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Montag
24. November
Eff-n, 23. Nov. Das Telegramm deS Reichskanzlers an das Direktorium der Firma Krupp hat folgenden Wortlaut: Tief ergriffen durch die Mitiheilung von dem plötzlichen Hinscheiden des von mir hochgeschätzten Geheimraths Krupp betrauere ich mit Ihnen, seinen Beamten, Arbeitern und Freunden aufs Schmerzlichste den bewährten Leiter unseres größten industriellen Unternehmens, treueren Diener des Königs und fürsorgenden Vater seiner Angestellten.
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Nur drei Generationen in smännlicher Linie hat das zu so großartiger Blüthe gelangte Kruppsche Werk als Eigenthümer erlebt. Der Großvater des nun Verstorbenen, Friedrich Krupp, geboren 1787, besaß in Altenessen ein durch Wasser getriebenes kleines Hammerwerk unb errichtete 1818 bei Essen eine kleine Fabrik, die bei seinem 1826 erfolgten Tode saunt noch Beschäftigung hatte. Es ist bekannt, wie auch sein Sohn Alfred Krupp lange Zeit unter ungünstigen Verhältnissen litt, und wie der We!tru? der Firma erst 1855 infolge der Vorführung eines Stablblocks auf der Londoner Weltausstellung begründet ward. Alfred Krupp starb 1887, und sein am 17. Februar 1854 geborener einziger Sohn Friedrich Alfred übernahm die Leitung. Im Alter von nur 48 Jahren ist er jetzt verstorben und hinterläßt neben der so furchtbar getroffenen Wittwe, die wegen Nervenerschütterung schon eine Heilanstalt aufsuchen mußte, bloß zwei Töchter, welche in diesem Jahre konsirmirt worden sind. Friedrich Alfred Krupp war eine stille in sich gekehrte Natur; jede Ueberhebung, stand ihm fern; daß er ein Herz für seine Arbeiter gehabt hat, bezeugen trotz aller sozialdemokratischen Verleumdungen und Ver- hetzungen die ganzen munergiltDen Zustände auf den Kruppschen Werken. Mit deren Leitung hat der Dahinge'chiedene sich selbst seit Jahren wohl nicht mehr viel beschäftigt; sie unterstehen einem Direktorium, an dessen Spitze bis vor Kurzem Geh. Finanzrath genese wirkte, dem in diesem Sommer Landrath Rötger gefolgt ist. Selbstverständlich wird gesorgt werden müssen, daß das Kruppsche Unternehmen, welches ein nationales Interesse und ein nationaler Stolz ist, auch weiterhin bestehen bleibe und blühe. Es ist bekannt, wie Kaiser Wilhelm Krupp besonders ausgezeichnetund ihn wiederholt auf Villa Hügel besucht hat; noch im letzten Frühjahr war der Kaiser dort zu Gaste. Den ihm ungebetenen Adel hat Krupp, wie sein Vater, abgelehnt; zu dem Titel Geheimer Kommerzienrath erhielt er vor nicht langer Zeit den Titel Exzellenz als Wirklicher Geheimer Rath. Im politischen Leben ist Krupp wenig hervor- getreten. 1893 wurde er in den Reichstag gewählt, wo er sich als Hospitant der Deutschen Reichspartei anichloß; 1898 unterlag er gegen den Centrums-Kandidaten. Er war Mitglied des preußischen Herrenhauses und Staatsrathes.
