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Erstes Blatt

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Alirnger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. ...

Gedruckt und verlegt in der Buchdrucker«: des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Dana«

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und 2anbtrei§ Hanau 10 Pfg. die fünf' gespalten« Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

l v ~ w m v Verantwortl. Redakteur: G. Schrecke« in Hanau.

Erschemt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Ferertage, mit belletristischer Verlage.

Nr. 196

FernsdrechmiMuß Nr. 605

Samstaa den 23. Anaust

Fernsprechanschluß Nr. 605»

1902

Amtliches.

Landkreis Danau.

Bekanntmachunqen des Königl. Landrathsamtes.

Die Herren Bürgermeister werden veranlaßt, mir binnen 8 Tagen anzuzeigen, auf welchen Tag gemäß der Kreis­polizeiverordnung vom 15. Dezember 1888 der Beginn der Aepfelernte für dieses Jahr festgesetzt worden ist.

Hanau den 22. August 1902.

Der Königliche Lc ndraih.

V 8113 J. V.: Valentincr. Reg.-Assessor.

Wegen Pflasterung und Chaussirung der Unteraaffe ist diese Straße vom 23. -. Mts. ab auf 10 Tage abgesperrt. Der Verkehr ist dadurch nicht gehindert, es

kann Alles die sogenannteNeue Straße" fahren.

Eichen den 22. August 1902.

Der Bürgermeister:

L a u b a ch.

14481

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Peitsche, 1 Brille mit Futteral, 1 buntes Taschentuch gez. W. 8., 1 Jnvalidenkarte für den Tagelöhner Conrad Schäfer aus Dörnigheim, 1 kleine Scheere, 1 Blei­feder, 1 Federhalter, 1 Linien«!, 15 Centimeter lang, 1 Leder­gürtel.

Zugelaufen: 1 weißer Spitz mit gelben Abzeichen, m. Geschl., 1 brauner kurzhaariger Jagdhund, w. Geschl.

Entlaufen: 1 kleiner Foxterrier mit schwarzen Ab­zeichen, w. Geschl. gegen gute Belohnung abzugeben.

Vom Wasenmeister am 21. d. Mts. eingefangen: 1 schwarzer kurzhaariger Zughund mit weißer Brust und weißen Vorderpfoien, m. Geschl., am 22. d. Mts. 1 brauner kurzhaariger Jagdhund, m. Geschl.

Hanau den 23. August 1902.

Hits Stadt und Cand.

Hanau, 23. August.

* Fernsprechverkehr. Hanau ist zum Sprechverkehr mit der öffentlichen Sprechstelle Eschborn zugelassen. Die Ge­bühr beträgt 25 Pfg.

* Hanauer Geschichtsverein. Aus Anlaß des 100jährigen Geburtstages des letzten Kurfürsten von Hessen wird morgen in dem Sitzungszimmer des Geschichtsvereins, Altstädter Markt Nr. 6, eine Ausstellung von Gegenständen statt finden, die sich auf denselben beziehen. Besichtigungs­zeit von 11 bis 121/» Uhr.

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Feuilleton

Etwas iiou der Hochpädtcr Kirche.

. Originalartikel für denHanauer Anzeiger/

(Nachdruck verboten.)

