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Erstes Blatt

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Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- »artige Ilbonnentm mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Geruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Geueral-Luzeiger.

Amtlilhks GMN fit Mt- md MKrels Kam

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamen theil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Derantwortl. Webakteur; S. Schre2er ra H««««,

M J 8 Fernsprechanschluß Nr. 605.

Freitag den 22. Januar

Fernsprechanschluß Nr. 605

1904

Amtliches.

Bekanntmachung.

Der Plan über die Errichtung einer obevir^ischeK Telegraphenlinie an dem Wege von Nieberrodenbach nach Oberrooenbach liegt bei dem Postamte in Hanau aus.

Cassel, 15. Januar 1904.

Kaiserliche Ober-Postdirektion.

Hoffmann. 1471

Stadtkreis Danau.

Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat Er­hebungen über die Zahl der bei den Gewerbetreibenden vor­handenen Maß- und Wiegegeräle angeordnet. Diese Er­hebungen beschränken sich nicht nur auf offene Verkaufsstälten, sondern erstrecken sich auch auf Engrosgeschäfte, auf Fabriken, die ihre Ware vor dem Versand verwiegen oder vermessen, jedoch abgesehen von den dem innern Betriebe der Fabriken dienenden Meß- und Wiegegerälen und endlich auch auf land- wirlschaftliche Betriebe, in denen ein regelmäßiger Verkauf der Erzeugnisse (Vieh, Getreide ic.) statifindet.

Mit der Aus>üirung der Zählungen wird in der nächsten Zeit begonnen werden.

Die beteiligten Gewerbetreibenden ersuche ich, die mit der Zählung beauftragten Schutzleute bei dieser Arbeit zu unter­stützen.

Hanau den 21. Januar 1904.

Königliche Polizei-Direktion.

P 9309 v. Beckerath.

Am Dicnstaft den 28. d. Mts., von 121 Uhr Mittags, wird der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda in einem Zimmer des hiesigen Standesamtes im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu Be­sprechungen geben.

Hanau den 21. Januar 1904.

Königliche Polizei-Direktion.

P 526 I. A.: Lehfeldt, Reg.-Assessor.

Bus Stadt und Cand.

Hanau, 22. Jannar.

* Reichstagsabgeordneter Dr. Lucas und die Kaufmannsgerichte. In der gestrigen Reichstagssitzung ergriff bei der ersten Beratung des Gesetzentwurfs über die Kaufmannsgeri^te der Vertreter unseres Wahlkreises, Herr Amtsrichter Dr. Lucas-Langenselbold, das Wort, ausführend: Der Entwurf erregt, so wie er vorgelegt ist, bei mir große Bedenken. Die deutschen Richter sehen den Entwurf zum größten Teil mit ganz anderen Augen an, als die Mehrheit dieses Hauses. Wenn Herr Trimborn konsequent geweien wäre, hätte er sich für die Angliederung an die Amtsgerichte aussprechen müssen; denn die Gründe, die er dafür anführie, waren viel stärker. Ich für meine Person begrüße die Herein­ziehung von Laienrichtern, weil mir die Sachkunde dieser Herren sehr wertvoll ist und weil diese Laien eine Frische und Natür­lichkeit mit sich bringen, die der Berussrichter leicht verliert. Der Entwurf überschätzt allerdings die Sachkunde der Laien­richter; sehr oft ist sie nicht vorhanden. Am meisten .bedauern die Richter aber die Angliederung an die Ge- ! werbegerichte. Die schnelle Rechtspflege, di: die Kauf­leute mit diesem Entwurf erhalten, beanspruchen andere Kreise auch. Gegen die Amtsgerichte führt man vornehmlich an die Teuerkeit dieses Verfahrens. Wenn wir aber die Interessen der Rechtsprechung fiskalischen Rücksichten unterordnen, dann sind wir mit unserer Rechtspflege am Ende. Mit den Kauf- mannsgerichien wird ein drittes Gericht geschaffen, und die Zuständigkeilsfrage wird selbst von drei Gerichten oft ent­schieden werden müssen, den Amts-, Gewerbe- und Kaufmanns- gerichten. Das Gesetz verlangt zum Vorsitzenden Juristen oder höhere Perwaliungsbeamte; da man sehr oft den Amtsrichter als Vorsitzenden finden wird denn die Landräte und An­wälte scheiden aus, kommt man zu einer Personalunion ' zwischen Kaufmanns- und Amtsgericht, die man mit aller Kraft vermeiden will. Den Richtern wird oft der Vorwurf gemacht, daß sie kein Verständnis für die wirtschaftlichen Forderungen unserer Feit haben und sich damit immer mehr dem Volke entfremben. Schrrichiiq I bei den Sozialdemokraten. Diesen Vor­wurf muß ich aus das entschiedenstes zmückweisen. (Leifall.) Wenn Sie aber mit solchen Sondergesetzen weitere Fortschritte machen, so werden Sie die Richter am allerersten dazu bringen, die Fühlung mit den breiten Volksschichten zu verlieren. Unser Leben ist aber so reich und vielgestaltig, eS wird unsere Richter schon vor dem Einrosten bewahren. Wir haben in Deutsch­

