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General-Anzeiger

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We.is-nhaufeS in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantivortl. Redakteur: G. Schrecke r m Hanau,

Nr. 296. FerMecha»!« Nr. «»L. Freitag den 19. Dezember

gernfottMW Nr. 605.

1902

MSSS»

Hub Stadt und Cand.

Hanau, 19. Dezember.

* Berkehrsstörnna durch Hochwaffer. Die Hananer Kleinbahn konnte gestern Nachmittag auf der Strecke Hanau-HüNengesäß die Züge nur bis Bruderdiebacherhof ver­kehren lassen, da der Bahndamm vollständig unter Wasser stand. Seit heute Morgen ist daS Wasser zurückgegangen.- Aus Gelnhausen wird berichtet, daß die Station Wirtheim ebenfalls durch das Hochwaffer isolirt worden ist.

A Bom Main. Aus Seligenstadt, 18. Dezbr., wird uns geschrieben: Das seit 9. Dezember feststehende Main- eis barst beim heutigen Morgengrauen mit donnerähnlichem Getöse, worauf der rapid um etwa 1,50 Meier steigende Strom die ungeheueren Eismafsen unter gewaltigem Brausen, gleich dem Rauschen eines vorübersausenden Eisenbahnzuges, zu Thal wälzte. Die von den Naturgewalten zertrümmerte Eisbrücke riß allerlei Gehölz, Bretter, Fischkästen, ja einen ganzenBoden" Floßholz vom Obermain mit sich fort. Um die Mittagsstunde ging der Wasserstand zurück und hinterließ an beiden Strom­ufern mitunter bedeutende Eisberge. Der Main war zuletzt am 18. Januar 1901 seiner ganzen Länge nach zugefroren; doch die damalige Naturbrücken-Herrlichkeit war von nur 3tägiger Dauer. Vom 14. Dezember 1899 bis zum ersten Weihnachtsfeiertage desselben Jahres trug der Strom ebenfalls eine Naturbrücke auf seinem alten Rücken. Am längsten trug er dieselbe unbequeme Last im Jahre 1845, nämlich vom 9. Februar bis zum 19. März, also 5^ Wochen.

* Gewitter. Gestern Abend gegen 10 Uhr bemerkten wir in nördlicher Richtung hin ein Gewitter.

* Stadttheater. Wie schon gemeldet, gehen heute die drei Einakter:König RenS' s Tochter",H e r b st" undAbschied vom Regiment" in Scene. Auf die Vorzüge der ausgezeichnet gewählten Stücke haben wir schon zur Genüge hingewiesen und bemerken wir hiermit noch, daß in dem Hertz'schen Drama:König Renö's Tochter" Frl. Alice V e r d e n die Titelrolle spielen wird, und zwar um zu erproben, ob die junge Darstellerin in der nächsten Spiel­zeit mit größeren Aufgaben betraut werden kann. Den König spielt Herr Jungk; Tristan Herr Becker; Jauffred Herr Schwarz und Jahia Herr R e tz b a ch. InHerb st" stellt Herr Retzbach den Fremden und Herr F e i st den Grafen dar. Die Regie beider Stücke führt Herr R e tz b a ch. Im letzten Stück, dem Hartleben'schen Drama:Ab­schied vom Regiment" ist die Besetzung folgende: Griesfeld Herr Feist; Olga Frl. Toran; Prandau Herr Becker und Feldmann Herr Jungk, in dessen Händen auch die Regie des Stückes liegt.

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Feuilleton.

Kunst und Leben.

Hanau, 19. Dezember.

