Erstes Blatt.
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn-und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Verantwortl. Redakteur: «. Sch recke r m Hanau,
Nr. 199. FernspreKanschluß Nr. 605«
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Mittwoch den 27. August.
Fernsprechanschluß Nr. 605. 1902
Amtliches.
Candkräs Ranau, Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Bei einem Schwein des Taglöbners Anton Raab II in Langenselbold ist die Rothlanfseuche in Form der sogenannten Backsteinblattern festgestellt worden.
Ueber das Gehöft des p. Raab würbe, die Speere verhängt.
Hanau bett 26. August 1902.
Der Königliche Landrath.
V 8262____________v. Beckerath.
Dkkamimachunß für Kesselstadt.
Die hiesigen Hausbesitzer und Wohnungsinhaber werden auf die am 6. u. 7., 16. u. 17. und 19. September hier stattfindende Quartiernahme von Manövertruppen mit dem Hinweis aufmerksam gemacht, daß über die Quartierbelegung bei dem Bürgermeisteramt Auskunft ertheilt wird.
Gleichzeitig werden Wohnungsinhaber, welche beabsichtigen, Mannschaften gegen Bezahlung Quartiere zu gewähren, aufgefordert, dies bei dem unterzeichneten Amte anzuzeigen.
Kesselstadt, 26. August 1902.
Das Bürgermeisteramt. 14627 Gefundene and verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Kinder-Spitzenhut, 1 kleine Spannkette, 1 lederner Zugstrang.
Verloren: 1 Gummireif von einem Kinderwagen, auf dem Wege Kleinbahnhof bis Wilhelmstraße 1 silbernes Hals- kettchen mit silbernem Herzchen.
Zugelaufen: 1 grau- und weißgefleckter Jagdhund, 1 junger schwarz-getigerter Wolfshund, w. Gesch.
Hue Stadt und Cand,
Hanart, 27. August.
* Reichsbank-Nebenstelle. Am 9. September b. J. wird in Lohr a. M. eine von der Reichsbankstelle in Würz- burg abhängige Reichsbank-Nebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
* Ablieferung von Kriegsdenkmünzen. Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob die Behörde das Recht habe, die Ablieferung von Kriegsdenkmünzen an die Kirche der Gemeinde zu verlangen, der ein verstorbener Besitzer solcher Denkmünzen zuletzt angehört hat. Diese Angelegenheit, die für weitere Kreise Interesse haben dürfte, regelt sich nach den Statuten der betreffenden Denkmünzen. Danach sind die Kreuze von Düppel und Alsen, sowie dle Erinnerungskreuze für den Feldzug 1866 nach dem Tode der Besitzer in den Kirchen auf- zubewahren, wogegen die Denkmünzen von 1870/71 nach dem Tode der Jnbaber der Familie verbleiben.
* Zur Grund- und Gebäudesteuer ist nach einer von den zuständigen preußischen Ministern den Regierungspräsidenten mitgetheilten Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts nur der Eigenthümer, nicht aber auch der Nießbraucher, Pächter, Miether heranzuziehen. Die Gemeinden haben hiernach zu verfahren.
* Versetzt. Der Bahnmeister Gülke zu Friedberg wurde zum 1. September nach Hanau-Ost versetzt.
* Aus der Bijouteriebranche. Im Verlage von Ernst B i r k n e r, Pforzheim, ist soeben das Adreßbuch der Bijouterie-Fabriken und Hilfsgeschäfte in P f o r z h e i m und Umgegend (Ausgabe 1902) erschienen.