Zu den Werken der Firma Friedrich Krupp gehören z. Z.: Die Gußstahlfabrik in Essen mit einem Schießplatz in Meppen; das Kruppsche Stahlwerk, vormals F. Asthöwer u. Co. in Annen i. W.; das Grusonwerk in Buckau bei Magdeburg ; die Germaniawerst in Kiel; 4. Hochofenanlagen bei Duisburg, ' Neuwied, Engers und Rheinhausen; eine Hütte bei Sayn mit Maschinenfabrik und Eisengießerei; 3. Kohlenzechen; eine große Anzahl von Eisen- steingruben in Deutschland; außerdem ist die Firma Friedrich Krnpp an Eisensteingrnben bei Bilbao in Nord-Spanien betheiligt; schließlich gehört ihr eine Rhederei in Rotterdam mit Seedampfern. Die hauptsächlichsten Erzeugnisse der '^ur- stahlfabrik in Essen sind Geschütze; bis 1. Januar 1902 wurden deren 39 876 Stück geliefert; ferner Geschosse, Zünder und Zündungen, Gewehrläufe, Panzer in Form von gewalzten Blechen und Platten für alle geschützten Theile der Kriegsschiffe sowie für Fortsnkationszwkcke, Eisenbahn Material, Schiffsbanmaterial, Maichinentheile jeder Art, Stahl- und Eisenbleche, Walzen, Werkzeugstahl, Haristahl, Spezialstahle, Stahlknüppel und Anderes. Die Rammte Jahresleistung der Firma Krupp an Versicherunas- und Kassenbeiträgen betrug im Jahre 1900 rund 32 s Millionen Mark. Nach der Aufnahme am 1. April 1902 bestes sich die Gcfammlzah! der auf den Kruppschen Werken beschäftigten Personen, eini! icl lich 3959 Beamten, auf 43 083, und einschließlich der Frauen und Kinder auf rund 150 000.
Die Liebe hört nimmer auf.
Eine Skizze zum Todtenfest von E. Gerhard.
(Nachdruck verboten).
Unablässig mit schwankenden Schritten ging er im Atelier 'uf und nieder, wirr hing ihm das volle, an den Sdttänn schon leicht ergraute Haar in die Stirne, seine Augen glühten, die große, starke Gestalt war gebeugt, als wäre ein Crfan über sie hingefahren, das Antlitz verwüstet von namenloser Qual. Er hörte nicht die frohen Stimmen seiner Schüler im Nebenraum, nicht das Geräusch ihrer Arbeit; feine Hände zerknitterten und entfalteten wieder ein Blatt, dessen Inhalt er oft schon belesen und der sich mit feuriger Schrift in sein Hirn gegraben.
Es war die kühle, 'achliche Mittheilung eines Komitees von dem Ausgange eines Prejsausichreibens für ein Utichar^ Wagner-Denkmal. Vergeblich halten seine Augen seinen Namen an der Spitze der Preisgekrönien gesucht, an der er bei ähnlichen Gelegenheiten so oft gestanden, vergeblich weiier nach unten, — sein Entwurf war nicht einmal mit ehrender Anerkennung bedacht!
Sein talentvollster Rivale hatte den ersten Preis davon- s getragen, den zweiten sein Schüler, der so oft in Bewunde- : rung gestammelt: „Meister, neben Ihnen bin ich ein s Stümper!" Und nun - alte der „Stümper" über ihn gesiegt, ’ Wie Beide jetzt mitleidig die Achsel zucken und habet doch frohlocken würden!
Auch er kannte dieses triumphirende Gefühl, er haue es ausgekostet bis zur Neige Jahre-, Jahrzehntelang, da er den Sieg errang über alle seine Freunde, Feinde und Neider, da sein Ruhm adlergicick aufgestiegen zur Sonne!
Und nun Mißerfolg auf Mißerfolg! Sein Bismärck ;
hatte in tonangebenden Kreisen die schärfste Verurteilung erfahren, sein Nvmphen-Drunnen für Bayern nur laue Anerkennung, die Aufträge häuften Ich nickt mehr, die Zeitungen wagten es schon, von seinem künstlerischen Niedergang zu sprechen.
Rutbart Mantius knirschte mit den Zähnen, er zerriß das Blatt in Atome. Mit dem Rickard Wagner-Entwurf hatte er gedacht, seinen alten Ruf zurückzuerobern, Alle, die ihn verspottet, zu seinen Füßen zu zwingen. Dachtest Du es im Ernst, Ruthart Mantius? War dieses Werk frei und schön Deiner Seele entsprossen, bräunte Dein Herz, wie Du es schufest, in heiligem Feuer? Nein, ach, nein! Lange schon zündete kein Strahl von oben in seiner Brust, lange schon war sein Sinn kalt, seine Hand machtlos, — sein Genius tot!
