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General-Anzeiger
tkebruckt und verlegt in der Duchdruckerei deI Waisenhauses in Hanau.
verein. ev.
Amtliches Organ fit Stadt- und Landkreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke r in Hanau,
Fernf-rechavsAuß Nr. 605«
Mittwoch den 5. November
Fernsprechauschluß Nr. 605.
1902
Amtliches.
LanckkreLs Danau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Betrifft Viehzählung.
Am 1. Dezember d. Js. findet im preußischen Staate eine außerordentliche Viehzählung kleineren Umfanges statt.
Die erforderlichen zur Anwendung gelangenden Zählpapiere und zwar:
1) die Zählkarte A,
2) die Anweisung für die Zähler B,
3) die Kontrolliste für die Zähler C,
4) die Anweisung für die Behörden D,
5) die Ortsliste E
werden den Herrn Bürgermeistern und Guisvorstehern in den nächsten Tagen zugehen.
Die unmittelbare Leitung der Viehzählung liegt in jeder Gemeinde entweder dem Gemeindevorstand oder einer Zähl- kommiüon, an deren Spitze der Orlsvorstand steht, ob. Wegen der Zusammensetzung der Zählkommission und ihrer Obliegenheiten verweise ich auf § 4 der Anweisung D.
We^en Bildung von Zählbezirken, sowie Annahme und Anweisung des Zählpersonals nach den Bestimmungen der §8 5 und 6 der Anweisung D wollen die Herren Ortsvorstände schleunigst das Erforderliche veranlassen.
Bis spätestens zum 20. November er. haben die Herren Bürgermeister zu berichten, ob Zählkommissionen gebildet sind und ob das Zählungsgeschäft sicher gestellt ist.
Hanau den 30. Oktober 1902. ' ‘..... ;
Der Königliche Landrath.
7. V. Nr. 10537 v. Beckerath.
Der Spezereihändler Johann Georg Wender III» in Hüttengesäß beabsichtigt auf seinem dortigen Grundstück Kartenblatt B Nr. 1902/1268 — Brandversicherungs- Nr. 3n — die Einrichtung einer Schlächterei.
Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Einwendungen gegen die Anlage, zu welcher die Zeichnungen und Beschreibungen im Bureau des Kreis-Ausschusses offen liegen, binnen 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, hier anzubringen find.
Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf
Dienstag den 25. November d. Js.^ vormittags 10 Uhr,
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Kunst und Leben.
Hanau, 5. November.
§. Abonnementseoneert des Dratorienvereins» In dem reichen Blüthenstrauße musikalischer Darbietungen, die uns die heurige Saison erbrachte, gehört auch die Veranstaltung des Concertes unseres hiesigen Oratorienvereins, eines Musikkörpers, der bezüglich seiner weitverzweigten Ausdehnung und seiner vielseitigen Stimmenzusammensetzung jedenfalls zu einem der höchsten musikalischen Genüsse gerählt werden muß. Die'en Beweis bestätigte uns der gestrige Abend, an welchem obiger Verein in dem geräumigen Saale der neu erbauten Turnhalle bei ziemlich gutbesetzten Plätzen sein erstes Abonnementsconcert abbielt. Ünstreilbar erhielten wir von der Klangwirkung und akustischen Seite den rühmlichen Eindruck, daß gerade dieser Saal, was Schallwirkung anbelangt, zu den besten unserer Vaterstadt gehört. Der ballastfreie Höhenraum, die wohlgerundeten, kantenfreien Seiten, die jede Schallwelle leicht und in sanfter Bogenlinie zurückwerfen, scheinen zu einem Musiktempel wie geschaffen. Die diesjährige, Thätigkeit des stimmlich normal zusammengesetzten vokalen Theils, in Gemeinschaft der durch einige hiesige Musiker und geschätzte Kunstfreunde verstärkten Kapelle der sich soeben auf hohem Niveau zeigenden „Einhundertsechsundsechziger" erbrachten unter der Leitung des neuen Dirigenten, Herrn Ferdinand K ü ch l e r aus Frankfurt a. M., des großen Meisters und unsterblichen Händel's wunderbares Oratorium „Der Messias", das im Allgemeinen eine angemessene Interpretation erfuhr. Jedes fühlende Herz wähnte sich von der Allgewalt dieser herrlichen Komposition bezwungen. Gibt es doch auf Gottes weitem Erdenrund kein zweites großes Kunstwerk der Musik, dessen Popularität sich mit derjenigen des „Messias messen kann. Und wo noch heute in Musikkreisen das Gefühl der Freude, des Dankes und des Triumphes in seinem ganzen^Umfange zum Ausdruck gebracht werden soll, da ertönt mit frohlocken
in das Bureau des Kreis-Ausschusies anberaumt und werden die Interessenten mit dem Bemerken vorgeladen, daß im Falle des Nichterscheinens gleichwohl mit der Erörterung der erhobenen Einwendungen vorgegangen werden wird.
