Erstes Blatt
Hanaver U Anskiger
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= c i t _ ., Verantwortl. Redaktem: G. Schrecker in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
5b- 49. FernspreKanschluß Nr. 605.
Samstaa iw 27. Februar
Fernstzrechanschluß Nr. 605. 1904
Hub Stadt und £and.
Hanau, 27. Februar.
Historische Gedenktage.
37. Februar 1821 starb Kurfürst Wilhelm I., 77 Jabre alt. In seinem siebenzehnten Jahre übernahm er die Regierung der Grafschaft Hanau, welche er fast 25 Jahre lang führte; achtund zwanzig Jahre (viermal 7) war er Landgraf von Hessen-Cassel, sieben Jahre lang außerdem Besitz seiner Lande, sieben Jahre nach der Rückkehr noch im Besitz der Regierung, sieben- zehn Jahre lang Kurfürst.
* EinsieNÄng be? dritten Wagenklaffe in die K-Züge 41 und 42. Auf die Eingabe der Hanauer Handelskammer vom 16. Januar d. J. hatte die Königliche Eisenbahndirektion erwidert, daß sie zu ihrem Bedauern nicht in der Lage sei, dem Wunsch der Handelskammer auf Einführung der dritten Wagenklasse bei den O-Zügen 41 und 42 zu entsprechen. Die Züge seien jetzt schon stark besetzt, mit Beistellung der dritten Wagenklasse aber würden sie f» belastet werden, daß ihre pünktliche Durchführung in Frage gestellt wäre. Uebrigens ständen den Reisenden zur Reise in der dritten Wagenklasse nach und von Berlin in den Schnellzügen 3 und 4 passende Verbindungen zur Verfügung. Der sich mit der Angelegenheit beschäftigende Verkehrsausschutz der Handelskammer bedauerte, daß der Antrag der Handelskammer nicht erfüllt werden könnte, und beschloß, sich mit der Handelskammer Gießen in Verbindung zu setzen, ob eventuell gemeinsam die Angelegenheit auf dem nächsten Bezirkseisenbahnrate zur Sprache zu bringen sei.
* Posidienstliches. Jeder Landbriesträger führt auf seinem Bestellgang ein Annahmebuch mit sich, in welches er die von ihm angenommenen Sendungen mit Wertangabe, Einschreibsendungen, Postanweisungen, gewöhnliche Pakete und Nachnahmesendungen einzutragen hat. Gleiche Annahmebücher werden auch von den Inhabern der an kleineren Landorten errichteten PosthilfSstellen geführt. Da dem Absender das Recht eingeräumt ist, die Eintragungen selbst vorzunehmen, so kann ihm, um sich vor Weiterungen und Verlusten zu sichern, nicht genug empfohlen werden, die den Landbriefträgern mitzugebenden oder bei den Posthilfsstellen zur Weitergabe an den bestellenden Boten niedcrzulegenden Postanweisungsbeträge, Wertsendungen X tunlichst eigenhändig in das Annahmebuch des Landbrief. tragers oder der Posthilfsstelle einzutragen oder wenigstens sich von der Buchung durch den Landbriesträger oder Posthilfs- stellen-Jnhaber zu überz-uaen.
Feuilleton.
TicrgeographisHe Proiiilizeil.
Nachdem in früheren Aufsätzen der Zusammenhang zwischen Erd- und Tiergeschichte, die Entwicklung der Tierwelt und die Art und Weise ihrer Verbreitung kurz bargelegt worden sind, erübrigt, noch einen Blick zu werfen auf die tiergeo- graphischen Provinzen der Jetztzeit. Dabei gedenke ich, unmer im Hinblick auf die geologisch-geographischen Verhäll- uiffe der Erdoberfläche, im Anschluß an W. Haacke große Munengebiete auszusondern, in sich abgeschlossene Länderindi- vidualitäten, in denen nicht so sehr das heutige Klima in erster Linie scharf zur Erscheinung kommt, als vielmehr die geologischen Wandlungen des Erdballs, die Geschicke der Kon- tinente und die Schicksale ihrer tierischen Bewohner mehr oder weniger klar zum Ausdruck gelangen. Wir werden finden, ->aß fast jedes Land bestimmte tierp ysiognomische Züge trügt; daß manche Länder sich ähneln, andere in scharfem Gegensatz äff einander stehen. Ähnlichkeit läßt auf gemeinsame Entwicklung, auf Landverbindung für die Landtiere, auf Wasser- verbindung für die Wassertiere schließen; Verschiedenheit der Fauna zweier Länder weist auf die Verschiedenheit ihrer Geschichte hin; Allerlümlichkeit einer Tiertracht zeugt vom hoben Alter des betreffenden Landes, von langer Isoliertheit. Um aber nicht allzu weitschweifig zu werden, will ich mich vorwiegend auf die Säugetiere und die Vögel beschränken.
