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Erstes Blatt

Hanauer G Anzeiger

BezugSpreiS:

vierteljährlich 1,80 Mk., moualllch 60 Pfg., für aus. »Stetige ALonnentm mit dem betreffenden Popaufschlaz, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg,

General-Anzeiger

Gezuckt und verlegt in der Buchdruckern des verein. <8. Waisenhaujes in Hanan.

ANtlilhes ®rgi6 fit AM- und Zandkreis Sann«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EiurSSungsgerShr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. dir fünf» gespalten» Petitzeüe oder bereit Staunt, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamenthell die Zeile 25 Pfg, für Auswärts 35 Pfg.

Derautwortt. RLaLeur: G. Schrecke, in Harr«,

N'. 37. Fenisprechanschlvß Nr. 605.

Samstag den 13. Februar

Ferns-reKanschluß Nr. 605.

Amtliches.

Stadtkreis hanau.

BeLauntmachunsien des Oberbürgermeisteramtes.

BekanntmachvAg.

ArbettfrrchenÄe in der Zeit vom 6. bis 12. Februar 1904; S Schreiner,

4 Kausburrcheu, 8 Tagelöhner

Hanau den 13. Februar 1904.

StSvttsch-s Arbettsamt. 2904

Mus Stadt und Cand.

Hanan, 13. Februar.

Historische Gedenktage.

14. Februar 1450 starb der letzte Graf von Zieaenhain, Johann der Starke, und wurde in der Ruhestätte seiner Vorfahren, dem von ihnen gestifteten Kloster Haina be. graben. Die Grafschaften Ziegenhain und Nidda fielen an den Landgrafen von Reffen, damals Ludwig den Friedfertigen.

14. Februar 1511. Anfang der Fehden, welche infolge des frühen Todes des Landgrafen Wilhelm II. und 1er von ihm eingesetzten Vormundschaft auSbrachen. Die Landstände wählten unter dem Einfluß des erboerbrüse"- tat sächsischen Hauses, eigenmächtig und wider das Testa­ment deS Landgrafen, eine Regentschaft; dadurch wurden mehrere Städte (Homberg, Treyn) irre gemacht, schloffen sich an den abgetretenen Landgrafen Wilhelm I. an und mußten durch ein wildes LandsknechiSheer, welches viel Verwüstungen anrichtete und besonders den Hühnern den meisten Schaden tat, zum Gehorsam gebracht werden. Daher nennt man diese Fehde spottweise die Hühner- fehde.

14. Februar 1563 starb Dolpert Riedesel, Oberamtmann der Grafschaft Katzenelnbogen, der Stammvater aller jetzi­gen Riedesel, Freiherrn zu Eisenbach.

Grffentliche Siimna der StadtverordKeten- «erfammlung

vom 12. Februar 1904.

Anwesend die Herren Canthal, Vorsteher; Aukamm, Brüning, ^Craß, Eberhard, Förster, Glaser, Dr. Heraeus, Heydt, Hoch,

Feuilleton.

Musikalisch - deklamatorische Soiree zum Bester» des Diakonisse»»-Hauses.

-h. Hanau, 13. Febr.

Mustkalisch-deklam.-Soiree" betitelte sich die Aufführung, die zum Besten des hiesigen Diakonissen - Hauses vorgestern im Saale der Centralhalle stattfand. Der deutsche Sprach- oerein hätte vielleicht eine andere Überschrift gewünscht, etwa Abendgesellschaft",Abendunterhaltung", oder aud) wohl Vortragsabend."

Wir schicken gleich voraus, daß der Abend gut besucht war und hoffentlich bleibt ein hübsches Sümmchen übrig, das dem bekannten edlen Zwecke dienen soll. In den Dienst der schönen Veranstaltung hatten hiesige Künstler und Herr Dr. K. Schmidt-Friedberg ihre Kräfte gestellt.

Das Programm gliederte sich in 2 Teile. Der erste Teil bot nur gesangliche bezw. musikalische Nummern. Als Einleitung spielte Herr G. Allvater den 1. Satz aus der Sonate pathätique von Beethoven, mit guter Auffassung und technischer Sicherheit.