Verstört blickte er um sich. Da standen Abgüsse seiner früheren Schöpfungen und hier die letzten Entwürfe. Mit Grausen sah er den Unterschied. Jene waren von geistigem Leben erfüllt, diese konventionell; ohne Wärme geschaffen, konnte sie nicht Wärme erzeugen. Er, der sich den Göttern gleichgefühlt, war hin Künstler mehr!
In Perlen stand ihm der Schweiß auf der Stirne; es war, als senke üdß die Decke des Ateliers auf ihn hernieder, als müsse er ersticken. Nur hinaus, hinaus! Tosend fuhr ihm der Sturm entgegen, als er durch das Gärtchen die Bergstraße betrat, wirbelte welke Blätter in tollem Tänze vor ihm her, wühlte ihm das Haar auf. Er merkte es nicht. Taumelnd fast schritt er aufwärts, bald auf ebenem Wege, ba.d über Geröll und Gestrüpp in aihemlsser Hast, keuchend erreichte er die Anlöhe, auf der er oft gestanden und sich dort neue Kraft geholt
Heute farch er nicht die Befreiung, nach der er lechzte. Die Natur war groß, war herrlich, war vollkommen; diese wunderbaren Wolkengebilde, diese gigantischen Bergformationen, diese dunkeln Wälder — sie predigen überzeugend die Größe und die Kraft ihres Schöpfers. Seine Werke aber sprechen von seiner Ohnmacht' Herunter darum von der freien Höhe! Dahin gehörte er nicht mehr, nur in das dumpfe, niedere Thal.
Warum aber war es so? Warum konnte er nicht mehr Unvergängliches schaffen, wie einst, er — ein Mann in der Blüthe der Jahre noch, und wann trat diese Wandlung ein?
Schwer und dumpf klingen Glockentöne zu ihm empor, sie mischten sich mit den helleren Klängen vom Höhenkirchlein herab; klagend eint sich ihnen die eherne Zunge der Friedhofskapelle. Tes Wandernden Blick fällt auf die ragenden Kreuze des Gottesackers, und er erschauert. Dort stand er im Lenz des Vorjahres an einer offenen Gruft, in die man sein Weib bettete, und nun weiß er es: seit jener Stunde ist er fried- unb ruhelos, seit jener Stunde liegt eine Last auf seiner Seele, seit seiner Stunde ist seine schöpferische Krast von ihm gewichen.
Zögernd, — zum ersten Male seit jenem Lenztage betritt er den Friedhof, über dem die herbstliche Sonne strahlt. Ueberall knien Trauernde an den Gräbern, schmücken sie mit Laub und Blüthen, ist doch heute Todtenfest.
Er — muß den Hügel suchen, der seiner Gattin Hülle birgt; endlich erkennt er ihn an der schlichten Tafel, welche die Inschrift trägt: „Maria Mantius, geb. Ehrhardt,"
Nicht Liebe hatte ihn mit ihr verbunden; die gehörte jenem zarten, elfenhaflen Geschöpf, das er sich in heißer Jugend- Leidenschaft erobert, das sein Ideal, seine Herrin gewesen, die Mutter seines Kinde?, das un'cr den Palmen Egyptcns den ewigen Schlaf schlief. In fassungslosem Schmerz hatte er nach ihrem frühen Ende Länder und Meere durchjagt und bei her Rückkehr sein Haus verödet, sein Kind vernachlässigt gesunden. Um seinetwillen führte er Maria heim, ein ernstes Weib mit stillem Antlitz, in dem ihm nur zuweilen die Schönheit der feetenbolfen Augen ausgefallen.
Musterhaft ward fein Haus geführt, sein Sohn erzogen, stets fand er Maria daheim, wenn es ihn nach einer Äus- sprache gelüstete, stets bereit, auf seine Gedanken einzugehen. Und er nahm die Woh'ulat dieses aufmerksamen Hörens, dieser yerständnißvollep Theilnahme, dieses anregenden Jdeen- ausiausäes hin, als gebühre sie ihm, ohne je der Anspruchslosen Dank zu zollen, ohne je nach ihrem innern Leben zu forschen, zu fragen, ob sie befriedigt, glücklich sei, ohne je nach ihrer Liebe zu verlangen, Liebe ihr zu geben.