Durch den Atlantischen und den Stillen Ozean ist die Scheidung der Erde in ein westliches und ein östliches Faunen- äkbiet ganz natürlich gegeben.
Das westliche oder amerikanische Faunengebiet wird durch den nordamerikanischen Präriengürtel in zwei Neiäe zerlegt: das n o rb a m e r i k a n i s ch e und das s ü d amerikanische Faunenreich, welch letzteres also nicht etwa an der I
* Handelskammer. Alle kaufmännischen Geschäfte, die ein Lager haben und in das Handelsregister eingetragen sind, unterliegen seit 1. Januar 1904 der UnfallversicherungS- p flicht bei einer Berufsgenossenichast. Es kommt also nicht darauf an, ob Maschinen in dem Betriebe Verwendung finden, ob die U fallgefahr eine große oder geringe ist, auch nicht auf die Anzahl der beschäftigten Personen, sondern nur der Eintrag in das Handelsregister und das Vorhandensein eines Lagers (hiermit sind auch die Verkaufsläger in den Läden gemeint) ist maßgebend. Diejenigen kaufmännischen Geschäfte, welche noch nicht Mitglieder einer Berufsgenossenschaft sind, werden daran erinnert, die Anmeldung baldthunlichst an die untere Verwaltungsbehörde (für den Stadtkreis Hanau der Magistrat) zu bewirken, weil später durch amtliche Nachforschung entdeckte Meldesäumige in empfindliche Strafe genommen werden dürften.
* Hanatt-Friedberg. Wie der Hanauer Handelskammer bekannt geworden war, hat die Handelskammer zu Friedberg die Königliche Eisenbahndirektion zu Frankfurt um Verbesserung der Vormittags-Verbindung zwischen Danau und Friedberg ersucht. In der Zeit zwischen 8’ vorm. und l9 nachm. gebt kein Zug von Hanau nach Friedberg; und ebenso trifft kein Zug in der Zeit zwischen 1028 und 324 in Hanau von Friedberg aus ein. Da auch diesseits diese Verbindungen als nicht ausreichend bezeichnet wurden, beschloß die Hanauer Kammer, den Friedberger Antrag zu unterstützen, zumal durch ein Zugpaar für Hanau eine rasche und bequeme Verbindung mit Gießen, Marburg. Cassel und Norddeut^chland erzielt würde, wenn ihm eine solche Laae gegeben wird, daß der von Hagau^fahrende Zug gegen 12^ in Friedberg eintrifft und dort den An'chluß an die Schnellzüge 45 und D 73 vermittllt. Ein Antrag der Handelskammer Hanau auf Früberlegung des Personenzuges 825 auf der Strecke Hanau—Friedberg zwecks Erreichung des Anschlusses an den Schnellzug 79 in Friedberg ist von der Königlichen Eisenbahndirektion abgelehnt worden. Die Handelskammer beschloß, in Anbetracht der Bedeumng dieser Anschluß- verbindung erneut in dieser Angelegenheit vorstellig zu werden.
* Deutsches Turnfest in Nürnberg. Die definitive Schlußabrechnung für das 10. deutsche Turnfest ergab einen Ueber chuß von 26,000 Mk. Hiervon werden 22,000 den Nürnberger Turnvereinen für turnerische Zwecke überwiesen und 4000 als Reie ve behalten.