Die Aufstellung einer neuen Orgel und verschiedene vor­genommene bauliche Veränderungen und Herstellungen in der Hochstädter Kirche geben Anlaß zu den nachstehenden Zeilen. Sie finden vielleicht Beachtung von Seiten der Einwohner Hanaus und der umliegenden Orte. Hochstadt, eine Perle in der Grafenkrone der'Herren von Hanau, wie man es wohl schon genannt tat, ist weit und breit bekannt und berühmt, und jahraus jahrein suchen Schaaren von Fremden es auf, um sich hier an den ortsüblichen Speisen und Getränken zu erquicken. Es mag Viele geben, die nur deswegen dorthin kommen. Aber so vorzüglich und lockend auch die Verpflegung der Ausflügler durch die einheimischen Produkte in den Gast­häusern Hochstadis ist, das schön gelegene Dorf hat noch manches andere Anziehende aufzuweisen, was eingehender Be­achtung werth ist und unser Interesse in Anspruch nimmt. Sicher werden die meisten Besucher Hochstadis sich schon die aus dem Mittelalter stammenden Befestigungen, die Graben und Mauern, die Thürme und Thore angesehen haben, die ja auch unwillkürlich die Aufmerksamkeit eines Jeden erregen, und mancher prüfende Wanderer wird schon merkwürdige Einzel­heiten an älteren Häusern entdeckt haben; aber das Interessanteste des ganzen uralten Fleckens bleibt den Meisten unbekannt, und das ist die Kirche mit ihrer eigenartigen, im Hanauer Land jetzt wobl einzigartigen Umgebung, dem befestigten alten Friedhof. Hoffentlich trägt das Folgende ein wenig dazu bei, den Blick der Fremden mehr darauf zu lenken und sie zum Besuche einer Anlage zu veranlassen, die eine eingehendere

Besichtigung wohl verdient.

* Caftan's Panoptikum in Frankfurt a. M. hat den Rahmen seiner Darbietungen aufs Neue erweitert und einen großen auf's Geschmackvollste ausgestatteten Saal mit geräumiger Bühne zur Vorführung von Abnormitäten und wissenschaftlichen Sehenswürdigleiten, fremden Völkerstämmen rc. geschaffen. Um dem Publikum, dessen Interesse an den reichhaltigen Schaustellungen die starke Frequenz des Panoptikums beweist, eine weitere Unterhaltung zu gewähren, wurde die Abhaltung von Concerten zunächst an den Sonntagen be­schlossen. Morgen findet das erste Concert in den neuen Räumlichkeiten statt. Von den neuen Gruppen finden die Frank­furter Lokaltypen fortgesetzt den größten Beifall, besonders die überraschende Ähnlichkeit Friedrich Stolzes hinterläßt bei allen, die unseren Frankfurter Dichter kannten, einen nachhaltigen Eindruck.

* Weinsscher Gesangverein. Die aktiven und passiven Mitglieder des Vereins und deren Freunde unier- nehmen Sonntag den 24. August einen Ausflug für Herren durch das Steinbacherthal nach Aschaffenburg, an welchem, wie wir hören, auch Herr Adolf Müller- Frankfurt a. M. theil- nehmen wird. Abfahrt Westbahnhof 12.°8.

* Sehenswürdigkeiten.Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Ge­öffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis Vsl Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Alt­städter Rathhaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Festtagen vormittags von 1112^2 Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.

8 Barbarossa - Turnfest. Wir erhalten folgende Zuschrift :Dieses Fest wird nicht, wie in den Turnerkreisen vielfach angenommen worden ist, unter der Leitung des Kinzigturngau-Ausschusses abgehalten, sondern es ist ledig­lich seit 4' Jahren von einigen Turnern und Bürgern Geln- Hausens veranstaltet worden. Da nun die Art dieses Wett- turnens den Vorschriften der deutschen Wettturnordnung wider­spricht, so ist den Turnern der deutschen Turnerschaft unter­sagt, an dem Wettturnen theilzunehmen. Zuwiderhandelnde wurden im verflossenen Jahre bereits vom Gau- Hezw. Kreis- mettturnen ausgeschloffen. Aus diesen Gründen hat auch der im Januar d. I. stattgehabte Turntag des Kinzig-Turngaues Stellung hierzu genommen und beschlossen, das Barbarossa- Turnfest in keiner Weise seitens des Gaues zu unterstützen und eine Betheiligung von Mitgliedern der Gauvereine am Wettturnen für nicht räthlich erklärt, weil es den Bemühungen des Kinziggaues, in die deutsche Turnerschaft ausgenommen zu werden, direkt hinderlich ist."

* Wiener Spitze. Auf die Concerte der Egerländer Dammkapelle machen wir nochmals empfehlend aufmerksam.

