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Zweites Blatt

anauer

Anseiger

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- «Lrtige Monnenten mit dem betreffenden Popaustchlag, Die einzelne Nummer kostet 10 M.

GtAnal-Auztiz«

EinrüiknugK-zedühr:

Für Stadt- und Landkreis Haumr 40 Pfg. die fünf« gUMittue MitMe Ä!« berät Saunt, fib BuSroartS 15 P^S» im VLeunArcheil die Z«L« 25 Wg^ für AuSwärtS SS Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckers! beZ »««tt, ev. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit ArÄlttchme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Deraniroortl. Redakteur: T. Schr-aLsr in Hanau,

^r 20

Fernsprechanschluß Nr. 605.

Montan den 25. Ja uar

Fernsprechanschluß Nr. 605

1904

Amtliches.

Ausschreibett Zitr Ne^beietzunq dev Stelle eines Fstzlenverwaiiers anf der Kohlenweide im Tier­garten hei Bieberstein.

Die Stelle des Fohlenverwakters auf der Fohlenhute zu Bieberstein soll >0'ort besetzt werden; der Fohlenverwalter be­zieht einen jährlichen baren Gehalt von 600 Mark.

Außerdem bat derselbe freie Wohnung, freie Benutzung eines Gartenstücks, sowie einiger Obftbäume nach näherer Be­stimmung.

Ferner erhält derselbe ungefähr 61/* Acker Dienstland, so­wie die Erlaubnis zur Haltung von drei Kühen und einer Anzahl Schweine nach Maßgabe der vorhandenen Ställe.

Endlich wird demselben die Führung der Gastwirtschaft auf der Fohlenweide auf seine Rechnung übertragen.

Die Stelle ist nicht penlionsberechtigt.

^es im Bureau der Landwirtschaftskammer zu Cafsel, Schomburgur. 3, wohin auch etwaige Meldungen zu richten sind.

Der Vorstand

der Landwirtschastskammer für den Reg -Bez. Cassel.

V 480 H. E. von Stockhausen.

Stadtkreis Danau 8etomitm*Hgen des Oberbürgermeisteramtes.

Steuererhebung.

Wie machen darauf aufmerksam, daß die Zahluug der Steuern und des Schul­geldes fchr die Mouate^ JauuarMSrz 1904 für diejenigen Steuerpflichtigen, deren Sieucrzettel eine der Nrn. 30016000 aufweisen, in der adt vom 23. Januar bis 2. Februar 1904 stattzufinden hat.

Im Wrigen verweisen wir auf die uns dem Steuerzettel aufgedruckten Be- stimMungen.

Vom 29. bis 30. Januar 1904, vorm. 10 Uhr, bleibt die Steuerkasse der Revision wegen geschloffen.

Hanau den 32. Januar 1904.

___Stadtkasse.__1518

Hanauer Ortskrautenkasse.

Bekanntmachniig.

Die Besitze der noch im Umlauf befindlichen Kranken- kafsenmarken Allerer Ausgabe mit Aufdruck von 21, 30, 39, 48, 57, 66, 75 und 84 Pfennig, sowie Eintrittsmarken von 75 Pfg. bis 3 Mark werden hiermit zur Einlösung dieser Marken bei unserer Hauptkafle bis spätestens zum 36. Februar d. Js. auiqeforderr.

Dom 37. Februar ab werden die genannten Wertzeichen nicht mehr eingelSst und hiermit gleichzeitig als wertlos erklärt.

Hanau, 23. Januar 1904.

Der Borstand der Hanauer Ortskrankenkasse.

J. Schabt,

Vorsitzender. 1575

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 23. Januar,

Erste Etatsberatung.