* Arbeitslosen - Beschäftigung. Der Frankfurter Magistrat hat an die Magistrate der benachbarten Städte, auch nach Hanau, ein Rundschreiben erlassen, in welchem es heißt: Im letzten Winter ist es, wie in Frankfurt a. M., so auch in bett meisten der benachbarten Städte nothwendig geworden, Arbeitsgelegenheit einzurichten, um diejenigen Leute zu beschäftigen, die behaupten, infolge von Erwerbslosigkeit unterstützungsbedürftig geworden zu sein. Die Bedingungen, unter denen diese Arbeit gewährt wurde, waren im einzelnen in bett verschiedenen Städten verschieden geordnet. Dies hat dazu geführt, daß in der Presse und in Versammlungen gelegentlich die eine Stadt gegen die andere ausgesplelt wurde, daß einzelne Bestimmungen aus der von der einen Stadt für die Nacharbeiten festgesetzten Arbeitsordnung herausgerissen wurden, um daraus zu folgern, daß die Bedingungen in einer anderen Stadt schlechter, unzweckmäßiger, für die Nothleidenden härter seien. Bei diesen Kritiken ward oft nicht geschieden zwischen den Lohnfestsetzungen, die in den einzelnen Städten für die kraft Arbeitsvertrag angestellten Arbeiter getroffen waren, und den Vergütungen, welche den Arbeitslosen für die Zeit ihrer Beschäftigung anstatt direkter Armenunterstutzung gegeben wurden. Diese — vielfach berechtigten Erörterungen
führten zur Verbreitung der Vorstellung, als ob die Verwaltung der einen Stadt geringere Fürsorge übe als die andere, und als ob es überhaupt möglich sei, die Folgen der sinkenden wirthschaftlichen Konjunktur durch lokale Maßregeln durch die Mittel der Armenpflege aufzuheben. Im nächsten Winter wird voraussichtlich die Nothwendigkeit der Arbeitslosenbeschäftigung auf's Neue an die einzelnen Städte herantreten. Es erscheint daher nützlich, daß wenigstens die benachbarten Städte in eine gemeinsame Erörterung der Angelegenheit eintreten, deren Gegenstand wesentlich die im vorigen Winter gemachten Erfahrungen und die daraus für den nächsten Winter sich ergebenden Folgerungen sein würden u. s. w. Das Rundschreiben ersucht die Magistrate der benachbarten Städte, zur Berathung dieser Angelegenheit im Laufe des Monats Oktober b. J. zu einer Konferenz zusammenzutreten, bezw. die Bereitwilligkeit hierzu zu erklären.
8. Vom Spesiart-Touristen-Vereilt wird uns die Mittheilung, daß zufolge einer Nachricht vom Aschaffenburger Verein der Spessartfreunde der Besuch der am 30. Juni 1889 dem Verkehr übergebenen Gallerie des Thurmes auf dem Jo- Hanuesberg vom dortigen Pfarramt fürdie Folge untersagt ist. — Mit diesem Verbot schwindet leider wieder eine Anziehung des Johannesberges, der ohnedies schon durch die Errichtung des Wirthschastshauses auf dem Hahnenkamm wesentlich benachtheiligt ist, obwohl auch sehrDst die wirthschaftlichen Verhältnisse etwas zu wünschen übrig lassen. — Es wäre jedenfalls keine schlechte Idee, wenn sich ein Unternehmer finden würde zur Errichtung eines den jetzigen Anforderungen entsprechenden Restaurants mit schöner Aussicht (vielleicht einer hochgelegten Veranda), wo den Naturfreunden des immer gern besuchten Johannesberges außer den leiblichen Genüssen auch die geistigen geboten wären, wie dies an so vielen touristisch schönen Punkten der Fall ist. Vielleicht genügt nur dieser Wink und es wird werden!
-r. Commers. Am Montag den 25. August fand in der neuen Turnhalle, Maulbeeralle, ein zahlreich besuchter Fest - Commers zu Ehren der Sie g er des Turn- und Fechtklubs auf dem Mittelrh. Kreisturnfest zu Worms statt. Der Vorsitzende, Turner Jean Bauer, feierte die Sieger: Heinrich Z i e g l e r, welcher den I. Fechterpreis errang, Louis St aßen, Sigm. Kurz und Otto B a u s ch e r, mit anerkennenden Worten für ihre so schönen Erfolge, welche dieselben durch rastlosen Eifer und Arbeit auf dem Gebiete des Fecht- bezw. Turnwesens erzielten. Als besondere Ehrung für die hervorragende Fechter-Leistung des Turners Ziegler überreichte diesem der Vorsitzende Bauer im Namen des Vereins eine goldene Uhrkette und schloß mit dem Wunsche, daß den wackeren