Teite 10
Mittwoch
6. Januar
England im Jahre 1903.
(Nachdruck verboten.)
Ss weit sich die englische auswärtige Politik auf Europa bezieht, könnte man, wenigstens äußerlich genommen, die Zeit von vor gerade einem halben Jahrhundert zurückgekehrt wähnen. England und Frankreich haben mit einander eine Anzahl von Liebenswürdigkeiten ausgetauscht, die kaum hinter denen z. 3t des Krimkrieges zurückstanden. Zuerst besuchte der englische Köng den tranzöst'cken Präsidenten, dann erwiderie Präsident Loulet diesen Be uck, darauf wurde der englisch-französische SchiedSgerickisvertrag abgeschlosien und endlich reiste eine stattliche Zahl englischer Parlamentarier in Frankreich herum, um sich bewirten zu lasten und zum Dank für den reichlich ge- spendeten Champagner Reden, die von Freundschaftsver- sicherungen Überflüssen, zu halten.
Dies: Hinneigung zu Frankreich ist aber ebenso problematisch, wie der Antagonismus gegen Frankreichs Verbündeten, Rußland, nicht problematisch, sondern vielmehr reell ist. Alle Versuche, die gerade im Anschlüsse an die französisch-englische Annäherung im Jahre 1903 unternommen wurden, um auch eine Annäherung zwischen England und Rußland herbeizu- führen, sind gescheitert. Im Gegenteil: der Gegensatz zwischen Engiand und Rußland hat sich verschärft, einmal durch die aktive Politik, die England einerseits durch die Reise des e»q- lischen Bizekönigs nach dem Persischen Golf, andererseits durch die Expedition nach Tibet inauguriert hat, zweitens aber durch die noch viel akiivere und energischere Politik, die Rußland im Norden Ostasiens betreibt. Diese Politik gefährdet sowohl die materiellen englischen Interessen, wie in noch viel höherem Grade das englische Prestige, aber nach ihrer oft bewährten Taktik denken die Engländer nicht daran, sich selbst zum Schutze dieser Interessent ins Zeug zu legen, sondern sie suchen ihre japanischen Verbündeten die Suppe auslöffeln zu lasten. Ob freilich, wenn es erst zum Kriege zwischen Japan und Rußland kommt, England nicht vielleicht doch zum aktiven Eingreifen genötigt werden wird, ist eine andere Frage.
Ist in Ostafien die Verwicklung in kriegerische Abenteuer für England nur im Bereiche der Möglichkeit, so befindet sich das britische Reich nunmehr schon seit langer Zeit im Kampfe gegen die Somalis. Es ist dies kein Krieg großen Stiles, aber die wiederholten Schlappen, welche die englischen Truppen erlitten haben, find im englischen Mutterlande nicht angenehm empfunden worden.
Wie König Philipp von Spanien einst gesagt hat, daß in seinem Reiche die Sonne nicht untergehe, so können die eng- Irtchen Herrscher sagen, daß in ihrem Riesenreiche die Kriege nicht aufhören. An den Burenkrieg schloß sich der Somali- feldzug an und diesem wird vielleicht ein Kampf in Ostasien folge«. Diese fortgesetzten äußern Kämpfe aber hindern das englische Volk nicht, auch im eigenen Lande Krieg zu führen. Der von Chamberlain unternommene Feldzug zu Gunsten des Uecergangs zum Schutzzollsystem ist mit dem Fortschreiten des Jahres immer heftiger geworden. Zuerst ergaben sich starke Differenzen innerhalb der Regierung, dann traten sowohl M freihändlerischen Mitglieder des Ministeriums, wie Herr Cham- berlain aus dem Kabinett aus, um den Kampf im Lande desto - achdrücklicher zu führen. Dieser Kampf findet seinen Wider- . all auch in den großen englischen Kolonien, insonderheit in Australien und in Kanada. Trotzdem aber Chamberlain seine Scbutzpolitik angeblich hauptsächlich im Interesse der Kolonien treibt, ist man dort keineswegs einmütig in der Zustimmung zu dem Chamberlmn'schen Plane. Noch weniger sicher erschein^ es, ob sich die Mehrheit des britischen Volkes für die von Chamberlllm geplante Umwälzung erklären wird. Nachdem Beginne des Kampfes für und gegen den Schutzzoll hat eine Reihe von Er atzwatzlen stattgefunden, in denen teils die Anhänger Chamberlains verdrängt, teils mit wesentlich geringeren Mehrheiten als früher wieder gewählt worden find.
