Erstes Blatt.
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Walsenhaufes m Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!, Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
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%t, 287. Fernsprechanickluß Nr. 605»
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Dienstag den 9. Dezember gmhntww %. «05.
1902
Gefundene und verlorene Gegenstände 2t,
Gefunden: 1 goldener Ring mit rothem Stein, 1 grau gewürfelter Shawl, 1 alter blauer Damenrock, 1 Paar alte weiße Herrenhandschuhe, 1 schwarze Binde und graue Wolle in grauem Papier eingewickelt.
Verloren: 1 schwarzer seidener Pompadur mit einem schwarzen Strumpf, 1 Schirmzeichen von P. Heinzinger.
Hue Stadt und Cand*
Hanau, 9. Dezember.
♦ Das Mündel des Komödianten nennt sich unser neuer Roman von A. Bruns, mit dessen Veröffentlichung wir heute in unterer täglichen Unterhaltungsbeilage beginnen. Der Verfasser führt unS darin in zwei Gefillschaftssphären, die himmelweit auseinanderliegen: die exklusive hohe Aristokratie Englands und das Komödiantenthum in dortigen Provinzstädten. Das Bindeglied zwischen diesen beiden so ungleich gearteten Menschenklassen bildet dir Heldin, deren wechielreicheS Schicksal sie zwischen beiden hin- und her- schleudert. Wie herbe Erfahrungen ihren anfangs störrischen eitlen Charakter läutern, so daß dessen gute und edle Seiten siegreich hervortrelen, wie nach einer ersten Herzenstäuschung warme Dankbarkeit in ihr das B'ümlein echter, dauernder Liebe er'prießeu läßt, ist in seiner und doch plastischer Darstellung anziehend geschildert. Ein geheiniß« volles Verbrechen, das die junge Heldin gegen ihr Wissen unb Wollen in tone verderbenbringenden Kreise zieht, verleiht dem Ganzen einen weiteren, prickelnden Reiz und erhöht die starke.Spannung, die sich durch den packenden Szenen- «ufbau der talentvollen Arbeit zieht.
* Postpacket-Berkehr. Die Vereinigung mehrerer Packete zu einer Postpacketadresse ist für die Zeit vom 1 5. bis 25. Dezember im inneren deutschen Verkehr n i dj t gestattet. Auch für den Auslandsverkehr wird dem Publikum empfohlen, während dieser Zeit in seinem eigenen Interesse zu jedem Packet besondere Begleitpapiere anzuferligen.
* Mr das Benttigfen-Denkmal sind in hiesige r Stadt 545 Mk. beigesteuert und am Samstag an das Zentralkomitee in Hannover aboeführt worden.
** Die Kälte. Das Maineis hat sich gestellt, der ganze Strom ist jetzt zugefroren. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag schien es, als sollten wir gelinderes Wetter bekommen, da die Temperatur erheblich in die Höhe gegangen und Schneefall eingetreten war, doch hat sich dies in der darauffolgenden Nackt schnell wieder geändert. Heute Morgen waren es 12 Grad Kälte. — Spaßeshalber sei hier
Feuilleton.
Hanauer Stadttheatcr.
Hanau, 8. Dezember.