Siegern noch manche schöne Erfolge beschieden sein möchten. Turner S t a ß e n dankte im Namen der Sieger für die ihnen zu Theil gewordenen Ehrungen. — Turner Christian U n a gab in seiner sich hier anschließenden Rede einen interessanten Rückblick auf die Entwickelung des Fechtens im Mittelrheinkreis und.Turn- und Fechtklub. Er ermähnte die jüngeren Mitglieder, den Negern nachzueisern. Sein „Gut Heil" galt dem Blühen und Gedeihen des Mittelrheinkreises. Hierauf ergriff Turner K, Ap p e ( das Wort und hielt zunächst in humorvoller Weise eine Ansprache an den I. Sieger. Dann gab er seinen Ausführungen eine ernstere Wendung und konstatirte mit besonderer Genugthuung, daß der Vorstand der Turngemeinde zum heutigen Ibend in corpore erschienen sei. Dies sei um so höher anzuschlagen und sei mehr als ein Alt bloßer Höflichkeit. Damit hätten die berufenen Vertreter der Turngemeinde in seiner und sinniger Weise zum Ausdruck gebracht, daß sie gerne Antheil nähnien an den Erfolgen und Freuden des Brudervereins. Dieses schöne, von kameradschaftlicher Gesinnung getragene Verhältniß zwischen den beiden Vereinen möge sich immer mehr festigen und vertiefen. Mit einem kräftigen „Gut Heil" auf ihre Gäste schlössen sich die anwesenden Mitglieder des Turn- u. Fechtklubs diesen Darlegungen an. Turner Otto Schalt dankte in zündender Rede im Namen der Turngemeinde für die warmen Worte des Vorredners. Er betonte besonders, daß durch den abgeschlossenen Miethver- jrag des Turn- u. Fechtklubs mit der Turngemeinde es der Letzteren hauptsächlich ermöglicht worden sei, das Vereinshans in seiner heutigen Größe erbauen zu können. Unter seinem Dache seien zwei hiesige Turn-Vereine in Freundschaft zusammengeführt worden. Das eröffene einen schönen Blick in die Zukunft. In gegenseitiger Anregung: gemeinsam unter sich mibin steter Fühlung und Verbindung mit den beiden anderen hiesigen Turn-Vereinen, müsse man bestrebt sein, das Turn- wesen, das doch über allen Sport weit erhaben sei, in der alten Turnerstadt Hanau immer mehr zu Ehren und Ansehen zu bringen. Deshalb sollten beionbeio die jüngeren Turner ihr Bestes einsetzen, um dieses Ziel erreichen zu helfen. Fleiß und Ausdauer auf dem Turnplatz, Unterordnung unter das Ganze und der Gedanke eine» gemeinsamen idealen Strebens
habe aber auch einen Vortheil für jeden Einzelnen; denn auf dem Turnplatz stähle sich Körper und Geist und damit bilden sich für das Leben charakterfeste Männer. Mit einem begeistert aufgenommenen „Gut Heil" auf sämmtliche Hanauer Turn- Vereine schloß Otto Schalt seine Ansprache. Hiermit war der offizielle Theil des Kommerses beendet. Es schloß sich hieran noch ein recht gemüthliches Zusammensein in frühester Stimmung, zu welcher besonders einige humoristische Deklamationen seitens des Turners Willamowitz nnd verschiedene hübsche Chorlieder wesentlich beitrugen.
* Damenkapclle. In der „Wiener Spitze" concertirt bekanntlich seit einiget Zeit ein Egcrländer Damenorchester. Wir nahmen gestern Abend einmal Gelegenheit, uns die Kapelle anzusehen und uns an ihren Leistungen zu erfreuen, und wir müssen gestehen, daß wir uns vorzüglich unterhalten haben. Das Ensemble macht durch die reizenden Kostüme und das durchweg nette Aeußere seiner Mitglieder einen hübschen Eindruck, sodaß schon der erste Anblick die Kapelle sympathisch macht. Aber auch die musikalischen Darbietungen stehen durchaus auf der Höhe der Zeit. Neben der anerkennenswertsten Präzision und beut exakten Zusammenspiel trägt noch die gute Auswahl der Stücke dazu bei, das Zuhören zur Freude zu machen. Wir könnm allen, die als Würze zu ihrem Abeudschöppchen etwas Hübsches für Auge und Ohr sich wünschen, nur empfehlen, der „Wiener Spitze" einen Besuch abzustatten.
* Umgeftürzt. Gestern Morgen stürzte in der Bruch- köbeler Landstraße durch das Unruhigwerden des Pferdes ein Milchfuhrwerk um. Das „edle Naß" strömte auf die Chaussee und bis die erschrockene Milchführerin herbeieilen konnte, war ein großer Theil der Kannen ausgelaufen.