Auf der andern Seite darf nicht verkannt werden, daß, je länger die englische Regierung mit einer Auflösung des Parlaments wartet, desto günstiger die Aussichten Chamberlains werden, denn unter seinen Gegnern findet sich keine Persön- ‘"agWMMMmMMBaMMHBMMMMtMMMI Bühne erheben, würden, wenn sie aus Eisen konstruiert und mit Moniermaffe belegt würden, wie M. Semper treffend hervor- bebt, für die Arbei 1er nicht mehr mit Sicherheit begehbar, zugleich aber auch zu schwer in ihrem E^nqewicbt« werden. Im übrigen hat für Konstruktionen und Maschinen das Eisen in neuerer Zeit das Holzwerk in sehr weitgehendem Maße verdrängt ; und zur Beruhigung des Publikums mag hervor- gehoben sein, daß gerade in der durch das Holzwerk so sehr gefährlichen Unierbühne in keinem der bekannten Fälle der Brand entstanden ist. Hanfseile werden nach Möglichkeit jetzt durch Drahtseile ersetzt; allein sie sind diesen in der Leichtigkeit und Einfachheit der Handhabung so sehr überlegen, daß sie noch immer vielfach zur Verwendung kommen müssen; eine Ein- reibung mit Graphitpulver schränkt ihre Gefährlichkeit als Uebertrager des Feuers ein. Imprägnierungen dienen dem Zwecke, die leichte Entzündbarkeit der betreffenden Teile oder Gegenstände zu verringern; allein erstens schützen sie nur die Oberfläche; zweitens verliert die Imprägnierung bei den Hitzegraden, die sich bei einem Theaterbrande schnell entwickeln, ihre Wirksamkeit, und dann ist natürlich das Holz nach wie vor der Berbrennbarkeit aufgesetzt. Am wirksamsten hat sich als Flamwenichntzmittel für das Holzwerk auf der Bühne ein Anstrich mit Wasserglas bewährt, und für jenes Holzwerk, das mit Anstrich zu versehen ist, sollen sich Asbestfarben außerordentlich eignen.
Richten sich diese und andere Maßregeln gegen die Entstehung eines Feuers im Theater, so ist die richtige Organisation und regste Wachsamkeit der Feuerlösch-Mannschaft, das tadellose Funktionieren der Hydranten u. s. w. die wichtigste Waffe gegen das einmal ausgebrochene Feuer. Bevor durch den Ringtheater-Brand das öffentliche Gewissen ausgerüttelt wurde, herrschte aus diesem Gebiete eine geradezu entsetzliche Sorglosigkeit. Es ist festgenellt, daß bei diesem Brande, der etwa 10 Minuten vor 7 Uhr, dem Beginne der Vorstellung, ausbrach, der Kommandant btr Feuerwehr noch um */*7 in der Portierloge mit Zeitungslesen beschäftigt war, ein Feuer-
lichkeit, die ihn an agitatorischer Kraft und an Volkstümlichkeit erreichte.
Wenn wir Deutschen auch im vergangenen Jahre die Mißgunst der Engländer oft erfahren haben, so verdanken wir dies zu einem guten Teile dem Einflüsse Chamberlains. Das kann uns aber nicht hindern, anzuerkennen, daß er sick auch im letzten Jahre als der bedeutendste politische Kopf Englands gezeigt hat.
Bus aller Welt.
Fritz Friedman» vermißt. Der frühere bekannte Verteidiger Dr. Fritz Friedmann, der sich der Artistenlausbahn zugewandt und auL in Hanau debütiert hat, wird feit dem 31. v. Mts. vermißt. Seine jetzige Frau Anna, geborene Mertens, die er nach erfolgter Scheidung von seiner ersten Gattin vor einem Jahre geehelicht bat, teilt mit, daß Dr. Friedmann am 31. Dezember abends von Würzburg, wo er aufgetreten ist, nach Berlin abgereist, dort aber nicht angekommen ist. Sie fürchtet, daß ihrem Manne ein Unglück zugestoßen ist.
