Erstes Blatt.
Hanauer G Anzeiger
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau.
• Fernfprechanschluß Nr. 605
Samstag den 18. Oktober
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
Amtliches.
Candkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Mit der Berichterstattung auf meine Verfügung vom 7. Oktober 1901 — J. V. Nr. 10396 — betreffend die Bestellung von Formularen zur Pferdevorführungsliste, ist noch eine Anzahl Bürgermeister und Gutsvorsteher im Rückstände.
Es wird daher die Erledigung der genannten Verfügung iu Erinnerung gebracht.
Hanau den 15. Oktober 1902.
Der Königliche Landrath.
J. V. Nr. 9854 v. Beckerath.
Gefundene ob verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Sack Kartoffeln, 1 schwarzer gehäkelter Umhängekragen, 1 Portemonnaie mit 1 Mark Inhalt, verschiedene Schulbücher.
Verloren: 1 Portemonnaie mit 9 Mark Inhalt.
Hanau den 18. Oktober 1902.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 17. Oktober.)
Die Fortsetzung der Zolltarifvebatte.
In der heutigen mehr als sechsstündigen Sitzung des Reichstages haben die Redner der Nationalliberalen, der Konservativen und des Zentrums zur gestrigen Rede des Reichskanzlers Stellung genommen. Abg. Dr. Paasche, der nur eine Viertelstunde sprach, empfahl die Annahme der Regierungsvorlage und beschwor eindringlich besonders die Vertreter der Landwirthschaft, nicht das Erreichbare zu vereiteln. Graf K a n i tz kündigte an, daß die Mehrheit der Konservativen den Anträgen Wangenheim, soweit sie sich auf Weizen und Roggen beziehen, zustimmen würde. Er stellte ferner Anträge auf Herabsetzung der Jndustriezölle in Aussicht. Der Zentrumsredner Herold erklärte, daß seine Fraktion einstimmig an den Kommissionsbeschlüssen festhalten wolle. Nachdem der Freisinnige F i s ch b e ck gegen die Vorlage in jeder Gestalt gesprochen hatte, ward die weitere Debatte auf morgen vertagt.
8ms Stadt und £andt
Hanrm, 18. Oktober.
* Militärisches. Nach Zeitungsmeldungen ist Generalleutnant v. Deines zum Kommandeur des 8. Armeekorps ernannt worden.
* Wallonische Gemeinde. Am 10. d. M. starb zu Königstein i. T. Frau Pfarrer Leclercq, die Wittwe des letzten französischen Geistlichen dieser Gemeinde. Ihre Beisetzung hat am letzten Dienstage auf dem hiesigen Friedhofe stattgefunden. Sie ruht an der Seite ihres Gatten, des 1890 verstorbenen Dr. theol. J. B. F. Leclercg, welcher 27 Jahre Pfarrer der Wallonischen Gemeinde gewesen ist, nachdem er merkwürdige Schicksale erlebt. — Morgen im Gottesdienste soll der Beiden gedacht werden.
* 26. Mittelrheirrisches Kreisturnfest. Dank der geschickten Festleitung, vornehmlich der vom Bauausschuß geübten Sparsamkeit, ist, wie die „W. Ztg." hört, ein Ueber- schuß von rund 3000 Mark erzielt worden, der der Kasse der Wormser Turngemeinde zufließt.