Fast ärgerlich war er, als ein schon lange von ihr verborgen und geduldig getragenes Leiden sie endlich danieder- warf; er war es zu sehr gewöhnt, die schlanke Gestalt in harmonischen Bewegungen durch die Räume spreiten, ruhevoll ihm gegenüoer sitzen zu sehen, zu sehr gewöhnt, die sanfte Summe zu verneinen. Und er haßte Krankheit, obgleich sie sich lier nicht aufdringlich bemeribar machte. Nock auf ihrem Letdenslpgkk hielt Maria die Fäden des Haushaltes in ihren Hänsen, sorgte für sein Behagen, hatte bett Arzt veranlaßt, ihm die Gefahr, in her sie schwebte, zu verheimlichen. Als dieser doch angesichts des nahen Endes sprach, hatte Ruthart es ihm nicht geglaubt, nicht glauben wollen; er war nicht zu der Dulderin gegangen, er hatte nicht ihr mattes Haupt gestützt, nicht ihre Gestalt im Todesbangen tröstend umfangen, nicht ihren letzten ScuJcr vernommen! Ec war davongestürzt, sie bezahlten Wärtern überlassend, un» erst heimgekehrt, als alles vorüber. Wider- w'lliz Halle er einen P'ick aus ihr Anilitz geworfen und war zurück wtanmelt, weil er einen anklagenden Ausdruck aus ihm zu sehen gemeint. Haft und ruhig sah er ihren Tara na die Erde senken, doch da ward er aufgerüttelt durch die Worte des Geistlichen, welche die Todte priesen. Ein Engel ohn- F-Hl und Makel wäre sie auf der Erde gewandest, ihr Thun lauter Siebe, ihr Handeln lauter Segen.
„Sein Sinterten, o Du Buk arte, in der sich Maria-Sinn und Marlha That umlöftuch einte," r es er, „wird nie er Imwen, in bent Manne, dem Du mit heiliger, leihst'o er Siebe angethan warst, nickt in den Herzen derer, h nen T u Gaues erwiesest. Wohl dem, der mit dem Bewußtsein an dieser Gunst sieht, Dir Siebe mit Siebe ywgo'ten zu haben! Ein Sarg, ein Hügel, sie prG gen tue gewaltige Sprache, sie rufen Euch allen zu:
„O lieb, so lang Du Neben kannst, ®« Stunde kommt, die Stunde kommt, Da Du an Gräbern stehst und klagst."
Wie ein Gerichteter war er an jenem Tage nach Hause gekommen. Ein Fremder hatte ihn Maria kennen gelehrt, ihm gesprochen von ihrer Liebe zu ihm. Unb er war blind gewesen. Nicht ihr keuscher Mund, doch tausend Anzeichen hätten es ihm verrathen können, ihr ganzes Thun. Nicht Theilnahme, nicht Zärtlichkeit hatte er ihr geschenkt und hatte sie einsam sterben lassen l Vielleicht, daß sie noch die Arme nach ihm ausgestreckt, vielleicht, daß sie noch zurück* zuhalten gewesen, hätte er mit der Kraft der Liebe gerungen gegen den Tod!
Wie Schwerter wühlten die reuigen Gedanken in seinem Herzen, ließen ihm keine Ruhe. Nicht wie nach Elses Tod suchte er Ablenkung auf Reisen, im Verkehr mit fremden Menschen, er verschloß sich vor der Außenwelt, nur zu einsamen Spaziergängen verließ er das Haus. Und ob die Monde sich an Monde reihten, ob auf den Lenz der Sommer folgte, auf das Blühen das Sterben, immer dachte er an sie, die ihm so viel mehr gewesen, als Elfe, und der er so schlecht gelohnt! O, daß er nickt wieder gut machen konnte, was er versäumt, daß nichts, nichts die theure Gestalt zurückrief ins Leben!
Die Last seiner Reue erdrückte seinen Genius, tödtete seine Schaffenskraft. Und es war recht so, daß er darbte und dürstete nach beglückender Arbeit, nach beseligendem Erfolge —. so hatte sie gedarbt und gedürstet nack Liebe. Auge um Auge, Zahn um Zahn!
