6. Januar
Eine schreckliche Bluttat ist am Samstag in den Nachmntaasstunden zwischen 3 und 4 U^r 'an dem Kontor- leStling Jork aus P'P (Brandenburg) verübt wmden. I. war, wie wir der „IVtf. Oderzkg " entnehmen, Beauftragt, eine größere Summe Geld für seine ,Vrma Gmünder n. St>. aus der Stabs nach der in dem Vorort Onendorf gesogenen Fabr k zu tragen. Kurz vor Ottendorf wurde er von zwei halb wüchsigen Burschen, den Gebrüdern Dippe, obgelauert. J. trug den schweren Beutel nrt Sübergeld (etwa 500 M.) und einigem Papiergeld in der freien Hand. In der Nähe des Wollsschen Hauses stürzten sich die Buben auf den Ahnungslosen, rissen ihn zu Boden, schnitten ihm die Kehle durch, raubten das Geld und flohen in der Richtung nach der Gar- koschle zu. Der Briefträger Peble, welcher dort Briesbestellung hatte, hörte einen Hilferuf; er war es, der dem mit dem Tode Ringenden Bleistift und Papier in die Hand gab, und I. konnte noch schreiben: „Dippe hat mich gestochen." Der Schwerverletzte wurde nun zunächst in das Nächstliegende Haus gebracht, wo ihm bald ärztlich« Hilfe zu teil wurde; sodann wurde seine U bersührung nach der Thiemschen Klinik in Kott- bus angeordnet. Leider ist J. bald nach seiner Emlieferung gestorben. Die Verbrecher wurden inzwischen eifrig verfolgt und abends um 11 Uhr, kurz vor Abgang des Zuges nach Forst, zu dem sie schon Fa'-rkarten gelöst hatten, fe'ftgenommen und in das dortige Gerichtsgefängnis ein'eliefert.
Eine Boykott-Bewvguug gegen amerikanische Erbinnen. Aus London, 3. 3an., schreibt man dem „Rb. K.": Die englische Gesellschaft will jetzt, wie eine amerikanische Zeitung zu berichten weiß, energisch gegen das Eindringen der amerikanischen Erbinnen Front machen, und zwar auf dem nicht mehr ganz neuen und mit Recht so beliebten Wege des Boy- kolts. Es ist angeblich bereits eine „informelle Vereinigung eingeborener britischer Herzoginnen" gegründet worden, die keinen anderen Zweck hat, als die Herzogin von Roxburghe, sowie andere amerikanische Mädchen, die etwa in Zukunft dieselbe Würde erlangen mögen, gesellschaftlich zu boykottieren. „Natürlich", so sagt das Blatt, „ist es schwer, genaue Einzelheiten über das Unternehmen zu erfahren, aber es ist ganz sicher, daß etwas derartiges in die Weae geleitet wird."
Ueber die Tat eines Walmsinnigen berichtet der „Oberschl. Anz.": Der bam Mälzereibesitzer Rother in Zauch- witz seit 20 Jahren in Stellung befindliche Obermälzer Schauder zeigte seit einiger Zeit ein mmschenscheues Wesen. Am 23. Dezember versammelten sich die Arbeiter wie gewöhnlich zum Frühstück. Einer der Arbeiter ging hinaus, um nachdem Ofen zu sehen, von dem aus die Gerste geröstet wird. Ein gräßlicher Anblick bot sich ihm dar. Schauder kroch auf allen Vieren in den Ofeu, wobei ihm die Glut den Kopf fürchterlich versengte. Sofort riß der Arbeiter bett Unglücklichen zurück. Als die übrigen Arbeiter herbeieilten, war Schauder wieder in die Glut gekrochen. Wieder rissen ihn die Arbeiter aus dem Feuer, abw die Brandwunden waren derart schwer, daß der Bedauernswerte bereits am nächsten Tage unter gräß-
Kunst und Geben.
Der Leipziger SchiAervereiu, dem 156 Mitglieder angeboren, erhielt von der einst gefeierten Sängerin Frau Michaelis-Nicms in Darmstadt ein Legat von 10,000 Mark, aus dem insbesondere bedürftige verdiente Literaten unterstützt werden sollen. Rudolf v. Gottschall, der den Vorsitz wegen hohen Alters niedergelegt hat, wurde zum Ehrenprüstaeuten ernannt. B
Telegraphische Poesie. Poetische Glückwunschtelegramme haben am Neujadrstage die Telegraphenbeannen Berlins mit ihren Kollegen in mehreren deutschen Großstädten gewechselt. Auch vom Auslande liefen zahlreiche Glückwunsch- depeschen beim Berliner Haupttelegraphenamt ein. Die Beamten Münchens haben einen poetischen Wunsch gesandt, dessen Erfüllung den Berliner Beamten wohl zu gönnen ist. Das Telegramm lautet:
Glockentöne, hoch vom Turm, Schneegestöber, Wintersturm, Hughesgerassel, Morsetakt: So wird's „Neue" angepackt.
