Erstes Blatt
Mauer U Anzeiger
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aud- arfKiige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufsching. Die einjelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gennal-Anzeiger
Gedruckt und verlegt in der Luchdruckerei de§ verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtlicher Organ für AM- nnd Fan-Kreis Hana«
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene PetitzeUe oder deren Raum, für Auswärts 15 Pf^, im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg^ für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: E. Schreck er in H«t«.
’M 2
FerttiMchiMschluß M. 605
Montaq deN 4. Januar
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1904
Amtliches.
Stadtkreis hanau*
BmmtmachmMN des Oberhüraermeisteramtes.
Am Dienstag den 5. Januar d. I., vormittags von 10'/s Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neu- städter Rathanfes, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau den 2. Januar 1904.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
Dr. Gebesckus.
230
Bekanntmachung.
Arheitsuchende in der Zeit vom 26. bis 31. Dezember 1903:
2 Schlosser,
1 Hausbursche,
8 Tagelöhner.
Hanau den 2. Januar 1904.
Städtisches Arbeitsamt
jähren" und von 250 Mk. auf VII A Titel I, 20 f. R.-J. 1903.
5. Endgültiger Ausbau des Sandeldamms mit einem Kostenaufwand von 3500 Mk.
6. Bewilligung eines jährlichen Zuschusses von 80 Mk. an eine ruheg'haltsberechligte Witwe.
7. Nackbewilligung von 1380 Mk. auf IIA, 8 der Schlachthofkasse für 1903.
8. Ankauf des Grundstücks CC 65/33, 50 ar groß, zum Preise von 3 Mk. für den qm.
9. Verkauf deS Grundstückes Karte H 244/131 = 8 qm zum Preise von 15 Mk. für den qm.
10. Ausbau der Straße Nr. 14 zwischen Grüner Weg und Mühltorweg.
11, Legung einer elektrischen Verbindungs- bezw. AusgUcks- leitung durch die Hainstraße vom goldenen Löwen bis zur Bogenstraße unter Bewilligung der auf 15200 Mk. veranschlagten Kosten.
12. Umwandlung der Laterne Nr. 298 in der Hainstraße in eine Richtlaterne.
4 3. Legung der Gas- und Wasserleitung in der Jahnstraße.
237
Sltzttttg der Stadtverordneten Versamminng
um Donnerstaa den 7. Januar 1904, abends 5 Uhr, im oberen Saale des Rathauses.
Tagesordnung
Jahresbericht.
II.
Beschlußfassung über die Gültigkeit der letzten Stadtverord- neten-Ersatz- und Ergänzungswahlen.
III.
1. Nachbewillignng von 250 Mk. wegen Klassenteilung in der gewerblicken Fortbildungsschule entstehende Kosten auf VII H Titel I, 5 für R.-J. 1903.
3.
3.
Nachbewillignng von 436,50 Mk. Umtugekosten für einen Lehrer der kaufmännischen Fortbildungsschule auf VII G Titel 1,10 für R.-J. 1903.
Nachbewillignng von 310 30 Mk. Umzugskosten für einen Lehrer- der Knaben-Mittelschule auf VII 0 Titel VII, 3 f. R.-J. 1903.
Regulierung des Gebalts eines Vorschullehrers unter Nachbewillignng von 500 Mk. auf VII A „Aus Vor-
14.
15.
16.
17.
18.
19.
Wahl eines Armenpflegers.
Desgleichen.
Ersatzwahl für daS ausqeschiedene Mitglied aus dem Gewerbestande, Herrn Wörner, in das Kuratorium der gewerblichen Fortbildungsschule.
Betr. U-berweisung der Eingabe wegen Vergebung der Drnckarbeiien an die gemischte Kommission zur Prüfung der Frage wegen Vergebung städtischer Arbeiten.
Jahresbericht der industriellen Werke.
Houshgltsvlan der Sparkasse für 1904 zur Feststellung. 20. NachbewiRiaung von 193.20 Mk. auf Titel VII G 4,
5 und 10 der kaufmännischen Fortbildungsschule für
1903.
21. Bericht über außerordentliche Kassenrevisionen. Hanau den 31. Dezember 1903.
Der Stadtverordneten-Vorsteher.
Canthal.
285
Handelsregister.
