Seite 2_________________
* Hanauer GeschichLsvereitt. Die achte Monats- versammlung genannten Vereins, die am gestrigen Abend im rothen Solchen des Bürgervercins stattfand und sich eines leidlichen Besuches zu erfreuen hatte, wurde um 3/<9 Uhr durch den Vorsitzenden, Herrn Professor Dr. Suchier mit , einer Begrüßung und einem Hinweis auf die bisherige Thätigkeit eröffnet. Ueberleitend zu dem Programm der Versammlung, berichtete Letzterer einige selbsterlebte Thatsachen aus der Zeit des Vorhandenseins einer „Hanauer Bürgerwehr" und ertheilte dann dem Herrn Baurath Tbyriot das Wort zu 1 seinen mit großem Fleiße gesammelten Nachrichten über die eben genannte segensreiche Einrichtung zum Schutze der Einwohnerschaft in früherer Zeit. Nachdem der Vortragende die Entwickelung der Bürgerwehr seit Beginn des 16. Jahrhunderts mit knappen, klaren Worten geschildert hatte, verbreitete er sich eingehend über Wesen und Wirken der Hanauer Bürgergarde in der Zeit von 1800—1850. An der Hand eines umfassenden chronologischen Citatenmaterials entwarf Redner ein getreues Bild von der Bekleidung, Bewaffnung, Organisation und der Thätigkeit der Bürgergarde innerhalb dreier Zeitabschnitte, die er bezeichnete, als die Talbergsche Periode zur Zeit der Napoleonischen Herrschaft (1807—1815), in der man einen frakartigen Rock trug, die Kittelzeit von 1815— 1834 und die Periode des Waffenrockes (1834—1850). Die Verdienste der Bürgerwehr in das rechte Licht setzend, schilderte er schließlich die allmählige Auflösung dieser bürgerlichen Schutztruppe. Waren schon die Redebilder vortrefflich geeignet den Zuhörern einen Einblick in die gute alte Zeit zu ge- währen, so unterstützten die ausgestellten Bildwerke, theils Reproduktionen, theils Handmalereien von hohem Werthe, die ' Vorstellung ungemein und vervollkommneten die gesammie Dar- ■ bietung, die seitens der Anwesenden mit gespannter Aufmerk- ‘ samkeit entgegengenommen und durch Erheben von den Sitzen 6 dankend gewürdigt wurde. Im Anschluß an den Vortrag setzten ’ noch einige ältere Mitglieder des Vereins diese historische Unterhaltung fort, indem sie auf Grund eigener Erfahrung einige Beiträge humorvollen Charakters zu dem besprochenen i Thema lieferten. Wegen vorgeschrittener Zeit mußte der Be- j richt des Gymnastal-Oberlehrers Dr. Küster über die neuesten Funde auf römisch-germanischem und vorgeschichtlichem Gebiete der Umgegend für die nächste Versammlung zurückgestellt werden.
* Einbrecher an der Arbeit. In der Nacht zum Donnerstag wurde in Frankfurt a. M. in das Comptoir der Kolsmal-Jmportsirma von Baer-Goldschmidt in der Weiherstraße 1, Ecke der Obermain-Anlage, mittelst Nach- schlüffels eingebrochen und nach gewaltsamem Oeffnen einzelner Pulte die Briefschaften rc. durcheinander geworfen, sowie aus einer Kassette der Betrag von 14 0 0 Mark 1 entwendet.
* Kartoffeldiebstahl. Ein lOjährkger Zunge stattete ’ dem Kartoffelkeller der Nachbarsleute in der Schulgaffe mehr- ' mals unwillkommene Besuche ab und entwendete Kartoffeln ' und Bohnen. Der Mutter sagte er angeblich, daß er die ^Waaren geschenkt erhalten habe.
* Diebstahl. Gegen zwei weibliche Personen, die ' Äemkgungsarbeiten in einem von einer größeren Vereinigung gemietheten Lokale vorzunehmen hatten, ist Anzeige wegen Diebstahl und Hehlerei erstattet worden, da sie der Vereinigung gehörende Wäschestücke, Messer und Gabeln seit geraumer Zeit nach und nach entwendet haben.
* Waldfest. Wir verfehlen nicht, darauf hinzuweisen, . tß das morgen im Saale der Turngememde stattsindende Laldsest bereits nachmittags 4 Uhr beginnt.
