Erstes Blatt
Hanauer G Anzeiger
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- ivärtige Abonnenten mit dem 'betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev, Waisenhauses in Hanau. ■
Gtveml-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zelle 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Vcrantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 257
Ferns-rechantÄluß Nr. 605»
g™«™*«^ ILLIUIWHI I M—lln^
Amtliches.
Candkras ßanaw Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamles.
Bei einem Schweine des Zimmermanns Johs. Dietzel III» zn Langenselbold ist die Rothlaufsettche festgestellt worden.
Ueber das Gehöft des p. Dietzel wurde die Sperre verhängt.
Hanau den 1. November 1902.
Der Königliche Landrath.
V 10695 I. V.: Schneider, Kreissekretär.
Handelsregister.
A. 48 Firma Thonwerke Fechenmühle Reinhold Opifieius Bruchköbel: Die Prokura des Kaufmanns Conrad Hörnte in Bruchköbel ist erloschen.
Hanau den 28. Oktober 1902.
_________Königliches Amtsgericht 5. 49076
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 4 Portemonnaie mit 4 Mark Inhalt, 4 Peitsche.
Verloren: 4 schwarzer Feder-Boa.
Zugelaufen: 1 junger gelber Pinscher (Bastard) w. Geschlecht.
Hanau den 3. November 4902.
Mus Stadt und £and»
Hanau, 3. November.
* Der Hubertttstag. (3. November.) Für Alle, die das edle Waidwerk pflegen, hat der heutige Tag eine besondere Bedeutung. Es ist dem Schutzheiligen des Jagdsports, dem Hubertus geweiht, dem zu Ehren noch hier und da Hubertusjagden abgehalten werden. Wer war Hubertus? Es war der wilde Sohn des Herzogs Bertrand von Guienne, der am Ende des siebenten Jahrhunderis nach Christi Geburt in den Gefilden des Ardennerwuldes auf der Grenze zwischen Frankreich und Belgien begütert war. Dieser Hubertus war ein so leidenschaftlicher Jäger, daß er selbst an Sonn- und Festtagen jagte und nie in das Gotteshaus ging. Als er so auch einst an einem Herbstsonntage in den Ardennen dem Waidwerk oblag und müde und abgehetzt einen schlafenden Hirsch auftrieb, sah er zu seinem furchtbaren Schrecken, daß das edle große iggMSBSBz^^ ii »i MM M.M«
Feuilleton.
Hammer Stadttheater.
Hanau, 3. November.
Es ist eine Thatsache, daß bei einer Erstaufführung, wenn eine solche nicht gerade auf einen Sonntag gelegt ist, das Theater nur einen schwachen Besuch anfziiwcisen hat. Betrifft diese Erstaufführung auch noch ein ernstes Werk, dann macht, sich dieser besremd- liche Umstand ganz besonders bemerkbar. Auch die Erstaufführung des breiartigen Dramas „Ueber den Wassern" von Georg Engel erbrachte dieselbe Erscheinung, abgesehen von den abonnirten Plätzen, zeigte der Zuschauerraum eine bedauerliche Oede und doch hätte diese Aufführung ein regeres Interesse verdient. Es sprach aus diesem Werke ein bedeutendes Talent, das seinen Gestalten ein markig realistisches Gepräge gab, eine Handlung schuf, deren Tragik überwältigt, fesselt und an das Herz greift, einen ausgesucht menschlichen Konflikt mit sittlichem Ernst behandelt und dem Ganzen eine Stimmung wahrt, die mächtige Empfindungen wachruft und lange nachhallen läßt. Nicht, als ob dem Drama keine Mängel nachzuweisen wären, diesen stehen aber so unleugbare Vortheile gegenüber, daß erstere nicht in Betracht kommen sollen. Der Held des Dramas ist ein jüngerer Pastor, dessen menschliches Empfinden ihn vor dem Berühren mit dem Unreinen zurückschrecken läßt, dessen harter reiner Sinn ihn in Konflikt mit den Pflichten seines Amtes bringt, die Heloin, wenn dieser Ausdruck am Platze, ein gefallenes Geschöpf. Und diese beide Menschen, vom Schicksal verschlamm, gemeinsam in den