Wenn man von Hanau kommt und durch das sog. Ober- jhor in das Dorf eintritt, hat man den alten Friedhof mit der darauf stehenden Kirche gleich zur rechten Hand. Den Eingang zum Kirchhof bildet der alleinstehende Glöckenthurm, der nach der über dem Thore befindlichen Inschrift im Jahre 1554 gebaut ist. Unter der Inschrift befindet sich das Hanauer und das Kurpfälzische Wavpen; es sind die Wappen des Grafen Philipp III. (geb. 1526; gest. 1561) und seiner Gemahlin Helene (geb. 1532; gest. 1579), einer Tochter des Pfalzqrafen Johann II. von Simmern. Der Thurm ist wahrscheinlich an Stelle eines alten und baufällig gewordenen, früher zur Be­wehrung des Kirchhofeingangs errichteten Wartihurms getreten. Er ist sicher auf Kosten der Gemeinde erbaut worden, die ihn schon im 16. Jahrhundert mit den beiden Glocken und der

Uhr zu unterhalten hatte und im Jahre 1596 von einem Weißbinder aus Bergen einen Sonnenzeiger für 2 Gulden daran malen ließ. Jetzt hat er zwei Sonnenuhren und drei Glocken. Die ganze Anlage gibt uns ein deutliches Bild von einer dem Mittelalter eigenthümlichen Art von Schuhbauten, den befestigten Kirchhöfen. Der Friedhof diente vor der Er­bauung der Dorfmauer, die im 14. Jahrhundert aufgeführt sein wird, zur Vertheidigung. Hierher flüchtete man sich bei feindlichen Ueberfällen mit seinem Vieh und der sonstigen Habe. AIs z. B. Kaiser Ruprecht im Jahre 1405 verschiedene Raub- schlösser der Wetterau zerstörte, suchten, wie uns erzählt wird, die befehdeten Ritter sich, sowie die Bauern ihre Habe auf dem Kirchhof in Sicherheit zu bringen und dort den Angriff abzuwehren. Auch das benachbarte Mittelbuchen hatte einen befestigten Kirchhof, wie man heute noch sehen kann. Das Mauerwerk um den Hochstädter Kirchhof ist uralt und stammt mindestens aus dem 12. Jahrhundert; schon die Art, wie es aufgeführt ist schräggeschichtete Steine oder sogenanntes Fischgrätenwerk, läßt auf ein sehr hohes Alter schließen. Als der Ort mit Mauern Thürmen und Thoren umgeben wurde, kam der befestigte Kirch­hof, der an seiner Ummauerung noch die Spuren des alten Wehrganges zeigt, innerhalb der Ringmauern zu liegen.

Die heutige Rrtmmer umfaßt außer dem Unterhaltung-blatt 18 Seiten.

Außer den täglichen Abendconcerten wird die Kapelle morgen sowohl beim Frühschoppen als auch nachmittags concertiren.

* Gartenfest. In dem hübschen Garten derRestau­ration zum Sandhof" findet morgen Nachmittag großes Gartenfest unter gefälliger Mitwirkung des Gesangvereins Melomania" statt.

* Kurort Wilhelmsbad. Morgen Nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsbad Coneert der Infanterie-Kapelle Nr. 166 statt.

* Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet.