* Die Meffe scheint diesmal dem schaulustigen Publikum an interessanten Sehenswürdigkeiten besonders viel und Unge- wöhuliches zu erbringen. So erwähnen wir z. B. ein wunderbares Spiel der Natur, ein Mädchen mit zwei Köpfen oder zwei Mädchen mit einem Körper, das lebend zu sehen ist und gewiß seine Anziehungskraft nicht verfehlen wird. Auch ein Theater dressirter Raubthiere mit der jüngsten und kleinsten Thierbändigerin Europas darf als feffelnde Schaustellung bezeichnet werden. Ueber ein eben- - falls vertretenes Theater lebender Photographien brauchen wir uns wohl nicht besonders auszulaffen, da derartige Vorführungen schon früher eine große Zugkraft ausgeübt. Nur wollen wir noch hinzufügen, daß bei der Auswahl der Bilder jeder Geschmacksrichtung Rechnung getragen ist. Im Nebrigen verweilen wir auf den Jnseratentheil. .
* Der WerkmetAer-Bezirksverein Hanau begeht heute Abend von 8 Uhr an unter Mitwirkung des Gesangvereins „Fröhlichkeit" im Saale des „Deutschen Hauses" sein 16. Stiftungsfest, für das dem Vernehmen nach ein recht gutes Programm zusammengestellt ist.
* In der Brauerei Dörr werden bei dem morgigen Concert die Gesangshumoristen G ö b e l und Bach mitwirken.
* Familienabend. Der Radfahrer-Verein „Union" veranstaltet morgen im Saale des „Schützenhofes" einen Familienabend.
* Gründungsfest. Wir machen nochmals auf das morgen Abend 6 Uhr beginnende, im Saale des Gasthauses „zum Schwanen" in Keffelstabt stattfindende 6. Gründungsfest des Radfahrer-Vereins „Falke" aufmerksam und können wir Jedem den Besuch aufs beste empfehlen.
* Das Hahnenkammhaus ist morgen Sonntag geöffnet.
* Von der Meffe. Die beliebte Konditorei Osakka- Sakka (Ad. Jukes aus Dresden) ist auf der Meffe, Ende der gelben Mauer, wieder anwesend, wovon die zahlreiche Kundschaft dieses Geschäftes mit Vergnügen Notiz nehmen wird.
* Stotterer und Stammler. Die Sprachheilan st a l t Dr. Lieber von Straßburg i. E. eröffnet hier in Hanau einen Kursus, wozu Anmeldungen nur am 9. November von 11—3 Uhr im „Hotel Riesen" in Hanau entgegengenommen werden. Stotterer und andere Sprachleidende finden daher Gelegenheit, sich von dem so lästigen Uebel befreien zu lassen. Wie aus vorliegenden Zeugnissen, auch von Professoren und Aerzten, ersichtlich, arbeitet die Anstalt mit guten Erfolgen. Die Methode ist auch s. Zt. (1893) von dem „Reichs-Medizinal-Anzeiger" anerkannt worden.
Samstag
) !( Niederrodenbach, 8. Novbr. (Kirchweih fest.) In unserem von der Nachbarschaft als Ausflugspunkt sehr gerne besuchten Orte wird morgen das Kirchweihfest gefeiert.
