Erstes Blatt.
Hanauer G Ameiger
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- pärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. A
Erdrückt und verlegt in der Buchdruckerei deZ verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ sm Stadt- und Landkreis Kmu
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwort!. Reda..-ur. G. Schrecke: in Hanau,
Nr. 242.
Fernsprechanlchluß Nr. 605,
Donnerstag den 16. Oktober
Fernsprechanschluß Nr. 605.
1902
Amtliches.
Stadtkreis Danau.
Der Herr Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hat seine Genehmigung dazu ertheilt, daß der Vorstand des Diözesanvereins für innere Mission zum Besten der inneren Mission im Laufe dieses Jahres eine einmalige Sammlung freiwilliger Gaben bei den evangelischen Einwohnern des Stadt- und Landkreises Hanau durch die Diözesangeistlichen oder durch polizeilich legitimirte und mit paginirten Sammellisten versehene Sammler veranstalten darf.
Hanau den 14. Oktober 1902.
Königliche Polizei-Direktion.
P. 9708 v. Beckerath.
Stadtkreis Danau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Polizei-Verordnung vom 23. Januar 1894, welche im § 2 bestimmt, daß die Tauben in der Zeit vom 25. September bis 25. Oktober eingesperrt gehalten werden müssen, wird hierdurch in Erinnerung gebracht.
Zuwiderhandlung gegen die Verordnung hat Geldstrafe bis zu 30 Mark zur Folge.
Hanau den 13. Oktober 1902.
Städtische Polizei-Verwaltung.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus. 17935
Msimdcne und verlorene Gegenstände 2t.
Gefunden: 1 goldener Ring mit rothen und weißen Steinchen.
Verloren: 1 Kneifer mit schwarzer Schnur, 1 Loos der preußischen Klassenlotterie Nr. 208012, 1 Wanderschein, 2 Arbeitszeugnisse und 1 Jnvalidenkarte lautend, auf den Namen des Fabrikarbeiters Arthur Jungkhans, geb. 23. 4. 75 zu Coburg.
Zügel aufen: 1 brauner kleiner Bastard m. Geschl.
Hanau den 16. Oktober 1902.
Hus Stadt und Land.
Hanau, 16. Oktober.
Beamtenpersonal- Nachrichten.
Ernannt: der Regierungsrath v. Engelb rechten zum Ober-Regierungsrath bei der Generalkommission in Bromberg,
ISWMMmiMW!^ ......Will—.....................................
Feuilleton.
Pompej Jwanitschs Verlobung.
Humoreske aus dem Russischen des G. Grig.
Von Ulrich Richards.
(Nachdruck verboten.)
Zu der Zeit, als unsere Erzählung spielte, war Pompej Jwanitsch, ein Beamter der Kreisverwaltung, vierzig Jahre und etwas mehr alt. Wieviel eigentlich dieses „Mehr" betrug, wußte Pompes Jwanitsch selbst nicht, denn er hatte schon längst aufgehört, sich sein Alter genau zu merken; und ist es denn nicht auch ganz gleichgiltig, ob man nun ein Jahr jünger oder älter ist? Das ist jedenfalls sicher, daß er mindestens 45 alt war. Trotz dieses ehrwürdigen Alters fühlte, sich Pompej Jwanitsch noch vollkommen jung und er glich einem frischen, kräftigen Manne. Niemals war er krank, immer hatte er guten Appetit und seine Gemüthsverfassung war stets die denkbar beste..
Bis jetzt war Pompej noch unverheirathet, obgleich er sich in seinem Leben nicht weniger als sechs Mal ernstlich verliebt hatte. Aber am Heirathen hatte ihn stets irgend ein Grund gehindert: hier der Mangel an Mitteln, da seine angeborene Bescheidenheit, ein anderes Mal schließlich sein Alter. Pompej begann sich schon mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß er ein alter Hagestolz bleiben würde, hörte auf, an die Frauen zu denken und träumte von seinem eigenen warmen Nest, als er sich plötzlich, auch für ihn selbst ganz unerwartet, zum siebenten und letzten Male in ein junges Mädchen Namens Pinova verliebte.
Und dies kam folgendermaßen: ,
Unter den Kameraden Pompejs befand sich auch ein Beamter Pinoff, zu dem er in freundschaftlichen und sogar vertraulichen Beziehungen stand. Pinoff war der Typus eines
der Vermessungsrevisor Feißel zum Oberlandmesser, der bisherige Pfarrverweser zu Hattendorf, Klasse Obernkirchen, Friedrich Hecht, zum Pfarrer daselbst, der Rechtskaudidat Roch oll zum Referendar.
Ueberwiesen: der Landrath v. Baumbach inGelnhausen dem Königlichen Finanzministerium behufs kommissarischer Beschäftigung, der Regierungs - Assessor Dr. jur. Pl ate dem Landrathe des Landkreises Cassel zur Hilfeleistung in den land- räthlichen Geschäften.
