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Erstes Blatt

Hanauer M Anzeiger

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Amtliches SrM fit Mt- «ud ZmdKreis Kam«

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Für Stadt- und Landkreis Harun: 10 Pfg. die fünf, gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 4« Pfg., im Reklameniheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Berantw«N. Redakteur: S. Schre-Ler in Hem«^

Nr. 43

Fernsprechanschlnß Nr. 605.

Samstag den 20. Februar

Fernsprechanschlnß Nr. 605

1904

Amtliches.

Stadtkreis Danau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchendem der Zeit vom 13. bis 49.Februar 4904:

1 Schreiner,

1 Schuhmacher,

2 U-ahrburschen,

3 Hausburschen,

2 Tagelöhner.

Hanau den 20. Februar 1904.

Städtisches Arbeitsamt.

8348

Haudelsregister.

L.Nr.98 Firma Peter Deines Söhne in Hanau: Der Kaufmann Heinrich Wilhelm Deines ist gestorben. Die Gesellschaft ist aufgelöst. Der bisherige Gesell­schafter Friedrich Georg Deines in Hanau ist alleiniger Jubaber der Firma. Dem Kaufmann Friedrich Deines in Hanau ist Prokura erteilt.

Hanau den 17. Februar 1904.

Königliches Amtsgericht 5

3298

Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen des Juweliers Carl Nie-latts in Hanau ist heute am 49. Februar 1904, vormittags 10V* Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Rudolf H 0 p f f in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt. Offener Arrest und AnzeigepfliLt sowie Termin zur Anmeldung bis MM 18. März 1904. Erste Giäubigerversammlnng 18. Mär; 1904, vormittags 10 Uhr. Prüfungstermin am 6. April 1904, vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht, Abt. 5, hier, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5.

Hanau den 19. Februar 1904.

Königliches Amtsgericht 5.

3302

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 20. Februar.

Historische Gedenktage.

20. Februar 1761. Niederbrennung der Stiftskirche zu Hersfeld durch die Franzose«, die in derselben ein Ma­gazin angelegt hatten, welches sie bei ihrem Abzüge nicht in die Hände der Alliierten kommen lassen wollten.

21. Februar 1808. Huldigung der Bürger zu Cassel (und von de« meisten größeren Städten des neuen Kö­nigreiches Westfalen) für Hieronymus Napoleon, am Ge­burtstage der Königin Katharina. Das uralthejsischc Schützenbataillon der Stadt Caffel rückte auf den Königs- platz, huldigte, und brach aus freien Stücken in den lauten und begeisterten Ruf aus:Es lebe unsere viel­geliebte Königin!" Und der Westfälische Moniteur freute sich sehr.

Geffrrrtttche Sitzung der Stadtberor-ueten- uersummlung

vom 18. Februar 1904.

Stadtv. Glaser berichtet über die Einnahmen im Haushaltsplan

der Kittels chulen.

In der vor 8 Tagen stattgehabten Debatte sei von Stadt». Hoch sehr eingehend gegen die Sache gesprochen worden und schickt Berichterstatter voraus, daß er die Motive, welche den Stadtv. Kehl und Dr. Heraeus dabei untergeschoben worden seien, tatsächlich nicht für berechtigt halte, denn hätte Herr Kehl den Antrag auf Schulgelderhöhung nicht gestellt, dann würde er mit dem Anträge gekommen sein. Redner weist hierauf hin auf die besonders 'in den letzten Jahren für die Mittel­schulen gemachten großen Aufwendungen, sodaß es am Platze sei, einen Vergleich mit anderen Städten herbeizuführen. In einer zur Verfügung stehenden Statistik seien 26 Städte auf- geführt, unter diesen befinden sich nur 3 Städte, darunter Brandenburg und Glogau, welche nur 36 Mk. an Mittel­schulgeld erheben, die übrigen Städte erheben alle höhere Sätze bis zu 72 Mk. Wenn nun hier eine Schulgelderhöhung bis zu 36 Mk. gewünscht werde mit dem Zusätze, daß für das 2. Kind aus derselben Familie nur 30 Mk. und für daS 3. nur 24 Mk. zu zahlen sei und ferner 5 pCt. der Schulgeld­

