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Erstes Blatt

Hanauer M Anfeiger

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- «artige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

Geruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Mt- und Zanddreis Kannn

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sorm- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrücKlilgsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts^hDPsg., im Reklamenchelk die Zelle 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Dcrantwsrtl. Redakteur: O. Sch-recker in HauM, .

Nr. 33 Ferusprechanschlnß Nr. 605.

Dienstag den 9. Februar

Fernsprechanschluß Nr. 605

1904

2irtrLtiches.

Stadtkreis hanau.

Polizeiverordnung, betreffend den Maulkorbzwang für Hunde.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867, die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen betreffend und der §§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird nach voraufgegangener Beratung mit dem Magistrate zu Hanau folgende Polizeiverordnung für den Stadtkreis Hanau erlassen.

8 1.

Hunde der nachbenannten Rassen:

1. Bernhardiner,

2. Doggen (Deutsche, Ulmer, Dänische Doggen und ihre Abarten),

3. Bullenbeißer und Bulldoggen,

4. Fleischerhunde jeder Art,

5. alle bissigen Hunde

müssen, sofern sie auf öffentlichen Straßen und Plätzen sowie an Orten, an denen Menschen zu verkehren pflegen, umher­laufen oder sich aufhalten, mit einem Maulkorb versehen sein, welcher das Beißen unmöglich macht, ohne jedoch die Tiere am Saufen zu behindern. Dem Maulkorbzwang unterliegen ferner Kreuzungen der unter Ziffer 13 aufgeführten Hunde­rassen sowie auch Ziehhunde, so lange sie eingespannt sind.

Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser Polizei­verordnung werden, soweit nicht nach § 366 Nr. 10 des Reichsstrafgesetzbuches eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Geld­strafe bis zu 30 Mark, an deren Stelle im Unvermögens falle eine Haftstrafe bis zu 3 Tagen tritt, bestraft.

8 3.

Hunde, welche den obigen Bestimmungen zuwider, frei ohne Maulkorb umherlaufen, werden eingefangen. Erfolgt die Einlösung derselben nicht binnen 5 Tagen gegen Erlegung des Futtergeldes von 2 Mark, so erfolgt die Tötung der Hunde.

8 4.

Die Polizeiverordnung tritt am Tage der Veröffentlichung in Kraft. *

Hanau den 5, Februar 1904.

Königliche Polizei-Direktion.

P 755 v. Beckerath.

Landkreis Danau.

ManMmachiWen des Königl. Landratsamtes.

Die Beschäler des Königlich Hessen-Rassauischen Land- aestüts in Dillenburg werden am 16. d. Mts. auf Station Wilhelmsbad eintreffen, wovon ich die Pferdezüchter des Kreises in Kenntnis setze. Für dir Benutzung der Landbeschäler sind die in den öffentlichen Aushängen der Deckstationen angegebenen Bedingungen maßgebend.

Die Herren Bürgermeister mache ich darauf aufmerksam, daß die Abfohlungsergebnisse in die Ihnen zugehenden Deck­register recht genau einzutragen und letztere bis spätestens 20. Juni er. an den betreffenden Stationswärter zurück- züsenden sind.

Die Züchter sind daran zu erinnern, die fälligen Deck- und Füllengelder ungesäumt an die Stationswärter zu zahlen. Hanau den 3. Februar 1904.

Der Königliche Landrat.

V 782 v. Beckerath.

Hus Stadt und £and.

Ha»att, 9. Februar.

Historische Gedenktage.

0. Mehrttar 1556 wurde die Neustadt Frankenberg, welche bisher ihren eigenen Rat, ihr eigenes Recht, Gericht und Siegel gehabt hatte, mit der Altstadt zu einer Stadt, mit einem und demselben Rate, Gerichte und Siegel ver­bunden. In der Weise, wie Frankenberg bis dahin eingerichtet war, waren die meisten ötäbte alten Ur­sprungs eingerichtet: sie waren Doppelstädte; die neuen Ansiedler hatten mit den alten nicht von vornherein alles Recht gemeinschaftlich, wie man sich das jetzt als sich von selbst verstehend denkt, sondern umgekehrt: es verstand sich von selbst, daß jede Ansiedelung alles ab­gesondert für sich hatte, und was sich nicht von selbst verstand, sondern eigens verabredet und sestgestellt werden

mußte, das war eben das Gemeinschaftliche. So war es mit Cassel (Altstadt und Freiheit, und noch viel später deutsche Stadt und französische Stadt, d. h. Oberneustadt) mit Homberg, mit Hanau sonst aber mit Danzig, mit Königsberg und mit sehr viel andern deutschen Städten; so war es auch mit dem alten Rom.