Auch Frau Wohlfahrt widmete wieder ihre schöne gesang­liche Kraft der guten Sache. Sie trugMondnacht" von Schumann,Frühlingslicd" von Mendelssohn undDer Vogel im Walde" von Taubert vor. Nicht nur die schöne und sorgfältig ausgeglichene hohe Sopranstimme, sondern auch der anmutige und warme Vertrag trugen Frau Wohlfahrt reichen Beifall ein. Sie mußte noch eine Zugabe spenden.

Außerdem bereicherte noch unser einheimischer Künstler, Herr Hch. Appunn, den 1. Teil des Programms durch zwei Sätze aus der Cello-Sonate von Saint-Saens. Sein Vor­tag machte den denkbar besten Eindruck und erzielte er damit wahlberechtigten Erfolg.

Der 2. Teil des Programms beschäftigte sich mitKarl «öwe" als Balladenkompouist. Herr Dr. Schmidt-Friedberg

Hock, Holm, Jost jr., Kehl jr., Kreuter, Küsin-r, Loüberger, Lacht, Müller, Ott, Detrier, Reis, Schroeter, Sbwobe, Spatz, Stübing, Treusch, Doltz Dr. Wagner, Dr. Wenke und Wolff.

Dom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebe- schus, Erster Beigeordneter Bode, Zweiter Beigeordneter Dr. Eismaö^und Stadtbaurat Schmidt.

Bemerkungen des Oberbürgermeisters.

Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt Oberbürger­meister Dr. G e h e sch u 8 Bezug auf die gestrige Verhandlung zwecks Richtigstellung zweier Punkte, über welche in der Versammlung irrtümliche Auffassung herrschte. Zunächst habe er eine abfällige Bemerkung des Herrn Schwabe daß vom Meldeamt nach drei Jahren noch danach re­cherchiert wurde, ob der Sobn des Herrn Rodde abgemeldet wurde, richtig zu stellen. Festst'llungen nach Den List'N des Einwohner-Meldeamtes seien von Zeit zu Zeit zu den verschiedensten Zwecken notMndia, z. B. bei Wahlen. Nun habe sich bei den letzten derartiaen Feststellungen ergeben, daß zwei Listen nicht übereinstimmten uns dabei habe sich ge­sundes, daß der Sohn des Herrn Rodde nicht abgemeldet war. Eine Bestrafung habe nicht stattgefunden und wenn eine Aeußerung gefallen sein sollte vonStrafbffehl erhalten", so sei daS eine Anaehörigkeit des betr. Beamten, die sich mit den ihm erteilten Jnstruk-'onen in keiner West decke. Zu dem gestern zur Annaame gelangten Antrag bei Besetzung der Aemter m 5 g I ich st H an au er zu berücksichtigen, habe er sich inzwischen statistisches Material verschafft und teile daraus folgendes mit: Seit seinem Hiersein (1. April 1893) seien 61 Beamte anaesteLt worden, davon waren Hauauee uns 25 auLwärrige. Wenn man dabei berückiichtige, daß darunter eine erhebliche Anzahl Techniker sich befinden, die in Hanau schwer erhältlich sind, daß ferner mehrere der SekretärSklaffe angehören, welche schon eine Praxis in der Verwaltung durSgemacht haben muffen, so stelle sich daS Verhältnis noch erheblich günstiger. Es seien in der 1. Gehatisklaffe 1 Hananer, 2 von auswärts, darunter 1 Techniker, in der 2. Gebaltsklaffc 2 Hanauer, 5 auswärtige, darunter wieder mehrere Techniker, in der 3. Gehaltsklaffe 3 Hanauer, 7 auswärtige, (4 Techn ker), in der 4. Gehalts­klaffe 7 Hanauer, 4 auswärtige, in der 5. Gebaltsktasse 4 Hanauer, 2 auswärtige, in der 6. GehaltSkl-ff? 4 Hanauer, kein ouSwärtiger, in der 7. Gehaltsklaffe 6 Hanauer, kein auswärtiger, in der 8. Gehaltsklaffe 6 Hanauer, 6 aus- wärnqe angestellt. Es werde alle das, was die Stadtver­ordneten mit ihrem Beschluß anstrebten, in der Praxis schon gehandhabt.

hielt einen interessanten Vorirag über Karl Löwe, sein Leben und seine Bedeutung auf musikalischem Gebiete. Der Vor= tragende ging davon aus, daß es ein Verdienst der Neuzeit sei, das Verständnis für die Werke des großen Balladen­komponisten zu wecken und entwarf dann ein kurzes, aber fesselndes Bild von Löwe.