* Stadttheater. W e schon mitgeteilt gelangt morgen nachmittag halb 4 Uhr das hier so beliebte Sckau'piel mit Gesang: „M u t i e r f e o e n" nochmals bei halben Preisen zur Aufführung. Abends 71/* Wr geht Otto Erich Hartlebens ergreifende Offiz-erstragödie: „R o s e n m o nt a g" zum letzten Mal in Szene und dürfte die letzte Ausführung dieses berr-
Landenge von Panama oder von Tebuaniepec seine natürliche Grenze findet, sondern ganz Mexiko noch mitumfaßt.
Auch das ö st l i ch e Faunengebiet wird durch einen Wüstengürtel, der sich quer durch Airika und Asien, vom Atlantischen Ozean bis fast zum Stillen zieht, zerlegt in: 1. das altnordische Faunenreich, in drei Unterabteilungen zerfallend (das europäisch-sibirische, das Mittelmeer- und das chinesische Gebiet); 2. das indo-äl biopischeFaunenreich m'tebenfalls drei Bezirken (das afrikanische, indische und mabagamfie Gebiet); 3. das australische Faunenreich mit zwei Abteilungen (Australien und Neuseeland). Dazu kommen das Nord- und das S ü d p o l a r g e b i e t.
Betrachten wir nun diese einzelnen tiergeographisch-n Provinzen etwas genauer!
Die älteste Entwicklungsstufe in faunisti'cher Beziehung nimmt Neuseeland ein. Don nreingeborenen Säugern lebt hier nur der halbmythische Waiiotcke, ein im Wasser hausendes, otteräbnliches Tier, das sich einer näheren wissenschaftlichen Beobachtung und Untersuchung bis jetzt mit Erfolg entzogen hat. Fledermäuse gelangten fliegend nach Neuseeland, Ratte und Hund durch den Menschen; Cook führte Schweine dort ein, deren Nachkommen verivilderi sind. Die neuseeländische Brückenechse hat ihre nächsten Verwandten im engltschen Rotliegenden, ist also ein durchaus altertümliches Tier, wohl das älteste und am wenigsten veränderte Landwirbeltier der Erde. Interessant ist die Vogelwelt Neuseelands: die Moa- und Kiwivögel, d'e die ältesten Gruppen der Hühner bilden. Die MoaS waren ehedem in vielen Arien vertreten; sie konnten sich ungestört entwickeln, da ja die Raubtiere auf der Insel fehlten, und wurden erst von den eingewanderten Malayen ausgerottet. Merkwürdig sind noch: Eulenpapagei, 9ieftorpapagei und Ries malle — lauter Formen, die das hohe Alter von Neuseeland klar beweisen. Bei der verhältnismäßigen Kleinheit des Landis war die Auslese gering, die Rassenzuchtwahl unbedeutend; aus diesen Gründen bl eb die Tierwelt Rens clauds auf niedriger Stufe stehen.
Die heutige Nummer ttmiW archer dem UuLeehalLuugsdratt 14 Seiten.
lichen Werkes e'ne rege Teilnahme finden. Der Vorverkau findet heute Samstag nachmittag von 4—5 Uhr an der Theaterkasse statt.
* Als Volksvorstellung wird nächsten Dienstag abend 8 Uhr: „Der Strom", Drama in 3 Auszügen von Max Halbe, zur Aufführung gelangen.
* Konzert des Lehrer-Sängerchores. Das im Inseratenteil veröffentlichte, äußerst interetsante Programm, auf das wir in den nächsten Tagen noch zurückkommen werden, sei einer aufmerksamen Beachtung empfohlen.
* Gardeverein. Wie wir hören beabsichtigt der Gardeverein in diesem Jahre wieder eine größere Saalfestlichkeit zu arrangiern und zwar soll zur Feier des 4. Stiflungs- tages am 6. März d. Js. im Deutschen Haus Abendunter- haltung mit Ball stattfinden. Der Gardeverein ist durch früher abgehaltene, sehr gut verlaufene Feste besannt und so glauben utr, baü auch das diesjährige Festkomitee alles auf- b eten wird, das Programm des 4. Stiftungsfestes so hübsch wie möglich auIzug-stalten, sodaß wir jetzt schon zu behaupten wagen, daß sich alle Festteilnehmer, und im Interesse deS Gardevereins hoffen wir, daß es recht viele fin», recht gut unterhalten werden und daß ihrer einige recht vergnügte Stunden barren.