9. Februar 1763. Danktag in Hessen-Cassel wegen der Beendigung des siebenjährigen Krieges.

* Chejubiläums-Medailleit. Während des Jahres 1903 sind 1494 Ehejubiläums-Medaillen verliehen worden. Davon entfallen auf die Provinzen: 1. Ostpreußen 36, 2. Westpreußen 33, 3. Brandenburg mit Berlin 207, 4. Pommern 96, 5. Posen 55, 6. Schlesien 132, 7. Sachsen 171, 8. Schleswig-Holstein 98, 9. Hannover 175, 10. West­falen 144, 11. Hessen-Nassau 77, 12. Rheinland 270, zu­sammen 1494. Von den mit der Medaille beliehenen Ehe­paaren gehörten 1125 der evangelischen, 309 der katholischen Konfession an, 17 lebten in evangelisch-katholisch gemischter Ehe, 1 Ehepaar war altkatholisch, 1 gehörte der Mennoniten-, 1 der wallonisch-reformierten, 1 der Baptistcn-Sektc, 1 der Gemeinschaft der Adventisten vom siebenten Tage, 38 der jüd. Religion an; 15 Jubelpaare feierten das 60jähr. Ehejubiläum.

* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Duisburg, Ruhrort, Homberg (Rhein), Elberfeld, Barmen, Langenberg (Rheinland), Neviges, Essen (Ruhr), Borbeck, Stcele, Saarburg (Lothr.) und Frankenberg (Hessen - Nassau) ausgedehnt worden.

0 Sttstungsseft des ersten Zimmerstutzen- vereins in KestelstaDt.Es geht nichts über die Gc- mütlichkeit," dieses jedermann so geläufige Wort faud am ver­gangen Sonntag bei dem Stiftungsfest des ersten Zimmer­stutzenvereins in Kesselstadt seine rechte Würdigung. Die Mit­glieder hatten sich mit ihren Angehörigen sämtlich eingefunden. Auch waren auf die Einladungen hin eine Menge Freunde des wohllöblichen Vereins und Verehrer des edlen Sports er­schienen, sodaß die Feier gegen halb 8 Uhr ihren Anfang nehmen konnte. Nachdem die letzten Akkorde der Festouvertüre verklungen waren, ergriff der Vorsitzende Herr K. Stock das Wort. Nach Begrüßung der Anwesenden sprach er ihnen für ihr zahlreiches Erscheinen seinen innigsten Dank aus. Er ent­warf in beredten Worten ein klares Bild von dem Streben und der Tätigkeit des Vereins in den letzten Jahren, wie er sich von kleinenMnfängen zu solcher Blüte entfaltet habe, daß er sich jedem anderen Vereine, der diesem Sport huldige, würdig an die Seite stellen könne. Gerade in dem letzten Jahre hätte der Verein ausgezeichnete Resultate erzielt, sowohl in sportlicher als auch in pekuniärer Hinsicht. Die Begeiste­rung, mit der alle Anwesenden in das Hoch des Vorsitzenden auf das fernere Wachsen, Blühen und Gedeihen des Vereins einstimmten, bewies am deutlichsten, welche Sympathie und Hoch­achtung sie ihm entgegenbringen. Hieran schloß sich die Polo­naise. Sodann schritt man zur Preisverteilung, die zu folgen­dem Resultate führte:

Im Strohschießen erhielt

den 1. Preis Herr Schmidt, Hanau,

2. ' Friedrich Zahn, Hanau,

3. August Gcibel, Kesselstadt,

4. Friedrich Menger, Hanau,

5. Herr Maul, Kesselstadt,

6. Thielemann, Hanau, 7. Jean Emmerich, Kesselstadt,

8. Karl Hain, Hanau,

9. Georg Löther, Kesselstadt, 10. Friedrich König, Kesselstadt,

11. Fink, Hanau,

12. Konrad Stock, Kesselstadt,

13. Gerling, Hanau,

14. Rudel, Hanau,

15. Fritz Haas, Kesselstadt,

16. Wilhelm Zahn, Hanau.

Ehretischeiben erhielten:

D ie 1. Herr Thon, Hanau,

2. Friedr. Menger, Hanau,

3. Wilh. Zahn, Hanau,

4. Friedrich König, Kesselstadt,

5. Friedrich Zahn, Hanau,

6. Karl Hain, Hanau.

Nachdem die erste Freude über die hübschen Preise vorüber war, konnte die Festlichkeit ihren offiziellen Fortgang nehmen. Es schloffen sich hieran unter Musikbegleitung die wohl­gelungenen Gruppenbilder des Kesselstädter Turnvereins, der seine Kräfte in den Dienst der Sache gestellt hatte. Nach Be­endigung des Programms vergnügte man sich noch bis spät in die Nacht hinein an Tanz und Musik. Und als man sich

endlich anschicken mußte, den heimischen Penateu zuzusteuern, da tat es jedem leid, daß die gemütlichen Stunden schon vor­über waren,

* Stadttheater. Morgen Mittwoch gelangt eines der besten Lustspiele der deutschen Bühnen»Literatur, Lessing's: Minna von Barnhelm", neu einstudiert, zur Auf­führung. Das hier seit mehreren Jahren nicht gegebene herr­liche Werk dürfte sicherlich eine freundliche Aufnahme finden. Die Hauptrollen liegen in den Händen der Damen Burchard, Jirsak und Urban sowie der Herren Merker, Fink, Knauth, Gehrmann und Nauendorf.