ANr. 545 Firma Moritz I. Grünbaum in Hanau: Unter die'er Firma betreib! der Hcu ermakier und Agent Moritz I o n a t h a n G r ü n b a u m in Hanau ein Handelsgeschäft als Einzelkauf- mann.
Die Firmen A Nr. 260 J. Trost in Hanau und A Nr. 420 Pierre Lamy in Hanau sind erloschen.
Hanau den 23. Dezember 1903.
Königliches Amtsgericht 5.
231
Hue Stadt und Cand.
Hanau, 4. Januar.
* Vkbelftttnde. Heute abend 8'/, Uhr 'findet Bibel» stünde in der Kapelle des Althanauer Hospitals durch Herrn Pfarrer Bär statt.
* Ernennungen und Versetzungen. Zu Post« sekretären wurden ernannt: die Ober-Poüajststenten Gössel nnd Schroeder und der Postassistent Baumgarten, z« Ober-Vostassistenten die Postassistenten H. Jäger, Krapp, Pralle und Schulz, sämtlich in Hanau. — Verletzt wurden zum 1. April: Postverwalter Müller in Windelten in gleicher Eigen'chaft nach W.h ershawen, Ober-Postassistent Ph. Jäger in Hanau als Postverwalter nach Windecken, Ober-Postalsistent Beyer in Kirchhain als Postverwalter nach Sieinau, Postverwalter Schick in Steina» als Postsekretär nach HerSfeld.
* Fernsprechverkehr. Der hiesige Cprechverkehr ist auf Wissen (llniersranlen), Frammersbach und Partenstein ausgedehnt worden.
* Preisrätsel. Die für daS Preisrätsel bestimmten 12
Preise sind folgende:
1. Preis: 3 Bände der „Phönix-Bibliothek". : „Eine Saladine mit Nrcketbestcck". : „Ein Nickeltlsch".
: „6 Römer".
2.
3.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
„ v v v » ff « u v v U
: „Eine Kassette".
i „Ein Dejeuner".
: „Ein Kochbuch".
: „Jwei Vasen".
: „Die Erde und ihre Bewohner".
: „Du mein Jena", Roman.
: „En Porzellanieller mit Nickelrand".
: „Ein gest. Körbchen".
* Zirkus Wilke. Mit anerkennenswertem Eifer ist Herr Direktor Wille bestrebt, seinem Zirkus stets neue Zugkraft zu verleihen, durch ein abwechslungsreiches Programm die Stunden daselbst angenehm zu gestalten. Die neueste Attraktion ist das Auftreten einer Original-Wildwest-Truppe mit ihren Szenen „Leben und Treiben in der Prärie", eine Nummer, die geeignet ist, berechtigtes Aussehen zu erretten. Die malerischen Gestalten der Siovx-Jndianer, die Treffsicher- Heil derselben im Bogen chießen, das Auftreten des Mr. TexaS-Tex als Schlingenwerfer, treffsicherer Büchsenschütze und wavha'stger Reiter gestalten diese Nummer, wie erwähnt, zu einer Arn artion ersten Ranges, die ihre Zugkraft auch während der folgenden Tage bewähren wird. Daneben erregen die Produktionen der 1. internnuonalen Rennkompaqnie bei der „Fahrt im Todek- ring" nacy wie vor sensationelles Interesse. Somit kann der
Feuilleton
Zur Crinnming an Jacob Grium, geb. 4. Januar 1785.
AlS he der Zeit der tiefsten Schande die Schmeichlerschar den Rücken bsg, dem Zwingherrn aus dem welschen Lande für Geld und Würden Treu« log,
Da wandelt still und unverstanden ganz einsam wie auf Berges HSh',
Ein Brüderpaar im Hrssenlande, in treuer Seele tiefes Weh. Und wie sie an der Freiheit Grabe gesenkten Hauptes traurig stehn, Ward ihnen eine Wundergabe, zu seh n, was keiner noch gesehn, Sie schau'n des Volkes Seelenleben, wie Seher mit geschärfiem Blick, Von dem geheimnisvollen Weben schlingt jeder Schl°ier sich zurück.
