr,ist ein fast kubischer, zeigt gleich rechtS eine steile, zu den oberen Bodenräumen des Turmes führende Treppe. Erleuchtet wird er durch zwei sich gegenüber lieqende Fenster, sowie einem kleineren, sich über der Tür befindlichen. In der hinteren Wand gewahrt man eine Doppeltüre, welcher eine steinerne achtstufige Breite Treppe vorgelagert ist, während links in der Ecke eine Kaminanlage sichtbar wird. Durch die geöffnate Türe schreitend, sieht man sich von einem vollständig abgeschloffknen Raum ausgenommen, der sich in gleichen Teilen zu beiden Seiten des Eingangs ausdehnt, 81/* Meter lang, S1^ Meter breit und ebenfalls 3Va Meter hoch ist, drei Holzwände und ebensolche Decke zeigt, außer Bet EiugaugStüre nach 2 Heinere Seitentüren hat, mit einem Ofen ausgeflattet ist und durch 7 dicht mßeneinanbergefteHie F-nster sein Licht erhält. ES ist „der Herrnstul", so benannt, weil er der Herrlchaftbei ihrem jeweiligen Aufenthalt auf Schloß Selbold zur Briwoh- nung der Gottesverehrung dient. Seitdem aber daS HauS I enburg-Birsikin zur katholischen Kirche übergetreten (1861), wird er nur noch von den fürstlichen Beamtenfamilien zu selbigem Zwecke benutzt. Auf diesem Herrnstuble hat vor einigen 20 Jahren die von den Herren Gebr. Ratzmann in Gelnhausen erbaute neue Orgel ihre Ausstellung gefunden, nachdem die aus der Hinierdorfer Kirche stammende, am 18. Mai 1696 von Aschaffenburg für 300 Gulden erworbene
die ihm obliegende drastisch kommische Rolle des „Frosch" $1 feinen besten Leistungen zählt. S^ließlich sei auch nochmals auf die von Herrn Tanzlehrer Sohnlein einstudierte und von 8 hiesigen jungen Damen zur Darstellung gebrachte Tanzeinlage: „Früblingserwacheu" bingewiesen und bemerken wir, daß er sich nicht wie berichtet wurde um ein Menuett, sondern um ein gänzlich neues prachtvolles Ballet-Arrangement handelt. Die Vorstellung verbürgt jedenfalls einen äußerst amüsanten Theater-Abend, wie er sobald hier nicht wieder geboten werden dürfte. Wegen der starken Billet-Nachfrage findet der erste Vorverkanf schon heute Dienstag nachmittag von 4—5 Uhr statt.
* Wild - Amerika. Freunde einer wirklich guten Musik seien hiermit auf die morgen im „Frankfurter Bau" beginnenden Konzerte des Jndianerquartetts aufmerksam gemacht. Man hat es hier, wie Zeitungsreferaten zu entnehmen ist, in der Tat mit ganz vorzüglichen Musikern zu tun, die ihr Instrument in vollendetster Weise beherrschen, und es ist ein Ge- nuß, diesen Künstlern zuzuhören. Sie wissen ihren Vorträgen eine Wärme und ein Gefühl beizulegen, so daß das Publikum förmlich begeistert wird und fast jeder Nummer des stets mit vielem Geschmack zusammengestellten Programms lebhafter Applaus folgt. Es sei hiermit jedem, auch dem verwöhn? testen Ohre, der Besuch der Konzerte empfohlen _ttnb wird wohl niemand unbefriedigt das Gasthaus „zum Frankfurter Bau" verlaffen.
* Zwei Wilddiebe, die kürzlich bei Gelnhausen einen Waldhüter durch Schüsse verletzt hatten, wurden gestern abend in das Bleibe dandaerichisgesängnis eingeliefert.
* Stafforst in Geluhausen. Wie uns aus Geln- Hausen öerichtel, ist es sehr wahrscheinlich, daß der Frankfurter Raubmörder Stafforst am 28. Febr. von Gelnhausen aus den VormittagsfAnellzug zu seiner Reife nach Hamburg benutzt hat. Ein dem Stafforst wenigstens ähnlich sehender Mann hielt sich an diesem Tage von morgens 8'/, bis lOVa Uhr am Bahnhof in Gelnhausen auf und führte auch einen Koffer bei sich, auf dem sich die Aufschrift „Hamburg" befand. Das scheue oer- schlossene Wesen des Passagiers fiel dort allgemein auf.
* Se^nerS Mitteilungen photographische« I«- Halts. In bedeutend erweitertem Umfange und auf für den Jllustrationsdruck speziell geeignetem Sunftbruifpapier herge- üeBt, liegt uns daS Jönnerheft des IX. Jahrganges dieser Zeitschrift vor. Die zahlreichen Texlillustrationen, unter welchen sich zwei Vollbilder befinden, zeigen das Bestreben, nicht nur durch Worte, sondern auch durch Vorführung anerkennenswerter Leistungen im Bilde der Amateurwelt stets neue Anregung zu bieten. Dem Hefte ist wie auch bisher eine sorgfältig gewählte Kunstbeilage vorgeschaltet. An lesenswerten Artikeln bietet das vorliegende Heft eine Arbeit Haugers über Wolkea-
alte, unbrauchbar geworden war. Hierzu sei erläuternd eingeschaltet, daß das letztere Jnstru:rent ehemals. feinen Standort im nördlichen Treppenhaus? hatte. Da sedoch von hier aus der Blick zum Altar und der Kanzel für den Organisten ein höchst unbequemer war, so ließ man folgenden Wechsel ein- treten: Die neue Orgel wurde auf den Herrnstuhl, wo bisher der Schülerchor seinen Platz hatte, versetzt, während dieser den der alten Orgel eingeräumt erhielt. Da das neue Instrument mit einem Spieltisch versehen ist, so haben stch jetzt Pfarrer und Organist wäbrmd der gottesdienstlichen Handlungen stets im Auge, eine Einrichtung, die für beide Teile bekanntlich von großer Annehmlichkeit ist.
(Fortsetzung folgt.)
Hanau in St. Louis.
Bitte, umgekehrt! Vorläufig noch St. Louis in ^mau. Denn bis morgen einschließlich dauert die Sammel-Ausstellmrg der Hanauer Edelmetall-Industrie, die für die Weltausstellung in St. Louis bestimmt ist. Und wie wird's mit ihrem Besuch erst morgen am letzten Tage werden, nachdem schon seit Samstag einer dem ändert! in der Aula der Zeichenakademie auf dir Hühneraugen tritt. Wirklich, man fühlt sich an die Zeiten der seligen Drucksachen-Ausstellung erinnert und der schöne Lehrtaks, der sich gerade unter der Aula befindet, ist äugen-, blicklich mit Erfolg eigentlich nur für Schwerhörige oder noch besser ganz Taube brnutzbar. Lassen wir uns also mit birauischieben in und durch die Aula, um heute wenigsten? einen allgemeinen Überblick über die Ausstellung zu gewinne.
In der Mitte unmiite'bar gegenüber dem Eingang etn mach- iia, zart farbig aus staffierter Schränk. Den Jnbalt überragt die gewaltige Figur des deutschen Aar.s, eine vortreffliche Arbeit der Firma Neresheimer.^ Sein scharfer Blick senkt sich nieber auf all b:e reichen Schütze an Silber- und Goldarbeiten, die rings um ihn uns gebreitet liegen. An den ersteren sind außer ?1ert§beimer noch beteiligt: Gebr. Glaser,