Erster Wunsch nun sause hin
In die Reichshauptstadt Berlin,
Künde es nach Ost und West, Nord und Süd: In Treue fest!
Dann soll Euch daS neue Jahr
Bringen schöne Gaben dar,
So zum Beispiel: Das Gehalt Soll erhöhen sich, und bald Soll ein jeder werden Rat, Noch bevor das Alter naht.
Doch die Hauptfach' kommt erst noch: Amt Berlin: hipp, Hurra, hoch!
Bleibt uns gut, so wie bisher! Weit'res wünschen wir nichts mehr.
Die Berliner begrüßten ihre Kollegen in München ebenfalls mit einem Poem.
Das deutsche Lied. Der Kaiser stellte bekanntlich gelegentlich des Frankfurter Gelangswetlstreites die Veranstaltung einer Sammlung deutscher Volkslieder in Aussicht. 9tadbbem die vorbereitenden Schritte geschehen sind, ist zur Durchführung der Aufgabe neuerdings vom Kaiser eine geeignete Organisation geschaffen worden. Sie besteht, nach der „Nordd. Allgem. Ztg ", aus einer Arbeits-Kommission und einer größeren beratenden Kommission. Neben deutschen und niederländischen Volksliedern sollen steirische, Tiroler und sonstige österreichische, sowie deutsch-schweizerische Volkslieder in der Sammlung Aufnahme finden. Beide Kommissionen stehen unter dem Vorsitz W Wirkt. Geh. Rats von Liliencron zu Schleswig. In die Arbens-K ommiffion sind außerdem berufen Musikdirektor Hummel- «erl'n, Professor der Musikgeschichte Fn dlaender-Bcrlin, Ober- reyrer $tOjqfov Bolte-Lerlm unb Dirckwr der Berliner S n -
Mittwoch
Akademie Prof ssor Schumann. Der beratenden Kommission "ehören gemäß der kaiserlichen Ernennung anster dem Vor- fibenben an: Kapellmeister B-'-r C ss l, Hofmustk Direktor E'arn«-Brn> n^chweia, Professor F ei ch-r Frankfurt am Main, Proftffar Toerstler-Stuttgar', Komponist Hegar-Zürich, d-r Konzertmeister des Männergelana-Vere ns Schnbertbund in Wien, Kirche, Komvomst Ka chat-Wien, Mustkdirekwr K akamp« Bonn, der Konzertmeister des Wiener Mäunergesang-V-rems Kremier, Universtiälspro'esior Kreiichmar Leivzig, Professor Kruq-Hombura, Generalmajor Graf Moltke. Professor Ocks- Bpxlin, G neral-Direktor Frhr. v. Perfall-Münkben, Geheimer Ober Reg.-Rat Friedrich Schmidt-Berlin, Professor Felix Schmidt-Berlin, Prof. Scholz-Frankfurt a. M., Gmeralmustk- Direktor Schuch-Dresden, Prost Schwarz Köln, Prost Siit- Le pzig, Gymnastal-Direktor Thouret-Friedenau und Professor Volibach-Mainz. Der Zusammentritt beider Kommissionen steht unmittelbar bevor.
Drahtnachrichten.
Die Vorgänge in Ostasien.
Cardtff, 5. 3annar. An der Kohlenbörse h-rrickte heute außerord-niliche Nachfrage nach Kohlensch'ffen für Ostasien. Sechs große Schiffe sind bereits von einer Firma für Japan gechartert worden, vier andere wurden gestern gechartert. Jetzt verlangt die Admiralität Kohlenschiffe zur Fahrt nach Hongkong und anderen Kohlendepots im Osten. Man versichert, daß die Admiralität den Agenten für 5000 Tonnen Schiff?, die zur Fahrt nach Hongkong fertig sind, 20 Schilling pro Tonne bezahlt bade, während man am Samstag 161/» Schilling zahlte. Die Admiralität hat weiterhin zwei Kohlenschiffe zu je 5000 Tonnen für 20 Schilling pro Tonne zur Verladung im Januar gechartert. Der Frachtsatz für Verschiffungen nach Japan hat sich gegen die Vorwoche um 7'/, Schilling erhöht.
Washington, 5. Januar. Der heutige Minister- r a t beschäftigte sich ausschließlich mit der Lage im fernen O st e n.
Berlin, 5. Jan. Nach eingegangenen Meldungen verstärken zur Zeit die meisten Mächte ihre in Ostasten befindlichen Seestreitkräfte. Deutscherseits ist eine Verstärkung des ostastatischen Kreuz-rgeschwaders nicht beabsichtigt. Bisher war das Gros derselben auf die chinesischen und japanestschen Küsten- g-biete verteilt. Der Chef unseres Kreuzergeschwaders hat jetzt für die erste Januarwoche die Order erlassen, daß sich die drei großen Kreuzer „Fürst Biswarck", „Hansa" und „Hertha, die in Japan neu ausgerüstet worden sind, in Tungtau Bereinigen.