* Freiherr Adolf Franz Friedrich Ludwig von Knigge, dessen 150jähriger Geburtstag am Donnerstag war, hat seinem Namen durch sein Buch „Ueber den Umgang mit Menschen" eine merkwürdige Unverwüstlichkeit gegeben. Hier verdient dieser Tag auch darum erwähnt zu werden, weil Knigge zwischen 1780 und 1790 in Hanau ansässig war. Von diesem Schriftsteller wüßte man heute vielleicht kaum noch etwas, wenn nicht jenes verbreitete, mannigfach übersetzte und immer wieder neu aufgefrischte Buch seinen Namen beständig in Erinnerung brächte. Von seinen übrigen Schriften sind der komische Roman „Die Reise nach Braunschweig" und „Roman meines Lebens" auch heute noch lesenswerth. Seinen Zeitgenossen war er besonders bekannt durch seine Verbindung mit den Jlluminaten. Knigge war geboren am 16. Oktober 1752 auf dem Schlosse Bredenbeck bei Hannover. Während seiner Studienjahre führte ihn eine Reise nach Cassel, wo ihn Landgraf Friedrich II. zum Hofjunker und Assessor bei der Kriegs- und Domänenkammer ernannte. Nach einem 1 /2« jährigen Urlaub, der ihm zur Fortsetzung feiner Studien gewährt wurde, kehrte er 1772 nach Cassel zurück und vermahlte sich bald nachher mit Henriette von Baumbach. Seine Mußezeit widmete er u. A. auch der Musik und Komposition. 1776 kehrte er in seine Heimath zurück, war aber bald darauf wieder in Hessen und an sächsischen Höfen. Nachdem ließ er
Die heutige N
sich in H a n a u nieder, später auch bei Frankfurt und in Heidelberg. 1790 wurde er braunschweigisch-lüneburgischer Oberhauptmann und Scholarch in Bremen. Knigge hat nur ein Alter von 44 Jahren erreicht. Er starb 1796 in Bremen.
* Paxolemnsik. Die Jnfanteriekapelle spielt morgen Mittag im Schloßpark nachstehende Piecen: 1) „Deutscher Reichsadler", Marsch von Unrath; 2) Ouvertüre z. Operette „Franz Schubert" von Suppe; 3) „Wiener Blut", Walzer von Strauß; 4) „Kaiserblumenlied" von Abt; 5) Große Fantasie a. d. Oper „Lohengrin" von Wagner.
4 - Vom Reichsgericht. Wegen Lotterievergehens ist am 21. April vom Landgerichte Hanau die LotteriegeschäftsinhaberinFranziska Mendelsohn in N eu- st r e l i tz zu einer Geldstrafe von 200 Mk. verurtheilt worden, weil sie Loose der sächsischen Lotterie, die in Preußen verboten ist, nach der Hanauer Gegend abgesetzt hat. Ihre Revision wurde als unbegründet vom Reichsgerichte v e r- worfen.
* Das Wendelinfest. Schon seit 100 Jahren wird in Heusenstamm das sogenannte Wendelinfest am 19. Oktober gefeiert. Es wird erzählt, daß einst eine große Viehseuche unter den Rindern geherrscht habe, woran viele diese Vierfüßler verendeten. Den 19. Oktober wurde, nachdem die Krankheit erloschen, ein Dankgottesdienst eingesetzt. In feierlicher Prozession sieht man um die Mittagsstunde eine große Schaar Andächtiger nach dem Kirchhof ziehen, woselbst der Geistliche eine Andacht hält.
* Stadttheatsr. Wie schon berichtet, findet am Sonntag Nachmittag bei halben Preisen die Aufführung von Ernst's Komödie: „Flachsmann als Erzieher" statt. Den Flachsmann spielt Herr Retz b a ch, Flemming: Herr Schwarz, Gisa: Fräul. Leoni, Prell: Herr Jungk, Negendank:- Herr Gehrmann und Dierks: Herr Schwersenski. — In der Abend-Vorstellung, in welcher die Fortsetzung von „Im weißen Röß'l" das Lustspiel: „Als ich wieder kam" in Szene geht, sind die Hauptrollen wie folgt besetzt: Giesecke: Herr Gehrmann, Siedler: Herr Feist, Zeck: Herr Schwarz, Gabi: Fräul. Toran, Josepha: Fräul. Hohen- fels, Ottilie: Fräul. Hieber, Hinzelmann: Herr Retzbach und Leopold: Herr Nygrün.
O Für Kanarienfrennde. Die Gesangsstunde des Main-Rheingau-Verbandes der Kanarien-Züchter findet morgen Sonntag den 19., nachmittags 3 Uhr, im Restaurant „Alle- mania" statt, wozu Freunde und Gönner des Vereins eingeladen sind. Den Liebhabern des Kanarienvogelgesangs steht sicherlich ein hübscher Genuß bevor.
* Vorbereitung zum Einjährigen - Examen. Wie aus der Anzeige an anderer Stelle ersichtlich, wird Herr Sprachlehrer Chr. Dippel den von ihm in Aussicht gestellten Einjährigen-Cursus am Montag beginneen. Auch werden noch Schüler der höheren Schulen zur Nachhülfe in allen Fächern angenommen. Im Uebrigen »erweisen wir auf die betreffende Anzeige.
