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Erstes Man.

Hanauer G Anreißer

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Psg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlap.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, e". Waisenhauses in Hanau.

Geunal-Auzkign.

Awtliches Organ sät Stadt- und Landkreis 5

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gehaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur; G. Schrecke: in Hanau,

Nr. 219.

FernsvreckmnsKluß Nr. 605

Freitod den 19. September

Fernstzrechanschlnß Nr. 605

1902

Amtliches.

Candkreis Danav.

BekanntmachnKqen des Königs. Landrathsamie^.

Nach Mittheilung des Königl. Polizei - Präsidiums zu Frankfurt a. M. ist die G e f lü g e l ch ol er a unter den Hühnern des Gutspächters August Ktthlmann inRödel- heim erloschen. Die angeordneten Sperrmaßregeln sind ausgehoben.

Hanau den 18. September 1902.

Der Königliche Landrath.

V 9696 I. V.: Schneider, Kreissekretär.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: Einige Pfund 2*/,zöllige Nägel, 2 Gebund Schlüssel, je 3 Stück.

Verloren: 1 Naturgeschichte, 1 Schreibheft und 1 Griffelköcher mit dem Namen Elly Recknagel, 1 Rasirmesser mit schwarzer Schale, 1 kleiner brauner Kinderschuh, 1 goldene Brille auf der Straße Ravolzhausen-Langenselbolb.

Hanau den 19. September 1902.

Huö Stadt und Land.

Hanau, 19. September.

Lokal-historische Notizen.

1 9. Septbr. 1731 starb der Professor der Jurisprudenz zu Marburg, Cornelius von der Beide, 61 Jahre alt, gebürtig aus Hanau.

* *

*

* Hessische Brandversichernngsanstalt. Für Brandschadensfälle wurden vom 1. Januar bis einschl. 31. De­zember 1901 an Brandentschädigungen verwilligt: JmStadt- kreise Hanau für die Brandfälle Gärtnerstr. 58 (17. Jan.) 59.51 Mk., Vorstadt 17 (19. Febr.) 25.16 Mk., Gärtner­straße 39/41 (16. Jan.) 25 Mk., Steinheimerstraße 31 (20. Februar) 30.90 Mk., Hainstraße 35 (27. März) 65.37 Mk., Hirschstraße 24 (22. April) 4.44 Mk., Leipzigerstraße 43 (3. Juli) 115.16 Mk., Langstraße 56 (22. Novbr.) 44.05 Mark, Schnurstraße 5 (6. Dezbr.) 149.96 Mk., Lothringer­straße Nr. 19, 21, 23, 25 (29. Dezbr.) 2107.99 Mk., zu­sammen 2627.54-Mk. — Im Landkreise Hanau wurden nachstehende Brandentschädigungen gewährt: Rückingen (4. Febr.) Makler Salomon Rosenthal 15.30 Mk., Windecken (28. Jan.) Ehefrau des Peter Dächert 14 Mk., Großauheim (3. Jan.) Erben der ch Ehefrau des Lorenz Fath 78.96 Mk., Dörnig-

Feuilleton.

Krieg im Frieden.

Augenblicksbilder von den Manövem des 18. Korps.

Von G. S.

Ein unfreundlich trüber, kalter Herbstmorgen! Graue Dunstschleier lagern über den Gefilden der Wetterau und lassen die Thäler und Höhen der Ausläufer des Vogelsge­birges verschwommen und undeutlich ineinanderfließen. Nur die Spitzen und Kuppeln der Kirchthürme und die rothen Ziegeldächer der Häustr treten etwas deutlicher aus dem Dunstschleier hervor. Im Dorfe ist der erste Hahnenschrei noch nicht lange verklungen, der Hofhund in dem langge­streckten Oekonomiegebäude liegt zusammengekugelt in der Hütte und will eben noch einmal seine Schnauze zwischen die Pfoten stecken und weiter träumen, als ihn plötzlich lauter Hufschlag lauschend den Kopf heben läßt. Eine Stallmagd mit ver­schlafenem Gesicht und kurzen Röcken eilt mit klappernden Holzschuhen an das Hofthor und schaut verwundert und er­freut zugleich auf den schmucken Reitersmann, der in kurzem Trab die Dorfstraße heraufkommt. Ihrem schmunzelnden Ge­sicht merkt man es an, wie dieser willkommene Besuch ihr Herz rascher schlagen läßt und wie gern sie ihn halten sehen würde. Aber damit ist's heute Essig. Eiligst strebt der frühe Lanzenreiter vorwärts und bald hat ihn wieder die Landstraße ausgenommen. Doch diese führt dummerwene in eine Thal­mulde, und da hinunter reiten, kann dem Reitersmann nichts nutzen. Er will hinauf auf die Höhe, von der man einen weiten Fernblick über die nordwärts liegenden ^ande gewinnen kann. Der Reiter wendet also sein Roß uno in gestrecktem Galopp wird die steile Höhe genommen, auf deren Gipfel fleißig Umschau gehalten wird.