schwersten Stunden der Todesnoth an einen Ort gebannt, wo kein Ausweichen möglich ist und ein Aus- sprechen e> folgen muß, das den einen dann zur Erkenntniß bringt, daß die Liebe doch der Grundstein ist, auf den sich seine Kirche auf- baut, das Mädchen aber an einer That, mit der sie ihr früheres rer- lorenes Leben auslöichen möchte, in den Tod gehen laßt. Zu diesem Kampfe menschlicher Gefühle und Leidenschaften, der sich hier erst nt der engen Stube eines kleines Pfarrhauses am Strand der Dune und dann in der etwas höher gelegenen Strandkirche ampielt, tobt draußen der Kampf der entfesselten Elemente, die dem Stranddorfe durch Dammbruch Vernichtung bringen und deren Sturmfluth erst das noch übrig gebliebene Pfarrhaus vernichtet und dann bie ütranohrdie, wohin sich die paar Ueberlebenden gefüWet, mit dem Untergang bedroht. In diese von den bethen Personen getragene Handlung greift noch weiter der frühere Pastor der kleinen Gemeinde ein. Aus diesen kurzen Angaben ist ersichtlich, daß sich eine scharfe
Montag den 3. November
Thier das Bild des Gekreuzigten zwischen den Geweihen trug. Eine Stimme hörte er rufen: „Hubert, bekehre Dich und entgehe der ewigen Verdammniß!" Hubert bekehrte sich von seinem wilden Leben. Papst Sergius ernannte ihn zum Bischof. Hubertus nahm die Wahl an und machte Lüttich zum Bischofssitz. Er starb am 3. November 727. — Das Jagdvergnügen ist uralt. Die Schriftsteller der alten wie der neuen Kulturvölker wissen davon zu erzählen. Xenephon und Plato schätzen die Jagd hoch, der Feinschmecker Horaz schwärmt geradezu von ihr. Aus dem Zeitalter der römischen Kaiser entwerfen damalige Schriftsteller die großartigsten Jagdschilderungen. Unsern Altvordern war es eine Lust zu jagen, und der Wildstand unserer Wälder bot immer dazu Gelegenheit. Galt bei den alten Kulturvölkern die Jagd mehr als Erholung, so nimmt sie im Mittelalter mehr eine beherrschende Stellung ein. Die Ritterburgen boten in Zeiten des Friedens wenig an Unterhaltung und Erheiterung. Die Jagd fast ausschließlich schaffte Kurzweil. Daher darf man sich nicht wundern, daß sie mit Leidenschaft betrieben wurde, ja zuweilen ausartete. Die Verhältnisse der Zeit, unsere ganze Entwickelung und vor allen Dingen gesetzliche Bestimmungen haben Jagdgerechtsame wieder in die rechten Grenzen zurückverwiesen. So gilt heute die Jagd noch als ein ritterliches Vergnügen, daß seiner Kostspieligkeit halber nur von Begüterten ausgeübt werden kann.
* Fürstliche Reisende. Ihre Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin von Schweden und Norwegen sind nebst Begleitung Samstag Morgen 9 Uhr 15 Min., von Stockholm kommend, in Frankfurt a. M. eingetroffen und im Hotel Frankfurter Hof abgestiegen. Die Abreise erfolgte bereits am, Nachmittag um 1 Uhr 45 Min. nach Baden-Baden, wo die hohen Herrschaften den Großherzog und die Großherzogin von Baden besuchen.
* Kontrolversammlttng. Dienstag den 4. November, vormittags 9 Uhr, in Hanau — Paradeplatz — Reservisten der Jahresklassen 1899 und 1901 sowie die zur Disposition der Ersatzbehörde entlassenen Mannschaften, außerdem Reservisten aller Jahresklassen und die zur Disposition der Ersatzbehörde entlassenen Mannschaften, sowie die in der Zeit vom 4. April bis 30. September 1890 eingetretenen Wehrleute von Kesselstadt mit Philippsruhe, Wilhelmsbad mit Wilhelmsbaderhof, Neuhof; nachmittags 3 Uhr, in Großauheim — Schulhof — Reservisten und die zur Disposition der Ersatz- behörde entlassenen Mannschaften sowie die in der Zeit vom 1. April bis 30. September eingetretenen Wehrleute von Großauheim, Großkrotzenburg und Pulverfabrik.