* Beilegung. Der evangelische Arbeiterverein hat sein Vereinslokal nach der „Brauerei Weismantel" verlegt.
4 Sachbeschädigung. In einem Hause der Lang- straße, nahe der Steinheimerstraße, wird schon seit einiger Zeit fast täglich die Klingelleitung zerstört, welche von dem unten befindlichen Laden nach den oben gelegenen Schlafzimmern führt, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, den Uebelthäter zu ermitteln. Da sich infolge dieser Vorgänge auch der andern Mitbewohner des Hauses eine berechtigte Unruhe bemächtigt hat, so ist denselben ein Ueberwachungsdienst eingerichtet worden, welcher hoffentlich bald gazu führen wird, die Sache der Behörde zur exemplarischen Bestrafung zu übergeben.
* Das Rosenhäuschen im Schloßgarten. Unserer neulichen Notiz in Betreff des Rosenhäuschens im Schloßgarten fügen wir noch an, daß dasselbe von hiesigen Gewerbetreibenden hergestellt wurde. Die Zimmerarbeiten fertigte die Firma W. Franz und die anderen Holzarbeiten (Spalier) die Firma Fr. Henrich an.
* Hanauer Geschichtsverein. Auch in der vergangenen Woche hat der Verein einige interessante Stücke erworben. Herr W. Weider, Kaufmann, hier, Vorstadt 27, schenkte 2 von der Hanauer Bürgergarde herrührende Säbel, ein Gewehr mit Percussionsschloß nebst zugehörigem Bajonett aus dem Jahre 1848, und 5 römische thönerne Gebrauchsgegenstände. — Herr Ernst Friedrich Wagner, General- Agent, überreichte 1 Bürgergarde-Säbel und 4 kurhessische Stempelmarken. — Herr Christian G ouze, Herr Gelhaar und Herr Karl H e l b i g boten dem Vereine mehrfache Manuskripte, Drucksachen und Akten an, die sich zum größten Theile auf die Bürgergarde beziehen. Diese Sachen werden selbstverständlich alle mit großem Danke entgegengenommen, und es wird nur der Wunsch ausgesprochen, daß noch durch Kauf oder sonst in irgend einer Weise solche Stücke in den Besitz immer umfaßt außer dem Uitki OaUunoSbli
des Geschichtsvereins oder zur Aufbewahrung durch denselben gelangen. — Wegen einiger Ausrüstungs-Gegenstände hat der Vorstand schon Unterhandlungen angeknüpft. — Aus dem Theater-Inventar konnte die Wirbeltrommel der Bürgergarde, nach Ersetzung durch eine andere Trommel, zurückgezogen werden. — Die Angelegenheit ist also in gutem Zuge und wenn es so weiter geht, wird der Verein, sobald ihm auch das zweite Geschoß des Rath- Hauses eingeräumt sein wird, dem Publikum eine reichhaltige Sammlung Hanauer Sachen vorführen können. Interessant ist alles, was zu der Vorväter Hausrath gehörte, aber lehrreich wirkt es erst in der Zusammenstellung mit anderem. — Man sehe sich z. B. einmal die Sammlungen im Frankfurter Archive an. Wie da die Ballkleider von der Mitte und dem Anfänge des vorigen Jahrhunderts, das Kinderspielzeug u. dgl. wirkt. — Es ist ganz gewiß noch in manchem Hanauer Hause das eine oder andere Stück verborgen, das unserer Sammlung zur Zierde gereichen würde. W. Erwähnenswerth. Als Einsender dieser Tage die Todesanzeige der Frau „Caroline" Jmmenhäuser int „Neuen Großauheimer Anzeiger" (Sonderausgabe des „Hanauer Anzeiger") gelesen, fiel ihm eine Unternehmung genannter Frau ein, die nicht gerade der Vergessenheit an- heimzufallen braucht. Sobald der Straßendurchbruch nach dem Stadtgraben (die jetzige Bleichstraße) fertig gestellt war imb einige Gebäude in der betr. Straße entstanden, wurde verschiedenerseits der Wunsch rege, der Stadtgraben möge im allgemeinen Interesse am Ende der Straße überbrückt werden. Dieser Gedanke wurde der städtischen Behörde unterbreitet, welche auch zur Ausführung dieses Wunsches bereit war, wenn eine gewisse Summe seitens der Einwohnerschaft als Beisteuer beschafft werden könnte. Die Verstorbene war gleich bei der Hand, zur Erlangung dieser Summe die nöthigen Schritte zu thun und erzielte bei verschiedenen Einwohnern besten Erfolg. Das Geld wurde an die betr. Stelle abgeliefert, sehr bald darauf die Brücke erbaut und vielfach heißt heute noch die lebhaft benutzte Brücke die „Carolinen- brücke." Ehre ihrem Andenken!