Ernste Lage in Soeul.
Washington, 5. Januar. Der Kapitän des amerikanischen Kriegsschiffes „Vickebura" telegraphierte am 5, Januar aus Tschemitlpo: Ich satte eine Besprechung mit dem amerikanischen Gesandten und sind wir einstimmig zu der Ansicht gelangt, daß die Lage in Soeul sehr ernst ist. Es besteht dort die Gefahr einer Revolte der koreanischen Soldaten. Ich habe 40 Mann Marine-Infanterie dorthin abgesandt. Der Rest der Marine-Infanterie it marschbereit.
Zur Ermordung eines ungarischen Abgeordneten.
Budapest, 6. Januar. Über die Beweggründe zur Ermordung des Abgeordneten E r e m i t s nmb berichtet, daß Eremiis in den 80er Jahren mit dem Vater der beiden Mörder, der von bett Gläubigern hart bedrängt wurde, ein fingiertes Geschäft erschloß, womit dieser sein L0 000 Gulden betragendes Vermögen auf Ercmits überfrag, der in den Prozesse«, die aus diesem Scheingeschäft zwi'chen den Parteien entstanden, siegreich blieb. Nach Beendigung der Proz-sse schloß Eremits mit dem Vater der Mörder einen gütlichen Vergleich und zahlte ihm lebenslang eine kleine Rente. Nach dem Tode ihres Vaters traten die Söhne mit neuen Jorde- rungen hervor, die Eremiis ind-ssen, wie es scheint, zurückwies.
Vom Venezucla-Schiedsgericht.
Amsterdam, 5. Januar. Das hiesige „Reuiersche Bureau" erklärt auf Grund einer Meldung aus dem Haag die von dem in Brüssel erscheinenden „P tit Bleu" verbreitete Nachricht für vollständig unbegründet, daß das Haager Schiedsgericht für die Venezuklaaugelegenheit sich gegen die Vorzugsbehandlung der drei Blockademächte ausgesprochen habe und ihnen nur Zurückerstattung der Kosten für die Blockade gewähren werde.
Beendrguttg des B rliuer Droschkenkutscher- Attsstanves.
Brrli»», 5. Januar. Die Vertreter der Fuhrherren und ausständigen Droschkenkutscher schloffen vor dem Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts einen Vergleich, wonach die Kutscher am 7. Ja -uar ihre Arbeit wieder auknehmen. Die Kutscher erhalten als Tagelohn 1 Mk. statt wie bisher 1,50 Mark und, 30 Prozent der Einnahmen, statt 25 Prozent. Das Abkommen soll bis zum 1. Juli Güliigkeil haben. Inzwischen soll von einer Schlichlungskommijsion ein neuer Vertrag vorbereitet werden.
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Berlin, 6. Januar. Die „Nat.-Ztg." meldet: Nach preußischem Vorgänge forderte jetzt das anhaltische Staats- Ministerium die Oberbürgermeister und Kreisdirekioren auf, dafür zu sorgen, daß die vom Reichskanzler in den RcichsiagS- sitzungen am 10. und 14. Dezember gegen die Sozialdemo- kralie gehaltenen Reden weiteste Verbreitung finden.
Neichenherg, 6. Jrunar. In einem VariHiö verbuchte die Sängerin Ella Hasenfuß aus Wien Selbstmord durch Re- volvnschüssc und verletzte sich lebensgefährlich. Das Mono ist Unglück ichc Liebe zu einem Oifizier.
Hamburg, 6. Januar. Em Kaufmann verwundete aus Eiser'uchl seine Frau durch eine Reoolverkug-l in den Hals und tötete sich durch einen Schuß in die Schläfe.
Düsseldorf, 6. Januar. Die Sia^iverordnelen beschlossen, einem Magiuraisanwag gemäß, die Err chlung einer
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Akademie für praktische Medizin, verbunden mit einem neuen Krank n^aus.
Nom 6. Januar. Der Chemiker ^rancofini aus Spo- letto stellt die Behanp ung aus der ehemals von ben Römern n,s beiliq verehrte C iiumnofluß enthalte Radium. Dat W ss r verleide jeder W{a?art eine Ametystfarbe.
Konstantinopel, 5. Januar. Der Sanitätsrat bob alle Maßregeln gegen die Herkünfte von der syrischen Küste auf.
Buenos Aires, 5. Januar. (HivaS.) Infolge des A u s sta n d e s si d die Schiffsoerladungen unbedeutend. Newyork, 5. Jan. Das Wetter ist jetzt kälter, als es seit 1875 gewesen ist. Der Verkehr zu Lande und zu Raffer erleidet dadurch beträ Etliche Störungen. Im Staate Maino beträgt die Kälte in verschiedenen Bezirken 43 Grad Fahren- heit unter Null.
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