( !) Fechenheim, 7. Nov. (Ehrend.) Gelegentlich der Neuherrichtung unserer evangelischen Kirche hat sich in unserer Gemeinde Opfersinn- und Freudigkeit sowohl seitens Privater, als auch von Korporationen und der politischen Gemeinde in sehr anerkennenswerther Weise gezeigt. Dank derselben war es möglich geworden, weitgehenden Wünschen bei dem Umbau gerecht zu werden und Anschaffungen zu machen, die zunächst bei den Renovirungsarbeiten nicht in Betracht kamen. So wurden sämmtliche heiligen Gefäße, aus reinem Silber gearbeitet und fein zisilirt (von der Firma Schleißner-Hanau), neu an- geschafft und zwar 2 Abendmahlskannen im Werthe von 360 Mark, 1 Taufkanne und Taufschüffel (350 Mark), 1 Ciborium (140 Mark) und ein Abendmahlsbecher, eine getreue Nachbildung eines bereits vorhandenen Bechers von seltenem Kunstwerthe (140 Mark.) Sämmtliche angeführte Gegenstände sind Stiftungen hiesiger Familien und des evangelischen Männervereins dahier. Von hiesigen Jungfrauen wurden durch Sammlung 377 Mark aufgebracht, für welche außer der ständigen weißen Altardeke von den liturgischen Farben ein schwarzes (für Bußtag und Trauergottesdienst), ein rothes (für Feste) und ein grünes Anipondium (für die festlose Zeit) als Altarbehänge sämmtlich mit kostbaren Stickereien versehen, angeschafft wurden. Gestiftet wurden ferner ein wertvolles Bild (50 Mark) für die Sakristei von Herrn Pfarrer Fritsch aus Preungesheim, der Steinaltar in der Kirche von einer hiesigen Dame und eine wertvolle Altarbibel von Schülern urd dem Lehrerkollegium der hiesigen evangelischen Schule. An namhafteren Beträgen wurden endlich überwiesen von der politischen Gemeinde 1000 Mark für die elektrische Beleuchtung der Kirche, 2000 Mark von Herrn Dr. Weinberg für die beiden gemalten Fenster „die Bergpredigt" und „der barmherzige Samariter" und 3000 Mark von Herrn Kommerzienrath Dr. Gans für die Central-Dampfheizung. Ist schon von berufener Seite für alle diese Gaben, auch das kleinste Scherflein der Witrive, öffentlicher Dank ausgesprochen worden, so mag doch auch an dieser Stelle allen Gebern ein herzliches „Vergelt's Gott" zugerufen werden.
- st. Ostheim, 8. Novbr. (P l ö tz I i ch e r T o d). Auf dem Felde mit Ackern beschäftigt, wurde gestern der in den 30er Jahren stehende Landwirth S ch a r f f von hier anscheinend von einem Krampfanfall befallen. Beim Sturz kam derselbe unglücklicher Weise auf das Gesicht zu liegen, infolge dessen der Bedauernswerthe erstickte. Ein vorbeikommender hiesiger Einwohner fand ihn bereits todt vor. Der so jäh aus dem Leben Geschiedene hinterläßt eine Wittwe mit zwei Kindern.
Kprechsaal.
Für die unter dieser Rubrik eingesandten Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum geoenüber keinerlei Verantwortung.
Aus dem Landkreise Hanau.
Als ich gestern den Artikel über die Spendung von Liebesgaben für das Hanauer Diakonissenhaus seitens der Gemeinde Hochstadt las, mußte ich mir sagen: „Was die wackeren Hochstädter können, sollten das die anderen Gemeinden des Landkreises nicht auch fertig bringen?" In dem mir vorliegenden 22. Jahresberichte der Hanauer Diakonissen-Station vom April 1901 bis Ende März 1902 finde ich, daß solche Sammlungen von Liebesgaben bis jetzt nur noch die Gemeinden MittA- buchen, Rosdorf, Kilianstädten, Langendiebach und Marköbel vorgenommen haben. Und doch bedarf das Diakonissenhaus der Unterstützung noch gar zu sehr. Hat doch dieses Krankenhaus oft täglich 70 Personen zu Tisch und ruhen doch auf dem Hause noch 63 000 Mk. Schulden. Vielleicht bedarf es nur dieses Hinweises, um auch andere Gemeinden willig zu machen, ebenfalls Sammlungen von Liebesgaben vorzunehmen. Die Anstalt ist es wahrlich auch werth und die barmherzigen Spender werden selbst reichsten Segen davon haben.
Ein Freund des Diakonissenhauses.
Entgegnung.
Wir erhalten folgende Zuschrift:
„Nach dem Berichte des „Hau. Anz." vom gestrigen Tage hielt Herr Pfarrer Hufnagel aus Kesselstadt am 5. d. M. in Hochstadt einen Vortrag über das Werk des Gustav-Adolf- Vereins. Dazu einige Worte der Erläuterung und Beleuchtung.
Man höre und urtheile dann selbst!
Die „großartige" Los von Rom-Bewegung ist nichts weniger als großartig, denn alle, die abgefallen sind, sind schlechte Katholiken gewesen, ein guter Katholik kann nicht abfallen, diese „Abfälle" machen dem Protestantismus nach protestantischem Geständnisse durchaus keine Ehre, sondern werben auch ebenso schlechte Protestanten.
