Erstes Blatt.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzelle oder deren Raum, für Auswärts 15 Psg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
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Verantwort!. Redakteur; G. Schrecker in Hanau,
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern deS verein, tu. Waisenhauses in Hanau.
Nr. 292. Fernsprecians^luß Nr. 605.
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Montag den 15. Dezember
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1902
Amtliches.
Stadtkreis Danau.
Bekanntmachung.
Der Kaufmann Wilh. Eckel jr., Allstädter Markt Nr 1. wohnhaft, hält Brieftauben, welche der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt sind, mithin den Schutz des Reichs- gesetzes vom 28 Mai 1894, betr. den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege, genießen.
Hanau den 12. Dezember 1902.
Königliche Polizei-Direktion.
P 11911__v. Beckerath.__________________
Stadtkreis hanau* Belanntmachnnqen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Für das durch Tod ausgeschiedene Mitglied der Stadt- verordneten-Versammlung, Rentner Heinrich Seitz I, ist in der III. Wahlabtheilung eine Ersatzwahl für die bis Ende 1905 laufende Wahlzeit vorzunehmen. Die Wahl kann nur auf einen Hausbesitzer gerichtet werder » Wir laden hierdurch die Siimmberecktigien der III. Wählerklasse zu der auf Dienstag den 6. Januar und Mittwoch den 7. Januar 1903, von vormittags 10 bis mittags 1 Uhr und nachmittags von 4 bis 8 Uhr, statt findenden Wahl hierdurch ein; die Wähler, deren Name mit den Buchstaben A—K beginnt, wählen im unteren Saale, chio Mähler, deren Name mit den Buchstaben L—I beginnt, im oberen Saale des Neustadter Nathhauses. Zur 111. Wahlabtheilung gehören die in der Liste der Stimmberechtigten verzeichneten Wähler, welche an direkten Steuern (Staats- und Gemeindesteuern zulammengerechnel) insder Stadt Hanau für das Rechnungsjahr 1902: 184,10 Mark und weniger entrichtet haben.
Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Personen, welche in der Liste der Stimmberechtigten verzeichnet sind.
Hanau den 9. Dezember 1902.
Der Magistrat.
____Dr. Gebeschus._______ 22429
Die Kreissparkasse ist in der Zeit vom 24. bis einschlietzlich 30, d. Mts. für den Verkehr mit dem Publikum geschlossen.
Hanau den 15. Dezember 1902.
Der Vorstand der Kreissparkasse.
J. A.: Schneider.
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Feuilleton.
Die Altcbnrg bei Rtickingeu.
Von H. W.
(Nachdruck verboten.)
Verödet steht es dorten,
Ein Deukinal früh'rer Zeit.
Nahezu ein Säculum ist verflossen seit dem Tage, an dem die Alteburg bei Rückingen wieder „entdeckt" wurde. Zwei Jahrtausende hatte diese, das alte Römerbad, einen Dornröschenschlaf gehalten, bis sie durch einen Zufall wieder freigelegt wurde. Eine kurze Schilderung dieser „Entdeckung" soll der Zweck nachfolgender Zeilen sein.
Schon in den Jahren 1777 und 1778 waren gelegentlich der Herstellung der Hanau-Rückinger Chaussee mehrere Urnen, Töpfe und Lampen gefunden worden, darunter Ziegelsteine mit der Inschrift Leg. XXII, ein Beweis, daß diese Ueber- reste römiicher Herrschaft von der bekannten 22. Legion her- rührten. Von dieser Legion standen Abtheilungen in Bergen, Kesselstadt-Hanou, Rückingen, Groß-Krotzenburg, Seligenstadt und weiter bis nach Amorbach hin. — Ungefähr 10 Minuten westlich von Rückingen, rechts der Kinzig, liegt zwischen dem Langenwasser- und Heidengraben die schon seit jeher so genannte Alteburg. (Aalebork.) Bis vor 100 Jahren war auf diesem Felde nichts zu sehen als eine kleine, wenige Fuß hohe Erhöhung. Im Jahre 1804 stieß der damalige Pächier des Rückinger Hofgutes bei Bearbeitung des Feldes zuerst auf verschiedene Gefäße und dann auf festes Gemäuer. Er machte sofort dem damals in Langenselbold residirenden Fürsten Karl Friedrich Ludwig Moritz von Jsenburg-Birstein, einem eifrigen Sammler von Alterthümern, Mittheilung von seinem Funde. Der Fürst ordnete nun sofort die Ausgrabungsarbeiten an und leitete dieselben ver,önlich. Für wertboolle
Gefundene und verlerene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Federboa, 1 Pompadur (Inhalt 2 Paar Handschuhe, Taschentuch, Brosche und Armband), 1 Portemonnaie mit 5 Pfg. (im Siadttbeater liegen geblieben).
Verloren: 1 Visitenkarten!äschchen mit einer Monatsfahrkarte Offenbach—s anau-Ost für Anna Knitelius, 1 Portemonnaie mit ungefähr 15—16 Mk., einer bezahlten Rechnung van Hensel und einer unbezahlten von Sichel, 1 schwarze runde Pelzmütze.