Hanau den 3. November 1902.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Der Königliche Landrath.
<1 Nr. A4680 v. Beckerath. 19272
Stadtkreis Danau,
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Nachtrag
zur Schlachthos-Ordnung für den städtischen Schlachthof zu Hanau.
8 1.
Der § 17 der Schlachthof-Ordnung vom 8. Juni 1900 erhält folgende Fassung:
„Die Schlachtung hat in gewerbsüblicher Weise unter Vermeidung von Thierquälerei möglichst schnell durch geübte Metzger zu geschehen. Alle SchlaLtthiere, mit Ausnahme des Schafviehes, welche nicht zur Schächtung nach jüdischem Ritus bestimmt sind, müssen vor der Blutentziehung völlig betäubt werden. Die Betäubung geschieht
a) bei Bullen, Ochsen und schweren Kühen mittels Kugel- schußapparaies,
b) bei leichten Kühen, Rindern, sowie Mutierschweinen und Ebern mntels Bolzenschußapparates, s'
c) bei allem übrigen Vieh mittels Handkeule oder Holzhammers.
In Zweifelsfällen darüber, welcher der unter a) und b) genannten Apparate angewendet werden soll, entscheidet der Schlachtkof-Vorsteher.
Bei Ler Betäubung von Großvieh und Schweinen müssen mindestens 2 Personen thätig sein.
Schwächliche Personen dürfen zum Betäuben von Thieren mittels Keule oder Holzhammer nicht verwendet werden oder sich verwenden lassen.
8 2.
Dieser Nachtrag tritt am Tage seiner Veröffentlichung im „Hanauer Anzeiger" und in der „Hanauer Zeitung" in Kraft.
Hanau dm 16. September 1902.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
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der gewaltigste Hymnus, der j-mals gesungen worden ist, das himmeljauLzende, ewig schöne „Hallelujah". Das Zusammen- spiel des Orchesters mit dem vokalen Theil zeigte in vielen Punkten kluge Berechnung und sicheren Ausdruck der Empfindung, besonders bei den vielfach auftretenden thematischen Wiederholungen. Nur wäre wünschenswert^, wenn der Gesangskörper etwas mehr Gewicht auf guten Wohllaut der einzelnen Stimmen legen würde, welcher Mangel gerade im Verhältniß zu den mitwirkenden Solisten merklich auffiel. Hoffen wir, daß es dem sicher leitenden neuen Dirigenten gelingen möge, den sonst mit vielem Streben beseelten Verein auf die Höhe zu bringen, die ihm der Inhalt seiner würdigen Darbietungen vorzeichnet. — Was den solistischen Part anbelangt, so hatte der Oratorienverein eine glückliche Hand bei der Auswahl derselben walten lassen. Lernten wir in Frl. A. S i e w e aus Rotterdam eine gutbegabte Sopranistin kennen, so ruhte derselbe Zauber auf der mit demselben Fleiße und Erfolg wirkenden Partnerin Frl. Rosa Cramer aus Frankfurt, die über eine einschmeichelnde, weiche Altstimme verfügt. Beide entledigten sich ihrer oft bravouren Leistungen mit viel Geschick und künstlerischem Können. Anschließend an diese reichen Erfolge warben die beiden Solisten des Abends, Herr Heinrich H o r m a n n aus Frankfurt als Tenor und unser allseits bekannter unermüdlicher Kunfijünger und Sangesfreund Herr Fr. Waßmuth als Bassist um dieselbe Palme des Sieges, die ihnen leicht zufiel. Ihre Interpretation war eine besonders glückliche, wie man es ja auch von solchen Meistern gewohnt ist. — Dem Orchester zollen wir für seine mühevolle Aufgabe rühmliche Anerkennung, wenn auch zuweilen an etlichen dynamisch weichen Übergangsstellen ein sanfteres piano vermißt wurde. Im Allgemeinen kann der strebsame Oratorien* verein mit seinem diesjährigen Debüt zufrieden sein; eine dankbare Anerkennung nach endloser Mühe ist der Preis des schönen, ernsten Strebens. Dieser Lohn soll ihm nicht vor- enthalten bleiben.
Wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Hanau den 28. Oktober 1902.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 19228
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 silberne Kravattennadel in Hufeisenform, 1 weiße emaillirte 3 Ltr. haltende Petroleumkanne (gefüllt), 1 Damenschirm in der Marienkirche, 1 blauer Sammetgürtel, 1 weißes Taschentuch gez. E. E., 1 schwarze Tasche mit weißem Taschentuch, 1 drei Ltr. haltende Milchkanne als Zeichen auf einem Messingblättchen zwei quer über- einanderliegende Hammer, 1 Miethbuch auf den Namen Peter Benzing.