Ein flüchtiger Defrattdant. Durchgebangen ist der Kassierer Gustav Biedatz von der Viehkommissionsfirma Lehmann und Philipp mit einkassierim Beträgen. Wie die „Allg. Flcischer-Ztq." berichtet, soll Biedatz die Firma um 35 000 M. betrogen haben, während die geschädigte Firma selbst so viel hundert Mark als Verlust bezeichnet. Auch ein Ladenschlächtermeister, für den Biedatz Schweine einkaufie, die er aber nicht bezahlte, ist in Mitleidenschaft gezogen. Biedatz war früher acht Jahre Geschäftsführer beim Engrosschlächter- meifter Louis Zimmermann und darauf seit 10 Jahren bei der Firma Lehmann und Philipp tätig. Biedatz soll sich in London befinden.
Mit 18 000 Franks in der Tasche fast verhungert. Ein löjähriger Bursche, Lucien Lecocq, stahl kürzlich am Schalter der Filiale der französischen National- bank in seiner Vaterstadt Lille ein Paket mit 18 Tausendfrankscheinen. Es gelang ihm, mit der Beute auS dem Bankgebäude zu entkommen, und er begab sich zu Fuß nach Douai, wo er in einem großen Hotel in der Nähe des Bahnhofes einkehrte. Als er am nächsten Morgen dem Hotelier einen Taulendfrankichein zur Bezahlung seiner Zeche überreichte, schöpfte der Gastwirt Verdacht und benachrichtigte die Polizei. Lecocq, der Unheil ahnte, suckle unter Zurücklassung des Kassenscheines schleunigst das W-ite. Von Douai wanderte er nach Noyelles, Doeuges, Heni'n-Lietard und Billy-Mon- tigny. In letzterem Orte widerfuhr ihm dasselbe Mißgeschick wie in ©mi. Er versuchte, um seinen Hunger zu stillen, unter Vorweisung eines Tausendfrankscheines Lebensmittel ein- zukaufen. Da man aber auch hier eine so große Summe Geldes bei einem jungen Mensche,i auffallend und verdächtig fand, ließ Lecocq das Geld im Stich und entfloh wieder, ehe ein Polizeibeamter zur Stelle war. Vor Hunger und Müdigkeit ganz erschöpft, fand ihn dann auf freiem Felde ein Handwerksbursche. Er teilte sein kärgliches Mahl mit dem jungen Durchgänger und nahm ihn dann mit nach Brüssel. Aber bald nach der Ankunft in der Stadt, ließ er den ihm unbe- nuemen Begleiter allein, und Lecocq stand hungernd in der fremden großen Stadt. Nach den üblen Erfahrungen, die er mit dem gestohlenen Gelde gemacht hatte, wagte es Lecocq nicht mehr, einen weiteren Versuch zu unternehmen, den Raub zu verwerten, sondern eilte in seiner Verzweiflung zu dem nächsten Schutzmann und legte ein Geständnis ab.
Für das Submissiottswese» ist die Ausschreibung auf das Los Nr. 2 der Doppelbahn Donauwörth-Treuchilingen wieder charakteristisch. Bei einem Kostenanschlag von rund 750 000 Mk. besteht zwi'chen dem höchsten und niedrigsten Angebot ein Unterschied von — 56 vom Hundert!
Ein mehr wie tolles Zirkus - Kimsitzück ist in Berlin vorqe'ührt, daS alles bisher Dagewe'ene übertrifft. Es stellt das Möglichste in der lebensgefährlichen Schleisenfahrt dar. Ein Radfahrer saust aus steiler Höhe herab, schießt unten durch die Wucht der Bewegung wieder in einer Schleife
wehrmann im Gasthause saß, ein anderer geruhig mitten auf der Bühne stand und noch einer überhaupt nicht da war. Nach AuSbruch des Feuers aber ging der Kommandant erst hübsch nach Haust, um seine Sonntagskleider abzulegen. Seit jener Katastrophe ist dann allerdings an der Sicherung der Theater und an den Maßregeln für den Feuerschutz darin unablässig gearbeitet worden. Einen der wichtigsten Fortschritte verdankt man dem Inspektor der Münchener Hotbühne Stehle, der 1874 mit der Erfindung der Regen-Vorrichtung an die Oeffentlichkeit trat, die zuerst skeptisch ausgenommen wurde, jetzt aber kaum nah in einem besseren Theater fehlen dürfte. Stehles Erfindung ist durch die Feuerlöichbrausen noch vervollkommnet worden, von denen Semper den Grinnel Sprinkler und die Linser-Braust anführt. Der Vorteil dieser Apparate ist der, daß sie völlig automatisch wirken und nicht der Bedienung durch Menschenhand bedürfen. Sie werden nämlich dadurch in Tätigkeit versetzt, daß bei der im Feuer schnell entstehenden Temperatur von 69 Grad Celsius die Lilung einer Stütze schmilzt, damit der Widerstand des Ventils gegen den Wasserdruck aufgehoben wird und der Druck das Ventil öffnet.