Was heimlich schläft in Quell und Bergen, erlauschen sie am Sagenborn, Und was von Elfen, Nixen, Zwergen und von der Riesen grimmem Zorn, Der Hirt erzählt am Waldessaume, des Mythus letztes Dämmerlicht, Halbstumme Töne, wie im Traume, der Schläfer selbst versteht sie nicht:
Darin vernimmt aus grauen Zeiten des Götterliedes vollen Klang, Darin erlauscht das Ohr der beiden des Volkes ä tften 4 Wundersang;
Und in der Sitte noch, der alten, und in der Redeformel Flug,
Vernehmen sie der Väter Walte», der Vorzeit frischen Atemzug.
Und wie im Märchen einst der Knabe der Wildnis Wunderblume fand,
Und als er brach die seltene Gabe, alsbald ein Zauberschloß enrstand,
So sehn sie stolz den Bau sich heben der deutschen Sprache wunderbar,
AIS ihnen Gott den Fund gegeben, das Grundgesetz entdecket war.
Und von der Heimat liebem Stxande die Schiffer lösen jetzt den Kahn,
Sie steuern in alle Lande auf weitem Sprahenozean, Entdecken sicher um die Wette, sie ahnen schon den fernsten Strand,
Bis sich der Sprachen lange Kette in e i n e n Kranz zu'ammen- wand.
Doch in den ««ermessenen Weiten, die unsrer Forscher Geist durchichweift, Durch alle Völker, alle Zeiten, — ein leises Weh ihr Herz ergreift, Wenn sie des H-ssenland's gedenken und von des Rubmes sto zer Hob' Zur Heimat ihre Blicke lenken, zur größten Luft, zum likfften Weh.
Ihr seid auch uns noch nicht vergessen, ihr Fürsten aus dem Geisterreich, Und da ein armer Kranz aus Hessen Euch galt den größten Ehren gleich, So soll das Bild auS Erz gegossen, hier wo der Kindheit Wiege stand, Wenn schon Jahrhundert« verflossen, Euch preisen noch dem deutschen Land.
Stadtthcatcr in Hanau.
= Hanau, 4. Januar.
Als erste Vorstellung des neuen J-hres ging Freitag Blumen« that und Kadelburg's dreiakiiges Lustspiel „Der blinde Paffa- gier" mit lebhaftem Heilerkeitserfelg zum zweiten Mal« über unsere Bühne. Wir find der Novität bei ihrer ersten Aufführung an den Feiertagen di« Besprechung schuldig geblieben und wollen heute das Versäumte nachholen. Die bekannte deutsche Sust'pielfirma, welche den Bühnen alljährlich ihren Beiirag an leichter UnierbaltiingSliteralur für den Tagesbedarf liefert, hat mit diesem Drittel wieder einen cuten Treffer zu verzeichnen, dem der Thealererfola eine Zeit lang treu bleiben wird. Es hatte ja freilich einst den Anschein, als ob in Oskar Blumenthal dem deutschen Lustspiel ein Retter erstehen würde, der eS wieder zu Ebren bringen würde, daS war, als er den Bühnen feinen „P.obepfeil" und „Ein Tropfen Gift" über- geben hatte, doch der lockende Klang reicher Tantiemen und der Beifallsjubel Unierhaltnnqsbedürftiger hat dieses schöne Talmi leider auf andere Bahnen gebracht. Aber wenn auch die Siücke der verbündeten A-noren nicht geeianet find, die Klazen über das bedenklich veiflickte deutsche Suhipiel aus der Welt zu schaffen, so wollen wir doch auch ehrlich fein und ge» stehen, daß wenig andere Lustspiele der letzten Zeitperiode f» reich an Witz und Humor, an drolligen, lustigen Einfällen und Szenen find als die, welche die Marke B.umentha! und Kadelburg tragen. Denn ganz seichte Bahnen wandeln die beiden Autoren dock nicht, und es finven sich in manchen der neueren Stücke derselben hüb che Ansätze zu einem guten Lustspiel und recht originelle Ideen. Ein netter E »fall war «s, den Schauplatz der Handlung ihres neuen Dreiakters an dem Bord eines VergnügungSdampferS beginnen und mden za lassen und eine Anzahl von Menschen in ihrem Zerstreuungsund VergnügunqSbedürfnis, die sich da zusammengefunden, unter die Lupe zu nehmen; der Erfolg deS „Weißen Röß't" liegt ja auch in der gelungenen