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General-Anzeiger.
Amtliches Organ ßr Stadt- and Landkreis Kann«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur; G. Schreck er in Hanau,
Nr. 267. Fernsprechanichluß Nr. 605* Freitag den 14. November
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Fernsprechanschluß Nr. 605» 1902
Amtliches.
Handelsregister.
A. 504 Firma Fouchez fils & Co., Hauptniederlassung in Cognac in Frankreich, Zweigniederlassung in Hanau. Die Firma ist hier erloschen.
Hanau den 12. November 1902.
Königliches Amtsgericht 5. 19789
Herbstversammlung
des Hanauer Kreisobstbauvereins am 23. November a. e., nachm. 3 Uhr, zu Bischofsheim im Gasthause der Wwe. Christian Reuhl.
Tagesordnung:
1. Geschäftliches, Anträge.
2. Vortrag über Obstverwerthung (Direktor Wagner - Gelnhausen), Besprechung des Vortrags. 19815
Der Vorstand des Kreisobstbauvereins.
Hue Stadt und Cand*
Hanau, 14. November.
ErhcLungcil
Wer die Lage des Arbeitsinarltes.
Die von der Handelskammer vermittelst Fragebogen bei etwa 200 Fabrikationssirmen ihres Bezirks veranstaltete Umfrage, um ein Bild über die Lage des Arbeitsmarktes zu erhalten, hat folgendes Ergebniß gehabt:
In der Hanauer Edelmetallindustrie hat nur bei einzelnen Betrieben eine Verminderung der Arbeiterzahl statt- gefunden; einige Firmen besetzten die durch freiwilligen Fortgang entstehenden Lücken nicht wieder. Im Allgemeinen hat aber eine Verminderung der Gesammtarbeiierzahl nicht statt« gefunden und dürfte bei dem in den ersten Wintermonaten jährlich statlfindenden Anziehen des Geschäfts wohl eine Zunahme der Arbeiterzahl zu erwarten sein, der nach Weihnachten wieder eine Verminderung folgen dürfte. Wohl ist aber in einer nicht unerheblichen Zahl von Betrieben eine Verkürzung der Arbeitszeit nothwendig gewesen. Rechnet man die normale Arbeitszeit 60 Stunden die Woche, so haben Verkürzungen auf 52, 48, ja 42 Stunden wöchentlich stattgefunden. Dies ist aber in den Sommermonaten keine ungewöhnliche Erscheinung. Bezüglich der Aussichten für den Winter wird für die Edelmeiallindustrie jedenfalls für die Zeit bis Weihnachten, wie schon erwähnt, eine Zunahme der Arbeitslosigkeit auf keinen Fall zu erwarten sein; auch für die ferneren Monate wird auf Besserung der allgemeinen Geschäftslage gehofft, doch lassen sich darüber jetzt noch laum Vermuthungen anstellen.
In den Cigarrenfabriken haben keine Entlastungen stattgefunden, doch sind vereinzelt Abgänge nicht wieder besetzt worden. Kürzungen der Arbeitszeit sind nur in geringem Maße nothwendig gewesen, höchstens bis zu einer Stunde täglich. Eine Aenderung in den gegenwärtigen Verhältnissen wird nicht für wahrscheinlich gehalten.
Die hauptsächlich in Fulda und Hünfeld vertretene Textilindustrie hat im Allgemeinen normale Verhältnisse. Arbeiterentlassungen bat in etwas größerem Maße nur die Handweber in der Hausindustrie der Plüschweberei betroffen. Im Uebrigen hrben die Betriebe ihre volle Arbeiterzahl beschäftigt und Arbeitskürzungen nur in geringem Maße und vorübergehend eintreten lassen. Theilweise wird für die nächste Zeit eine Beffe- rung der Lage erwartet. ,
Ungünstiger werden die Verhältnisse von den Maschinenfabriken beurtheilt. Sowohl die Arbeiterzahl wie die durch- schnitiliche Arbeitszeit ist um 2O°/o geringer gewesen «18 im Vorjahr. Eine Besserung der Lage wird für die nächsten Monate nicht erwartet. . „ ,
Am ungünstigen liegen die Verhältnisse im Baugewerbe. Einzelne Firmen haben 40, 60, ja 100 Arbeiter in diesem Sommer entlassen müssen; ein Betrieb hat seine ganze Arbeiterschaft bis auf 12 Mann entlassen. Eine Besserung steht schon infolge des Herannahens des Winters nicht in Aussicht. Das Darniederliegen der Bauthätigkeit hat auch die Arbeitsverhalt- nisse in den Ziegeleien ungünstig beeinflußt. ®"^'8 urtheilen von diesen nur die Sannerzer Ziegel-undj Thonwerke, welche sich auch zur Annahme von Arbeitskräften aus andern Industriezweigen bereit erklärt haben.