Eines der wichtigsten Dinge bei Theaterbränden ist das sichere und schnelle Funktionieren des eisernen oder des Asbestvorhanges. Bei Bränden massiver Theater sind es nämlich gar nicht die Flammen selbst, die die Opfer fordern, fondern sie sind schon vorher durch den Rauch, die Hiße, die erstickenden Verbrennungsgase ums Leben gebracht worden. Auch dafür bietet der Ringtheaterbrand das furchtbarste Beispiel. Auf die vielhundertstimmigen Angstschreie felgte schon nach wenigen Minuten tiefes Schweigen; „d.e Schreie der Verzweiflung, wie die leisen Klagen waren verstummt, •obaft einige Glückliche, denen eS gelungen war, einen Ausweg an die frische Luft zu finden, als sie sich umwandten uns in die finsteren Gänge hineinriefen, ihnen zu folgen, keine Antwort erhielten und keinen Laut mehr vernahmen; für eini e Augenblicke wähnten sie, daß die anderen andere Auswege gefunden
nach obm so daß er nun mit dem Kapf nach unten auf dem Rade sitzt, und überspringt dabei einen vier Meter breiten, f*leifenfreien Raum, immer mit dem Kopf nach unten, das Rad über sich. Natürlich ist das nur bei allerpräzisester Berechnung der Fahrgeschwindigkeit möglich, jedes, auch das leiseste Abweichen, führt zur Katastrophe. Der Radfahrer, namens Ancillotli, trug auf der verrückten Fahrt schwarzen Ge- sellsjaftZanzug und Handschuhe. Man muß gestehen, aufregender sind die Zwischenfälle bei den spanischen Stierkämpfen auch nicht.
Gi»» Polizeileutnant beraubt» Aus Berlin wird gemeldet: Einbrecher schrecken vor nichts zurück, nicht einmal vor der heiligen Hermandad. Es wird dem „B. T." folgender Fall berichtet: Ein unangenehmes Erwachen hatte vorgestern morgen der Vorsteher des 7. Polizeireviers, Polizeileutnant Mölhusen, in der Novalistraße 3. Nach dem anstrengenden Dienst in der Silvesternacht hatte sich der Revier- vorsteher am Neujahrstage abends zeitig zur Ruhe gelegt. Als er am nächsten Tage erwachte, fand er ein Kleiderspind und den Schreibtisch erbrochen und zum Teil ihres Inhalts beraubt. Die Wohn- und Schlafräume liegen im Vorderhause, die Re- vierwache mit dem Bureau im Hofe. Von dem Flur, an dem sich hinten die Diensträume befinden, kann man durch eine Verbindungstür auch in die Privaträume gelangen. Wahrscheinlich benutzten die Einbrecher die Gelegenheit, a's der Re- siervorsteher abends noch auf der Wache zu tun hatte, sich in seine Wohnung einzuschleichen. Hier hielten sie sich in den hinteren Räumen verborgen, bis er sich dann im Schlafzimmer zur Ruhe gelegt hatte, erbrachen dann das Kleiderspind, aus dem sie mehrere Anzüqe Mitnahmen, und hoben dann am Schreibtisch das obere Gestell ab. Im Schreibtisch fanden sie gegen 1000 M., die der Beamte erst am Tage vorher als Gehalt bekommen hatte, und die noch in Rollen dalagen. Mit der Beute verließen sie die Wohnung durch die Hintertür, deren Schlüssel sie dann in einen Raum neben dem Ausgang legten. Da die Häuser, in denen sich eine Revierwache befindet, nickt verschlossen zu sein pflegen, so konnten sie das Grundstück leicht ungestört verlassen.