* Quittungskarten-Kontrole. Sicherem Vernehmen nach findet in den nächsten Tagen in hiesiger Stadt eine außer
und interessante Charakterzeichnung mit .dem gegebenen düsteren schweren Hintergründe zu einem mächtig wirkungsvollen Gesammtbilde vereinigt. Die Aufführung war wohl vorbereitet, der tiefe Eindruck der Dichtung ward unterstützt durch eine vortreffliche Darstellung, wie dieses auch bei der Regieführung durch Herrn Direktor Oppmar nicht anders zu erwarten war. Für den Pastor „Holm" trat Herr Feist mit dem ganzen Aufgebot seiner künstlerischen Mittel ein und schuf eine scharf um« riffelte charakteristische Gestalt. Auch Frl. Toran zeichnete sich durch die Wiedergabe der „Stine Bos" aus, für deren leidenschaftliche Regungen ihr die überzeugende Ausdrucksfähigkeit zu Gebote stand. Herrn Gehrmann war die Aufgabe zugefalleN, den Pastor „Siewert" ;u gestalten und er fand sich mit dieser Aufgabe zufriedenstellend ab. Frau Rieger als Mamsell „Westphal" und Herr Krug als Küster „Rut-chkow" vervollständigten das gute Ensemble.
Der gestrige Sonntag brächte bei ausverkauftem Hause ein Stück Vergangenheit des deutschen Theaters wieder einmal auf die Bretter, nämlich „Lorbeerbaum und Bettelstab" von Karl von Hofiei. Bringt man das Kassenergebniß vom Freilag mit dem gestrigen in Vergleich, kann man es einer Theaterleitung füglich nicht verübeln, ab und zu auf die älteren Stücke zurückzugreifen. Ueber das Schauspiel Holtei's selbst sind die Akten heutzutage geschlossen.. Bei der Aufführung in Frankfurt a. M. waren andere Gesichtspunkte maßgebend, dort galt es gerade die Vergangenheit noch einmal kurz aufleben zu lassen, demgemäß diese Sachen auch eine andere Beurtheilung fanden. Unwillkürlich bemächtigte sich uns auch gestern Abend der Eindruck, daß die Zeit solcher Stücke vorüber ist trotz dem sehr moberneit Gewand, das die Regie demselben gegeben hatte. Sicherlich hat die Dichtung schöne Stellen, wie aber das Loos eines wahren Dichiers heute ein anderes ist, so sind auch andere Anforderungen an ein dramatisches Werk zu stellen, besonders in Bemg auf die Äusgesialtnng der Charaktere und die Handlung. Besonders verdient um die Aufführung machte sich Herr Feist als Dich'er, aber auch die anderen Mitwirkenden bemühten sich, ihren Aufgaben den Erfolg zu sichern.
Eröffnung des neuen Frankfurter Schauspielhauses.
W. Frankfurt a. M., 4. Nov. Das neue Schauspielhaus wurde heute Abend mit einer Festvorstellung eröffnet. Die prächtigen Räume präsentirten sich in wirkungsvollem Schmuck von Topfgewächsen und Blattpflanzen. Die Ränge bis hoch hinauf, sowie das Parterre bis auf den letzten Platz 5
Fernsprechanschluß Nr. 605»
M^^^^^^^■■l■■■g
1902
ordentliche Prüfung der Quittungsbücher statt, welche von Bureaubeamten der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau ausgeführt werden wirb. Für Arbeitgeber, welche mit der Verwendung der fälligen Beitragsmarken noch im Rückstände sind, empfiehlt es sich daher, zur Vermeidung von Strafen und Weiterungen alsbald das Versäumte nachzuholen. Auch empfehlen wir, die Quittungskarten in der nächsten Zeit bereit zu halten, damit dieselben auch Lei etwaiger Abwesenheit des Arbeitgebers oder Versicherten von den Angehörigen und Beauftragten dem Kontrolbeamten alsbald vorgelegt und dadurch öftere Störungen und Zeitverluste für beide Theile vermieden werden können.
* Städtische Badeanstalt. Im Monat Oktober 1902 wurden an Bädern abgegeben: Kl. I.: 74, Kl. H.: 160, Kl. III.: 662, Douchebäder: 36, Römisch-Irische Bäder: 34. Zusammen: 966 Bäder. Die größte Zahl der abgegebenen Bäder Betrug 108 am 18. Oktober; die kleinste Zahl der abgegebenen Bäder Betrug 10 am 28. Oktober.