a In den meisten übrigen Industriezweigen konnte mit voller Arbeiterzahl und voller Arbeitszeit Searbeitetwe^ hierin auch eine Aenderung für die nächste Zeit nicht zu er
warten. Es gilt dies u. a. für die chemische Industrie in Mainkur, die Lackfabriken daselbst, die Fuldaer Wachswaaren- industrie, die Papierfabrikation, die Leder- und Schuhstofffabriken, Gewürzmühlen, die Steingutfabrik in Wächtersbach u. a. Arbeiter aus andern Industriezweigen kommen in diesen Betrieben nicht in Betracht. Ueberhaupt ist diese Frage nur von 3 Betrieben mit ja beantwortet worden, den Erzgruben in Bieber, der Dunlop Pneumatic Tyre & Co. in Hanau und den schon erwähnten Sannerzer Ziegel« und Thonwerken.
Ihr Urtheil über die gegenwärtige Lage des Arbeitsmarktes im Handelskammerbezirk faßt die Kammer dahin, zusammen, daß die Lage sich gegen das . Vorjahr um ein geringes verschlechtert hat, aber mit Ausnahme des Baugewerbes keine außergewöhnlichen Momente zu einer ungünstigen Beurtheilung bietet. Die Verschiebungen in der durchschnittlichen Arbeitszeit und Arbeiterzahl sind in fast allen Industriezweigen jährlich wiederkehrend, wobei freilich die gegenwärtigen allgemeinen ungünstigen wirthschaftlichen Verhältnisse ein größeres Schwanken in den Arbeitsverhältnissen zur Folge hatten. Besondere Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sind im Bezirke der Handelskammer nicht nothwendig gewesen.
W. Die Wetterführung der Mainkanalisation. Das Projekt der Main-Kanalisirung zerfällt, wie die „Münch. Neuest. Nachr." weiter berichten, in ein solches für die Kanalisirung der Strecke zwischen Hanau und Aschaffenburg und in ein anderes für die Umschlaganlagen bei Aschaffenburg. Ersteres umfaßt vier Staustufen und soll, ebenso wie die beiden Staustufen zwischen Offenbach und H a n a u, in gleichen Dimensionen ausgeführt werden, wie die bestehende Kanalisirung unterhalb Offenbachs, sodaß die großen Rheinschiffe ungehindert bis Aschaffenburg verkehren können. Die Kanalisirung der Strecke zwischen Hanau und Aschaffenburg erfordert auf einer Flußstrecke von etwa 50 Kilometern einen Kostenaufwand von runb 9Ve Millionen. Das um- gearbeitete Projekt für die Umschlaganlagen bei Aschaffenburg erzielte gegenüber dem ursprünglichen Projekt eine nicht unwesentliche Kostenersparnis, und zwar eine solche von 12 statt 16 Millionen im Voranschlag. Ein großer Theil dieser Anlagen ist ausschließlich für den Umschlag von Kohlen für den Staatsbahnbetrieb bestimmt, deren Gesammtmenge nach der Vollendung des Werkes auf 800 000 Tonnen vorgesehen ist. Das Projekt entspricht durchweg den neuesten technischen Errungenschaften.
