Erstes Blatt.
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Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postanffchlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespalteue Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeigtr.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: <8. Schrecker in Hanau.
Nr. 222
Fernspre-l-anschluß Nr. 60$. Dienstaa d?n 23. Sevtember
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FernstzreckianschluK Nr. 605*
1902
Amtliches.
Landkreis hanau.
Bekanntmachnnqen des Kömql. Landrathsamtes.
An der katholischen Volksschule zu Fechenheim ist eine Kehrerstelle zu besetzen.
Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1400 Mark, der Einheitssatz der Alterszulage 150 Mark und die Mieths- entsckädigung 400 Mark.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen innerhalb 14 Tagen an den Herrn OrtsschulinPektor Kuratus von Sagemann zu Fechenheim einreichen.
Hanau den 20. September 1902.
Namens des Schulvorstandes. Der Königliche Landrath.
J. V« Nr. 9135 v. Beckerath.
Gefundene nnd verlorene Gcgenstiindc rc.
Gefunden: 1 blaue Schülermütze, 1 Kinderschuh, 1 schwarzer Pompadour mit folgendem Inhalt: 3 Schlüssel, 1 leeres Portemonnaie und 1 weißes Taschentuch.
Verloren: 1 silbernes Damenportemonnaie mit ca. 18—19 Mk. Inhalt, 1 silbernes Cigarretten-Etuis mit Monogramm L. 8., 1 Gebund kleine Schlüssel ca. 6—7 Stück, t Portemonnaie auf der Straße Mühlheim—Kl.-Steinheim, 1 Portemonnaie mit ca. 16—18 Mark Inhalt.
Entlaufen: 1 schwarz-weißer Spitz m. Geschl. Zugeflogen: 1 Kanarienvogel (männlich).
Hanau den 23. September 1902.
Hus Stadt und £and.
Hanau, 23. September.
Lokal-historische Notizen.
23. Septbr. 1790. Anfang des großen Lustlagers bei Bergen, welches zur Deckung und Feier der Krönung Leopolds II. aufgeschlagen worden war.
* Kreissteuern. Von denjenigen Landkreisen des Regierungsbezirks Cassel, die die Unterhaltung der Landwege ganz übernommen haben, erhebt der Landkreis Hanau den geringsten Prozentsatz an Kreissteuern. Es erhoben pro 1901 Hanau 18 pCt., Cassel 21 pCt., Frankenberg 49 pCt., Gelnhausen 23 pCt., Gersfeld 65 pCt., Melsungen 40 pCt., Rinteln 34 pCt., Rotenburg 30 pCt., Schlächtern 20 pCt. ber Real- und 40 pCt. der Einkommensteuer, Schmalkalden 29 pCt., Ziegenbain 26 pCt. und Witzenhausen 20 pCt.
Feuilleton.
Düsseldorf und seine Ausstellung 1902.
Französische Urtheile.
, Die Düsseldorfer Ausstellung findet in den französischen Zeitungen, wie kaum je ein ausländisches Unternehmen, bewundernde und neidlose Anerkennung. Der spöttisch überlegene Ton, den man an der Seine für gewöhnlich allen nicht- iranzöfischen Veranstaltungen gegenüber einschlä^t, besonders wenn es sich um Fragen des Geschmacks, der Eleganz, der Vornehmheit und der Formenschönheit handelt, wird dieses Mal sorgfältig -vermieden. Wenn man Kritik üben zu müssen glaubt, geschieht das in sachlicher, würdiger und maßvoller /sorm, und stets befleißigt man sich, das dem französischen Auge nicht Behagende — es ist das noch dazu sehr wenig! aus den deutschen Eigenthümlichkeiten zu erklären und selbst zu rechtfertigen.
Greifen wir zunächst einige Bemerkungen aus dem eingehenden Artikel heraus, den der „Figaro" der Düsseldorfer Ausstellung widmet. „Viele weiße Mauern, grünliche und rothe Dächer, überall frische und freie Farbtöne ohne Fadheit; wenig Ornamente, fast keine Skulpturen, außer rein dekora- umn. Ich hanx Cine Höllenangst, die Skulpluren-Armeen mederzusehen, die unsere Weltausstellung heimgesucht hatten; hwr kann man aber die Bildwerke fast an den Fingern ab- zahlen. Der allgemeine Ueberblick gewinnt dadurch an Har- monie und Ruhe. Sollte endlich der pompöse Stil, der falsche Klaffezismus abgeschafft sein? Man darf das wohl annehmen.
Deutschland hat die Intensität des Fortschrittes etwas ^eunrnhigeudes. Dieses fieberhafte Streben nach Neuem, diese Anpassungsfähigkeit erscheint manchmal fast anormal; man suhlt zu sehr heraus, daß es vor Allem Ergebnisse der Ueber-
* Personalien. Der Landrath Lücke in Jnowrazlav ist» zum Regierungsrath ernannt und in dieser Eigenschaft der Königlichen Regierung in Cassel zur dienstlichen Verwendung überwiesen worden. — Der Landrath v. Baumbach ist aus dem Kreise Melsungen in gleicher Amtseigenschaft in den Kreis Burgdorf, Regierungsbezirk Lüneburg, versetzt worden.