* Oratorienv nein. Wir möchten an dieser Stelle nochmals darauf aufmerksam machen, daß Generalprobe und Concert des Oratorienvereins im Saale der Turn- gemeinde beide um 71/» Uhr beginnen. Karten sind zu haben in den beiden Hofbuchhandlungen von 7 Uhr ab bis Dienstag Abend 6 Uhr;'ferner in beschränkter Zahl an der Kasse, welche sich gleicher Erde neben der Herrengarderobe befindet. Hier sind auch Programme mit Text für 10 Pfg. zu haben. Zur Generalprobe sind die Plätze nicht numeriert und alle gleich. Die Karten werden in den betreffenden Vorräumen abgenommen. Damit vor den Garderoben kein Gedränge entsteht, werden die verehrlichen Concertbesucher höflichst gebeten, sich nach Abgabe der Garderobe in die oberen Räume zu begeben, sowie nach den Auf- führungen den vor den Garderoben befindlichen Raum nach Empfang der Garberobestücke möglichst bald frei zu geben.
* Stadttheater. ErneutesMatkowskyGast- spiel. Der gefeierte Künstler, dessen geniale Leistung als „Kean" noch in aller Gedächtniß ist, kehrt am nächsten Donnerstag zu einmaligem Gastspiel wieder, das nur durch die besondere Liebenswürdigkeit des vielbegehrten Gastes und nur durch seine private Beziehungen zur hiesigen Direktion ermöglicht wurde. Er wird in seiner hinreißendsten Rolle auftreten und zwar als „O t h e l l o". Der Vorverkauf findet schon am Mittwoch von 10 bis halb 1 und 4 bis 5 Uhr statt. Erhöhte Preise. Vorrecht der g e r a d e n Nummern. — Wochenspielplan: Mittwoch: „Haus Rosenhagen". Drama in 3 Aufzügen von Max Halbe; Donnerstag: Erneutes Gastspiel des kgl. preuß. Hofschauspielers Adalbert Matkowsky: „Othello", Trauerspiel in 5 Akten von William Shakespeare; Freitag: „Sein Doppelgänger", Schwank von Hennequin und Daval; Sonntag: „Der Mann im !«!■"—<■ ■MIMM.IMI. ...... " l■l^■■^^^|
füllte eine Festgesellschaft, die aus den Spitzen der städtischen, staatlichen und Militärbehörden, sowie zum allergrößten Theile aus geladenem Publikum sich zusammensetzte und durch die kostbaren Toiletten der Damen in angenehmer Abwechselung mit dem schwarzen Gesellschaftsanzuge der Herren ein farbenprächtig belebtes Bild darbot. U. a. waren anwesend der greife Dichter Wilhelm Jordan, ferner Ludwig Fulda, Paul Lindau und Oscar Blumenthal, sowie eine größere Anzahl fremder Bühnenleiter, darunter Graf Hochberg-Berlin und Frhr. v. Puttlitz-Stuttgart.
Wie das alte Schauspielhaus mit dem Goethe'schen Abschiedsschauspiel „Jphigenie auf Tauris" geschloffen wurde, dessen ergreifende Schlußworte „Lebewohl, Lebewohl!" gerade in diesem Moment ihre nachhaltige Wirkung wohl auf Niemanden verfehlten, so begann die erste Vorstellung mit einer Huldigung für den größten Sohn Frankfurts. Nachdem die Jubel-Ouverture von Weber verhallt war, deren letzte in die Nationalhymne ansklingenden Akkorde stehend angehört wurden, begann das Vorspiel, das Ludwig Fulda gedichtet hatte. Es knüpft nach 100 Jahren an Goethe's „Vor piel auf dem Theater" an und endet mit einer Apotheose: über der Büste Gcelhe's schweben drei Genien hernieder, den Sockel umgeben, hübsch gruppirt, Gestalten aus seinen Werken, während von der Seite das Volk huldigend Herandrängt und dem Dichterfürsten Palmen und Lorbeer darreicht. Lebhafter anhaltender Beifall folgte der Aufführung, immer und immer wieder mußten Dichter und Darsteller vor dem Vorhang erscheinen.
Dann folgte der erste Akt von Goethe's „Faust" mit dem Prolog im Himmel und „Wallensteins Lager", sodaß die beiden größten deutschen Dichierheroen am ersten Abmd im neuen Hause zu Worte gekommen find.
Gegen 10 Uhr begann im Palasthotel Fürstenhof ein von der Stadt gegebenes Abendeffen, an dem etwa 90 Personen theilnahmen. Die Reihe der Trinksprüche eröffnete Oberbürgermeister Adickes mit einem Hoch auf den Kaiser. Dann dankte Redner den auswärtigen Gästen, sowie der Presse und schloß