Der Aniraa S zum an auf Einstellung des Strasses fahrens gegen Niego'ewjki wird angenommen. Es folgt die erste Etatiberaumg. Anwesend sind: Reichskanzler Graf v. Bülow, die Minister Frhr. v. Rheinb oben, Dr. Studt, Frhr. v. Hammerstein und Budde. Als erster Redner gedenkt Abg. Limburg-Stirum (kons.) der ickwcrcn, nun glücklich behobenen Krankheit deS Kaisers, die zeigte, mit wie festen Banden das Volk mit dem Hohen- zollernhanse verknüpft ist. Die Hauptaufgabe der Parteien und der StaaiSregierung sei, zusammenzustehen gegen die politische Verhetzung und nicht einander anzugreifen, wie einzelne Nationalliberale es gegenüber den Konservativen getan hätien. Redner bespricht dann die Matrikularbeiträge und das Ver­hältnis der Einzelstaaten zum Reich, fordert vom Reichskanzler eine schärfere Kontrolle der einzelnen Reichsr-ssorls, freut sich über die glänzende Entwickelung der preußischen Finanzen und

bedauert, daß die Landwirtschaft nickt an dem allgemeinen Aufschwung teilgenommen hat. Wenn so viel Aufwendungen für die Sckiffbormachung der F'ußläufe gemacht würden, wäre auch die Erhebung gewisser Sckiffadrtsabgaben billig. Die Kanalvorlage werde von den Konservativen nicht nach poli­tischen Momenten, die von anderen Parteien hinein getragen wurden, sondern nach der wirischastlich-n und finanziellen Seite mit Wohlwollen geprüft werden. Redner spricht die Befürch­tung aus, die großpolniiche Agitation möge zu einer sozial- demokratischen auk wachsen, fordert energische Gegenmaßregeln und hofft, der Krimmitsckauer Streik werbe zu einem allgemeinen ! deutschen Arbeitgeberverband führen. Wenn der Reichskanzler das stolze Wort gesprochen:Wr gegen ein Staatsgesetz ver­stoße, solle gefaßt wrben", so frage er, ob nichts geschehen solle, daß der, wer so unerhörte Ausichreiiungen verschuldet habe, nicht der Staatsanwaltschaft überliefert werde. Abg. Richter (freif. Dpi.) wendet sich gegen die Geheimnis­krämerei des Ministers Frtr. v. Rheinbaben, der die wider Erwarten günstigen Jahres-rgebn sie von 1902, obwohl er sie bereits im Juli kannte, nicht bekannt gab. Die StaaNbilanz habe sich feit 1895 durch Verminderung der Staatsschuld und Besserung der Aktiva um zwei Milliarden verbessert, das nenne er Tbesaurierunaspolitik. Der Finanzminister habe gejammert, er könne dem Reich nicht 15 Millionen mehr bewilligen, wo doch Preußen heidenmäßig viel Geld habe. Redner bedauert die zu niedrigen Einuahmrsätze, die eS dem Minister später leicht machten, sich als Goldorkel hinzustellen. Das komme daher, weil das Haus kein Einnabmebewilligungsrecht habe. Redner bemängelt dann einzelne MebrauSgaben, fp^ieU den Polenfonds, und wendet sich gegen die Errichtung der Residenz- schlösser auf Staatskosten. Redner fragt, wo das neue Schul­gesetz und das Lchuluuterhaltuußsgesetz geblieben sind und be­klagt sich über die Zerstückelung der Kanalvorlage, deren Hauptstück fehle. Der Minister hoffe zwar noch, aber was sei hier nicht schon alles gehofft worden. Minister Budde