Versetzt: der Amtsrichter Schor in Frankenberg als Landrichter an das Landgericht in Nordhausen, der Gerichtsdiener K r o h n e in Eschwege an das Amtsgericht in Hilders, der Gerichtsdiener Senning in Hilders an das Amtsgericht in Eschwege, der Landmesser Roeder von Marburg nach Hersfeld, der Wehr- und Schleusenmeister Niem ann zu Bonafort als Schleusenmeister nach Hameln, der Wehr- und Schleusenmeister Moshauer von der Stauanlage Wilhelmshausen nach der Stauanlage Bonafort.
Verliehen: dem Förster Nohl zu Wohra der Königliche Kronen-Orden 4. Klasse mit der Zahl 50 und dem Revierförster Reiß zu Lohra, dem Hegemeister Röder zu Friedewald und den Förstern Meckbach zu Willershausen, Kniese zu Landsburg und Vetter zu Sand der Königliche Kronen- Orden 4. Klaffe, dem Sekretär und Rendanten Brandt in Wabern die Sekretär- und Rendantenstelle bei der Strafanstalt in Delitzsch, dem Strafanstaltssekretär und Rendanten Ditze in Delitzsch die Sekretär- und Rendantenstelle bei der Erziehungsanstalt zu Wabern, dem Landmesser Blumenfeld eine etatsmäßige Vermessungsbeamtenstelle, dem Lehrer S eib in Bergen, Kr. Hanau, der Kantortitel.
Pensiomrt: der Regierungs-Rath Dr.^o^^b a u m zu Cassel, der Geheime Postrath Schreiner in Cassel unter Verleihung des Rothen Adler-Ordens 3. Klasse mit der Schleife, derDomänen-Rentmeister, Domänenrath So stmann zu Cassel vom 1. Januar 1903 ab auf seinen Antrag.
Entlasten: der ordentliche Professor in der juristischen Fakultät der Universität Marburg Dr. Oetker aus dem Königlich Preußischen Staatsdienst zwecks Uebersiedelung an die Königliche Bayerische Universität zu Würzburg, der Gerichtsassessor Fisher aus dem Justizdienst infolge seiner Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht in Melsungen.
* Abonnements-Vorträge im Hiesigen evangel. Vereinshause. Wir können schon jetzt darauf Hinweisen, daß wie in den vergangenen Jahren auch in diesem Jahre die Abonnements-Vorträge im hiesigen Vereinshause wieder stattfinden werden. Wichtige und interessante Zeitfragen werden behandelt von sachkundigen Rednern, die ihre Mitarbeit zugesagt haben. Herr Pfarrer Lic. Dr. D i ck m a n n wird über
Beamten, peinlich genau ging er zum Dienst und ebenso peinlich genau hatte er sein Leberleiden und sein Podagra. Trotzdem aber hatte er wahrscheinlich noch sehr lange leben können, wenn er sich nicht eines schönen Tages erkältet und zu Bett gelegt hätte. Woran er eigentlich litt — Gott weiß es, jedenfalls lag er eine Woche lang krank und starb dann, eine Wittwe mit einer achtzehnjährigen Tochter hinterlassend. Als er dem Sarge seines Kameraden folgte, hatte Pompej Jwanitsch trübe Gedanken, und als er an dem frischen Hügel auf dem Friedhofe stand, kamen ihm sogar die Thränen. Doch er weinte nicht so sehr um den Verstorbenen („warum soll man ihn bedauern? ihm ist jetzt wohl!"), als aus Mitleid mit sich selbst.
„Ja" — dachte er — „den Pinoff geleiten Frc^l und Tochter zu Grabe, doch wer wird meinem Sarge folgen, wenn ich gestorben bin? Wer wird an meinem Grabe weinen?" Und bei dem Gedanken an alles dies erfaßte Pompej Jwanitsch ein solches Mitleiben mit sich selbst, daß er die Thränen nicht zurückhalten konnte.
Pinoffs Tod brächte Pompej der Familie des Verstorbenen näher. Er begann, sie oft zu besuchen, anfangs in dem wohlgefälligen Bestreben, den Schmerz der unglücklichen Wittwe und der armen Waise zu lindern. Doch allmählich zog es ihn mehr und mehr zu ihnen und er fühlte sich nicht wohl, wenn er sie einige Tage laug nicht gesehen hatte. Bei Pinoffs verkehrte außer Pompej Jwanitsch fast Niemand und ihre Beziehungen zu der. Außenwelt wurden beinah ausschließlich durch ihn aufrecht erhalten: er besorgte Einkäufe für sie, nahm bei der Kasse ihre Wittwenpension in Empfang und erzählte ihnen den neuesten Stadtklatsch — mit einem Worte, er wurde im Laufe der Zeit nicht nur sehr vertraut mit ihnen, sondern für sie sogar unentbehrlich.
