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Erstes Blatt

Hanauer G Anzeiger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- «artige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. ?

General-Anzeiger

Erdrückt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, cv, Amtliches Organ für Stadt- und KandKreis Hanau Waisenhauses N ^anau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: H. Schrecker in Hanau,

Nr. 243

Fernsprechanschluß Nr. 605

Freitag den 17. Oktober

Fernsprechanschluß Nr. 605

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1902

Amtliches.

Stadtkreis Ban au, Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Nach Beschluß des Landes-Ausschusses vom 9. September 1902 soll für das Jahr 1902 die Erhebung einer einsachctt Viehseuchen-Abgabe für Pferde, Fohlen, Esel rc. 20 Pfg. für jedes Stück und einer doppelten Abgabe für Rindvieh 10 Pfg. für jedes Stück stattfinden.

Zur Feststellung der Abgaben sowie zu statistischen Zwecken ist eine Zahlung des Viehbestandes erforderlich und wird solche am 2. November d. Js. bewirkt werden.

Das Verzeichniß über den Viehbestand ist zur Einsicht der Betheiligien vom 6. bis einschl. 19. November d. Js. auf dem Rathhause, Zimmer Nr. 20, ausgelegt; Anträge auf Be­richtigung sind bis zum 19. November d. Js. bei der unter­zeichneten Behörde, etwaige Reklamationen gegen deren Ent­scheidungen aber bis einschl. 29. November bei dem Königlichen Regierungs-Präsidenten zu Cassel anzubringen.

Hanau den 13. Oktober 1902.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 18020

Durch Beschluß vom 23. September d. Js. wird die Straßenbezeichnung „Maulbeerallee" in „Jahnstraße" ab- geändert.

Die Hausnummern bleiben dieselben.

Hanau den 14. Oktober 1902.

Der Magistrat.

I. A.: Schmidt. 18001

Hub Stadt und Cand»

Hanau, 17. Oktober.

Oeffentliche Sitzung der Stadtnerordneten- uersawmiung

vom 16. Oktober 1902.

Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Aukamm, Taader, Bier, Craß, Eberhard, Föll, Dr. Fues, Dr. Heraeus, Jost jr., Kehl, Koch, Küstner, Loßberger, Lucht, Müller, Ott, Rodde, Schwabe, Spatz, Steinheuer, Schroeter, Stübing, Treusch, Voltz und Dr. Wagner.

Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr Gebe- Ichus, Erster Beigeordneter Bode, Zweiter Beigeordneter Sani­tätsrath Dr. Eisenach, Stadtrath Dr. Lucanus, Nicolay und Schmidt.

Stadtv. Schwabe beantragt eine kleine Berichtigung des vorliegenden Protokolls über die letzte Sitzung, dem stattgegeben wird.

Die zwei ersten Punkte der Tagesordnung und zwar: 1) Nachbewilligung von 2169.08 Mk. auf Titel V 2 der Gas-

Kunft und Leben.

Hanau, 17. Oktober.

):( Concert des Gesangvereins Snmser. In bunter Wahl .hat Frau Musica in dieser Saison in unserem kunstliebenden Musenstädtchen bereits aus dem Füllhorn ihrer Gaben manch' köstliche Probe gespendet. Noch sind die em- pfindungsreichen Klänge des Kammermusik-Abends kaum ver­hallt, und wiederum zieht es uns hin zu alten Bekannten — diesmal zu einem am gestrigen Abend veranstalteten Stuhl­concerte der hierorts allseitig gerne gehörten Sumser. Alter Gewohnheit gemäß, bot sich uns im Saale der „Centralhalle" ein bis auf den letzten Platz besetztes Haus, und in der That lieferte uns dieses erfreuliche Bild die sichere Gewähr, daß bei den Sumsern von jeher durch ein fein ausgewähltes und mit Fachkenntniß zusammengestelltes Programm einem jeden Fein­schmecker etwas Pikantes aufgetischt worden ist. Herr Hans Grundmann, der jeweilige Dirigent, hat sich keine Mühe verdrießen lassen, um dem gerne in Novitäten schwelgenden hiesigen Hörerkreise in reicher Fülle gerecht zu werden, zugleich aber auch den Beweis erbracht, daß alte Meister, wie Beet­hoven, und volksthümliche Weisen, Treu wie Gold, ihren Werth stets behaupten. Mit Dank sei dies rühmend an dieser Stelle hervorgehoben. — Mit dem lieblichen Eingangschore „Die Vesper" des genialen Meisters Beethoven eröffnete sich uns oer festliche Reigen. Zielbewußte Arbeit, gute Schulung, gut­bedachte Athmung und wohllauterstrebende Betonung waren die Lichtstrahlen, die uns sogleich bei Lösung, der ersten Nummer entgegenleuchteten und die in der weiteren Hvlae