§. H Abonnements-Concert. Eine musikalische Darbietung ersten Ranges, wie solle nicht jede Stadt von der Größe unserer kunstsinnigen Mainstadt aufzutischen vermag, genossen am gestrigen Abende die zahlreich erschienenen Musik­freunde und Kunstjünger in dem hierorts nerne aufgesuchten Saale derCentralhalle." Wenn auch im Laufe di-ser hoch- fluthenden musikalischen Saison manch edle Perle den dank­baren Hörern g boten wurde, wenngleich manche Künstlerschaft sich hervorragend bethä igte, das Auftreten des gott- begnadeten Meisters Willy Burinester, jenes genialen Violin- Dirtuosen, ja vielleicht des größten der Gegenwart, stellte sie alle in den Schatten. Gleich groß in der Verkörperung der unsterblichen Werke Beethovens und Brahms liegt der Glanz­punkt seiner Künstlerschaft besonders in der Darstellung und Interpretation des unübertroffenen Paganini, jenes Löwen unter allen Violin-Virtuosen. Noch in jugendlichem Alter stehend, ist die aufkeimende Meisterschaft jenes Hamburger Kindes schon in früher Kindheit von dem scharfsinnigen Alt­meister Hans von Bülow entdeckt worden unb unter dem fördernden Interesse jenes hohen Gönners rühmlich zur Enr- faltung gekommen. Unter der sicheren Führung des ebenso gleickbegabten Meisters Joachim konnte diese Geistes'aqt nur fruchtbar gedeihen. Kehren wir zurück zur näheren Be­leuchtung des reichen Programms, so müssen wir offen zuge­stehen, daß das Arrangement eine besonders glückliche Hand verriet!)! Die Vereinigung vokaler und instrumentaler Ton­werke hat immer ein besonders reges Interesse/ schon insofern, als jedem Theile der Muse und jedem Lieblingssache der Zu-

* Jubiläum. Als ein Beweis guten Einvernehmens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer darf es angesehen wer­den, daß Herr Johann M ö s e r II. aus Klein-Auheim mit dem gestrigen Tage 25 Jahre in der Brauerei Koch beschäf­tigt ist.

* Die Bergistttngsaffaire. Die an der bekannten Vergiftungsaffaire betheiligte männliche Person ist aus dem Landkrankenhause entlasten, die weibliche Person befindet sich noch dortselbst.

*

G Grotzanheim, 18. Dezbr. (Maineis.) Ein interessantes Schauspiel bot sich heute früh den Zuschauern am Main. Die Eisdecke barst unter mehreren Schlägen und setzte sich zunächst langsam in Bewegung, dann, als die Wasser- massen Gewalt über das Eis bekommen hatten, ging es reißend abwärts und thürmte sich in einigen Minuten haushoch auf. Seit heute Mittag hat sich das Bild geändert und haben wir jetzt starkes Treibeis auf dem Main.

FC. Bergen, 18. Dezbr. (Dienstjubiläum.) Am SO. Januar 1903 feiert Metropolitan Ernst v. Starck, Pfarrer von Bergen-Enkheim, sein 50jähriges Dienstjubiläum, Herr v. Starck entstammt einer alten kurhessischen Offiziers­familie. Sein Vater war kurfürstlich-hessischer General, der sich besonders in den napoleonischen Kriegen ausgezeichnet hat, z. B. beim Uebergang über die Berestna. Zuletzt war er Stadtkommandant von Hanau. Metropolitan v. Starck be­kleidete bis zum Dezember 1876 die 1. Pfarrstelle zu Wächters­bach. Dann kam er nach Bergen, wo er vor 3 Jahren zum Metropolitan der Klasse Bergen erwählt wurde. Bemerkens- werth ist seine Thätigkeit auf sozialem Gebiete. Schon als junger Geistlicher war er bestrebt, das Loos der unteren Klaffen zu heben und zu fördern. Durch die Gründung wohlthätiger Vereine hat er viel Gutes gestiftet, besonders in Wächtersbach und Umgegend.

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Telegramm aus Hamburg vom 19. Dezember,

9 Uhr 35 Min.

Ein Maximum über 775 mm lagert vor dem Kanal, ein Minimum von 744 mm über Bornholm. In Deutschland ist die Witterung trübe, ziemlich mild bei lebhaften nordwest­lichen Winden, allenthalben sind Niederschläge gefallen.

Prognose für 20. Dezember: Kühleres, veränderliches, windiges Wetter wahrscheinlich.