Mit erwartungsvoller Spannung sah man auch hier der für letzten Sonntag angelegten Erstaufführung von Hermann Sudermanns neuem fünfaktigen Drama „Es lebe das Leben" entgegen. Der erfolg- ^iche Autor hatte in jüngster Zeit die öffentliche Aufmerksamkeit im Besonderen erregt durch die heftige Fehde, in welche er mit einigen hervorragenden Vertretern der Berliner Kritik gerathen war und in der harte und 'charfe Worte fielen. Gerade die Beurtheilung dieses jüngsten feiner Wecke, die n cht überall eine besonders günstige gewesen ist, scheint dem Dichter mit die Veranlassung zu dem erbitterten Meinungsstreite cegeben zu haben. Die Ausnahme, die das neue Drama am Sonntag hier gefunden, erreichte nicht jenen allgemeinen stürmischen Beifall, mit bem man einst die Ehre und die Heimath auszeichnete, aber es war doch ein freundlicher Erfolg und die Zechen der Anerkennung steigerten sich von Akt zu Akt. Die Beurtheilung dieses jüngsten Sudermannschen Dramas ist nicht ganz leicht; es zeigt die äußeren glänzenden Eiaenschasten seines Verfassers in der wirksamen theatralischen Behandlung des Stoffes, es sind interessant gestaltete Charaktere, d e er auf die Bretter stellt, manche mit wenigen Strichen scharf und marfant gezeichnet, glücklich ist dem Milieu die Stimmung gewahrt, aber im Ganzen fehlt doch so manches an Natürlichkeit und Wahrheit. Daß seine kurz ersonnene Handlung ein fesselndes Schau- spiel abgibt, ist unzweifelhaft. Wir wollen nicht des Näheren auf die Handlung des Stückes eingeben, da noch weitere Aufführungen des Schauspiels zu erwarten sind und die ausführliche Bekanntgabe derselben das Jmereffe beeinträchtigen könnte, aber das wollen wir noch aussprechen, daß wir gerade in der Führung der Handlung und der Entwickelung der Char klere eine seltsame Mischung von Wahrheit und Widernatürlichem finden und dem Dichter bei dem besten Willen nicht alles zu glauben vermögen, was sich vor unteren Augen auf den Breitern ab pielt. Die Aufführung nnter der Regie des Herrn Retz- bach war eine recht lobenswerte. Frl. Tor an brächte den Charakter
„Beate" zu vorzüglicher Jndividualisirung; behaltene Liebe und Leidenschaft gepaart mit der Nervosimt des Schulvrewußt^ins brächte ste treffend zum Ausdruck, man glaubte ihrer Darstellung die geistvolle §rau, die einen so mächtigen Einfluß auf ihre Umgebung auszuüben M Stande ist. Der Graf „Michael von Bellingbausen" war bei Herrn
angefügt, was Falb über die Temperatur in der ersten Woche des Dez-mber 1902 „prophezeit" hat: „Die Temperatur steht ungewöhnlich hoch über der normalen. Schneefälle dürften kaum eintreten."
* Stadttheater. (Gastspiel !>es Berliner Theaters „Schall und Rauch".) Wie bereits mitge- theilt, findet am nächsten Donnerstag im hiesigen St?*".heater ein einmaliges Gastspiel des Berliner Intimen Theaters »Schall und Rauch" statt. „Schall und Rauch" hat sich au? der Hochfluth der Urberbrettl, mit denen es übrigens nichts gemein hat, allein in Berlin zu behaupten vermocht und zwar Dank eines gewählten Repertoirs und einer vortrefflichen Künstlerschaar. Von Prrmiöre zu Premiere steigerten sich die Erfolge dieses Theaters, daS heute von der gekämmten hauptstädtischen Presse künstlerisch ernst genommen wird. Der Spielplan umfaßt vorwiegend satirische und parodiftische Einakter, Burlesken und Cabareiszenen und gewinnt einen bedeutenden Reiz dadurch, daß jeder Vorstellung Serenissimus in seiner Loge beiwohnt und die Schauspieler allergnädigst anzusprechen geruht. In seiner Begleitung befindet sich stets sein getreuer persönlicher Adjutant Exzellenz Freiherr von Kind ermann. Zu den Mitwirkenden zählen erste Berliner Kräfte. Zur Aufführung gelangen einige Novitäten, die zum Theil in Berlin über 100 Mal gegeben wurden, und endlich die Serenissimus- Zwischenspiele, welch letztere sowohl in Berlin, als bei allen Gastspielen die größte Anziehungskraft ausübten. Die Vor-, stellung findet außer Abonnement bei gewöhnlichen Preisen statt. Vorrecht der geraden Nummern morgen Mittwoch von 10—12 und von 2—4 Uhr.