werkskasse für R.-J. 1902, Anliegerbeitrag für Grünerweg- Ausbau; 2) desgl. 3477.11 Mk. auf Titel IV C für 1902 der Elektrizitätswerkskasse, werden ohne Debatte genehmigt, die in Punkt 3 der Tagesordnung enthaltene^Angelegenheit, Wasser­rohrverlegung von der Fallbachstraße aus nach der s. g. Meisterei vor der Kinzigbrücke Nr. 32, 34, 36 (über den Fallbach), wird zur Kenntniß genommen.

Ueber die beantragte Gleichstellung der wissenschaftlichen Lehrer der höheren Mädchenschule mit denen der Oberrealschule wird seitens des Referenten mitgetheilt, daß die wissenschaft­lichen Lehrer der höheren Mädchenschule bisher schon mit den­jenigen der Oberrealschule gleichgestellt gewesen seien, es jedoch bis dahin an einem diesbezüglichen grundsätzlichen Beschlusse fehle. Er beantrage deshalb Genehmigung der Vorlage, was auch geschieht. Es handelt sich nur um einen formellen Be­schluß. Stadtv. Craß führt im Anschluß daran aus, daß die älteren Lehrer der MMelschulen gegenüber den geprüften Mittelschullehrern retour ständen. Pflicht der ausgleichenden Gerechtigkeit sei es, hier Wandel zu schaffen. Vorsteher Can­thal bemerkt, daß die Sache bei der Etatsberathung zur Sprache zu bringen sei, überdies schwebe beim Oberverwaltungs- gericht derzeitig noch ein Streitverfahren.

Zugestimmt wird ferner der Verpachtung von Grundstücken, der Bewilligung bis zu 600 Mk. für Geräthschaften zum Ge­brauch für die Nothstandsarbeiten. Weiter erfolgt die grund­sätzliche Zustimmung zum Verkauf eines am Wcstbahnhöf ge­legenen Geländestreifens für 20 Mk. pro Quadratmeter. Ge­nehmigt wurde ferner die Verlängerung des Straßensiels in der Uferstraße bis zur nördlichen Grenze des Hausgrundstücks Nr. 19 und der Verkauf des Grundstücks E. E. 216/39 — 44 qm (Grüner Weg) an Fabrikant Ernst Rüdiger zum Preise von 5 Mk. für den qm.

Anstellung eines M ag i stra t s - A s s e s s o r s.

Dcr Referent hebt hervor, daß die Vorlage eine Folge des an den Herrn Oberbürgermeister neulich gerichteten Ersuchens sei, den Vorsitz im Gewerbegericht nicht auf eine andere Person zu übertragen, sondern selbst in der Hand zu behalten, auch sei infolge der fortwährend zunehmenden Amtsgeschäfte und Sitzungen eine Entlastung erforderlich, was in längeren Dar­legungen eingehend und überzeugend dargelegt wird. Die Vor­lage wird einstimmig genehmigt.

Zur Kenntnißnahme gegeben werden die Besetzung einer Kanzlistenstelle beim Gas­werk und die Anstellung eines Ingenieurs als technischen Assistenten für das Elektrizitätswerk.

Nachbewilligungen.