Und doch kann er sie kaum mehr tragen, die namenlose, Qual! — Er sinkt zu Boden, umklammert den Hügel. Ein Stöhnen bricht aus seiner Brust.
„Nimm die Last von meiner Seele, Maria, Du Gute, Maria, Du Heilige! Und verzeih mir meine Schuld." Keine Antwort aus der Tiefe, kein noch so leiser Hauch! Dock wieder hallen sonore Glockentöne zu ihm, sie klingen ihm wie Marias Stimme. Nie hatte sie vor ihm gesungen und er sie darum gebeten, obwohl er gewußt, daß man ihr eine große Zukunft als Concertsängerin verheißen. Doch als er einst überraschend nach Hause kam, hörte er ihren vollen weichen Alt in einem Liede, welches so eigen, so feierlich klang, anders als die scherzhaften Weisen, die Elfe in Gesellschaften vorzutragen liebte. Es war eine Komposition der herrlichen Worte des Corinther Briefes: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und alle Weisheit hätt' und alle Macht der Mächtigen und hätte doch der Liebe nicht, wär' ich ein tönend Erz. Die Liebe ist freundlich, sie suchet nicht das ihre, sie freut sich nidjt der Ungerechtigkeit. Die Liebe verträgt Alles, sie glaubt Alles, sie hofft Alles, sie duldet Alles, die Liebe hört nimmer auf."
O Worte voller Zaubertlaug! Ihm ist's, als sänge die weiche Stimme sie wieder, als löse sich unter diesen Tönen Band um Band von seinem Herzen. Sein Blick fällt auf Marias Namen, unter den nach ihrer Bestimmung der Schluß jenes Spruches: „Die Liebe hört nimmer auf !" geletzt ist. Wie eine Boiichaft aus HimmelShöhen, von der Verklärten gesandt, berührt ihn dieses Wort. Ihre Liebe, die hienieben Nichtachtung und Kränkung überwunden, sie reicht noch über das Grab hinaus, sie hört nimmer auf, sie gießt Trost in seine wunde Seele. Maria, die so oft Irrende entschuldigt, sie würde voll Erbarmen zu ihm sprechen: „Du bist n u r ein Mensch, als solcher fehltest Du, ließest mich darben; ich aber vergebe Dir, wie Gott Dir vergeben wird. Trauere und klage nicht mehr, sondern schaffe wieder voll Kraft und übe Siebe, so viel Du es vermagst. Im Geiste will ich bei Dir sein, unsere Seelen trennt nicht das Grab!"
Ein unsagbar süßes Empfinden bemächtigt sich seiner, ein tiefer Frieden. Unb er sieht Maria vor sich im weißen Gewände, das Haupt umfloffen von überirdischem Glanz, nicht mit zürnendem Nusruck im verklärten Antlitz, sondern mit Augen voll Gäre und einem Lächeln voll Liebe und Huld.
„Caritas!" murmelten seine Lippen. So wie er die Heimgegangene jetzt im Geiste schaut, wie er sie mit Inbrunst in seine Seele aufnimmt, will er sie in Marmor darstellen, ihr unvergängliches Ebenbild schaffen. Mächtig treibt es ihn, feiner Idee Gestalt zu verleihen, und er weiß, es wird gut sein, sein Werk, er wird beweisen, daß er noch ein Künstler ist. Und mehr noch —, es wird ihn befreien vom nagenden Telbitoarwurf, vom lödtlichen Gram,
Ein Blick noch grüßt das Grab derer, die ihn sich wieder- gegcben durch das herrliche Worr und die auch er sitzt liebt mit heiliger Siebe, dann s reitet er fort. Hochaufgerichret, ein Leuchten im Blick, ein Genesener, ein Befreiter, und über ihm hallt der Ton der Glocken, schwillt mächtig an, bringt auf gen Himmel und verkündet, daß der Tod neues Leben gebietet, da>; über menschliche Schwächen und Vergehen, über Irren und Noth die ewige Liebe siegt!
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