Man höre weiter! Herr Hufnagel hat gesagt, daß 600 Priester Frankreichs, darunter der vielgenannte Bourrier, zur evangel. Kirche übergetreten seien. Das ist nicht wahr. Der Bericht des Bourrier von 600 und mehr abgefallenen Priestern ist sicherlich unzutreffend. Den Beweis für seine Behauptungen ist Bourrier bis heute schuldig geblieben, obwohl Dr. Mock, Redakteur des „Leo" in Paderborn, für den Beweis dieser Angabe eine Prämie von dreitausend Mark ausgesetzt hat. Dr. Mock hat sich auch direkt an Bourrier gewandt, er möchte beweisen, was er behauptet. Allein B. schwieg, und ohne Beweis hat man auch den Bewohnern von Hochstadt diese Sache in der Kirche vorgetragen.
Dr. Mock hat an die 80 französischen Bischöfe folgendeFra- gen gestellt:
1. Wie viele Priester befinden sich in Ihrer Diözese?
2. Wie viele von denselben sind in den letzten 5 Jahren abgefallen?
3. Wie viele von denselben sind wahrscheinlich Apostaten geworden durch die Hilfe ober Einwirkung des Herrn Bourrier?
8. November
Diese Fragen sind amtlich beantwortet worden. In den meisten Antworten heißt es: „ Aucum“ oder „pas un seul“ — „Niemand", oder „nicht ein Einziger". Ja, in vielen Diözesen Frankreichs kennt man Bourrier gar nicht. Nun hörst das Geiammtergebniß: Vom 1. April 1897 bis 1. April 1902 sind im Ganzen noch keine 60 abgefallen. Bourrier und Alle, die diese Unwahrheiten nach prechen, reden von 600 bis 800, und in Wirklichkeit sind es keine 60.
Aus dem Gerichts!aal.
Sitzung des Schwurgerichts vom 7. Novbr.
Der lange „Schlenker" und sein Freund Klemm, zwei unstäte Wandergesellen, walzten zusammen nach Wachenbuchen, woselbst sie am 20. August vom dortigen Dresch- maichinenbesitzer Müller in Arbeit genommen wurden. Sie sollten am nächsten Morgen anfangen. Am selben Tage hatte auch der Kuhschweizer Probst, gebürtig aus dem Kanton Bern in der Schweiz, seine bisher innegehabte Stellung bei dem Gutsbesitzer Schönberger in Wachenbuchen verlassen. Er hatte seinen Lohn ausgezahlt erhalten und etwa 70 Mk. im Portemonnaie, mit dem er mehrere Wirthschaften aufiuchte. In der Puth'schen Wirthschaft traf er den langen Schlenker und Klemm, welche sich ihm anfreundeten und bezüglich seiner Zu- kunftspläne ausiorschten. Probst, der das Geld hatte sehen lassen, erwiderte, er gehe nach Frankfurt, woselbst er bei einem Stellenvermittelungsbureau eine neue Stelle ausfindig machen wolle. „Dann gingen sie lieber auch mit dorthin", erwiderten die Zwei und es wurde beschlossen, gemeinsam nach Frankfurt zu fahren. Probst bezahlte den zwei neuen Kollegen noch zwei Glas Bier, dann besuchten sie noch eine weitere Wirthschaft und hiernach machten sie sich gegen 4 Uhr auf den Weg nach Wilhelmsbad, woselbst sie einsteigen wollten. Es entspann sich nun zwischen Probst und dem „langen Schlenker" zunächst eine Unterhaltung, bei der sich Meinungsverschiedenheiten ergaben und die auch zu einem kleinen Streit ausartete. Die Drei gingen nebeneinander, der Probst in der Mitte. Als sie im Walde waren, wollte Probst sich ein Pfeifchen anstecken, weil ihm aber der Wind von vorn die Streichhölzer ausblies, drehte er sich um und als er eben wieder ein Streichholz angesteckt hatte, fühlte er sich plötzlich am Halse gepackt und in seiner Tasche eine Hand, welche ihm das Portmonnaie entriß. Es war der „lange Schlenker", der ihn zugleich barsch anfuhr: „Du hast vorhin von mir was gewollt, was willst Du jetzt?" Im gleichen Moment wurde Probst auch auf die Erde geschleudert und als er dalag, sah er sein Portemonnaie in der Hand des Langen, der nunmehr eilends mit Klemm seitwärts in den Wald nach Hochstadt zu entschwand. Probst getraute sich weder zu rufen, noch den Beiden nachzu- laufen. da er keinerlei Waffen bei sich hatte und daher für sein Leben fürchtete. Der Geplünderte setzte seinen Weg fort und machte beim Gendarmen in Dörnigheim die Anzeige. Die beiden sauberen Vögel theilten unterwegs den Raub brüderlich, wandten sich zunächst nach Offenbar und Frankfurt und von da nach Mainz, wo sie sich trennten. Sie wurden aber bald dingfest gemacht, da sie schon mehr in Wachenbuchen gearbeitet hatten und dort ihre Personalien leicht festgestellt werden konnten. Sie sitzen heute auf der Anklagebank unter der Beschuldigung des schweren Raubes auf öffentlicher Straße.