Der geneigte Leser oder die Leserin werden errathen haben, welche Bedeutung es mit dem schmucken Reitersmann hat, den

heim (21. Febr.) Carl Lotz II 28 Mk., Kesselstadt (28. März) Gastwirth Nicolaus Geibel 35.50 Mk., Dörnigheim (9. Mai) Ehefrau des Jacob Kegelmann III 14.02 Mk., Windecken (25. April) Landwirth Georg Wilhelm Lotz 3561.35 Mark, Windecken (25. April) Wittwe des Schlossers Reinheimer 157.06 Mk., Windecken (25. April) Landwirth Phil. Wagner 1954.27 Mk.. Windecken (25. April) Weißbinder Philipp Vogel und Frau 1716.82. Mark, Windecken (25. April) Zimmermann Philipp Traudt und Frau 3244.18 Mark, Windecken (25. April) Ehefrau des Landwirths Heinrich Loos 656.55 Mk., Windecken (25. April) Wittwe des Spezerei- Händlers Heinrich Wilhelm Merz 55.48 Mk., Kesselstadt (22. Juni) Friedrich Geibel 32 Mk., Windecken (16. Juni) Phil. Rudolf Schmalz 21.20 Mk., Roßdorf (17. Juni) Wittwe des Georg Schneider 20 Mk., Bischofsheim (6. Juli) Bürger­meister a. D. Peter Heinrich Ebert 17.20 Mk., Langenselbold (7. Juni) Metzgermeister Conrad Martin Köhler 76.12 Mk., Ostheim (12. Juli) Ackermann Georg Wilhelm Brodt 42 Mk., Großkrotzenburg (21. Juli) Ortsdiener Ludwig Bonnewitz und Frau 55.20 Mk., Rückingen (6. Oktbr.) Wilhelm Schadt IV 20 Mk., Ostheim (19. Oktober) Jacob Schütz 837.63 Mark, Niederrodenbach (17. Oktbr.) Wittwe des Heinrich Wilhelm Schaaf und Kinder 5505.44 Mk., Langenselbold (30. Novbr.) Wilhelm Betz I 66.26 Mk., Kilianstädten (10. Dezbr.) Mühlen- besitzer Heinrich Wilhelm Thylmann 50 Mk., Rückingen (16. Dezember) Pulverarbeiter Andreas Lamm III 16.30 Mark, Windecken (31. Dezbr.) Maurermeister Wilhelm Klosterbecker II 6 Mark, zusammen 18296.84 Mk.

* Die Korpsmanöver haben gestern ihren Anfang genommen. Die 21. Division, die in Quartieren in Hanau, Langendiebach, Langenselbold, Gelnhausett M lo^, marschirte nordwärts gegen die von Friedberg kommende 25. (Hessische) Division. Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen war schon früh durch das Manövergelände geritten. Für unsere Truppen war es ein anstrengender Tag, da lange Märsche gemacht werden mußten. Um Mittag fand das Haupt­treffen bei Erbstadt statt, das sich lange hinzog und wobei schließlich die 21. Division über die Nidder zurückgewerfen wurde und Biwacks bei Butterstadt bezog. Die Nidder war von den Pioniren an mehreren Stellen überbrückt worden. Der heutige Tag wird für dieses Gefecht die Entscheidung bringen, morgen Samstag geht das gesammie Armeekorps gegen einen markirten Feind und sind dann die Manöver beendigt,

^Stiftungsfest. Mit Beginn des Herbstes herrscht in unseren größeren Gesangvereinen eine rege Thätigkeit. Alle rüsten sich für ihr Stiftungsfest, bei welcher Gelegenheit sie vor einem größeren Publikum Probe ablegen wollen, daß den Sommer über fleißig geübt wurde. Den Reigen dieser Veranstaltungen eröffnet der Gesangverein „T o n b l ü i h c" wir so aufmerksam verfolgen. Es ist ein „Fühler", den die noch weit hinten stehende, jetzt vielleicht erst aus ihren Quar­tieren aufbrechende Armee ausstreckt, um den Feind zu suchen und ihm gewappnet gegenüber steten zu können.