Den Ausführungen entnehmen wir nachstehend einige Notizen: Karl Löwe wurde am 30. November 1796 zu Söbejürf bei Halle a. S. geboren. Er entstammte einer ehr­samen Kantorenfamilie, in der er eine gute Erziehung und reiche Anregung für Musik und Kunst überhaupt fand.

Die Natur mit ihren Wundern, die Anregung beim Be­such der Bergwerke machten auf den Knaben einen tiefen und bleibenden Eindruck, wie aus den späteren Werken zu erken­nen sei. Er besuchte das Gymnasium der Frankeschen Stif­tungen in Halle und später die Universität, woselbst er ent­sprechende Förderung seiner Anlagen für Musik fand. Bei dem Universtiäismustkdirekior Türk genoß er Unterricht in der Theorie der Musik, nachdem ihm der damalige König von Westsalen, Jerome, auf Lowes Talent aufmerksam gemacht, ein Stipendium ausgesetzt hatte. Mit der Auflösung des Königsreichs (1813) ging dieses für ihn verloren. Hierdurch und durch den Tod seines Lehrers veranlaßt, nahm er die Gymnasialstudien wieder auf. Er besuchte dann die Universität, um Theologie zu studieren. Zumstegs Balladen ergriffen ihn mächtig und er wandte sich der Komposiitwn der Balladen zu, für die er die rechte Fo.m fand. Löwe machte große Reisen, lernte Goethe und Karl M. v. Weber kennen und Heate für b.iae große Verehrung. Im Jahre 1820 entsagte Löwe dem Studium der Treologie und ging als Gelanyl hrer ra* Stenin. Hier wirk e er längere Zeit als Musikdirektor und Organist. Die Unwersi ät Greffs- wald verlich ihn im Iah e 1832 den Dok or-TitU. 1864 urde er bienfiurfäUg infolge eines SchlagM-ftll s. Seine letzten Jahre v rlebte er in Kiel, woselbst er am 20. April 1869 starb.

Herr Schmidt hob dann die ungemein groß: Fruckibar- keit in Bez'ig auf 'eine mufpalrdien Werke lervor, deren er nicht weniger als 145 gelassen habe. Mit Rücksicht auf die

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltuttgsblatt 14 Seite«.

Feststellung von Rechnungen.

Die Rechnungen der Stadtkasie II B, der GaswerkKaffe, El'ktrizttäiswerlskaffe, Wifferwerkskaffe, Kleinkinderschulkaffe und der Kasse der Asservaten und Vorschüsse pro 1902 sind von den Mitgliedern geprüft und in Ordnung befunden worden. Den Rechnungssührern wird Decharge erteilt.

Besoldungsverhältnisse von Lehrern an der Mittelschule.