habe das ganze Kanalprogramm einfach in die Tasche gesteckt als Nachfolger des Ministers, der sagte, gebaut wird er doch. Finanzielle Gründe sollen maßgebend sein, aber Sie strecken die Waffen vor der agrarischen Mehrheit. Wer nachher den Degen in die Scheibe stecken will, soll nicht so mit dem Schwerte rasseln. Ministerpräsident Graf v. Bülow: Meine Herren! Ich darf eS dem MiMer für Landwirtschaft überlasten, auf die Auslassungen des Vorredners über den Totalisator und die damit zusammenhängenden Fragen zu er­widern. Ich möchte meinerseits nur das Bedauern ausdrücken über die Art und Weise, wie der Vorredner grundlos die Person deS Könias in die Diskussion zog. (Zustimmung recht«) Ich möchte hinzutügen, daß daS Interesse Sr. Majestät für die Hebung der Landekpferdezucht durchaus nicht auf irgend­welche per'öntlche Liebhaberei, sondern auf die richtige Einsicht in den Wert dieses Zweiges der Landwirtschaft zu: ückzufübren ist. wie auch auf dir Rücksichten auf die Erhaltung unterer Wehrkraft. Ich hatte gehofft, daß Richter mir in wirtschaft­lichen Fragen Zeit gewähren würde, bis bis betreffenden Ge- setzmiwürfe dem Haus, vorliegen. Nachdem er aber schon heute über mich Verfiel wie Zielen aus dem BÄch, muß ich Mich gegen seine Angriffe zur Wehr setzen. Richter warf mir und der StaaiSregierung Inkonsequenz vor und meinte, daß in der ursprünglichen Kanalvorlage die Regierung den Bau eines KanalS vom Rhein biS zur Ölb« inS Ange gefaßt hätte und daß bei der großen wasterwirtschsftltcken Vorlage von 1900 der Mittellandkanal noch das Hauptkück war und daß die jt$t in der Thronrede angekündigte Verlage nur dem Osten nutze und daß dabei der Westen zu kurz komme. Er nahm Bezug auf meine Erklärung vom 3. Mai 1901, daß die wirtschaftliche Vorlage ein zusammenhängendes Ganzes bilde. Daraus entnimmt Richter den Vorwurf der Inkonsequenz. Das ist der unberechtigste Vorwurf, der mir in meinem poli­tischen Leben gemacht worden ist; ich betone stets, seitdem ich Ministerpräsident bin, daß die Behandlung der wass« wirt­schaftlichen Frage auS'chließlich vom wirlichafüichen Stanepuntie aus zu erfolgen habe, und daß batet in erster Linie praktische Gesichtspunkt maßgebend sein müssen. Ich blieb aber in der Behandlung dieser Frage durchaus konsequent. Im übrigen muß ich es ablthnen, ein Konsquenzmacher zu sein. Die Re­gierung muß mit tatsächlichen Verhältnissen rechnen. Schlesien und das Oderqebiet war im vergangenen Jahre der Schauplatz einer Hockwasserkatastropbe, so schwer wie je kaum zuvor. Tatsache ist, daß dabei sogar Menschenleben verloren gingen, daß wiederholt große Summen aus Staatsmitteln zur Be­seitigung uns Verhüiung der Schäden flüssig gemacht werden mußten. Diese Tatsachen legen mir als preußischen Minister­präsidenten die Pflicht auf, den betroffenen Landesteilen unter die Arme zu greifen und Vorkehrungen zu treffen gegen eine Wiederholung derartiger verhängnisvoller Ereignisse. Die Staatsregierung ist auch heute der Ansicht, daß eine das ganze