land nicht, wie die Sozialdemekraten betonen, zweierlei Recht und zweierlei Gerechtigkeit, ein gesetzliches und ein von der öffentlichen Meinung gebildetes Recht. Deutsche Richter sind sich ihrer Unabhängigkeit bewußt und wissen, daß sie daS Ver­trauen, das man ihnen entgegenbringt, nicht geistloser Buch­staben jurisprudenz verdanken, sondern einer den Bedürfnissen und Forderungen deS wirtschaftlichen und sozialen Lebens sich anpasienden Rechtsprechung. Sollte sich in der Kommission die Notwendigkeit ergeben, dieses Sondergesetz zu verabschieden, so will ich nur wünschen, daß die KaufmannS-crichte, mögen sie nun den Gewerbe- oder Amts-erichten angogliedert werden, in den Bahnen der Unabhängigkeit deutscher Gerichte wandeln mögen, damit sie sich das Vertrauen des deutschen Volkes er­werben. (Beifall bei den Nationalliberalen.)

* Mainhafen. Die gestrige Stadwerordneiensitzung stand im Zeichen des Mainhafenprojekis. Stadtverordneten- Vorsteher Eanthal, der unermüdliche Vorkämpfer in dieser AngelegenL-it, legte in nahezu zweistündigem Referat die ein- schläq^'n Berdältnisse dar, worauf sich eine äußerst bemerkens­werte Debatte entwickelte. Die Verhandlung endete damit, daß die Stadtverordneten für den Bau eines Hafens stimmten, mit der Maßgabe, daß der Beschluß ein prinzipieller sei und unter der Bedingung gefaßt sein soll, daß die Laukosten den Betrag von 860,000 Mk. nicht überschreiten, daß eine Nach­prüfung des ausgestellten Projektes durch Sachverständige die Ausführbarkeit und Zweckmäßigkeit dickes Projektes ergibt, und daß die Staatsregierung die Ausführung des Projektes genehmigt. Einige weitere Bedingungen betreffen die Her­stellung von Eisenb:hnumscklagtarifen für Hanau, die Be­freiung des Hanauer Um'chlaqsoerkehrs von Kanal gebühren, den Bau und Betrieb der Hafenbahn, Ab-reiung von Ha^en- gelände, bie> Amortisation der für den Hafenbau und Ge« ländeerwerb auszunehmenden Anleihe und die Etnoemeindung eines Teiles der benachbarten Großauheimer Gcmaikung.

* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Aachen, Eschweiler und Etolberg (Rheinland), sowie wäh­rend der verkehrschwachen Zeit auf Düren (Rheinland) aus­gedehnt. Auch ist Hpnau zum Sprechserkehr mit Allen, Almelo, Apeldoorn, Deventer, Doesburg, Dock um, Enkhuizen, Enschede, Franeker, Heerenveen, Kämpen, Meppel, Oldenzaal, Sneek, Watzeningen und Winters« y k zugelassen. In den gesperrt gedruckten nieder­ländischen Orten ist nur das Reichs Fernsprechbareau zum Ver­kehr zugelassen, an den übrigen Orten sowohl das ReichS- Fernsprechbureau, als auch das Ortsfernsprechnetz.