* Der Dergnügungsvereirr „Germania" feiert sein diesjähriges Stiftungsfest am 6. März d. J. in der Brauerei Weismaniel. Wie wir aus dem Programm ersehen, verspricht der Abend recht gemütlich und amümnt zu werden, der sich den vorausgegangenen Festlichkeiten würdig anschließen wird..
* Militär-Konzert. In dem morgen abend im Saalbau „zum deutschen Haus" stattfindenden Militär-Konzert wird die Ulanenkapelle ein gediegenes Programm zu Gehör bringen, auf welches wir hiermit empfehlend hinweisen. Beginn des Konzertes präzis 8 Uhr. Abonnementskarten haben Gültigkeit.
* Parolemnsik. Die Ulanenkapelle spielt morgen Sonntag im Schloßrarlen folgende Stücke: 1) „Kavallerie-Parade- Marlch" von C. Wilhelm; 2) „Ariadne", Militär Ouvertüre von Latann; 3) „Somire-Dadrile", Walzer von Depret; 4) „La Patoma", m xkanisches Volkslied von Gradier; 5) „In Treue fest", defilier Marsch von O. Kästner.
* Futzball spart. Morgen nachmittag 3 Uhr findet auf dem Sportplatz an der „Schönen Aussicht" ein Fußballspiel zwischen dem Frankfurter Fußballklub „Viktoria" und dem „I. Hanauer Fußballklub 1893" statt. Da beide Mannschaften, namentlich die 93er Mannschaft, durch Ersatzleute geschwächt sind, haben sich beide Vereine geeinigt und werden dieses Spiel als Gesell'chasissriB betrachten. Unsere perehrten
Die Vögel haben die Flügel zum Teil eingebüßt: den Moas fehlten sogar die Flügelknochen, und den Kiwis verblieben winzige Flügelreste; auch bei dem Eulenpapagei nnb der Riesenralle sind die Flügel in der Rückbildung begriffen. Die Sößwafferfische zeigen merkwürdige Beziehungen zu Australien und besonders zu Südamerika; ob sie von Norden her aus dem großen Umbildungsherd der Tierwelt in Asien gekommen ober umgebildete Meerbewohner find, muß einstweilen unentschieden bleiben. Auch die Kerbtiere und Landschnecken sprechen für das hohe Alter Neuseelands. Man hat viel von einem großen südlichen Kontinent gefabelt, einer Antarktis, der Ausläufer nach Südamerika, Australien und Afrika gesandt und so der Tierwelt dieser Erdteile gemeinsame Züge verliehen haben soll. Ganz abgesehen von der geologischen Unwahrscheinlichkeit jener Annahme, spricht die Tierwelt der genannten Erdteile durchaus nicht dafür. Nach neueren Untersuchungen sind die Nandus, Strauße, Roßvögel, Emus/ Kasuare und Moas der drei Südkontinente phylogenetisch gar nicht verwandt mit einander, sondern sie sind faunistische Homologien, als Entwicklungsfolge gleichariiger oder ähnlicher biologischer Verhältnisse. Wären sie aber trotzdem stammverwandt, so spricht gar nichts dagegen, sie vor Alters aus dem Norden einwandern zu lassen. Nordaustralien oder auch die Norfolk- und Lord Howe-Jnseln, Neukaledonien und Neuguinea verbanden einmal Neuseeland mit dem westlichen ma- layi'chen Archipel und so mit Asien. Die Trennung fand zu einer Zeit statt, wo die Beuteltiere, die ja in Neuseeland fehlen, diese Brücke noch nicht passiert hatten, also in der frühen Se- kundürzeit. Die Antarktis darf wohl endgültig gestrichen werden.
Das Zweitälteste Faunengebiet der Erde ist das australische. Dazu gehören: Australien, Neuguinea, Celebes, die Diolukken uns die übrigen Inseln südlich und östlich von der berühmten Wallace'schen Linie, die zwischen den Inseln Bali und Lombock hindimchgeht und das australische Gebiet von dem indilchm scheidet; dazu kommen noch die weiten Jnselschwärme