Gustav H o l l ist geboren im Jahre 1879 in Miltenberg in Bayern und seines Zeichens Metzger. Er findet aber das Umherschweifen angenehmer wie das Arbeiten, denn er hat trotz seiner 23 Jahre schon 18 Vorstrafen wegen Bettelns und Landstreichens erlitten. Auf der Walze in der hiesigen Gegend erhielt er wegen seiner ansehnlichen Körpergröße von seinen Walzbrüdern den Spitznamen: „Der lange Schlenker". Johann Heinrich Klemm ist geboren im Jahre 1868 in Busenborn im Kreis Schotten (Oberhessen), Fabrikarbeiter. Er hat beim Militär wegen Diebstahls mehrere Gefängnißstrafen erhalten und wurde in die zweite Klasse des Soldatenstandes versetzt, im Jahre 1899 erhielt er wegen Unterschlagung 2 Monate Gefängniß. Klemm arbeitete etwa 6 Jahre in Mühlheim a. M., dann war er meistens bei Dreschmaschinen beschäftigt. Beide geben an, sie hätten in Wachenbuchen arbeiten wollen, sich aber nachher die Sache anders überlegt und die rheinhessische Gegend vorgelagert. Den Probst zu berauben, hätten sie nicht beabsichtigt. Holl sagt, er habe sich plötzlich über den Probst geärgert und demselben eine Lektion geben wollen, weil er ihm vorher etwas abstritt. Beim Hinwerfen des Probst hatte er gesehen, wie demselben das Portemonnaie aus der Tasche fiel und da habe er der Versuchung nicht widerstehen könnm. Er habe das Portemonnaie schleunigst aufgehoben und sei fortgelaufen, Klemm ihm nach. Letzterer bestätigt dies. Der Schweizer aber bekundet glaubwürdig, daß ihm Holl mit der einen Hand an den Hals fuhr, mit der andern Hand in die Tasche griff, das Portemonnaie herauszog und ihn auf die Erde schleuderte.
Der Staatsanwalt beantragte das Schuldig im Sinne der Anklage, die Vertheidiger suchten darzuthun, daß es sich lediglich um einen Diebstahl bezw. Hehlerei handle und baten um die Zubilligung mildernder Umstände.
Die Geschworenen erkannten auf Schuldig des schweren Raubes und verneinten die Frage nach mildernden Umständen. Die Angeklagten sind danach aus § 249 und 250 des R.-St.-G.-B. zu bestrafen, wonach die Mindeststrafe 5 Jahre Zuchthaus betrügt. Das Gericht erkennt gegen Jeden auf diese Mindeststrafe, nämtlich fünf Jahre Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die gleiche Dauer.
Vertreter der Staatsanwaltschaft war Herr Gerichts- assessor Dr. Mosler, die Vertheidigung führten die Herren Rechtsanwälte Dr. MalkmuS und Eberhard.
Kauauer Vereins- u. Nergnügungsnachrichten
für Samstag den 8. November.
Turngesellschaft: Abends von 7—9 Uhr: Vorturuerstunde.
Allgemeiner deutscher Schulverein, OrtSgruppe Hanau: Abends 7 Uhr: 2ßo hlthätigkeitsfest in den Sälen der „Centraihalle",