einnahmen für Freistellen bereit gestellt werden soll (was Schul­geldfreiheit für ungefähr 5060 Kinder bedeute, wozu noch die aus der Jung'schen Stiftung bedachten kämen, auch mit ca. 50), so scheine die Erhöhung gerecht und billig in An­betracht dessen, was die Schule leiste. Ein Vergleich mit der Oberrealschule wegen des hier und dort pro Kopf zu leisten­den ZulchuffeS könne nicht stichhaltig sein. Ein Ausgleich bilde'sich dadurch, daß die Oberrealschule weniger Schüler be­suchten, deren Eltern geringe Einkommen hätten, sodaß die Eltern der Schüler schon in der höheren Einkommensteuer in­direkt in höherem Maße zu den Schullasten herangezogen würden. Es sei ja jede Schulgelderhöhung bedauerlich, es soll sich ja aber die attgestrebte Erhöhung nur in dem Rahmen des niedrigsten Satzes, welcher sonst in den Städten Deutschlands erhoben werde, bewegen. Bei anderen Fragen, wie Ährer- Hesoldung, Anstellung von Schulärzten u. s. w., sei immer ein Vergleich mit anderen Städten gezogen worden. Caffel erhebe 60 Mk. und Wiesbaden 36-54 (durchschnittlich also 45) Mk. Dazu komme, daß auf der Mittelschule in den 3 untersten Stufen dasselbe Ziel erreicht werde, wie auf der Vorschule der Oberralschule, sodaß es nahe liege, daß die Eltern ihre Kinder lieber in das schöne Mittelschulgebäude schicken als in die Vorschule, wo sie 90 Mk. Schulgeld bezahlen müssen. Dem­nächst werde hier eine Borlage eingehen, daß die Vorschul- klaffen aus dem Gebäude der Oberrealschule heraus in die alte Akademie verlegt werden sollen. Wen» die Räume auch nach Möglichkeit hergestellt werden, so würden sie doch den Räumen in der Eberhardschule nachstehen. Der ganze Mehraufwand für ein Kind betrage bei der bean- rrEßw Erhöhung während der ganzen Schulzeit nur 96 Mk. Stadtv. K eht: Vor etwa 14 Tagen qd;r P,. Wochen sei festgestsllt worden, daß für die Knabenmittelschule 122 und für die Mädchenmittelschule 92 Kinder bisher angemeldet seien und werden, ehe das neue Schuljahr beginnt, diese Zahlen sich jedenfalls noch erhöhen. Die überaus große Zahl der Neumeldungen führe dahin, daß man sich die Frequenzver- Hältniffe auf der Mittelschule einmal genauer ansehen müsse. Die 8. Klasse der Knabenmitielschnle sei bereits verdreifacht, ebenso die 7. Trotzdem würden diese nunmehr mit 46 Kin­dern besetzt werden müssen. Wenn jetzt welche fitzen bleiben, so liege es nahe, daß die untersten Klassen schon vervierfacht werden müssen, auch die 6. Klasse werde nach der Versetzung verdreifacht werden müssen. Aehnlich seien die Verhältnisse bei der Mädchenmittelschule und könne man hier darauf rechnen, daß in diesem Jahre mindestens wieder 3 neue Klaffen geschaffen werden. Es müsse hier schon das letzte Zimmer, welches bisher als Lehrerzimmer bestimmt gewesen sei, als Klassenzimmer herangezogen werden. Die in der Stadt vorhandenen Schulräume werden aller Wahrscheinlichkeit nach überhaupt bis 1907 aufgebraucht sein; vermutlich eher, als man bei Aufstellung des Bauplanes für die neue Schule angenommen habe. Die Schülerzahl auf der Mittelschule sei seit dem Umzüge in das neue Gebäude von 898 auf 1273 Kinder gestiegen und habe dabei die Volksschule nicht abgenommen. In derselben Zeit sei auch der Zu­schuß für diese Schule ganz erheblich gestiegen. Sie Verzinsung des neuen Schulgebäudes, welches V» Million erfordert habe, sei dabei auch noch in Ansatz zu bringen. Bei Vergleichung der Zuschüffe, welche an der Mittelschule für jeden Schüler im Gegensatz zur Oberrealschule zu leisten seien, müsse das Verhältnis zwischen Schulgeld und Aufwendung als Maßstab angelegt werden, um die wirklichen Aufwendungen festzustellen; dabei ergebe sich für die Mittelschule weniger Günstiges als bei der Oberrealschule. Stadtv. Küstner: Seit zwei Jahren schon habe man sich wiederholt mit der Frage der Erhöhung des Mittelschulgeldes auf das eingehendste be­schäftigt und sei jedesmal zu ablehnendem Beschlusse gekommen. Die Ausführungen der Vorredner haben durchaus nichts neues gebracht, was ihn und wohl auch andere bestimmen können, sich zustimmend zu dem Anträge zu verhalten. Redner legt hierauf zahlenmäßig dar, daß bei Annahme des Antrages in­folge des Rückganges der Frequenz und Ueberiritts in bie VolkSfchule, wo man gar kein Schulgeld erhalte, für die Stadt nichts befondereS herauSipringen werde. Mit großer Wärme verteidigt Redner die bisherigen Verhältnisse, bei denen man es belassen solle. Die Jung'sche Stiftung würde ihre Revenäen bei höherem Schulgeld auch nicht mehr einer so hohen Zahl von Schülern wie bisher zuwenden können. Stadtv. Wolfs spricht ebenfalls gegen den Antrag, welcber von ganz falschen Voraussetzungen ausgehe. Es sei Cassel in Vergleich gezogen worden. Da gebe es gar keine eigentliche Mitielschnle, wenigstens keine süp Knaben, sondern nur eine Mädchen- Mittelschule. Der Antrag scheine darauf hinzuzielen, die Mittelschule zu entvölkern. Man solle den Antrag pure ab­lehnen. Stadtv. Kehl: Es drehe sich nicht nur um die Einnahme von 12 000 Mk., man müsse sich vielmehr darüber