Zugelaufen: 1 braun- u-d we'ßgefleckter Jagdhund, 1 brauner Jagdhund mit weißer Brust m. Gesch., 1 Ziehhund, abzuholen beim Bürgermeisteramt zu Oberdorfelden.
Zugeflogen: 1 Brieftaube mitMejstngringam rechten Bein mit Nr. 14269.
Hanau den 15. Dezember 1902.
Zu den Wirren in Venezuela.
Das Schicksal des Castroschen Vorschlages, daß die Vereinigten Staaten in dem Streite zwischen ihm und den Regierungen von Deutschland und England vermitteln möchten und daß hierfür die Form eines schiedsgerichtlichen Verfahrens gewählt werde, ist noch ganz unklar. Zunächst ist der Vorschlag an den amtlichen Stellen in Berlin und London noch immer nicht bekannt geworden. In Amerika verspricht man sich nicht viel davon, wie aus nachstehendem Telegramm her« vorgeht:
Newhork, 13. Dezbr. In den Regierungskreisen zu Washington bezweifelt man die Ausrichtigkeit des Schiedsae- richtsvorschlages des Präsidenten Castro. Er benutze vielleicht die Gelegenheit, um eigene Ansprüche, so die gegen die Orinoco- Steamship-Company, vorzubringen.
Ueber die in England und Amerika im gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit verbreiteten Stimmungen berichten folgende Privattelegramme des „B. L.-A.":
London, 13. Dezbr. Die „St. James' Gazette" will aus Regierungskreisen erfahren haben, England sei bereit, seine Forderungen an Venezuela unter gewissen Bedingungen einem Schiedsverfahren zu unterwerfen. Zwei dieser Bestimmungen sind folgende: Venezuela soll eine Summe baaren Geldes zahlen — man schlägt dreißigtausend Dollars vor — um seine bona fides zu beweisen; sodann soll während deS Schiedsverfahrens der Schiedsrichter die Kontrolle der venezolanischen Zölle erhalten. Der englischen Regierung sei noch nicht bekannt, welche Stellung Deutschland zu der Frage des Schiedsverfahrens einzunehmen gedenke, doch finde augenblicklich ein Meinungsaustausch darüber zwischen Berlin und London statt. Lord Cranborne soll Dienstag im Unterhause darüber
Fundgegenstände belohnte er die Arbeiter reichlich, um ihren Eifer anzuregen. So erhielt ein Arbeiter, der eine goldene Münze des Kaisers Hadrian (regierte von 117—138 n. Chr.) fand, die für die damalige Zeit gewiß ansehnliche Belohnung von 4 Kronenthalern. Obwohl die Arbeiten wegen der Kriegsläuste nur langsam vorwärts schritten, so war doch die Ausbeute eine verhältnißmäßig reiche zu nennen. Jahre nahmen die Freilegungsarbeiten in Anspruch. Endlich, im Jahre 1812, waren die Grundmauern völlig sichtbar und durch Sachverständige wurde erwiesen, daß man es mit den Resten eines Römerbades zu thun hatte. Der Fürst hatte erwogen, die Ruinen mit einem Schutzdachs versthen zu lassen, wurde aber an der Ausführung dieses Planes verhindert, weil ihn seine Pflichten als französischer Offizier nach Spanien riefen, um an dem Feldzuge gegen dieses Volk theilzunehmen. Auch später wurden die Arbeiten infolge der unaufhörlichen Truppen- durchzöge und Einquartierungen sehr vernachlässigt und der Gedanke, die freikriegten Reste einer für unser Vaterland bedeutungsvollen Epoche vor den Unbilden der Witterung einigermaßen zu schützen, gerieth ganz in Vergessenheit. Seitdem ist das Mauerwerk, auch infolge unverständiger Verwüstungen, immer mehr zerfallen. Wohl ist der Grundriß in einigen Theilen noch erkennbar. Aber auch diese wenigen Reste sind von Dornen und Gestrüpp überwuchert und die Zeit wird kommen, wo auch diese letzten sichtbaren Reste römischer Herrschaft in dieser Gegend verschwunden sind.
Es übrigt noch, auf die gemachten Funde an beweglichen Gegenständen zurückzukommen. Diese wurden, zuerst in das Langenselbolder Schloß verbracht. Nach dem Rückzüge der Franzosen im Jahre 1813 wurde vieles von den nachfolgenden Kosaken zerschlagen. Die Ueberreste kamen dann in das Birsteiner Schloß. Darunter befanden sich: 4 Urnen, 40 bis 50 Tonkrüge, eine Vase, 4 Tonkannen, ferner Lampen, Teller, Ringe, Haarnadeln nnb andere Zicrrathe. Die gefundenen Münzen stammten aus der Zeit der römischen Kaiser Ncroa (96—98), Trojan (98 — 117) und Hadrian (117—
interpellirt werden, ob die Regierung versucht habe, die Frage einem Schiedsverfahren zu überweisen und ob solches Anerbieten abgelehnt wurde.