Die Maid, die wir rückwärtig so schnell verlassen haben, hat unterdessen noch mehrmals Gelegenheit gehabt, an das Hofthor zu eilen, und der Hund ist in hellen Aufruhr gerathen ob der ungewohnt vielen Hufschläge, die an seine langen Häng- ohren schallen. Die Vorpostenkavallerie H auf den Beinen — oder vielmehr auf denen ihrer Pferde — ihre Fähnlein flattern lustig in der kühlen Morgenbrise und sie verschwinden zum Leidweisen der erwähnten Schönen ebenso schnell um die Ecke, wie der erste Reiter. Sie sieht jetzt gar nicht mehr ver­schlafen aus, im Gegentheil; das Hofthor wird aber nun gerade so oft passtrt, wie die Stallthüre, hinter der die vierbeinigen Pflegebefohlenen unmuthig brüllen, dieiveil in ihrer Wartung heute gar so oft eine Unterbrechung eintritt. Die schmucken Lanzenreiter galoppiren unterdessen weiter, sammeln sich vor dem Dorfe und ein Offizier erklärt ihnen auf der Karte das aufzuklärende Gelände. Dann spritzen sie auseinander, die Kavalkade löst sich in kleine Trupps auf, in Patrouillen, und fleißig wird nun nach dem Feinde ausgespäht.

Allmählich wird das Bild belebter. Es ist heller geworden, wenn auch wenig Aussicht vorhanden ist, daß die Sonne die dunklen Wolkenballen heute verdrängen wird. Der Reiter werden immer mehr, von allen Seiten kommen sie angesprengt, viele reiten schon wieder retonr, um Meldungen zurückzubringen, sie müssen also vom Feind bereits etwas ausgespürt haben. Aber auch weit voraus wird es jetzt lebendig, hin und her sprengende Lanzenreiter sind durch das Fernrohr deutlich wahr­zunehmen und plötzlich donnert in das bis jetzt noch stumme Bild ein Kanonenschuß. Dem folgt bald ein kürzerer, scharfer Knall und dann noch mehrere und nun haben bereits die ersten Plänkler mit einander Fühlung genommen. Aus den Thälern herauf wälzt es sich heran in langen unabsehbaren Linien wie eine ungeheure Schlange, die Helme blitzen, wenn

mit seinem 31. Stiftungsfeste am Samstag den 27. September in den Sälen der „Centralhalle". Der Verein, der seit zwei Jahren unter der bewährten Leitung des Herrn Heinrich A p p u n n steht und über gute Stimmmittel verfügt, war immer bemüht, seinen Gästen nur Gutes zu bieten, und dürfte auch diesmal mit der Auswahl seiner zum Theil große An­forderungen an die Sänger stellenden Chöre diesen Zweck wohl erreichen. Wie aus dem Programm ersichtlich, ist neben größeren Chören auch das schlichte Volkslied nicht vergessen. Eine recht angenehme Abwechselung in den Darbietungen ist ein gut einstudirtes Singspiel, das dem Zuhörer Scenen aus dem Tiroler Alpenleben bringt. Auch der humoristische Theil ist gut gewählt und werden die Lachmuskeln der Anwesenden in reger Thätigkeit erhalten. Wie aus Vorstehendem zu er­sehen, dürfte allen Ansprüchen auf einen recht gemüthlichen und genußreichen Abend genügt sein. Wir können den Besuch dieser Festlichkeit bestens empfehlen. Karten ä 1 M. sind in dem Cigarrengeschäft von Karl Friedrich, Rosenstraße, sowie bei den Mitgliedern zu haben.