Die heutige Nummer umsaht außer dem rluterüatLungsblatt 14 Leite»

klar sein, in welchem Maße die Schule fortwährend zunimmt Es kommen neben den Mehrkosten für weitere 3 Lehrer noch die Kosten für einen Rektor. Mit Rücksicht hierauf muffe man doch entsprechende Gegenleistung haben. Stadtv. Dr. Wagner schließt sich den Ausführungen Küstners an. Der Antrag Kehl sei im vorigen Jahre, so viel er sich erinnere, im Finanzausschuß mit allen gegen eine Stimme und der Unterantrag Ott, statt 24 Mk. 30 Mk. zu erheben, ebenfalls im Finanzausschuß mit 5 zu 4 Stimmen begraben worden. Der wiederholte Antrag sei nichts anderes als die Folge falscher Finanzwirtschaft, unter welcher dann die wichtigsten Kulturaufgaben zu leiden hätten. Bemerkenswert sei, daß Herr Kehl voriges Jahr eine Erhöhung des Schulgeldes auf der Oberrealschule gefordert habe von nur 10 Mk. und heute ziele er auf eine solche bei der Mittelschule, aber in Höhe von 12 Mark hin, wo der kleinere Mittelstand, der kleinere Beamte und bessere Arbeiter getroffen werde. Hier beanspruche Herr Kehl eine Erhöhung um -50°/o und dort habe er eine solche von nur 8V2 beantragt. Bei der Oderrealschule betrage beispielsweise der Zuschuß für jeden Schüler 130 Mk. und bei der Mittelschule nur 85 Mk. für das Jahr. Wenn Herr Kehl durchaus die Bildungsanüalten höher belasten wolle, dann hätte er die Pflicht, wenigstens diejenigen Steuerklassen zu treffen, denen er selber angehöre; in erster Linie hätte er die Oberrealschule wieder wählen muffn: und die höhere Mädchen­schule, bis auch an diesen Anstalten der Zuschuß pro Kopf kein höherer bleibe als 85 Mk. wie bei der Mittelschule. Es wäre das allerdings noch keine soziale Gerechtigkeit, weil auch weniger gut gestellte Eltern in Frage kommen würde«. Die Erhöhung des Mittelschulgeldes wäre gleichbedeutend mit einer Drogrejnerunü der Einkommensteuer, doch nicht nach oben, sondern nach unten. Redner weist hierauf noch auf den Todes­tag Emanuel Kants hin, weil hier gesagt worden sei, daß es ein Fehler sei, wenn Leute mit geringem Einkommen für ihre Kinder zu hohe Schulkosten aufwenden. Dieser Geistesheros, dessen Werke diejenigen vieler offizieller Helden, die heute gefeiert werden, weit übertreffen haben, sei der Sohn eines armen Handwerkers gewesen, welcher sicher keine 500 Mark Einkommen gehabt habe. Es sei dies gewiß ein Beweis dafür, daß auch ein armer Mann bestrebt sein könne, seine Kinder etwas Tüchtiges lernen zu lassen. Stadtv. Ko- burger vermag die Angelegenheit lediglich