Für bauliche Unterhaltung der seitens der Stadt neu er­worbenen Grundstücke werden 1200 Mk. gefordert. Es handelt sich um die Häuser Marktplatz' 14, Bangertstraße 1 und Brückengasse 2, 4 und 6, Der Betrag wird bewilligt. — Auf die Armenkasse sind Mehrausgaben von 11776,80 Mk. nachzubewilligen. Die Vorlage hat die Versammlung bereits am 28. August beschäftigt und wurde damals zurückgestellt, weil die Begründung fehlte. Nachdem dieselbe eingegangen ist, wird die Vorlage genehmigt.

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bei dem herrlichen Chorsatz „König Sigurds Brautfahrt" von G. Angerer und dem edlen Tongemälde „Abschied" des Meisters Attenhofer gewiß alle empfindungsvollen Zuhörer sichtlich er­wärmten. Die Aussprache war bis auf einige kleine Mängel in der Vokalisation deutlich und klar, der Vortrag durchweg tonsicher und prägnant. Die dramatische Auffassung und der sicher pointirie Accent einiger Periodensätze war gut ausgesucht und zuweilen klug berechnet, wenn auch an einigen Stellen die dynamische Schattirung etwas vermißt wurde. In der Weiterfolge hörten wir einige volksthümliche Weisen von I. Feyhl „'s Lindewirths Rösle" und das recht ausdrucks­voll wiedergegebene, von Meister Thomas Koschat, der erst im Laufe dieses Sommers unserer Vaterstadt ein Zeichen seines Könnens bot, so schön vertonte Chorlied ^,Die g'strenge Mualer", welches durch laute Beifallsspenden da capo verlangt wurde. Auch unser heimischer Komponist W.B r e i d e n b a ch erfreute uns durch die Abfassung eines kleinen gefälligen Tonsatzes, welchen die stimmlich gutbegabten Sänger recht warnt empfunden und angemessen darboten. Als Solisten offenbarten sich dem hierorts schon etwas verwöhnten Publi­kum Frau G r u n d m a n n - R o e d i g e r als Sopran- sängerin und Herr Concertmeister A. R e b n e r als Meister auf der Violine. Frau Grundmann verfügt über eine gut ausgeglichene Mezzo-Sopranstimme von Wohlklang, die besonders "in den tieferen Lagen sich ergiebig an Volumen und edler Färbung erweist. Die fortgesetzte Anwendung und Benutzung der in der drama­tischen Parthie recht gewandten Stimme erbrachte uns unter zahlreichen Piecen manch anspruchsvolles Lied, aus denen die Komposition von W. Traubert „Die Mutter" am angenehmsten

Zusammenlegung der Bureauraume des Stadtbauamts.