* Der Verein der Svessartfrennde hat im ver- jUjpnen Zahn seine Aufgabe nach Innen und Außen zu lösen gesucht und in dem Bestreben, die Kenninrß - des Spessarts zu erweitern, seinen Besuch zu erleichtern und änziehenver zu machen, mancherlei erreicht. Die Versammlung in Heigen- brücken am 26. Oktober brächte eine Annäherung an die abseits siebenden Speffartvereine und eine festere Organisation des Verbandes der Speffartfreunde zu Stande. ' Dieser wird Hoffentlich in Kürze ein" nach Außen einheitlich geleiteter Spessartbund entspringen, jedoch auf der Grundlage innerlich freier Bundesvereine. In Heigenbrücken wurde das Kartellstatut dieser Vereinigung und der Beitriit zum Allgemeinen Verband deutscher Tauristenvereine beschlossen; die Aufnahme in denselben erfolgte durch den Zentral-Ausschuß in Straßburg am 6. November. Als Vorort des Syessartbundes wurde für alle Zeit aus historischen und praktischen Gründen Aschaffenburg bestimmt. Der hiesige Verein soll als anerkannter Verein inS Bereinsregister eingetragen und soll zu diesem Zwecke demnächst eine Generalversammlung einberufen werden. Dadurch kommt der Verein in die Lage, eventuell
Sangt in guten Händen, er verkörperte den vom Standesbewußtsein erfüllten Aristokraten in treffender Charakteristik. Herr Feist als „Baron von Völkerlingk" war ebenfalls recht gut a'm Platze und zeichnete die wechselnden Empfin»ungen diskret und sicher. Herr Becker als „Norbert" war in seinen jugendlichen Aufwallungen und Regungen überzeugend und Frl. Leoni als „Ellen" gab sich frisch und natürlich. Für die spitze Zunge der Frau Leoni fand Frau Ri eger den reckten Ton, und die weiteren kleineren Parth en wurden wirksam verkörpert, so der „Baron Ludw g v, Böckerlingk" du-ch Herrn R e tz b a ch, der „Prinz Ufingen" durch Herm S chw a r z, der „Baron v.Brachtmann" durch Herrn Nygrin, der Herr „v. Berkelw tz" du ch Herrn G ehr Mann, der „Holunann" durch Herrn Firmans, der „Möixner" durch Herrn Schwersensky und der „Kohlenberg" durch Herrn Krug.
Kunst und Leben.
Hanau, 9. Dezember.
§ Bortrag. „Warum wir sterben müssen", ein eigenartiges Thema, wie uns beim ersten Anblick dünkt, und hundert Antworten hat gewiß ein Jeder sofort bereit, um für das so leidige Sterbmmüssen Gründe und Ursachm nach jeder Richtung zu erbringen. Um so interessanter ist es, eine wissenschaftliche Begründung dieser sicherlich von den meisten Menschen als fatal empfundenen Nothwendigkeit zu hören, wozu unS gestern im Hörsaale der „Wetterauischen Gesellschaft" durch einen Vertrag des Herrn Professor v. Büngner Gelegenheit geboten war, und mancher Lebensfreund unb Verehrer der irdischen Freuden würde für diese Daseinsfrage, über die er wohl schon manchesmal in bitterer Resignation philolophirte, die natürliche Erklärung erhalten haben. Wir wollen versuchen, über die lehrreichen und in allen Einzelheiten fesselnden Darlegungen des geschätzten Redners einen allgemeinen Ueberblick zu geben. Die erste Frage ist wohl die, warum werben wir alt, bezw. warum werden wir mit zunehmenden Jahren schwächlich, hinfällig und gegen die äußeren Einflüsse weniger wider- standskräftig? Im Allgemeinen durch einen natürlichen Vorgang, der unter dem Namen Aderverkalkung wohl Vielen bereits bikannt ist Man muß hier vor Allem den Kreislauf
Schenkungen anzunehmen, eine Haftpflichtversicherung hinsichtlich möglicher Unfälle bei Besteigung der Aussichtsthürme ein» zugehen u. s. w. Der „Tourist" ward als offizielles Organ für die einzelnen Zweigvereine bestellt und liegt für den hiesigen Verein in der „Restauration Kippert"Z(Mohr) auf. — Zur Hebung heä Touristenverkehrs soll eine einheitliche Wegemarkirung herbeigeführt werden und bis zu Beginn des Frühmb'-s eine neue Karte zur Ausgabe gelangen. Zur besseren Verpflegung und Beherbergung der Touristen erging an alle besseren Wirthe des ganzen Spessartgebietes ein Rundschreiben seitens des Vereins, worin dieselben auf billige Bezugsanellen von Fleischwaaren, Konserven und anderen Bedarfsm^.'keln (Küchengeschirren, Möbel u. s. w.) aufmerksam gemacht und ersucht wurden, in der rauhen Jahreszeit, wo die ländliche Arbeit ruht, ihre erwachsenen Töchter in Haushaltungsschulen als reinliche und tüchtige Köchinnen, die Söhne (dir künftigen Wirthe) zur Erlernung der Anfangsgründe der Bedienung, der Behandlung der Speisen und Getränke in Restaurationen und Gasthöfen von der Pique aus, b. i. vom Hausburschen zum Oberkellner, ausbilden zu lassen. Nur so wird es möglich sein, daß auch in Bezug auf Ver- proviantirung und Beherbergung der Fremden und Reisenden der Spessart mit anderen Gebirgen auf gleiche Stufe gestellt werden kann. Natürlich müssen Geistliche und Lehrer, Beamte, namentlich die Forstleute, wie auch die Lieferanten von Lebensund Genußmitteln bei solchen Unternehmungen eifrig mit» wirken, die Wirthe amklären und ermuntern; auch die gemeinnützigen Organisationen und Vereine, die zur Hebung der Viehzucht, des Obstbaues, der Gemüsegärt^erei u. s. «. existi- ren, sollten nach dieser Richtung ihre Wirksamkeit ausdehnen; denn es liegt da noch vieles im Argen; und doch erwerben sich alle ein volkswirthsLaftliches Verdienst, wenn sie den Passantenverkehr im Spessart zu heben sich bestreben und dadurch Geld in das Land bringen. Wie viele, früher ganz arme Gebirgsgegenden bieten jetzt trotz der schlechten Zeiten das Bild von behäbiger Wohlhabenheit. Darum auch in dieser Beziehung allen Spessartfreunden ein kräftiges „Frisch auf!" zum Segen des Spessarts und seiner Bewohner!
