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Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag.

V Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Erstes Blatt

elfter

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev. { Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: 6. Schreck«; in Harr«,

Nr. 253

Ferns-rechanMuß Nr. 605.

Mittwoch den 29. Oktober

Fernsprechanschluß Nr. 605»

1902

Amtliches.

Stadtkreis hanau,

, Unter Bezugnahme auf die in Nr. 18 derAmtlichen Beilage" zumHanauer Anzeiger" vom 20. v. Mts. ver­öffentlichte und bereits in Kraft befindliche Regierungs-Polizei- verordnung vom 9. August d. Js. betr. die Leichenschau, mache ich darauf aufmerksam, daß jeder Todesfall innerhalb der ersten 24 Stunden bei der Ortspolzeibehörde zur Vornahme der Leichenfchau anzumelden ist.

Für den Stadtkreis Hanau werden derartige Anmeldungen im Sekretariate der Königlichen Polizei-Direktion entgegen­genommen.

Als Leichensckauer in der Stadt Hanau sind die praktischen Aerzte Dr. Zehner und Dr. Ambrostus bestellt, doch ist zur Vornahme der Leichenschau auch jeder andere Arzt be­rechtigt.

Hanau den 22. Oktober 1902.

Königliche Polizei-Direktion.

P. 10118 v. Beckerath.

Stadtkreis hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Von Donnerstag den 30. bis ^teifad den 31- d. Mts., vorm. 10 Uhr, bleibt die städtische Stenerkaffe der Revision wegen für das Publi- kum geschlossen.

Schlachtscheine werden ansgegeben Hanau den 29. Oktober 1902.

Stadtkasse.

18758

Gefundene nnd verlorene Gegenstände 2t.

Gefunden: 1 brauner Herren-Handschuh (rechter), 1 vierräderiger Handwagen. Im Laden Französische Allee 6 1 seidener Damenschirm stehen geblieben; Empfangnahme daselbst.

Verloren: 1 Plüsch-Reisedecke, 1 brauner Herren- Gla<;e-Handschuh Nr. 9, 1 schwarzseidener Damengürtel, 1 Ballfächer, 1 kleines Portemonnaie mit 2,70 Mark und einem kleinen Perlmuttermesserchen.

Zugelaufen: 1 schwarzer Dachshund w. Geschl.

Hanau den 29. Oktober 1902.

Kunst und Leben.

Hanau, 29. Oktober.

* Pedro Jung'sche Stiftung. Gestern, am Ge­burtstage des Frl. Pauline Juno, wurden 950 M. Zinsen von der 25 000 M. betragenden Pedro Jung'schen Stiftung an brave und fleißige Schülerinnen der Mädchen-Volksschule vertheilt. Von Seiten der Schulleitung war eine stimmungs­volle Feier arrangirt. Die Mädchen der oberen Klassen sangen unter der Leitung des Herrn Lehrers O h l einige entsprechende Chöre in bekannt vorzüglicher Weise. Herr Schulinspektor Bungen st ab gedachte der hochherzigen Spenderin und for­derte in eindringlicher Weise die Kinder auf, sich durch Ge­wissenhaftigkeit und Treue der Spenden würdig zu erweisen. . 24 Kinder wurden mit Gaben von 20 bis zu 70 M. be­schenkt. Das Geld ist in der städtischen Sparkasse angelegt, die Kinder erhalten die Sparkassenbüchlein. Der Name der hochherzigen Stifterin wird nicht vergessen werden. Zur Nach­ahmung aufmunternd und zugleich zur dankbaren Erinnerung an diese edle Frau sind nachfolgende Verse geschrieben worden. Mögen sie so gut ausgenommen werden, als sie gemeint sind!

Zum Gedächtniß

der Frau Pedro Jung, Augusta geb. Haak, der hoch­herzigen Wohlthäterin und großen Sckulfreundin Hanaus.

Im Garten, still, verborgen,

Garn einsam, steht ein Haus;

Da schaut nicht Vater, Mutter,

Kein fröhlich Kind heraus.

Längst sind die süßen Klänge,

Die lieblichen Gesänge

Verklungen dort, verhallt, Kein Ton mehr schallt.

Einst wohnte in den Räumen Die Freude und das Glück;

DaS Glück ist for'gczogen, Ließ Leid und Schmerz zurück.

Erst ist der Tod gekommen

Und hat hinweggenommcu Den hoffnungsvollen Sohn Zu frühe schont

Hub Stadt und Cand.

Hanau, 29. Oktober.

* 50jähriges Anttsjubiläum. Anschließend an unsere gestrigen Mittheilungen über das heutige Jubiläum des Herrn Landgerichtspräsidenten Geh. Ober-Justizraths Koppen ist vorläufig mitzutheilen, daß unter den zahlreichen Ehrungen, die der heutige Tag dem Jubilar brächte, sich die Verleihung des Kronenordens 2. Klasse mit Stern und der Zahl50" befand. Weiterer Bericht folgt.