Stadtv. Ott begründet als Referent die Vorlage und führt aus, es hätten sich bei der heutigen zersplitterten Lage der Bureauräume der Bauverwaltung Nachtheile herausgestellt, welche eine Vereinigung dieser Bureaus erforderlich erscheinen lassen. Bei Erwerb des Mätschel'chen Hauses sei bereits da­rauf hingewiesen worden, daß die Räume des Obergeschosses für die Zwecke des Bauamts vortheilhaft verwerthet werden könnten. Auch das Neubaubureau, für welches jetzt an daS Gaswerk Miethe bezahlt werde, solle mit den anderen vereinigt werden. Durch die Inanspruchnahme der beiden Obergeschoffe des Mätschel'schen Hauses ergäbe sich ein Miethsausfall von 1550 Mk., dem eine anderweite Ersparniß von 810 Mk. gegenüberstehe, ssdaß die Mehrkosten nur 740 Mk. betragen würden. Bauliche Veränderungen kämen nur insoweit in Frage, als eine Treppenverbindung mit dem Rathhause und eine Trennungswand hergestellt werden müsse. Die Vertheilung der Räume soll so geschehen, daß das Neubaubureau, sowie Planbau- und Tiefbauabtheilungen das 2.Obergeschoß einnehmen, während der Stadtbaurath, das Bausekretariat, Baupolizeiamt und Bauamtsassistent im 3. Obergeschoß untergebracht würden, hierdurch würde das bisherige Zimmer des Stadtbauraths frei und für den Hilfsarbeiter des Herrn Oberbürgermeisters verfügbar. — Stadtv. Eberhardt giebt zu bedenken, daß durch den Ver­kehr, der durch die Neuerung in dem Hause entstehe, die übrigen Bewohner belästigt würden und wäre dann zu befürchten, daß die übrigen Wohnungen leer stehen werden. Der Referent erwidert, der Verkehr werde durch das Rathhaus gehen, da mit diesem eine Verbindung hergestellt werde. — Oberbürger­meister Dr. Gebeschus sagt, der Verkehr werde wohl durch das Mätschel'sche Haus gehen, aber da die Bewohner früher durch das Kolonialwaarengeschäft, in welchem alle möglichen Düfte die Treppe hinauf geschleppt worden wären, sich nicht belästigt gefühlt hätten, werde es wohl auch hier nicht der Fall sein. — Stadtv. Schwabe fragt an, was denn geworden wäre, wenn man das Mätschel'sche Haus nicht gekauft hätte, warum man denn jetzt schon wieder dazu komme, es als Bureauräume zu beanspruchen. Er sei der Ansicht, daß uns die Sache viel Geld kosten werde. — Stadtbaurath Schmidt erwidert, daß schon früher die Frage der Zusammenlegung Gegenstand be­ständiger Berathung gebildet habe, daß die Sache aber immer zurückgestellt wurde, weil sich nichts Passendes finden ließ. Die Räume in der Langstraße seien voll- stäudig ungeeignet. Die Trennung werde sehr mißlich em­pfunden. — Oberbürgermeister Dr. Gebeschus fragt Herrn Schwabe, was er dann gemacht habe, 'wenn er sein neues Haus nicht verkauft hätte. Die Sache sei eine Zweckmäßig­keitsmaßregel. Im Nothfall hätte er (Redner) ja auch den Magistrats-Asfessor in sein Zimmer genommen, ob das aber ange­nehm wäre, wenn Jemand eine vertrauliche Aussprache mit ihm her­beiführen wolle, das möge man sich selbst ausmalen. — Stadtv. Dr. Wagner erklärt, wenn er die Vorlage auch an- nehme, so geschehe dies doch nicht mit großen Enthusiasmus. Es müsse auch ausgesprochen werden, daß wir mit dem Kauf des Mätschel'schen Hauses noch nicht viel Freude erlebt haben.

empfunden wurde. Den Löwenantheil des Erfolges errang der aus Frankfurt gewonnene Violinvirtuose und Concert- meister A. Rebner, dem bereits ein guter Ruf vorausgeht. Noch in jugendlichem Alter stehend, zeigte sich dieser Gast als Meister seines Instrumentes und in Bezugs auf technische Sicherheit, saubere und gefühlvolle, wohlschattirte dynamische Darstellung bereits auf einer respektablen Höhe stehend. Die Darbietung des „böhmischen Tanzes" aus der Oper „Die verkaufte Braut" wurde stürmisch applaudirt, sodaß er sich zu einer Zugabe bequemen mußte. Den Klavierpart erfüllte Herr Herben Golden aus Frankfurt mit technischer Gewandtheit und gutem Gelingen. Werfen wir zuletzt noch einen kurzen Rückblick über den Gesammteindruck des genußreichen Abends, so können wir den gerne besuchten Sumsem das Geleitwort mit auf den Weg geben, daß die gestrigen Darbietungen dem strebsamen Verein nebst seinem eifrigen Dirigenten ein achtung­gebietendes Zeugniß verleihen und in dem Blüthenkranze ihrer bereits gezeigten Leistungen ein neues Lorbeerblatt bedeuten.

* Stadttheaicr. Am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, geht als erste Vorstellung bei halben Preisen Otto Ernst's Komödie: „Flachsmann als Erzieher" in Szene. Das vorzügliche Stück, welches hier schon häufig mit dem besten Erfolge gegeben wurde, dürste auch diesmal seine Zugkraft bewähren. — Abends 7 Uhr gelangt die Fortsetzung von: „Im weißen Röß'l", das reizende Lustspiel: „Als ich wied erka m" zur Aufführung und wird diese Vorstellung be­sonders von den Besuchern des „Weißen Rößel's" freundlich begrüßt werden. — Der Vorverkauf für die Nachmittags-Vor- stellung findet schon am Samstag von 4—5 Uhr statt.