* Preisgekrönt. Bei der in Bockenheim stattgefundenen Geflügelausstellung erhielten folgende Herren Preise: Herr Hensel-Hanau: 1. Preis auf blaue Römer, 2. Preis auf weiße Römer, 4. Preis auf rothe Römer, 1. u. Ehrenpreis auf blaue Malteser, 3. Preis auf blaue Malteser, 2. Preis auf Cob. Lerchen. Herr Hummel-Hanau: 2. Preis auf gehämmerte engl. Mövchen, 3. Preis auf gehämmerte engl. Möv- chen, 3. Preis auf blaue engl. Mövchen, 3. Preis auf schwarze Indianer, 2. Preis auf gelbe Indianer. Vorgenannte beide Herren sind Mitglieder des hiesigen Geflügelzuchtvereins.
des Blutes im Auge behalten, das bekanntlich von der linken Herzkammer aus durch blasbalgartiges Zusammenziehen des Herzmuskels in die Pulsadern getrieben wird und sich in die alle Körpertheile durchziehenden feinen Blutgefäße vertheilt, um von hier aus nach Abgabe des Ernährungsstoffes an die Körper- zellen in die Venen zu fließen und durch diese zum Herzen, und zwar in die rechte Hälfte, zurückgeleitet zu werden. Der Herzmuskel treibt diese abgenutzte Blutmasse durch eine andere Oeffnung nunmehr zur Aufnahme von Sauerstoff in die Lunge, von wo aus sie sich wieder an seinen Ausgangspunkt, in die linke ^Herzkammer, zurück ergießt. Als Triebkraft für die Bewegung des Blutes kommt neben der schon erwähnten Herzthätigkeit hauptsächlich die Elastizität der gesammten Blutgefäße in Betracht, die durch die Fähigkeit, sich auszudehnen und nach Abfluß des Blutes wieder zusammen zu ziehen, das Herz bei dem Hinaustreiben der Blutmassen wesentlich unterstützen. Nun ist es aber natürlich, daß durch diese fortwährende Inanspruchnahme der Arterien-Elastizität die Gefäßwände allmählich an Spannkraft verlieren und schließlich sich erweitern, woraus, besonders in den unteren Extremitäten, Knotenbildungen entstehen können und hieraus resultirend Blutungen und Eiterungen nicht selten sind. Die Natur sucht nun in ihrem natürlichen Reparirungsbestreben diese Schäden auszugleichen unb setzt an Stelle dieser ausgeweiteien Arterienwände Narbenbilbungen an, die aber nicht elastisch sind und die deshalb auch das Herz in seiner Thätigkeit nicht unterstützen können. Wird nun im Laufe der Jahre unser Blntgefäßsystem immer mehr von solchen Narbenbildungen durchsetzt, so ist es begreiflich, daß die Arbeit des Herzens eine immer anstrengendere wird, daß dieses schließlich auch erlahmt, den gestellten immer größeren Ansprüchen nur noch mühsam nachzukommen vermag, sodaß das Blut immer langsamer in unseren Adern rollt und das Gefühl von Kälte in den Gliedern sich immer leichter bemerkbar macht, bis es endlich erschöpft stille steht. Aus dieser schwachen Blutzirkulation und der mangelnden Herzkraft erklärt sich auch die ae-