* Sprechstunde des Gewerbe-Inspektors. Der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda wird am Dienstag den 26. d. Mts., von 121 Uhr mittags, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeit­gebern und Arbeitern Gelegenheit zu Besprechungen geben.

* Mustkalisch-deiklamatorische Veranstaltung in Gunsten des Diakonifsenheims. Der Kantor der Wallonischen Gemeinde, Herr Ledrer Karl Appel, und Herr Heinrich Appunn, der bekannte Cellist und Baritonist, haben sich vereint, um mit Hinzuziehung geeigneter Kräfte einen musikalischen Abend zu verunstalten, beffen Ertrag dem Bau- fonds für den Erweiterungsbau des evangel. Diakonisseuheims zufließen soll. Von einheimischen Künstlern werden noch Mit­wirken Frau Pfarrer Wohlfahrt, deren fitöne und mächtige Sopranstimme schon vielen Hanauern bekannt ist, und Herr Kapellmeister Alivater in Klaviervorträgen, teils allein, teils zusammen mit Cello. Der zweite Teil des Abends wird sich betiteln: Löwe als Balladen-Komponist. Herr Dr. Schmidt aus Friedberg wird dieses Thema zunächst in einem Wortrage erläutern. Dann wird Herr Konrad Leipold von hier (der ,^Max" des Freischütz in den Aufführuvgen des letzten Sommers) einige der betreffende« Balladen deklamieren, und Herr Appel und Herr Appunn werden dieselben singen. Näheres wird ein Inserat in diesem Blatte im Laufe der nächsten Woche bringen. Die E ntrittspreise sind, um auch dem Unbemittelten die Gelegenheit zu geben, sich an einem wohltätigen Werke zu beteiligen, io niedrig wie möglich gestellt: Reservierter Platz Mk. 2.50, Saalplatz im Hauptsaal Mk. 2, im Nebensaal Mk. 1. Es sei jedoch b,merkt, daß der Wohltätigkeit keine Schranken gesetzt werden, lodaß wer nicht allein über ein gutes Herz, sondern auch über ein großes Portemonnaie verfügt, unge- scheut sein Billet so teuer bezahlen darf, wie er nur mag. Das Konzert findet statt am Donnerstag den 11. F bruar in der Centralhalle, abends 7lA Uhr. Liste ist in Umlauf durch Herrn Friedrich. Billets sind zu haben in den beiden Hosbuchhand- lungen, und Vormerkungen für Plötze nimmt auch Herr Pfarrer Neßler, Kirchstraße 20, entgegen. Wer in das Konzert gehen will, säume nicht allzusehr, denn es sind schon ziemlich viel Bestellunaen eingelaufen.

* Eine ansregcndc Beerdigung. In der Nacht vom ^pn'ag zum Montag verstarb einer Arbeiterfamilie D.

in der Vorstadt p'ötzlich ihr l1/* Jahre altes Töchterchen, nachdem es tagsüber noch völlig munter gewesen war. Der behandelnde Arzt hatte bereits den Totenschein ausgestellt und die Beerdigung war auf Mittwoch nachmittag festgesetzt, als sich Zweifel ergaben, ob das Kind auch wirklich tot sei. Es baUe nämlich noch die Farbe eines Lebenden und die Gliederchen waren vollkommen beweglich. Dem Arzt kamen selbst Zwstfel an dem völligen Tode des Kindes, sodaß er auf Wun'ch der Angebörigen die Beerdigung sistierte und der bereits vor der Tür haltende Leichenwagen wieder fortgeschickt wurde. Nach nochmaliger gründlicher Untersuchung und auf Grund eines neuen Totenscheines wurde dann das Kind gestern nachmittag beerdigt. Es wäre wohl erwünscht, daß von ärztlicher Seite eine wifsenschafiliche Aufklärung über den eigenartigen Todesfall erfolgte, damit jede Beunruhigung der Bevöckerung vermieden werde.