Stadiv. O t t referiert ausführlich über einen Antrag Kreutsr- Schwabe, denjenigen Volksschullehrern an der Mittelschule, welche das Mittelschullehrerexamen nicht abgelegt haben, die gleichen Bezüge zukommen zu lassen, wie den gevrüiten Mütel- schullehrern. Redner wendet sich unter eingehender Begründung gegen den Antrag und beruft sich hierbei auf die Er- k'Srnngen des Herrn Stadischulinspektor Lorenz, die berelbe in der letzten Sitzung der Finanzkommilston in dieser Angelegenheit abgab. Derselbe wies auf die Wichtig­keit und Schwierigkeit des Mittebchu'lehrer-ExamenS hin und ist der Ansicht, daß es n'cht gerechtfertigt erscheine, denjenigen L'hrern, welche das Examen nicht abgelegt haben, die gl-ichen Vergünstigungen zu teil werben zu lassen, wie den geprüften. Eine Verwandlung der Volksschulen in Mittelschule« habe 1876 nicht stattgefunden. Es sei der Schule lediglich die Ge­nehmigung erteilt worden, in den oberen Klassen nach dem Plan der Mittelschulen zu arbeiten. Von dieser Erlaub- nis sei in sehr geringem Maße Gebrauch gemacht worden. Man habe einen Plan mit Unterricht int Französischen ein geführt, im übrigen aber habe sich der neue Lehrplan in keiner Weise von dem einer Volksschule unterschieden. Erst der am 1. April 1898 in Kraft getretene, von Rektor Bartmuß und Jckler unter Leitung des Herrn Direk'ors Bungenstab aus­gestellte Lehrplan labe der Sckule den Cbarakter als Mittel« stbule gegeben. Damit sei wohl die rechtliche Frage gelöst. Es gebe auch jetzt noch eine ganze Reibe von Städten, in deren Volksschulen in den oberen Klaff-n nach dem Plane der Mutelichulen gearbeitet würde. Diesen Schulen werde auch der NameMittelschule* bei gelegt, tatsächlich aber seien ste nur Volksschulen. Andererseits baden die angestellten Erhebungen ergeben, daß in keiner anderen Stadt daran ge­dacht werde, solche Lehrer, welche die Mittelschullehrerprüfung nicht abgelegt haben, mit den 'geprüften Mitielschullehreru gleichzunellen. Bei der Auswahl der Lehrer für die Mittel­schule seien s. Zt. hier auch keineswegs nur die tüchtigsten aus bet gesamten Vocksschullehrerschaft ausgesucht worden. Es gäbe an den Vo ks chulen eine ganze Anzahl gleichartiger Lehrer, die nach Wiffen und Können den Vergleich mit den

kurzbemessene Zeit mußte der Vortragende sich kurz fassen, be» I tonte aber noch zwei Beziehungen Löwes zu unserer Gegend, wonab er im Jihre 1835 in Mainz einen großen Männer­chor von 700 Sängern dirigierte und im Jahre 1837 eben­daselbst bei der E nweihung des Gutenbergdenkma's die Leitung eines mächtigen Chores besorgte. Der Eindruck sei ein groß­artiger gewesen.

Nachdem Herr Dr. Schmidt seinen Vertrag beendet, verwies er auf das Eigentümliche der Löweschen 5ompojition8weife und ließ dann von den aus dem Programm vorgef-henen Ballade« mündliche Erklärungen, auf dem Klaosir musikalisch erläutert, folgen. Herr Kon ao Leipold, von den Freischütz.Aufführungen der alsMax" unterem musiklieb-nden Publikum bekannt, trug mit der ihm eigenen schönen Dortragskunst den Tezt der So Haben im Zummmer hang vor, und bann erfolgte der ge­sangliche Vertrag der Balladen:Heinrich der Vogler",der Nöck",Archibald Douglas" undTom der Reimer". Diese Aufgabe fötal die Herren Karl F. A vpel und Hch. Appunn mit musikalischer Sicherheit, warmer Empfindung unter ganz be'ouderer Beachtung der dramatischen Belebung be8 Vertrags. Sie verhalfen den einzelnen Balladen zu einheitlicher Gesamt-, Wirkung.

Zum Schluß ro$ einige Bemerkungen, daß die vorgestrige Veranstaltung und namentlich die z-rrile.ft: des Programms, Löwe als Balladenkomponist, hochinteressant war, steht wohl außer Zw if l. Wenn trotzdem nach dem Schluß hin sich die Plätze zu leeren begannen, so lag dies wohl einmal an der Län e deS Programms, zum andern vielleicht auch daran, daß die Art und Weise, d'e Balladen durch textliche und musikalische Erk ärungen und Erläuterungen dem Verständnis des HörerS nahe zu bringen, einen eroberen D il der Konzertbesucher nicht erwärmte. Und doch müssen wir sagen, daß die schöpferische' Begabung Löwes als Dalladenioponisi auf diesem Wege er-' sannt und so belehrend und anregend auf den Hörer einge- wirkt werden kann. Vi lleicht haben wir Gelegenbeit, demnächst einemAw-abend" vor einem interessierten Publikum bei« wohnen zu können.