Gebiet der Monarchie durchquerende Wafferstraße der wirtschaft liHen Entwick^una des Laudes außerordentlich förderlich fein würde.

N»ch den Ereignisten des letzten Jahres glaubt die Smatsregierung, daß von allen wafferwirtschafilichen Vorlagen die Herstellung wirksamer Shutzmaßregeln gegen die Hochwaffergefahr an der Oder und Spree die drängendste ist. Indem die Staats- reoierung das Schutzbedürfnis des Ostens in erste Linie stellt, hofft sie, daß das Haus den Wünschen des Westens, soweit sie als notwendig anerkannt fhtb, aus Gründen ausqleichender Gerechtigkeit zustimmen wird. Die Regierung bofft so die Streitfrage, die nur zu lange hemmend und störend gewirkt bat, durch ein allseitig annehmbares, positives Ergeb«is aus der Welt zu schaffen. Richter warf mir weiter Nachgiebigkeit vor und meinte, ich hätte die Waffen gestraft vor den Agrarier«, vor der Rechten, vor der Mehrheit dieies hohen Hauses. Dieser Vorwurf aus Nickers Munde berührt mich eigentümlich. Richter will doch liberal mrd konstitutionell feim ich habe immer gefühlt, daß ich eignitlich viel liberaler uns ksnstttutioneller bin als Richter. (Heiterkeit.) Ich möchte mit der Mehrheit des Hauses rechnen. Richter will, daß ich ihr über den Leib g^e und mich gar nicht um ihre Wünsche kümmere. Richter ist liberal und konstiwttouell, möchte aber die Reserv&tio maLen, daß das Haus absolut seinen Willen tut; es soll hier gehen wie in jener Ebe, wo die Frau zu dem Manne sagt:Kenn wir beide derselben Meinung sind. hast du recht, wenn oerftb»ebener, habe ich recht." (Heiterkeit.) Jch halte eS für die Pflicht des Ministerpräsidvckeu, das mög­liche zu tun, um eine E^tfremi-uvg zwischen der Regierung und den staatS^chÄfendev Faktoren zu verhindern, welche mit der Regierung die Grundlagm verteidige« wollen, auf denen die Monarchie auf gebaut ist. Redner geht sodann auf die ein­zelnen AusführunIL-l Limburgs ein. Er dankt ihm für die treffliche C:«rak,e^rung best vor luftiges Tagen verstorbenen Ministers May^ach. Was die von ihm anzezsgene Frage d-r Handelsverträge betreffe, so habe Redner im Reichstage keinen Zweifel gelogen, daß er jedem Eingreifen in verfassungsmäßige Rrchte der Einzel­staaten entgegentreten müßte. Er müsse daher auch hier ent- ichceden warnen, Themata zu bthand^s, die nicht vor das Forum des Hanles gehören. Wn» Nmburg fürchte, die Handelsverträge könnten zum Rachtell der Landwirtschaft aus- fallen, so erwidere er, daß er in die HandelSvrrtragsoerhand- lungeu mit dem Vorsatz eingetreten ki, für die Landwirtschaft soviel durchzurtzen, als bis Rücksicht aas andere Erwerbsstände und auf das Gemeinwohl irgendwie zuli<ßen, übrigens handle es sich dabei um die Prüfung von 950 Positionen. Das könne nicht von heute auf morgen gescheht«. Die verbündeten Re­gierungen seien von dem Wunsche erMt, sobald als möglich den AoStarif in Kraft treten zu lasten «so die Vorteile, die er der Landwirt schart gibt, ihr baldmöglichst z« gewähren. Er wünsche aber, daß die Position unserer Unterhändler von allen Seiten gestärkt werbe, auch dadurch, daß man «ns Vertrauen schenkt, daß wir die Interessen der heimÄlicken Arbeit mit der­selben Entschiedenheit und Sachkenntnis wuwnehmen werden, wie das bei den Unterhändlern der anderen Rationen voraus­gesetzt wird. Limburg hat ferner Vorwürfe gegen den Slaats- fefretär des ReichZamteL des Innern erhob««, der nicht ge­nügend flr den Mittelst«,d einträtej darin tut er ihm sehr Unrecht. Ich bin mir der Bedeutung des Kleingewerbes, des Kleinhandels, des Handwerkerstandes f|r weite greife deS Volke« bewußt und weiß, daß sie eines bedeutsamen Faktor barSeUes, besten Pflege für uns von dem allergrößten Jn- ierefse ist. Ich weiß auch, daß die moderne Entwicklung der Dinge ihneu den Exifterzkampf sehr erschwert. Wir kön«en die wirtschaftliche Entwicklung nicht zurückschrauben, können aber ausgleichend eingreifen, soweit der wirtschaftlich schwache Teil sich nicht aus eigener Kraft wehren kann. In

dieser Richtung sind wir nicht stillgeftanden. Ich ver­weise als Bei'piel auf daS Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Richter sprach anch von der Polenpolitik. Ich erwidere, daß von polnischer Seite unsere Ostmarken- politik nickt mit solcher Leidenschaft bekämpft werden würde, wenn unsere Maßnahmen schartige Waffen wären, und daß, wenn sie für den Zweck noch nicht geeignet wären, sie noch zu verschärfm wären; ich glaube weiter, daß der leitende Ge­danke der Gesetze zur Stärfung des Deut'cktumS im Osten viel bessere Früchte trägt, je ruhiger, fester und konstquenter wir die Ostmarkenpolitik fortsetzen. Limburg ^rührte an» b« Verhälinisie in Oberschlesien. ES unterliegt für mich keinem Zweifel, daß die großpolnische Agitatio« in Oberschlesien all­mählich bewußt einen direkt aniipreußück-'n und aniideuls^en Charakter annahm. Sie verfolgt zweif-LoS die Abncht, ^d:e Bevölkerung von Oberschlesien psn dem Deutschtum abzulösen und dem Großpolentum zuzuführen; dazu dienen die Presse, die Vereine, Versammlungen und Volksk bliotheM, andersrits die Versuche der Parzellierungsbauken. Umso großem Wett