* Postsonderzüge Frankfurt-Berlin. Die Post- und die Elsenbahnverwaltung sind dahin übereingekommen, daß von einem noch zu bestimmenden Tage ab das ganze Jahr hin­durch Postsonderzüge zwischen Frankfurt und Berlin kursiren sollen, und zwar zunächst ein Zug täglich in jeder Richtung. Mit Rücksicht auf den sehr starken Postverkehr zwischen beiden Großstädten läßt sich diese Neuerung nicht mehr hinaps- schieben.

* Schulinspektion. Der Magistrat hat nunmehr die Wahl des Herrn Rektor L o r e n z - Tempelhof zum städtischen Schulinspektor endgiltig vollzogen.

* Obftpreise. Der Bericht der Frankfurter Zentralstelle für Obstverwerthung über die Zeit vom 13. bis 18. Oktober besagt, daß das Geschäft sehr still war. Der größte Bedarf ist gedeckt, Angebote und Nachfragen lassen nach. Die Durch­schnittspreise betrugen: Pfirsiche 30 Mk., Tafeläpfel 1018 Mk., Kochäpfel S1/»11 Mk., Tafelbirnen 12-20 Mk., Kochbirnen 7- 9 Mk., Zwetschen 68 Mk., Walnüsse 18 Mk. im Zentner,

B. Centralausschutz des Vereins der Speffart- fr^unde. Am Sonntag den 26. d. Mts. fand im Hotel Hochspessart in Heigenbrücken eine Sitzung des Central­ausschusses des Vereins der Spessartfreunde statt. Auf der Tagesordnung stand Statutenberathung, die. Vereinigung sämmt­licher Touristenvereine des Gebiets zu einem Verband, welchem die Aufgabe zufällt, durch geeignete Mittel den Spessart weiteren Kreisen als bisher zu erschließen. Dies soll geschehen durch Herbeiführung einer einheitlichen Wegemarkirung, durch Einfluß­nahme auf die Wirthschaftsverhältnisse, hinsichtlich deren Ver­besserung, Hinweis auf gute billige Sommerfrischen, durch Artikel in illustrirten und Tages-Zeitungen usw. Als Jahres­beitrag zur Centralkasse zahlen die einzelnen Sektionen, deren volle Selbständigkeit bewahrt bleibt, 20 Pfennig pro Mitglied. Hierfür bestreitet der Cenlralausschuß die Kosten der Schrift­leitung, Druckkosten, das Abonnement für die Zeitschriften k. sowie die Ausgaben für die Wegemarkirungen der einzelnen Sektionen. Der Verein der Spessartfreunde tritt dem Ver­bändeDeutscher Touristenvereine" als Mitalied bei und leistet

Noch Schlimnires ist gefolget:

Des Hauses Sonnenschein,

Die Rose, die ihm blühte, Die holde Maid, so fein, Muß? aus dem Hause scheiden; Ein unheilbares Leiden Riß sie vom Elternherz Zum größten Schmerz.

Es war zu schwer, zu tragen Dies Kreuz, da hat geneigt

- Sein Haupt zum ewgen Schlummer Der Vater tiefgebeugt.

Nun wandelt' wie in Träumen Die Gattin in den Räumen, Die prächtig sind gar sehr, Doch jetzt so leer!

Ganz einsam wurd's im Hause; Doch auch die Zeit, sie schwand, Sie linderte die Schmerzen Mit sanfter, weicher Hand.

Nun hat mit frischem Muthe Die Greisin noch die gute, Ein großes Werk vollbracht, Das sie erdacht:

Mein Gut dien' Bildungs^wecken, Mein Haus, es sei der Stadt;

Im Garten sei willkommen,

SB er keinen Garten hat, Und auch der Kranken, Armen Will freundlich mich erbarmen!" Dies all der Nachwelt nennt Ihr Testament.

Frau Jung ist auch gegangen Ins' beff're Heimatbland;

Doch Segen spendend waltet Noch heute ihre Hand.

Und wenn sie auch geschieden, Ihr Name soll hienicden 9tiemal8 vergessen jein Bei Groß und Klein,

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Die heutige Nummer umfatzt außer dem Unterhaltungsblatt 10 Seiten

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die Centralkasse den Jahresbeitrag. Die noch bestehenden Vereine wie der Spessarttouristenverein Hanau, Freigerichter Bund, Spessartvereine Lichtenau und Hochspessart, werden sich hoffentlich entschließen, mit dem Verein der Speffartfreunde einen Verband zu bilden, um dadurch ein großes Ganzes zu schaffen, damit ein Touristengebiet erschloffen wird, zu dem aus allen Theilen Deutschlands die Verehrer für Naturschönheit mit Lust und Freude hinwandern und dort Erholung suchen von des Taaes Last und Mühen.

* Weinser-Concert. Das Programm für das morgen Abend in derCentralhalle" stattfindende Concert verspricht einen sehr genußreichen Abend. In der Solistin, Fräulein Mathilde Haas aus Mainz, hat der Verein eine ausgezeich­nete Altistin gewonnen, während der Ruf des Herrn Professors Hugo Heer mann als Künstler, empfehlende Worte wohl ent­behrlich macht.