* Verseht. Amtsrichter Dr. Z e d d i e s - Spangenberg ist als Landrichter nach Hanau verletzt worden.
* Prüfung. Eine in Cassel stattgehabte Postassistenien- prüfung wurde von den PofigebUfen Lang°-Langensel- bold, Puckert-Cassel und Steinbach-Elchwege bestanden.
* Arbeitsjirbiläurn. Dem Goldarbeiter Herrn Louis Wink! er, beschäftigt in der Estamperie-Fabrik von Karl Winkler dahier, ist es vergönnt, heute auf eine ununterbrochene 25jährige Thätigkeit in diesem Geschäftzurückblicken zu können.
* Silberne Hochzeit feiern morgen Herr Bierbrauereibesitzer Friedrich Baader nebst Gattin. — Erwähnenswerth ist bei dieser Gelegenheit die Thatsache, daß während des ganzen 25jäbriaen Zeitraumes die Dienstmagd Marie Blamb bei dem Jubelpaar ununterbrochen in Stellung war und noch ist. Gewiß ein erfreuliches Zeichen treuer Anhänglichkeit und harmonischen Zusammenlebens.
* Lehrermangel. Der Verwaltungsbericht des Kreiles Witzenhausen äußert sich u. A.: Durch häufigen Lehrerwechsel und den noch fortbestehenden Lehrermangel traten wiederholt längere Vakanzen ein. Weidenbach ist seit November 1900 ohne Lehrer.
* Komet. Der neue, am 1. September auf der Lick- Sternwarte entdeckte Komet hat sein Licht bereits verdoppelt und wird nach Schätzung seines Entdeckers, Prof. Perrine, binnen zwei Wochen das Siebenfache seiner ursprünglichen Helligkeit erreicht haben, also wahrscheinlich auch dem unbewaff- neten Auge sichtbar sein. Leider wird er scholl vor seiner am 24. November bevorstehenden größten Sonnennähe zwischen uns und die Sonne treten und von ihrem Lichte für uns überstrahlt werden.
* Manöverschluh. Am Samstag hatte das ganze Armeekorps noch einen äußerst anstrengenden Tag: Kampf gegen eine markirte feindliche Armee und lange Märsche nach den Garnisonen oder den Stationen, wo die Regimenter die bereitgehaltenen Extrazüge bestiegen. Der markirte Feind hatte den Höhenzug zwischen Niedergründan und Rothenbergen im Osten über Langenselbold hinaus besetzt. Die beiden nicht vollständigen Infanterie-Regimenter der 166er und 168er mit kleinen Artillerie-Abtheilungen der 25er markirten den Feind. Die Idee war: eine feindliche Armee, die auf dem Rückzug ist, soll vollständig über die Kinzig und den Main zürückgeworfen werben, oder ihr der Rückzug abgeschnitten werden. Den Angriff leitete Generalleutnant v. Deines. Aus dem linken
legung und des Willens sind. Ist es nun aber nicht für ein Volk eine Gefahr, unaufhörlich auf die Größe Md die fühlbare Kraft hinzuarbeiten? Welche Depression muß nicht ein- treten, wenn dieses Streben je erschlafft ! Die Anpassungsfähigkeit dieses Volkes tritt überall hervor und gleichzeitig die kostbare Gabe, Alles, was assimilirungsfähig ist, zu nationalisiren, im vorliegenden Falle also zu germauisireu. Der „F!garo"-Mitarbeiter kommt dann auf bie Ausstellung der Wiener Sezessionisten zu sprechen und, ohne gegen sie Partei zu ergreifen, erklärt er doch, daß diese Kunstformen sich in Frankreich nie einbürgern werden. „Aber was thut das!" schließt er seine Betrachtungen. „Es bleibt stets ein erhebendes Schauspiel, die menschliche Arbeit und schöpferische Energie in ihrem Treiben zu beobachten, und in vieler Hinsicht erscheint die Düsseldorfer Ausstellung lehrreich."