* Stavtthcatcr. (Benefiz Merk er.) In dem heute zum Benefiz für Herrn Merk er zur Aufführung ge» langendem Märchendrama:Der Verschwender" werben die Hauptrollen wie folgt besetzt sein. Die Rolle desFlott- w?ll" wird der Benefiziant spielen und gibt sie ihm Gelegen­heit, sein Können vorteilhaft zu zeigen. Der ^Valentin" wirb von Herrn Gehr^ann gegeben undRola" von Frl. Wehn. Fee Cberistane" spielt Frl. Verden,Azur" Herr Fink, Wolf" Herr Knauth,Dumont" Herr Nauendorf,Klugheim" Herr Römer,Flitterstein" Herr Becker,Amalie" Frl. di Ranucci u. s. w. In kleineren Rollen tritt fast das ganze Personal auf. Außerdem werden in der Gesellschaftsszene des zweiten Aktes einige Verträge stattfinden, unter denen besonders der Cello-Solo des Herrn Beckenbach großen Anklang finden dürfie.

* Kav,»-v«lgcscllsch<»st. Dem veröffentlichten Programm nach, scheint die morgen staitfindeude große Damenfitzung der festen Hanauer Karnevalgesellschaft in der Zentralhalle tat­sächlich großartig zu werden, denn reichhaltiger und vielseitiger kann man kein Programm verlangen, nur neue großartige Nummern sind vorgesehen. Das Ueberörettl, unsere Ueber- jugend, wirb nicht verfehlen, seine Anziehungskraft auszu- üben, eben'o das Intermezzo der zwei schwarzen und eines weißen Künstlers, auch Serenissimus und Kindermann werden einen Glanznummer abzeben. Somit werden die größten An­sprüche, die man an eine wirklich karnevalistische Sitzung stellt, im vollsten Mrße befriedigt werden. Auch imRhein» gold" wird noch eine Verkaufsstelle heute eröffnet, so daß jedem Gelegenheit geboten ist, sich bei Z.iien seine Eintritts­karte zu fitern.

* SHützenvcrcin. Bei der gestrigen Vorstandswahl wurden gewählt die Herren: Fr. Zahn, 1. Vorsitzender, Fr. Rshde, 2. Vorsitzender, Wilh. Fsuerbach, Schriftführer, H. Lamy, Kassierer, F. Treusch und L. Thielemann, Schützenmeister, Heinrich Frank, Oberichützcnmcister, Jean Schmidt, Wilh. Schling^loff und Herm. Schädel als Ersatzmänner. «

Aus dem Gerichts«aal.

Sitzung des Schwurgerichts vom 21. Januar.

Meineid und Verleitung zum Meineid.

(Schluß.)

Auch die Beweisaufnahme am heutigen Tage zog sich noch­mals in die Länge, da über prozessuale Vorschriften, Verlesung von Protokollen rc., zwischen Anklagevertretung und Ver­teidigern sich mehrfach Meinungsverschiedenheiten ergaben. Etwas Wesentliches für oder gegen die Angeklagten erbrachte die Beweisaufnahme jedoch nicht mehr. Herr Erster Staats­anwalt Lehmann hob in seinem Plaidoyer hervor, daß viel Nkbensächliches in die Verhandlung hineinspielte, das man bei Beirachtung der Tat selbst unbedenklich ausscheiden könne. Bernhard und Mn hätten gewußt, daß sie am Abend des 1. September 1902 die Drefchmalchine holen sollten, sie hatten sich aber ins Wirtshaus gesetzt und zwar auf Veranlassung des Zehn. Trotzdem habe Bernhard nachher beickworen, sie hätten es nicht gewußt. Auf diesbezügliche Vorwürfe habe er auch nur gesagt,er sei so durcheirandergemacht worden. Auch die übrigen Zlngeklagten hielt der Staatsanwalt für überführt und beantragte das Schuldig. Die Herren anwälie Dr. Koref, Leroi und Müller aus Hanau und G e g e n b a u r aus Fulda plaidierien für r^reifpremung, eoenil. die mildere Auffassung aus den §§ 158 und 103 oes R.-St.-G.-B. Die Geichworeuen sprachen den Magnus Bern­hard eines fahrlässigen Falscheides schuldig, du Schuldfrage« gegen die Angeklagten Burkhard, Zehn und Viuuer würben verneint. Bernhard wurde hierauf vom Gericht zu einer Ge­fängnisstrafe von 9 Monaten verurteilt, die übrigen Ange­klagten frei gesprochen. Dem Bernhard werden 3 Monate von de^ Untersuchungshaft angerechnet. In den Urteilsgründen