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Hörerschaft besondere Rechnung getragen wird. Allerdings hatte man sich in der Leistungsfähigkeit der mitwirkenden Sängerin nach übereinstimmendem Urtheile sichtlich getäuscht. Setzte man eigentlich voraus, daß einer solchen virtuosen Gegnerschaft wie derjenigen Durmesters eine mindestens gute Partnerin entgegen treten mußte, so brächte uns der gestrige Abend leider in dieser Annahme ein gründliches Fiasko. Frl. Lilly Schlesinger, eine stattliche Bühnen-Erscheinung, entsprach durchaus nicht vollends den Erwartungen, die man bezückich der Leistungsfähigkeit an eine Gesangeskraft mittlerer Güte stellen darf. Die scheinbar noch nicht fertige rauhe Stimme, deren Volumen wir gerne rühmlich zugeftchen wollen, entbehr!« j'der Wärme und Eindrucksfähigkeit. Der oftmals zu stürmische Ton-Ansatz, im weiteren die viel zu düstere Tonfärbung und nicht minder die oftmals zu Tage tretende Unsicherheit der klaren Intonation kennzeichneten zu sehr die durchschnittliche Anfängerin, die indessen in der Darbietung du- Arie aus Webers Freischütz:Wie nahte mir der Schlummer rc." an manchen Stellen auch Gutes brächte. Ganz besonderer An­erkennung erfreute sich indessen der hierorts schon mehrfach oehörie Klavier-Virtuose, Herr L! E. Hafgren, der mit künstlerischer Hingabe den todten Saiten des schönen Flügels wunderbare Töne entlockte, und welcher der emsig lauschenden Zuhörerschaft jenen genialen Geist des großen Meisters Liszt und des unsterblichen Klaviermen'chen Chopins wachrief. Die leichte Beherrschung der dynamischen unb rhytmischen Ab­wechselungen und pointen' eichen Schaitirnngen im Vereine einer besonders sicher zum Ausdruck gebrachten Gefühlswärme stempelten auch ihn zu einem feinfühlenden Künstler, dem der lebhafteste Applaus reichliche Ernte brächte. Indessen würde seiner Künstlerschaft ein innigerer Tonanschlag noch höhere Weihe verleihen. Die freie Darbietung von Chopins Walzer in Des-dur und im weiteren der besonders schwierigen Rhapsodie, Nr. 8, von Liszt, besiegelten seine Meisterschaft. Ganz besonders anziehend wirkte allerdings in dem gebotenen Guten das Auftreten Willy B u r m e si e r s, dessen Ge-

Hue J^ab und fern.

-r. Marburg, 18. Dezbr. Mit dem Baue einer Bismarck- Säule soll im kommenden Frühjahr begonnen werden. Der Baufonds hat jetzt durch die Zuwendung von 1000 Mk. aus einer letzthin abgehaltenen Abendunterhaltung die Höhe von 10 000 Mk. erreicht. Die Stadt zeigt sich in der Weise der Studentenschaft entgegenkommend, daß sie einen schönen Platz am Abhänge der Lahnberge gratis znr Verfügung stellt.

r.« Marburg, 18. Dezbr. Eine sehr dezent auftretende Dame, welche sich als Studentin ausgab, ist seit heute ver­schwunden. Sie hinterläßt eine Menge Schulden.

St. Frankfurt a M., 18. Dezbr. Das unentbehr­lichste Weihnachtsgeschenk für den Handelsstand hier und der Nachbarschaft,Mahlau's Frankfurter Adreßbuch", ist soeben erschienen. Der reiche Inhalt dieses zuverlässigen Nachschlage­werkes ist abermals vergrößert und äußerst exakt durchgeführt. Es ^umfaßt jetzt, ohne den Anhang, welcher 29 Nachbarorte in sich begreift, volle 800 Seiten größten Formats. Ein vorzüglicher Stadtplan ist dem Buche wieder beigegeben.

Jmmenhausen, 17. Dezbr. Bei der vor einigen Tagen vorgenommenen Bürgermeisterwahl wurde Herr Stadt- sekretär Hottejau in Uerdingen zum Bürgermeister der hiesigen Stadt erwählt.