* Rohheitsdelikte. Auf der Frankfurter Landstraße geriethen gestern Nachmittag kurz nach 5 Uhr zwei Gelegenheitsarbeiter, die Vieh von Hochstadt antrieben, aneinander. Der Streit endete damit, daß der eine, D i e h l mit Namen, seinen Gegner G l a s n e ck mit den Fäusten iraktirte, dann auch noch die Peitsche umdrehte und dieselbe kräftig anwandte. Der Mißhandelte trug mehrere Wunden davon und wurde ins Landkrankenhaus gebracht.
* Ein Heiratsschwindler. Die Strafkammer zu Frankfurt a. M. verurtheilte gestern den „O r t h o p ä d i st e n" Heinrich S a f f e r aus Bamberg wegen Heirathsschwindels zu 1 Jahr Gefängniß. Unter der Vorspiegelung, er sei der Stabsarzt Dr. Heinrich Schröter aus Koblenz, hatte sich Saffer mit einem dortigen Ladenmädchen verlobt und ihm 120 Mark abgeschwindelt. Der Verurtheilte, der eine in der Schweiz lebende Ehefrau besitzt und Vater mehrerer Kinder ist, war auch in Hanau eine bekannte Persönlichkeit.
* Vieh markt. Der Antrieb zum heutigen Viehmarkt war beträchtlich. Die erzielten Preise waren hoch zu nennen.
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>l Lartgemelbold, 26. August. (Manöver.) Während den diesjährigen Herbstübungen werden hierselbst ein- quartirt: Am 8. September: Stab der 42. Infanterie-Brigade, Stab der 21. Kavallerie-Brigade und 1 Eskadron Ulanen- Regts. Nr. 6, zusammen 10 Offiziere 136 Mann 144 Pferde. Am 9. September: Rgts.- und 1 Bat.-Stab und 4 Kompagnien des Füsilier-Rgts. Nr. 80, 2 Batterien des Feld- Ariillerie-Rgts. Nr. 27, zusammen 33 Offiziere 855 Mann 138 Pferde. Am 10. und 11. September: Stab und 1 Eskadron Ulanen-Rgts. Nr. 6, zusammen 11 Offiziere 142 Mann 159 Pferde. Am 12. September: Stab der 42. Infanterie-Brigade, 3 Offiziere 14 Mann 11 Pferde. Am 13. und 14. September: Stab der 42. Infanterie-Brigade, Stab und 5 Kompagnien des Füsilier-Rgts. Nr. 80, Stab und 1 Abtheilung des Feld-Artillerie-Rgts. Nr. 27, zusammen 41 Offiziere 1085 Mann 217 Pferde. Am 15. September: Stab der 42. Infanterie-Brigade, 3 Offiziere 14 Mann 11 Pferde. Am 16. und 17. September: Stab der 42. Infanterie- Brigade, Stab und 2 Bataillone des Füsilier-Rgts. Nr. 80, Stab und 1 Eskadron des Husaren-Rgts. Nr. 13, zusammen 38 Offiziere 1357 Mann 177 Pferde. Am 19. September: Regts.- und Bat.-Stab und 6 Kompagnien des Jnfauterie- Rgts. Nr. 166, Rgts.-Stab und 2 Batterien des Feld-Artillerie- Rgts. Nr. 25, zusammen 48 Offiziere 1103 Mann 177 Pferde. Am 20. und 21. September: 2 Eskadron des Dragoner-Rgts. Nr. 24, Abth.-Stab und 2 Batterien des Feld-Artillerie-Rgts. Nr. 27, zusammen 27 Offiziere 460 Mann 385 Pferde. Am 20. September: 2 Kompagnien des Jnfanterie-Rgts. Nr. 168, zusammen 6 Offiziere 260 Mann 2 Pferde. Am 25. September: Abth.-Stab und 3 Batterien des Feld-Artillerie-Rgts. Nr. 25, Pferdeksmmaudos, zusammen 21 Offiziere 360 Mann 280 Pferde. Nothguartiere. Am 8. September (nur bei ungünstiger Witterung): Stab und 4 Kompagnien des Jnfanterie-Rgts. Nr. 166, 4 Kompagnien des Füsilier-Rgts. Nr. 80, 1 Batterie des Feld- Artillerie-Rgts. Nr. 27, zusammen 34 Offiziere 1284 Mum 77 Pferde. Am 12. September: verschiedene Truppenteile, zusammen 47 Offiziere 1503 Mann 209 Pferde. Am 15. September r verschiedene Truppenteile, zusammen 35 Offiziere 927 Mann 205 Pferde.