* Familienabend. Der evangelische Arbeiterverein veranstaltet Sonntag den 26. d. M. im Saale der Brauerei Weismantel einen Familienabend bei freiem Eintritt. Die Veranstaltungen des Vereins haben sich von jeher großer Beliebtheit zu erfreuen, lodaß auch die bevorstehende Festlichkeit sicherlich allgemeinen Anklang und Beifall finden wird.
* Einet» Ausflug nach Klein-Steinheim (Hanauer Hof) unternimmt morgen Nachmittag der Klub „Cameratia" Hanau. /
* Stiftungsfest. Der Club „Amicitia" begeht morgen von abends 6 Uhr an in der „Centralhalle" sein 5. Stiftungsfest, worauf wir auch an dieser Stelle aufmerksam machen möchten. Der von Jahr zu Jahr sich steigernde Zuspruch der Clubfestlichkeiten ist wohl genügender Beweis für deren Güte.
* Zu der Brauerei Dürr steht den Besuchern morgen ein ebenso seltener als vorzüglicher musikalischer Genuß bevor, indem das Leiv- ziger Bandonion-Quartett „Arion" ein Concert veranstalten wird. Ueber die Leistungen eines Mitgliedes desselben, des Herrn Möbius, konnten sich die Besucher bereits früher überzeugen und es steht zu erwarten, daß die übrigen vor diesem nicht zurückstehen werden.
* In der Wiener Spitze werden morgen mit dem Concert deklamatorische Vorträge verbunden sein.
* An den Frankfurter Renntagen concertiren im „Frankfurter Hof" beim Diner abwechselnd das beliebte Hausorchester Farkas Pista aus Budapest und die Militär-Kapellen des 2. Nass. Feldart.-Regts. Nr. 63 Samstag, des Husaren- Regts. Nr. 13 Sonntag und des 1. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 81 Dienstag.
* Hefsenlan-. Inhalt der Stummer 20 des „Hessen- land" : Traudt, Valentin, „Unser Kampfgenosse"; — Knodt, Karl Ernst, „Der Mutter" (Gedichte). — Kolbe, Wilhelm. „Eschwege int dreißigjährigen Kriege" (Schluß). — Bürger, Alexander. „Alfred Bock". — Grandjot, C. „Alte Akten" (Gedicht). — Schwarzkopf, Dr. Carl. „Gemälde-Erwerbungen unter Kurfürst Wilhelm II." — Traudt, Valentin. Die eiserne Basis (Humoristische Skizze). — Aus Heimath und Fremde. — Hessische Bücherschau. — Personalien. — Briefkasten.
K Langendiebach, 16. Oktbr. (Kirch weih fest.) Sonntag den 19., Dienstag den 21. und Sonntag den 26. findet dahier das Kirchweihfest statt. In den letzten Jahren lvar der Andrang an den Kirchweihtagen ein ganz bedeutender. In allen Gasthöfen war fast kein Sitzplatz mehr zu bekommen. Viele mußten mit einem „Stehschoppen" vorlieb nehmen. Bei schönem Wetter dürfte auch in diesem Jahre ein gleicher Verkehr, namentlich au den Sonntagen, zu erwarten sein. Wie wir hören, wird die Kleinbahn auch in diesem Jahre Extrazüge einlegen (siehe Jnseratentheil) und für die erforderliche Wagenanzahl Sorge tragen. Die Wirthe werden bemüht sein, das Publikum in jeder Beziehung zufrieden zu stellen. Kirchweih tt 14 Seiten.