* Kunstindttstrie-Berein. Nach dem nunmehr fertig gestellten Programm finden noch folgende Vorträge und Rezitationen in der Wintersaison statt:

2) Montag den 3. November: Frau Löonie v. Bodenhausen-Satory und FreiherrBodo v. Boden- tz a u s e n - Cafsel: I. Melodramatische Rezitation: Zlatorog, eine Alpensage von Rudolf Baumbach, Musik von Profeffor Albert Thierfelder; II. Rezitation hochdeutscher und mund­artlicher Dichtungen: Berlinisch, Plattdeutsch, Ungarisch-Deutsch, Sächsisch, Oberbayrisch.

3) Dienstag den 25. November: Dr. Alfred K ö p p e n - Berlin: Venedig und seine Kunstschätze (Projek- tions-Vortrag mit 100 farbigen Lichtbildern).

4) Dienstag den 6. Januar: Hof-Rezitator W. N eand er -Hannover: Rezitation: Der wilde Jäger, eine Weidmannsmär von Julius Wolff.

5) Donnerstag den 5. Februar: Prof. Dr. E.

G s t h e i n * Bonn: Dante und Beatrice.

6) Donnerstag den 5. März: Prediger Voigt-Offenbach: Die Entwicklung der Lebewesen Darwin.

* Silberne Hochzeit feiern heute Pulverarbeiter Emge und dessen Ehefrau, wohnhaft zu Kahl a. M.

Karl nach

Karl

* Lebens Mittel-Kontrolle. In der gestrigen Schöffen­gerichtssitzung gelangten u. a. folgende Fälle zur Verhandlung: Unter der Leberwurst, welche bei dem Metzgermeister Holmann hergestellt war, wurde 1,11 Proc. Kartoffelmehl ge­funden. Es sind der Meister und sein Geselle wegen Ver­gehens gegen das Nahrungsmittelgesetz angeklagt. Beide be­haupten, das wässerige Fleisch habe den geringen Mehlzusatz nothwendig gemacht. Der Meister erhält 10, der Geselle

5 Mk. Geldstrafe. Die Milch, welche die Ehefrau Römer von Niederrodenbach auf den Markt gebracht hatte, wurde von Herrn Chemiker Dr. Rau untersucht und ein Wafferzusatz von 10 Proc. darin gefunden. Da nicht festgestellt werden kann, wer die Fälschung vorgenommen hat und auch die Möglichkeit vorliegt, daß die Milch von einer abnormen Kuh herrührt, wird die Angeklagte freigesprochen.

* Zechprellerei. Ein Kaufmann Herdt aus dem Hessischen, der sich kürzlich dahier einer Zechprellerei schuldig gemacht und dann in Haft genommen wurde, stand gestern in Darmstadt vor den Schranken des Gerichts, um sich wegen eines ähnlichen Delikts zu verantworten^ Er hatte dort eben­falls Zechprellerei verübt. Das Gericht diktirte ihm 1 Jahr Gefängniß, worauf er wieder nach Hanau transportirt wurde, da auch hier seine Aburteilung zu erfolgen hat.

* VergnügungsvereinGermania". Am ver­flossenen Sonntag veranstaltete vorgenannter Verein einen Ausflug nach Kesselstadt in das Gasthauszum Schwan". Man darf diese Veranstaltung in allen Stücken als wohlge­lungen bezeichnen. Der geräumige Saal war sehr gut besetzt. Den Hauptantheil an dem Erfolg hatte der Komiker Herr Hubert, der durch einige wirkungsvolle Couplets die An­wesenden in die animirteste Stimmung versetzte. Auch einige Zithervorträge, gespielt von einem Mitglied des Vereins, fanden reichen Beifall. Eine sog. Saalpost wurde hauptsäch­lich von den jüngeren Damen und Herren stark frequentirt, dazwischen wurde stets fleißig das Tanzbein geschwungen und es dürfte wohl Jedermann mit dem Bewußtsein nach Hause gegangen sein, einige vergnügte Stunden verlebt zu haben.

* * *

(!) Fechenheim, 28. Okt. (Einweihung der Kirche.) Nächsten Sonntag den 2. Nov. wird die nun neu hergerichtete evauql. Kirche dahier eingeweiht werden. Die Weihe wird Herr Generalsuperintendent Pfeiffer-Caffel voll­ziehen unter Assistenz der Herren Superintendent Sopp-Hanau und Metropolitan v. Starck-Bergen. Außerdem werden an der Feier sämmtliche Herren Geistlichen im Ornat theilnehmen und zu derselben Herr Landrath v. Beckeraih-Hanau, Herr Baurath Becker-Hanau und sonstige Ehrengäste erscheinen.Der Festgottesdienst beginnt nachmittags 3 Uhr. Den liturgischen