Eines Tages, als er sich mit der Wittwe des Kameraden über alles Mögliche unterhielt, kam das Gespräch ganz zufällig darauf, daß ihre Tochter Elena Sergejewna kein Kind mehr, sondern ein erwachsenes, und dabei noch sehr svm-
die zerstörenden Mächte in unserem Volk s- leben reden, Herr Pfarrer Bär die Arbeit des Evangel. Bundes behandeln. Herr PfarrerFrancke, der im Dienste der Inneren Misston in Cassel steht, wird über seine Arbeit an den Verlorenen beachten und Herr Pfarrer Georgi aus Frankfurt drei Tage aus d em Leben Wicherns, des Vaters der Inneren Mission, schildern und damit Einblicke in das reiche Leben und gesegnete Arbeiten dieses vortrefflichen Mannes geben. Wir hoffen, daß diese Vorträge, die im November, Januar und Februar statt- finden sollen, sich eines zahlreichen Besuches seitens der evangelischen Bewohner unserer Stadt erfreuen werden. Dir Vortrags-Abende werden demnächst in diesem Blatt veröffentlicht werden.
* Schieß-Resultate. Die „endlich erschienene" letzte Nummer der Festzeitung des 19. Verbandsschießens in Neustadt a. d. H. enthält auch die Schieß - Resultate. Hiernach sind nach Hanau entfallen:
Standmeister-Scheibe.
2. Preis: I. M Schmidt, 115 Mk.
Standfestsch eibe „Heidelberg" 175 Meter.
19. Preis: I. M. Schmidt, Ehrengabe der Schützengesellschaft Lörach;
34. Preis: Georg Söhnlein, Ehrengabe der ^Schützen- gesellschaft Grünstadt;
105. Preis: Fr. Iahn, Geldpreis;
125. Preis: Fr. Schüßler, Geldpreis;
Standfestscheibe „Neustadt" 175 Meter.
36. Preis: Georg Söhnlein, Ehrengabe der Schützen- gesellschaft Niederramstadt;
124. Preis: Hch. Söhnlein, Geldpreis;
131. Preis: L. Thielemann, Geldpreis. Standpunktscheibe 175 Meter. Ein Becher: I. M. Schmidt;
Eine Silbermünze: Fr. R o h d e;
„ „ : Herm. Schädel;
„ „ : Georg Söhnlein;
„ „ : L. T h i e l e m a n n;
„ - Fr» Zahn. Feldpunktscheibe 300 Meter. Eine Silbermünze: I. M. Schmidt;
„ „ : Georg Söhnlein; ‘ §r. Zahn.
* Stadttheater. Morgen Freitag geht Leipziger s Lustspiel „So leben wir", welches bei der ersten Aufführung einen so schönen Erfolg hatte, zum letzten Mal in Szene.
* Eine neue Zierde des Schloßparks. In unserem schmucken Schloßparke läßt der Verschönerungsverein soeben eine sogen. Rosenlaube aufstellen, die sich
pathisches und liebes Mädchen sei. Diese Erkenntniß setzte Pompej Jwanitsch anfangs in Staunen, hauptsächlich deshalb, weil er sich nicht erklären konnte, warum er selbst dies bisher noch nicht gemerkt hatte. Seit diesem Tage änderte er sein Benehmen gegen das junge Mädchen vollkommen. Früher beachtete er sie kaum, sprach fast nie mit ihr und schenkte seine ganze Aufmerksamkeit der Mutter. Jetzt begann er, sie mehr und mehr zu betrachten, sich öfter mit ihr zu unterhalten, und bald war eS soweit, daß er sich sterblich und rettungslos in sie verliebt hatte. Wie sollte man sich auch nicht in dies schlanke fröhliche Wesen verlieben, das Gesundheit und Lebensfreude athmete?
Regelmäßig sprach jetzt Pompej jeden Tag bei den beiden Frauen vor, doch brächte er jetzt auch sehr oft außer Einkäufen und Neuigkeiten kleine Geschenke für Elena Sergejewna mit: bald ein Album mit Ansichten, bald ein Buch, bald eine andere Kleinigkeit.
Er fühlte, daß er die wahre, glühende Liebe erst jetzt kennen gelernt hatte: bisher hatte er sie in Wirklichkeit noch nicht gekannt. Das, was er jetzt fühlte, glich in nichts dem, was er früher erlebt hatte: dies jetzt war ein ganz anderes, neues Gefühl. Jetzt blickte er hoffnungsvoll und zuversichtlich in die Zukunft, denn nichts schien ihm ja mehr sein nahes Glück zerstören zu können. Wird Elena Sergejewna einwilligen ihn zu heirathen? — Was für eine, Frage! Erstens, ist er ein Beamter mit gutem Gehalt und bei den Vorgesetzten wohlangesehen. Zweitens besitzt er einige Ersparnisse und mit Gottes Hilfe wird er ja auch bald Pension bekommen. Drittens, ist er ein sanfter und bescheidener Mensch, und wenn er ein» mal Jemanden liebt, so ist er bereit, für ihn sein Leben zu lassen. Freilich ist er nicht mehr allzu jung, aber das sind Dummheiten. Was wollen den die fünfzehn Jahre zuviel bedeuten, wenn er sich Gott sei Dank noch vollkommen jung fühlt und noch manchen Jüngling in die Tasche steckt? Ferner ist die Wittwe Pinoff immer so herzlich und liebenswürdig zu ihm, so aufmerksam, nennt ihn stets ihren Freund, daß sie