* Die neue Rhönbahn. • Die AuSsichten für den projektirten Eisenbahnbau Fulda-Meiningen, durch welchen die Reise von Hanau nach dem mittleren Thüringen bedeutend abgekürzt werden würde, sind im Steigen begriffen. Die Regierung von Sachsen - Weimar stellt gegenwärtig Erhebungen über die wirthschaftlichen und Verkehrsverhältnisse der an der Linie interessirten weimarischen Gemeinden an. Die Linie wird 105,5 Kilometer lang werden und steigt von Fulda bis Frankenheim 491 Meter, um von da bis Meiningen 475 Meter zu fallen. Die Steigung ist nirgends größer wie 1,80 und ein kleinerer Radius als 300 Meter nicht anzuwenden, Kunstbauten sind außer einer Werrabrücke wenig erforderlich.
Offenbach a. M., 13. Novbr. Im Wahlbezirk Offen- bach-Land, wo die erste Wahl infolge des Nichterscheinens der bürgerlichen Wahlmänner resultatlos verlaufen war, wurde bei der heute Mittag in Groß-Steinheim abgehaltenen zweiten Wahl von den anwesenden Wahlmännern Johannes Orb- Offenbach einstimmig als Landtagsabgeordneter gewählt. Die bürgerlichen Wahlmänner waren wieder nicht erschienen.
* Jahresfest. Wie schon im Annoncenteil bekannt gegeben wurde, findet nächsten Sonntag den 16. d. M. die Feier des 25jährigen Bestehens des Evangelischen Vereins für Innere Mission statt. Der Festgottesdienst wird nachmittags um 51/» Uhr in der Marienkirche gehalten. Herr General- Superintendent Pfeiffer aus Caffel, der Ehrenpräsident des Vereins, hat die Festpredigt übernommen. Abends um 73/* Uhr soll im Evangel. Vereinshause in der Nußallee zur Nachfeier ein Familienabend abgehalten werden mit Ansprachen, Gesängen und Deklamationen. Das Eintrittsgeld beträgt 50 Pfg. Jedermann ist zu dieser Feier herzlich willkommen.
* Der hiesige Sprechverkehr ist auf Ke rzell und Hattenhof ausgedehnt worden.
* Stadttheater. Wie schon berichtet, findet heute die Aufführung des beliebten Lustspiels: „Comtesse Guckerl" statt. Das reizende Stück, welches hier schon so vielen Beifall erntete, dürfte auch diesmal seine Zugkraft bewähren. Hervorragend beschäftigt sind: Fräul. T o r a n (Hermance)/ Herr Schwarz (Horst), Fräul. L e o n i (Cilli), Herr Becker (Leopold), Herr G e h r m a n n (Hofrath) und Frau R i e g e r (Elementine). — Am Sonntag geht die bedeutendste und erfolgreichste Lustspiel-Novität dieser Spielzeit, Schönthan u. Schlicht's entzückendes Lustspiel: „I m bunten Rock" in Szene.
♦ I. Abonnements - Coneert, „CentraHalle".
Im Schaufenster von Fr. König's Hofbuchhandlung sind von heute ab die Portraits der im I. AbonnementS-Concert in der „Centralhalle" mitwirkenden Künstler ausgestellt. Es sind dies die bereits im Jnseratentheile unseres Blattes anqekündig- ten Künstler: Fräul. Lilly Hafgren, Herr Max Pichler, Herr Lill E. Hafgren. Herr Kammersänger Max Pichler ist dem hiesigen mustkliebenden Publikum sicherlich längst als hervorragendes Mitglied des Frankfurter Opernhauses bekannt. Ueber Fräul. Lilly Hafgren und Herrn Lill E. Hafgren liegen uns eine ganze Menge bester Recensionen, so u. a. auch eine solche auS Luzern vor: „Die beidm Concerte der Geschwister Hafgren im Kursaal haben uns aufrichtige Freude und wahren Genuß bereitet. Wie herrlich hat sich die zarte Kinderstimme der kleinen Lilly Hafgren, wie wir sie von ihrem ersten Auftreten noch so deutlich in der Erinnerung haben, unterdessen entfaltet! Eine Stimme, die metallische Kraft und zarten Schmelz in sich vereinigt, voll Feuer und Temperament. So hat man sie schon lange in unsern Konzertsälen vermißt! Dazu ein edler ungekünstelter Vortrag und eine Bescheidenheit des Auftretens, die untrüglichen Merkmale wahrer Künstlerschaft. — Und aus dem stillen Knaben von damals ist ein sinnender, ernster Künstler geworden, der im Klavierspiel und namentlich als Komponist Proben eines vielseitigen Könnens ablegt. Mit besonderer Vorliebe tragen die beiden Geschwister Kompositionen ihres berühmten nordischen Landsmannes Grieg vor, und auch in den Liedern des jungen Künstlers finden wir das Vorbild Griegs und Brahms, wenn gleich sie bereits den Stempel der Eigenart tragen. Besonders gefallen hat das von Lill Hafgren komponirte und seiner Schwester gewidmete Lied: „Frühlings- stürm". Diese packende Komposition wird sicherlich den Namen ihres Komponisten in weitere Kreise tragen. — Der Raum unseres Blattes gestattet es leider nicht, auf die einzelnen Nummern des Programmes näher einzutreten. Wir konstatiren nur, daß die Zuhörer ohne Ausnahme sehr befriedigt waren und die beiden Geschwister mit lebhaftem Beifall und Hervorrufen auszeichneten, die Fräul. Hafgren mit einer Zugabe verdankte. — Den jugendlichen Künstlern wünschen wir besten Erfolg auf der dornenreichen Künstlerlaufbahn und Ausdauer zum ernsten Weitersindium. Auf baldiges Wiedersehen!"