Verloren: 1 schwarze Federboa, 1 Trauring gez. A. H. 5. 6. 95., 1 gold. Ring und 1 Kravattennadel.
Zugelaufen: 1 junger gelber Pinscher (Bastard), 1 weißer Bernhardinerhund mit gelben Abz., beide w. Geschl.
Entlaufen: 1 acht Monate alter rehbrauner Kriegshund m. Geschl.
Hanau den 5. November 1902.
Hub Stadt und £and.
Hanau, 5. November.
* Hubertusjagd. Wie alljährlich wurde auch vorgestern zu Ehren von Sankt Hubertus eine Schnitzeljagd geritten. Die Jagdgesellschaft bestand aus dem Offizierkorps deS Ulanen- Regiments, sowie einer Anzahl von Gästen, darunter Herr Generalmajor v. Festenberg-Pakisch, Kommandeur der 21. Kavallerie-Brigade, zahlreiche Herren vom hiesigen Jnf.- Regiment, sowie aus den Nachbargarnisonen. Das Feld ritt um 1/22 Uhr, begleitet vom Trompelerkorps, von der Ulanen- kaserne nach dem Stelldichein bei Bahnhof Langeuselbold. Mit der Fanfare „Gute Jagd" setzte sich das Feld in Galopp; über zahlreiche Gräben und Hochsprünge ging es etwa 5000 Meter über die Rückinger Wiesen, bis nach einem Doppelsprung an der Rückinger Brücke Herr Major v. Borcke die Jagd freigab. Es gelang Herrn Leutnant v. Steuben als erster den auf der Wiese versteckten Fuchsschwanz aufzufinden, abzuspringm und auszuheben, worauf Hallali geblasen wurde. Herr General v. Pakisch konnte über 40 Brüche an die Reiter vertheilen. Seine Durchlaucht der Herzog v. Urach führte darauf das Feld zu seiner Gemahlin, die vom Wagen aus die Jagd mit angesehen hatte. Aus der Hand Ihrer Königl. Hoheit der Frau Herzogin empfing der Sieger, Herr Leutnant v. Steuben, den Ehrenpreis, einen silbernen Hubertus-Becher. Der Rückweg wurde mit Musik angetreten.
§ Bolksvorlesttttg. Gestern Abend hielt Herr Pfarrer Neßler im Stadttheater einen Vortrag über die Entstehung und Entwickelung Hanaus. Von, dem bemerkenswerthen Umstände ausgehend, daß es in nächster Zeit, am 2. Februar 1903, 600 Jahre her sind, seit der damaligen Ansiedlung Hanau die Stadtrechte und damit die Berechtigung verliehen wurde, eine Schutz- und Trutzmauer um ihr Gebiet zu ziehen, gab Redner eine Schilderung des Werdens und Gedeihens der Stadt von ihren ersten Anfänge: n bis in die Zeit ihrer vollen Blüthe. Die geschichtlichen Urkunden weisen darauf hin, daß die ersten Ansiedlungen auf der Stelle entstanden, wo der heutige Stadtpark sich befindet, vorerst wahrscheinlich ein Jagdschloß der nachmaligen Grafen von, Hanau. Um dieses gruppirten sich dann mit der Zeit die Häuser der Hörigen und später auch zugewanderten freien Bürger, bis, wie gesagt, eine Mauer das Ganze nmschloß. Redner gab nun eine detaillirte Beschreibung der Lage dieser Mauer und ihrer Thürme und Thore, wie sie nach den noch vorhandenen Ueberreften und aus den geschichtlichen Urkunden festzustellen war. Der gesammte Umfang der Mauer betrug etwa 800 Meter und es können höchstens 1000—1200 Menschen innerhalb dieser Umwallung Raum zum Wohnen gehabt haben. Und dies zu einer Zeit, als Frankfurt und die meisten umliegenden Städte schon fast ihre heutige Bedeutung besaßen. Es erhellt daraus, welche enorme Entwickelung unsere Stadt innerhalb 600 Jahren durchgemacht hat, trotz Kriegeswirren und Kriegesnoth, die wie ganz Deutschland auch die hiesige Gegend besonders im 1t. Jahrhundert zu überstehen hatte. Freilich wurde der Mauergürtel bald zu eng und es mußte eine zweite weiter ausgreifende Befestigung gebaut werden, die dann mit Basteien und Wassergräben versehen wurde. Auf diese Weise bildete sich im 15. Jahrhundert die heutige Altstadt. Im Jahre 1603 wurde den Juden erlaubt, sich in Hanau niederzulassen und bekamen sie als Wohnsitz den Platz angewiesen, der die spätere Judengasse bildete. Als dann die große niederländische Einwanderung erfolgte, die als Grün-