Biebrich, 17. Dezbr. Vor einigen Tagen wollte ein hiesiger Wirth Metzelsuppe veranstalten. Er schickte sein Mäd­chen nach einer Drogerie, um Gewürze einzukaufen. Gleich­zeitig gab er ihr ein Zettelchen, enthaltend die Einladung zur Metzelsuppe, für die Druckerei zum Einrücken mit. Wie er­staunte er jedoch, als das Inserat nicht erschien, dagegen sich der Drogist einfand und für die freundliche Einladung zur Wurstsuppe dankte. Es stellte sich nun heraus, daß das Mädchen die Druckerei mit der Drogerie verwechselt hatte.

W. Nürnberg, 19. Dezbr., nachts. Die Pegnitz ist ausgetreten. Niedrig gelegene Theile der Altstadt stehen unter Wasser. Das Wasser steigt noch.

Sport.

Internationale Radrennen im Hippodrom zu Frankfurt a. M. Dank dem Wiedererwachen des sportlichen Interesses für Radwettfahrten, hat sich auch in diesem Winter ein Komitee gebildet, um radsportliche Wett- kämpfe zu arrangiren. Es finden bereits am 26. und 28. Dezember Radrennen statt, zu denen wir nachstehende Aus­schreibung veröffentlichen: EröffnungSfahren 2000 m für Herrenfahrer. Hauptfahren 3000 m für Berufsfahrer. Prä- mienfahren 4500 m für Herrenfahrer. Hauptfahren 2000 m

winnung jedenfalls nicht ohne bedeutenden Kosten - Aufwand erreicht wurde. Wenden wir uns nachfolgend zu dem er­brachten Genusse des gefeierten Künstlers selbst t Figürlich klein an Körper, erstrahlt uns aus diesem ernsten Bilde ein inhalts­reicher Riesengeist. Kein Wunder daher, daß solcher Künstler­schaft die Gnadensonne unseres Herrscherhauses, besonders aber die Liebe und Zuneigung unseres deutschen Kronprinzen be­sonders entgegenleuchtet. Die Vorzüge, die uns bei der Dar­bietung jener bravouren Glanzleistungen merklich entgegen- traten, waren vor allem die unbeschreibbare Fertigkeit in der Be­herrschung der schwierigsten Intervallen, Paffage und Läufe, wie solche in den genialen Tonwerken von R. Schumann, I. S. Bach, Mendelsohn und besonders des für viele unbegreif­lichen Meisters Paganini, welche in herrlichster Vollendung ge­boten wurden, in Hülle und Fülle geradezu strotzten. Nur Derjenige, der selbst den Bogen führt und eS vielleicht auch in seinem Streben zu einer erklecklichen Höhe gebracht, ist imstande zn begreifen, welche Fülle von Arbeit, welch' unverdrossener Fleiß und welche körperliche und geistige Anstrengung der Er­langung solcher künstlerischen Darstellung vorausginaen. Wie ein emsig sprudelnder, klar perlender Bach, so fioffm die reinsten Töne und schwierigsten Intervalle der oft leidenschaftlichen und schwermüthigsten Empfindungen im sanftesten Zauber einer äußerst leichten Technik und in der ' großzügig überlegenen Beherrschung einer zart­fühlenden Dynamik glockenrein und wohlthuend dahin. Eine besondere Gefühlswärme und Jnhaltstiefe verbreitete des un­sterblichen R. Schumanns edles Tonwerk, betiteltTräumerei", welches wohl neben der Bach'schenGavotte" und vor Allem der letzten Nummer, betiteltNel cor piü non mi esento" (Ein frommes Herz ist nicht mein Sinn) von Paganini, als die Perlen des Abends gelten dürften. Nur wenigen Sterb­lichen ist es vergönnt, jenes Riesentongemälde wie letzteres nachzuahmeu und in solch meisterhafter Weise darzustellen, wie wir gestern Gelegenheit hatten, es von dem bedeutendsten Interpreten Paganinis, von Herrn Willy Burmester, zu hören.