* *

O Grotz-Auheim, 22. August. (Erfreuliches.) Daß sich hier in den letzten 30 Jahren die sanitären Ver­hältnisse ganz wesentlich gebessert haben, beweist die Thatsache, daß im verflossenen Monat Juli nicht ein einziger Sterbefall vorgekommen ist, trotzdem doch Groß-Auheim in den letzten 3 Jahrzehnten von 1800 auf circa 4500 Einwohner ange­wachsen ist. Ebenso hat man jetzt hier verschiedene Greise in dem stattlichen Alter von über 90 Jahren. Auch die 80- und 70jährigen sind durchaus keine Seltenheit. Es steht dies im großen Gegensatz zu früheren Zeiten, wo hier der unheim^ liche Gast der Schwindsucht alljährlich besonders auch unter den jüngeren Leuten gerade in den blühendsten und hoffnungsvollen Jahren viele Opfer verlangte. War doch derGroßauheimer Schnupfen", wie die Tuber­kulose allgemein im Volksmunde genannt wurde, eine Bezeichnung, die weit über die Grenzen des Kreises Hanau und der engeren Umgebung ganz land­läufig war. Wenn sich hier in den letzten drei Dezennien die Verhältnisse gründlich geändert haben, so hängt das wohl ir erster Linie mit den sanitären Fortschritten zusammen, die unsere Gemeinde in diesem Zeitraum gemacht hat. Verschwunden sind zum größten Theil die kleinen engen dumpfigen Häuschen, die oft großen und zahlreichen Familien notdürftiges Obdach ge währen mußten, und an ihre Stelle sind größere Helle und luftige Gebäude und W ohnungen getreten. Den gleichen fort­schrittlichen Bestrebungen huldigte aber auch die Gemeindever ivalfung, indem sie in den alten Theilen Großauheims die engen schmalen Gäßchen zum Theil beseitigte und durch Nieder- legung eben der kleinen ungesunden Häuschen breitere luftige Straßen schaffte, während sie bei der Anlegung der neueren Theile unserer Gemeinde schon von vornherein auf die Beachtung und Durchführung der hygienischen Anforderungen bedacht war. Zu dieser kommunalen Fürsorge kommt noch, daß die ganze Lebenshaltung der einzelnen Arbeiter, Landwirthe und Beamten, aus denen sich die Bewohnerschaft Groß-Auheims zusammen- setzt, in den letzten Jahrzehnten eine wesentlich bessere gewor­den ist. So hat also auch Groß-Auheim seinen Antheil an dem sozialen Fortschritte unserer Zeit.

Wenn die Steine erzählen könnten! Wenn die hier Be­grabenen aufstehen und uns von ihrem Leben und Leiden, von ihrem Streben und Streiten berichten könnten! Was würden uns aus jenen längst entschwundenen Zeiten, in die keine Er­innerung zurückreicht, die alten Geschlechter Hochstadis ver­künden, die Storck, Hertwein, Oleisleger, Rupert, von Stein- heim, Rumpheimer, Lewe, Venator, Dyle, Kufe, Krumme und Konnehenne, die Carpe, Knauff, Berkersheimer, Becker, Würtze- geriet und Rorich, die Lange, Hofmann, von Eichen, Hein­rich, Glynder, Froisch, Emer und Assinheimer und die anderen, von denen uns nicht einmal die Namen erhalten sind! Hier haben sie ihre Ruhestätte gefunden, wo sie so manchmal den Kampf um Leib und Leben geführt haben. Wie oft mögen die Bauern hierher geflüchtet sein, um mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln und Waffen ihr Leben und ihren Besitz zu vertheidigen ! Wir versetzen uns in jene Zeiten, wo das Schwert und die Gewalt entschieden, wo der Adel und die Städte in Fehde lagen und die Dynasten, die Grafen und die Herren, sich bekriegten, und wobei gewöhnlich der Bauer die Zeche zu bezahlen hatte. Hier wird uns die Vergangenheit lebendig. Im Geiste hören wir den Kriegsruf und den" Kampfeslärm, das Jammern der geängsteten Kinder und Fraum, den an­eifernden Ruf der Streitenden, das Stöhnen und Aechzen der Verwundeten, das Klagen der Sterbenden vermischt mit dem Klang der Waffen, dem dumpfen Aufschlägen geschleuderter Steine, dem Brüllen des Viehes.

Am Rubeplah der Todten, da pflegt es still zu sein;

Man hört nur leises Beten bei Kreuz und Leichenstein.

Zu Hochstadt dort ist's anders: Dort schallt den ganzen Tag Der feste Kirchhof wider von Kampfruf, Stoß und Schlag.

Der Feind, der ist gekommen, der Bauer hat sein Gut Zum festen Ort geflüchtet und hälts in tapfrer Hut.

Mit Spieß und Karst und Sense treibt er den Angriff ab; Wer todt zu Boden sinket, hat hier nicht weit ins Grab.

Solche Scenen mögen sich auch hier während des von 13861389 geführten Bundeskrieges der Städte gegen den Adel abgespielt haben, wo das Maingebiet und die Weiter« u