London, 13. Dezbr. Der New Park Commercial Ad- vertiser bringt folgende Aeußerung eines einflußreichen Senators, vermuthlich Lodged-Massachusetts; Castro hat bewiesen, daß die Monroedocirin nicht ausreicht, und daß eine Art Polizeigewalt über Venezuela nothwendig ist, um ein stabiles Regiment zu garantiren. Etwas Aehnliches, wie das Arrangement mit Cuba, das dessen Verschuldungsfähigkeit beschränkt und die Union berechtigt, zum Schutze der Unabhängigkeit von Cuba zu interveniren, sollte für die anderen kleinen Republiken gelten. Das werde durch den Panamakanal für Panama und den Norden Südamerikas nothwendig werden.
Man wird annehmen dürfen, daß die verbündeten Flotten- befehlshaber für alle ihre Maßnahmen wohlerwogene Gründe geltend zu machen haben. Es wird ihnen nichts ferner liegen als nutzlose Zerstörung fremden Eigenthums oder gar muth- willige Herbeiführung eines Blutvergießens. Ihre näheren Berichte werden sicherlich auch in Amerika jeden Argwohn beseitigen. Als Beispiel dafür, mit welchen Möglichkeiten bei dieser Aktion gerechnet werden muß, lassen wir das nachstehende Telegramme folgen:
London, 13. Dezbr. In hiesigen gut informirten Kreisen will man wissen, es seien allerdings die Deutschen gewesen, welche die venezolanischen Kriegsschiffe in den Grund bohrten, aber sie hätten es mit gutem Grunde gethan, da die Venezolaner ihnen auf den gefangenen Schiffen wahrscheinlich eine hinterlistige Falle gelegt, vermuthlich durch Anbohren der Schiffe, so daß deren deutsche Besatzung sehr gefährdet gewesen wäre.
Weitere Telegramme vom Sonntag berichten über die Er- eignisse in Venezuela noch Folgendes:
W. Washington, 13. Dezbr. Präsident Roosevelt und Staatssekretär Hay hatten eine Besprechung in Betreff der venezolanischen Angelegenheit. Beide sind der Ansicht, daß wenn nicht unerwartete Verwickelungen ein- treten, die Vereinigten Staaten sich in den Streit nicht ernstlich mit hineinziehen lassen sollen.
W. La Guaira, 13. Dezbr. Der englische Dampfer „T o p a g e" wurde am 10. Dezember von der Bevölkerung von Puerto Cabello beschlagnahmt, am 13. Dezember aber wieder freigegeben. Die deutschen Schiffe „Falke" und „Panther" sowie das amerikanische Kanonenboot „M a- rietta" sind hier eingetroffen. Das deutsche Kriegsschiff „V i n e t a" nahm das venezolanische Kanonenboot „Restau- rador", als es G u a n t a verließ. Eine aus Kaufleuten von Caracas bestehende Kommission stattete im Auftrage Castros
138 n. Chr.) Bis in die neuere Zeit wurden noch hin und wieder Münzen gefunden, besonders auf dem zwischen der Alteburg und der Chaussee liegenden römischen Gräberfeld. Die Ausbeute der neueren Zeit ist dem die Ausgrabungen leitenden Hanauer Geschichtsverein überwiesen worden. Doch dürften sich auch noch bei diesem und jenem Rückinger Einwohner Münzen finden.
Das ncuerdantc Rathhaus zu Fecheuheim.
Nach eineinhalbjähriger eifriger und angestrengtester Bauthätigkeit steht unser Rathhaus nun — nachdem die bisherige Baiieinfriedignng und auch das seither in Benutz gebliebene alte Dienstgebäude Beseitigt sind, welche den freien Blick auf den hinter demselben erstandenen Neubau hemmte, in seiner wirklich majestäti'chen Größe und vollendeter Schönheit und Pracht da, ein geniales Meisterwerk seiner Erbauer und Bauleiter. Don welcher Seite man sich auch unserem Orte nahen mag, von überall her zieht der stolze und alles überragende Bau mit seinen Giebeln und dem selbst die Thürme der beiden hiesigen Kirchen noch übersteigenden Dachreiter den Blick auf sich, unwillkürlich den Besucher unseres Ortes zur näheren Besichtigung einladend.
Auf schwerem, rings um das Gebäude sich hinziehenden festen und starken Granit erhebt sich in der Vorderfayade bis zur Fensterhöhe des Erdgeschosses ein Schichtenlockel aus rothem Mainthalsandstein und über diesem bis zum Fenster- bankparterr des ersten Stockes aus Dolomit aufgeführtes Mauerwerk. Auffallend von diesem durch ihren weißen, horizontalen Kammverputz hebt sich die weiter aufsteigende Faqade ab bis zum Dache hin. Die ganze Fa?ade aber erhält ein reich gestaltetes und malerisches Aussehen durch die Reihen bet in Form und Gestalt wechselnden Fenster in ihrer rothen Sandsteinfassung, durch den inmitten derselben not gebauten Balkon und einem im 2. Stock an der linken Giebelseite angeordneten Altan, dessen Brüstungsgeländer ein