Ein grauenhafter Kindesmord ist auf dem Bahnhöfe Kreiensen entdeckt worden und hat zur Verhaftung der unnatürlichen Mutter geführt. Es liegen nach dem „Lok.-Anz." hierzu folgende Einzelheiten vor: Am Neujahrsmorgen iraf mit dem Berliner Personenzuge ein junges Mädchen in Kreiensen ein, das sich vormittags auf der Station aufhielt und dann mit dem fälligen Mittagszug« nach Northeim weiterfuhr. Als bald darauf die Wartefrau die BahnhofSaborte reinigen wollte, fand sie die Röhren des einen Frauenabortes verstopft. Bei näherer Untersuchung entdeckte sie die Leiche eines Kindes. Diese war in die Röhren so fest eingedrängt, daß sie nicht zurückgezogen, sondern hinabgestoßen werden mußte, ehe man sie an das Tageslicht befördern konnte. Ein sofort herbei- gerufener Arzt stellte fest, daß hier ein Mord vorliege. Am ^ selben Nachmittag« kehrte die mutmaßliche Mörderin,' die durch ihr scheues Wesen verriet, von Northeim nach Kreiensen zurück, wo alsbald ihre Festnahme durch die Gendarmerie erfolgte. Durch ihre Vernehmung wurde folgendes festgestellt: Das Mädchen, welches aus Ditfurt gebürtig ist, hat am 14. Dezember v. J. in einer Privatentbindungsanstalt zu Berlin ein Kind männlichen Geschlechts zur Welt gebracht. Mit dem Vorsätze, das Neugeborene beiseite zu schaffen, ist sie am Silvesterabend von Berlin nach Kreiensen gefahren. Zur Aus- fübrung ihres Planes hat sie dem kleinen Wesen eine seidene Schnur um den Hals geschlungen und es in die Abortröhre versenkt. Unmittelbar nach der Tat ist sie dann nach Northeim gefahren, nachdem sie ihr Gepäck auf der Zwitchenstanon Salz- derhalden zur Weiterbeförderung an ihre in Einbeck wohnende Schwester aufgegeben hatte. Die jugendliche Kindesmörderin wurde in das zuständige Gerichtsgefängnis zu Gandersheim eingeliefert.
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hätten und geborgen seieu." Selbst die erste Meldung des Polizeikommiffars lautete: „Alles gerettet/ An den bei den Aufräumungsarbeiten gefundenen Leichen konnte man erkennen, daß sie sckon nach wenigen Atemzügen den heißen Derbrennungsgasen zum Opfer gefallen sein mußten; wie auch nach Au-sage der Augenzeugen schon um 7 Uhr kein lebendes Wesen mehr sich im Innern des Theaters befunden haben konnte.
Es ist ein unablässiger und furchtbarer Kampf, den die moderne Technik gegen die tückische Flamme im Theater führt, und jede neue Katastrophe muß ihr wenigstens insofern — eine jämmerlich kleine Entschädigung für das geschehene Un» h-il 1 — zum Vorteile dienen, alS sie neue Erfahrungen daraus zieht. So viel ist aber f#on jetzt gewiß, daß nur durch die peinlichste Beobachtung aller vorgeschriebenen Maßregeln und die strengst« Gewissenhaftigkeit aller beteiligten Faktoren das erreichbare Maß von Sicherheit zu erreichen ist. Die entsetzliche Katastrophe von Czieago hat uns diese Lehre wieder mit Feuerzungen gepredigt.
Kunst und Leben.
Der Name des Jroquoistheaters. Woher hat das zu so trauriger Berühmlheit gekommene Jroq loistheater seinen )tarnen 7 An den Ufern des Erie- und Oniariosees wohnte der Jndianerstamm der Jroquois (spr. Eiroquois), eines kriegerischen, jeder Kultur abgeneigten Volkes. (Aus den Lederstrumpferzählungen als Irokese« bekannt.) Heute ist dieser Stamm nahezu auSgestorben; die letzten Reste, wenige Tausend Köpfe, leben in Reservationen auf Kosten der Vereinigten Staaten-Regierung. Diese Reservaiionen sollen sie nicht verlassen ; dennoch sieht man, namentlich in der Reisesaison, in NiagarafallS Frau? n und Kinder «uS der nur wenige Kilometer entfernten Reservation, die Handarbeiten an Fremde verkaufen. In Firmen jener Gegend begegnet man dem Namen Jroq >ois häufig, so heißt das erste voiel Buffalos Jroquoishotel.