* Gesellige Verbindung „Melitta". Wie wir aus dem heutigen Inserat ersehen, feiert obengenannter Verein am Sonntag den 16. November im Saalbau zum „Deutschen Haus" sein II. Stiftungsfest, verbunden mit Abendunterhaltung und Ball. Der junge Verein hat, wie bei seinen früheren Festlichkeiten, so auch diesmal alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seinen Besuchern einen genußreichen Abend zu bereiten. Das Programm ist ein sehr abwechselungSreiches und verspricht eine gute Durchführung. Wir wollen nicht verfehlen Freunde und Gönner der Verbindung an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen.
* Drucksacheu-Attsstelluug. Wie wir bereits vor Kurzem mittheilten, lag es in der Absicht bes Ortsvereins Hanau vom Verbände deutscher Buchdrucker in der WeihnachtS- woche dahier eine Drucksachen-Ausstellung in größerem Style zu verunstalten. Nachdem schon mehrfach in dieser Angelegenheit vorbereitende Sitzungen stattgefunden hatten, war vorgestern im Hotel zur Post eine größere Versammlung von Interessenten einberufen, um zu der geplanten Ausstellung endgiltig Stellung nehmen zu können. Die Versammlung war alsbald in dem Punkte einig, daß die Ausstellung bis zur Osterwoche zu verschieben sei, aber auch weiterhin, daß der ursprünglich ins Auge gefaßte Rahmen der Druck- sachen-Ausstellun'g nach jeder Richtung Ausdehnung erfahren müsse, um, abweichend von ähnlichen Veranstaltungen anderer Städte, hier in Hanau die mannigfaltigen Erzeugnisse der vervielfältigenden Künste anschaulich dem großen Publikum vor Augen führen und ein Bild von dem hohen Stande der Druckindustrie in unserer Vaterstadt geben zu können. Die Veranstaltung soll die Bezeichnung „Drucksuchen-Aus- stellung(Ausstellnng von Erzeugnissen der vervielfältigenden Künste)", veranstaltet auf Anregung des Verbandes deutscher Buchdrucker, Ortsverein Hanau" führen. Als Vorsitzender des HauptkomiteeS wurde Herr Prof. M. Wiese, Direktor der Kgl. Zeichen-Akademie, als 2. Vorsitzender Herr M. Möbius gewählt. Weiteres über in Zusammensetzung der Einzel-Komitees behalten wir uns für die nächste Nummer vor.
* Zusammenstoß. Gestern Mittag um 1 Uhr stieß auf dem Rungirbahnhof bei Klein-Linden, wie uns unser dortiger L.-Correspondent berichtet, der von Hanau kommende Güterzug 7547 infolge falscher Weichenstellung auf einen leeren Güterzug. Statt das Gleis 76 freizumachen, hatte man Gleis 75, auf dem der leere Zug stand, freigegeben. Zugführer und Heizer des einfahrenden Zuges merkten turn Glück auf eine Entfernung von etwa 200 Meter die