* Benefiz Becker. ' Am Freitag findet wie schon ge­meldet der Ehren-Abend unseres jugendlichen Helden Herrn Carl Becker statt und gelangt dabei O. E. Hartleben's Offizierstragödie:Rosenm ontag" zur Aufführung. Herr Becker hat sich durch seine hervorragenden Leistungen die größte Beliebtheit des hiesigen Publikums errungen und bedauern wir, daß derselbe am Ende dieser Spielzeit unser Theater verläßt, um einem Rufe an eine der größten Bühnen zu folgen. Wir wünschen dem jungen Künstler, der bliri seinen Fleiß und seine Begabung so viel Schönes geleistet hat, als Anerkennung an seinem Benesiz-Abend ein ausverkauftes Haus.

* Ein Unfall, der leicht verhängnisvolle Folgen hätte haben können, ereignete sich gestern vor der am Wallweg be­findlichen Zigarrenfabrik von Deibel u. Co., bei welcher durch das Gespann einer anderen hiesigen Fabrik Tabaksrippen ab­geholt wurden. Das Pferd des mit ca. 30 Zentner beladenen Wagens glitt auf dem schlüpfrigen Boden aus und fiel, den schweren Wagen mit sich reißend, den Wallabhang herunter; glücklicher Weise blieb der Wagen an einer mit schweren Eisen- pfosten verwahrten Stange der elektrischen Leitung hängen, so­daß das Vorderteil desselben frei in der Luft schwebte und nur diesem Unistand ist es zu verdanken, daß Menschen und Tiere mit dem Leben davonkamen. Besonders hervorzuheben ist hier, daß die sich sonst bei solchen Gelegenheiten an- sammelnden Zuschauer sich nicht weiter, als bis an den Ein­gang des Wallwegs am Deutschen Haus wagten, bei dem schauderhaften Zustand des Wallwegs fürchtend, im Schlamm desselben stecken zu bleiben. Es wäre dringend notwendig, daß hier um weiteren Unfällen vorzubeugen, eine Verbesserung des Weges vorgenommen würde.

* Tierfchtthverein. Auf der diesjährigen Jahres­versammlung des Verbandes deutscher Thierschutzvereine wird in Berücksichtigung der Wichtigkeit der Verhandlungen auch der Hanauer Tierschutzverein vertreten sein. Als Delegierter wurde in der gestrigen Vorstandssitzung Herr Stadtsekretär Fischer gewählt.

* Gatttag. Vorgestern fand zu Enkheim der Gautag des deutschen Athleten-Verbandes statt. Aus dem Jahresbericht war erfreulicher Weise zu ersehen, daß eine bedeutende Stei­gerung der Mitgliederzahl eingetreten ist. Da überhaupt in den letzten 10 Jahren der Verband eine stete Vermehrung an Mitgliedern zu verzeichnen hatte, so wurde schon früher die Kreiseinteilung (und zwar in 13 Kreise) bewerkstelligt, mit Berücksichtigung der geographischen Lage. Auch in den ein­zelnen Kreisen hat sich die enorme Steigerung der Mitglieder- zahl sehr bemerkbar gemacht, sodaß man sich gezwungen sah, eine Gaueinteilung vorzunehmen, speziell der 2. Kreis schließt die Gegend Köln a. RH. bis Kahl, Alzenau (Bayern) in sich und dieser hat sich nun in drei GaueMain- und Rheingan", Maingau" undMain- und Taunusgau" eingeteilt. Letzterer Gau, dem derAthletenklub Germania", sowie derStemm- und Ringklub Eiche", Hanau, beigetreten sind, hielt wie eingangs erwähnt am letzten Sonntag seinen Gautag in Enkheim ab. Es standen folgende Punkte auf der Tagesordnung: 1. Kassen­bericht, 2. Jahresbericht vom gesamten Deutschen Athletenver­band, 3. Statutenumänderung, 4. Gaufest, 5. Vorstandswahl, 6. Verschiedenes. Beschlossen wurde u. a., das diesjährige Gaufest in Enkheim, und zwar am 18., 19. und 20. Juni abzuhalten. Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

1. Vorsitz. I. Kraßl, Offenbach, 2. Vorsitz. P. Schn-c, Hanau, 1. Schriftf. B. Kraut, Offenbach, 2. Schriftf. G. Müller, Hanau, 1. Kaff. I. Bacher, Slnterliederdach,

2. Kaff. M. Krug, Enkheim. Zu Revisoren wurden K. S ch a a ck, Großkrotzenburg unb I. Brenecke, Berges ms Instrukteur Pf. Pfeifer, Ried gewählt. Zum Schluste hielt Herr Vältum einen sehr lehrreichen Vortrag uoer Die Athletik und deren Zweck," welchem die zahlreich er­schienenen Vertreter die größte Aufmcrkfanikcit zuwmrden. JL arbeitsreiche Sitzung begann vormittags 10 Uhr eno« erst gegen 6 Uhr abends. .

* Unwetter. In verflossener Nacht wütete ein orlan- artiger Sturm, der jedenfalls an den Dächern großen Dwaden angerichtkt hat.

* Biehmarkt. Morgen früh findet dahier Zucht- und Fettvieh-Markt statt.