* Aubiläumsfeier. Die lange Reihe von festlichen Veranstaltungen, die alljährlich von den hiesigen Gesang- und Vergnügungsvereinen arrangirt werden, erfährt in diesem Jahre einen Zuwachs. Am 26. Oktober begeht nämlich der Verein für Homöopathie und Naturheilkunde die Feier seines 25jährigen Bestehens und hat für diesen Tag ein Programm vorgesehen, das dem Besucher einen äußerst amüsanten Abend v«spricht, zumal der Gesangverein „Eintracht" mit einigender schönsten Perlen der Gesangslitieratur aufwarten wird. Neben diesen ist das Schwergewicht des Abends die gesellige Unter­haltung, die in einem größeren Liederspiel „'s Lieserl", sowie einem Einakter von zwerchfellerschütternder Wirkung „Die Wasserkur", dem unverwüstlichen „Versprechen hinterm Herb" und einer langen Reihe hier noch nicht gehörter Couplets rc. zum Aus­druck kommen soll. Die Theaterstückchen sind durchgängig von nur ersten Kräften (Frau Haas, Herr und Frau K o l l- m a n n, H e r g e r t, Matthäus rc.) besetzt und stehen unter der Regie des Herrn Emil G e r l a ch, welch Letzterer auch in einem Prolog sein hervorragendes Talent entfalten wird. Der Unterhaltung wird, um auch den Damen gerecht zu werden, ein Ball folgen. Jedenfalls ist das Arrangement so feinfühlig und das zu Bietende so vielseitig, daß man mit gutem Gewissen den Besuch dieser Jubiläumsfeier wärmstens empfehlen kann.

* Sinkende Biehpreise. Nach Ausweis des jüngsten Berliner Schlachtviehmarktberichts befinden sich Preise und Nachfrage im Sinken.

* Agnoszirt wurde das vorgestern bei Fechenheim in den Main gesprungene und daselbst ertrunkene Mädchen als die etwa 25 Jabre alte Emma Aulbach von Offenbach, die in ^■lllir»MMlmBMMMMM^MMMI hre und da mal ein Stückchen Sonne durch die Wolken guckt, immer lebendiger wird es, immer mehr Leben kommt in die Szenerie und bald tönt von hüben und drüben das laute Gebrumm der Artillerie, aus ehernen Schlünden feurige Morgen­grüße sich zurufend.

Aber noch ist es für die im Thale oder unter vortreff­licher Deckung im Walde marschirenden Truppen noch lange nicht so weit zum Einhauen. In steilen Windungen führt die Straße bergauf und bergab und kaum ist eine steile Höhe erklommen, so führt der Weg schon wieder jäh herab, um bald wieder anzusteigen. Die tapfer darauf losmarschirende Jnfanterietruppe hat aber zum Glück ihre nie versiegenden Spaßmacher bei sich, unter Lachen und beständigen Witzen — die zwar zumeist nicht gerade salonfähig sind, was ja hier auf der ziemlich morastigen Landstraße auch wenig schadet — geht es fort und die Beschwerlichkeiten eines langen Marsches werden so leichter überwunden. Zur Abwechselung geht es ab und zu durch ein Dorf, in welchem ein wahrer Hagel der unterschiedlichsten Schmeicheleien auf die verschämt und doch er­freut lächelnden Vertreterinnen des schönen Geschlechts hernieder- regnet und hier eitel Freude erweckt. Aber unaufhaltsam vor­wärts geht es, dem Feinde entgegen, der geschlagen werden soll, wo man ihn findet.

Inzwischen ist die Geschichte auch schon ernster geworden. Vorne an der Tßte treffen Meldereiter auf Meldereiter ein, Adjutanten kommen angesprengt und bezeichnen mit den Hän­den verschiedene Richtungen, von hinten ertönt lautes Geraffel und in wildem Galopp kommt die Artillerie vorbeigerast. Die letzte Höhe von Erbstadt ist bereits zur Hälfte erklommen, da werden plötzlich rechts der Straße feindliche Kolonnen sichtbar; deutlich erkennt man Artillerie und Kavallerie. Wie eine Winds­braut fährt unsere Artillerie herum, die steile Böschung bietet kein Hinderniß und unaufhaltsam stürmen Mann und Roß hinauf und kaum sind die Kanoniere von den Protzkätzen, die Fahrer von den Pferden gesprungen, da dröhnt auch schon der Kanonendonner dem Feinde entgegen, dessen Kolonnen oben