vom finanziellen Standpunkt aus zu beurteilen. Für ihn seien maßgebend die Ausgaben; die schönen Reden können nichts nützen, sondern man müsse iveitermarschieren. Stadtv. H e p d t, Holm, Wolfs und K ü st h e r sprechen weiter noch gegen den Au- trag. . Stadtv. Wolfs regt an, die 3 untersten Klaffen der Mittelschule überhaupt schwinden zu lassen und diese in die Volksschule zu verlegen. Es könnte darauf die Volksschule auf der untersten stufe etwas weiter ausgebaut werden. Von verschiedenen Seiten wird diese Anregung als sehr be­herzigenswert bezeichnet und fügt Stadtv. Müller hinzu, daß, wenn er nicht irre, Bayern heute schon die höhere Schule auf der Volksschule aufbaue. Stadtv. Eberhard schlägt vor, diese Position von der Tagesordnung abzusetzen, weil von ^ verschiedenen Seiten geltend gemacht werde, daß es für die jetzt die Schule Besuchenden eine Härte wäre, wenn sie infolge des höheren Schulgeldes in die Volksschule müßten.

Stadtv. Dr. H e r a e u s betont, daß er das Rechte will und absolur kein Unrecht möchte aufkommen lassen. Herr Küstner habe an das Herz der Versammlung appelliert, man müsse aber auch den Verstand mitsprecheu lassen. Daß 10 bis 12 Mark pro Schüler für die Stadt keine Rolle spielen, darüber brauche man nicht zu streiten; aus diesem Anlaß sei wohl der Antrag von Herrn Kehl nicht gestellt worden. Es handele sich hier darum, daß die Schulen von Jahr zu Jahr immer mehr Kosten verursachen, daß gerade die Mittelschule es ist, die immer mehr kosten werde, sodaß »an mit den sieuerzuschlägen immer mehr in die Höhe werde gehen müssen. Das sei ein großer Fehler, welcher sich später sehr an die Gegenwart rächen werde. Aus diesem Grunds schlägt Redner vor, die Erhöhung nur für die jetzt in die Mittelschule nett eintretenden Kinder zu beschließen, dagegen diejenigen, welch« die Schule bereits besuche», von einer Erhöhung auszuschließen.

Smdlo. Kehl zieht seinen Antrag zu Gunsten des An­trages Heraens zurück, nachdem Stadtv. Glaser be- merki haue, daß der Antrag, wenn man ihn auch heute ab- lehne, nächstes Jähr sich abermals wiederholen würde.

3u beiden Anträgen wird namentliche Abstimmung zu Protokoll beschlossen. Es wurden jedoch beide abgelehnt. Für den ursprünglichen Antrag stimmten die Stadtverordneten Voltz, Treusch, Siübing, Steinheuer, Kehl, Glaser, als dieser abgelehnt war, für den Antrag Heraeus: Die Stadtverord- ueten Voltz, Treusch, Siübing, Sleinheuer, Müller, Lacht, Koburger, Kehl, Glaser, Förster, Eberhard und Dr. Heraeus.