Vielleicht noch bewundernder äußert sich der sonst recht deutschfeindliche Berliner Korrespondent des orlstanistischen „Soleil". Er schreibt: „Das Leitmotiv der Ausstellung, wie der deutschen Industrie im Allgemeinen ist : die Macht des Eisens und des Stahles ist zur höchsten Vollendung gebracht. Ueberall frappirt den Besucher und verfolgt ihn, wie ein drückender Alb, der ungeheure Aufschwung der deutschen Industrie im Gebiete des Maschinenwesens. Nirgends merkt man etwas von einer industriellen Krise. Man stellt immer mehr und immer bessere Produkte her. Der Gesammt-Eindruck ist, daß es sich um ein ernstes und vorzüglich organisirtes Unternehmen handelt. Es gibt da auch eine Art Rue du Caire, sie liegt aber einsam und verlassen da, ein Schweizer- Dorf, aber man sieht es nur beim Vorübergehen flüchtig an, Bierstuben und Restaurants, aber man suckt sie nur während der Speisestunden auf. Man geht in die Ausstellung, um zu lernen, von den Handwerkern und Arbeitern an, die von ihren Berufsgenossenschaften abgesandt worden sind, bis zu den Zög ingen der technischen Hochschulen, die alle noch lernen und sich vervollkommnen wollen. Kurz, die Ausstellung ist das Bild rastloser,' hartnäckiger Arbeit und des lndenichaf!-
Flügel stand bei den Orten Neuwiedermuß und Hüttengesäß die 25. Division, weiter westlich bildete die 21. Division in der Gegend von Langendiebach den rechten Flügel. Schon früh 5 bis 6 Uhr waren die Truppen aus den theilweise sehr abgelegenen Quartierorten abmarschirt, erst um 8 Uhr begann das Artilleriegefecht, während die Infanterie um 11 Uhr zum Angriff überging. Der Artilleriekampf war außerordentlich heftig. Etwa um 1 Uhr gelang es, die feindliche Armee vollständig zurückzuwerfen. Nach der Kritik marschirten die Truppen in ihre Garnisonen oder nach den vorgesehenen Bahnstationen. So haben die Manöver bis auf den heutigen Artillerieangriff bei Birstein ihr Ende erreicht.
* Vieh markt. Morgen früh findet dahier Zucht- und Fettvieh-Markt statt.
* Gaslichtstärke. Gaslichtstärke in der Zeit vom 1. bis 15. September 1902: _ m . o.,.
r Deutsche Veremskerze. ^efner Llcht.
1. Septbr.
Abends 6
Uhr =
20,5
24,60
2.
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24,84
13.
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20,5
24,60
15.
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II
6
—
20,9
25,08
Mithin durchschnittlich 20,5 24,68
* Mit klaffenden Kopfwunden am Boden liegend, wurde in der verflossenen Nacht der Taglöhner B. in der Rosenstraße aufgefunden. Als er mit Wasser genetzt zu sich gekommen war, erklärte er, von ihm unbekannten jungen Burschen überfallen und mißhandelt worden zu sein. Diesen Angaben wird jedoch mit Zweifel begegnet. B. wurde ins Landkrankenhaus gebracht.
c. Speffart-Touristen-Verein. Der Spessart- Touristen-Verein beschloß in seiner letzten Monatsversammlung, das diesjährige Dekorirungsfest am Sonntag den 2. November in den neu restaurirten. Sälen der Centralhalle in üblicher Weise abzuhalten. Daß diese Festlichkeit seither nicht nur den Mitgliedern, sondern auch den daran theilnehmenden eingeladenen Gästen immer angenehme Stunden bereitete, ist zur Genüge bekannt und wird auch das diesjährige Fest-Komitee wieder alle Kräfte einsetzen, nicht hinter den seitherigen Veranstaltungen zurückzustehen und den Theilnehmern, Alt und
lichen Eifers der Deutschen, ihre industrielle Ueberlegenheit über die anderen Länder zu bekräftigen und alle Weltmächte zu erobern. Mit besonderer Genugthuung konnte ich feststellen, daß die Zahl der französischen Besucher sehr groß ist. Auf Schritt und Tritt begegnet man Gruppen französischer Reisender, die mit ihren Lobeserhebungen über den imposanten Charakter der Ausstellung nicht zurückhalten. Mögen sie hier den Sporn finden, den sie suchten."
Mterarksches.
Der Feind im Land! Erinnerungen aus dem Kriege 1870/71. Nach dem Tagebuche von Franzosen herausgegeben von Ludw. Halevy. Deutsche, autorisirte Uebersetzung von Dr. Alton«. 5. Auflage. Preis 1,50 Mk. Verlag von Otto Salle in Berlin W. 30. — Wenn von einem derartigen Buche in wenigen Jahren 5 starke Auflagen gedruckt werden können, so ist das sicher ein Beweis, daß dasselbe großen Beifall unter den vielen Freunden vonKriegs- erinnernngen gefunden hat. Und in der That verdienen diese von Franzosen herrührenden Schilderungen aus dem letzten Kriege einen solchen Erfolg, denn selten sind wir so lebendig geschriebenen Kriegsberichten begegnet. Im Gegensatze zu den bei uns zahlreich vorhandenen und von Deutschen niederge- schriebenen Kriegserinnerungen hat sich das vorliegende Buch die Aufgabe gestellt, uns die Vorgänge bei der besiegten Armee zu beschreiben. Französiscke Soldaten erzählen hier das Leben auf dem Marsch, im Gefecht, im Lager, und lassen ihre Hoffnungen, ihre Stimmungen während der verschiedenen Phasen des Krieges an unserem Auge vorüberziehen. In jedem Kapitel spricht sich eine herbe Selbstkritik aus, wie wir sie nicht so oft bei Darstellungen von französischer Seite finden, und nur höchst selten unterläuft ein nicht ganz zutreffendes Wort über unsere deutschen Truppen. Neben den meisten tiefernsten Schilderungen von Soldaten finden wir auch den für uns amüsant zu lesenden längeren Berickt eines Nicht-Militärs
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