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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile ober deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg^ für Auswärts 35 Pfg.

Bedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantworte. Redakteur; H. Schrecker in Hanau,

Nr. 191. Fernsprechanschluß Nr. «05. Montag dkN 18. August. Fernsprechanschluß Nr. 605. 1902

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Amtliches.

Candkreis Danau. Bekanntmachungen des Königs. Landrathsamtes.

In Rottenbeea, Bezirksamt Alzenau, ist die Schweine- rothlartflearche ausgeörochen.

Hanau den 16. August 1902.

Der Königliche Landrath.

V. 7871 I. V.: Valentiner, Reg.-Assessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Damen-Regcnschirm, 1 Bündel Rohr zum Stuhlflechten, aus dem Festplatz des Schützen-Vereins 1 goldenes kurzes Damen-Uhrkettchen.

Abhanden gekommen: 1 Handpritschenwagen.

Hanau den 18. August 1902.

Hue Stadt und Cand,

Hanau, 18. August.

* Abschiedsfeier für den scheidenden Landrath

Herrn v. Schenck. In dem stimmungsvoll dekorirten Saale des Hotelszum Riesen" fand gestern Nachmittag zu Ehren des von hier scheidenden, einer ehrenvollen Berufung nach Wiesbaden Folge leistenden bisherigen hiesigen Landraths und PolizeidirektorS Herrn v. Schenck eine Abschiedsfeier statt, die, überaus stark besucht die Festtafel wies 120 Theil- nehmer auf - - Gelegenheit bot, dem verdienstvollen Ver­waltungschef unseres Landkreises und Polizeidirektor des Stadt­kreises in würdiger Weise darzulegen, daß sein diesseitiges, auf Förderung des Gemeinwohls gerichtetes Wirken vollem Verständniß in weiten Kreisen begegnet ist und sein Scheiden von hier nach siebenjähriger Thätigkeit aufrichtiges Bedauern gezeitigt, wie auch andererseits die erfolgte Beförderung auf einen verantwortungsvollen Posten, an die Spitze der Polizei­verwaltung unserer nachbarlichen nassauischen Bäderstadt, mit Genugthuung ausgenommen worden ist. An der Abschieds­feier nahmen Vertreter aller Berufsstände aus Stadt und Land theil. Gegen 31/a Uhr wurde die Festtafel eröffnet.

Der erste Toast galt dem Kaiser, dargebracht vondemKreis- deputirten Herrn Dr. H o f f m a n n-Mainkur wie folgt: Hochgeehrte Festversammlung! Wo immer deutsche Männer zu festlichem Mahle sich zusammensinden, gilt das erste Gedenken und das erste Glas dem Wohl des Landesherr«. Dieser guten Sitte folgend, fordere ich Sie aus, die Gläser zu ergreifen und einzustimmen in den Ruf: Seine Majestät unser vielge­liebter Kaiser und König hoch! Nachdem das begeisterten Widerhall gefundene Hoch verklungen, nahm Herr Dr. H o f f- mann nochmals das Wort, um namens des Landkreises die Verdienste des Scheidenden in gebührender Weise zu feiern. Er führte aus: Geehrte Herren! Wenn ich als Erster das Wort ergreife, so glaube ich mich lediglich in meiner Eigen­schaft als Kreisdeputirter hierzu legitimirt. Im Namen der Kreisvertretung heiße ich Sie willkommen und erstatte freund­lichen Dank dafür, daß Sie unserem Rufe gefolgt sind. Sie beweisen durch Ihr Erscheinen, daß es Ihnen angelegen ist, unserem früheren Landrath bei seinem Weggange noch einmal die Hand zu drücken. Sehr verehrter Herr von Schenck! Der Landkreis Hanau bedauert aufrichtig und lebhaft Ihr Scheiden, nachdem Sie sieben Jahre mit Erfolg sorgend an seiner Spitze gestanden. Wenn sich bei Bekanntwerden Ihrer Versetzung eine gewisse Presse in pöbelhafter Weise geäußert hat, so weisen Ihre ehemaligen Kreiseingesessenen solch uner­hörtes Gebühren mit Entrüstung zurück. Ist es freilich zu bedauern, daß gelegentlich der letzten Reichstagswahl der Wahlkreis Hanau an die Sozialdemokratie gefallen ist, so hat nicht wie man vielfach glauben machen will Herr von Schenck dazu beigetragen; es ist vielmehr die unglaubliche Zer­rissenheit und Eigenliebe der übrigen Parteien, sowie ihre Un- thätigkeit, welche den Verlust herbeigeführt hat, im Gegensatz zu der zielbewußten, nie rastenden Arbeit der sozialdemokratischen Führung! So lange nicht der nationale Gedanke den ersten Platz im politischen Glaubensbekenniniß einnimmt, so lange werden wir einer angemessenen Vertretung entbehren. Wenn somit während der Amtsperiode Herrn von Schencks Erfolge auf diesem Gebiet im Wahlkreis nicht gezeitigt werden konnten, so war die Verwaltung des Landkreises eine an solchen umso reichere. Vielfach ist es allerdings stille Arbeit, die vom Landrathszimmer in den Kreis hinausgeht. Sie kommt nicht an die große Oeffentlichkeit, wird aber umso dankbarer von den Empfangenden (Gemeinden, Körperschaften oder einzelne Personen) empfunden. Meine Aufgabe kann es nicht sein, solche Dinge hier einzeln vorzuführen, ich will aber doch einige Fälle von allgemeinerem Interesse besprechen, welche der Ini­

tiative Herrn von Schencks entsprungen, Lezw. durch ihn zu erfolgreichem Ende geführt worden sind. Es gehören hierher die andauernden Bestrebungen zur Hebung des Volksschul- wesrnS z. B. durch Neubau vieler Schulen, zu welchen ein­zelnen Gemeinden Staatsbeihilfen erwirkt wurden; die Re­gelung der Lehrergehälter; die Pflege des Handarbeitsunterrichts für die weibliche Jugend, durch Zustandebringen eines Fort- bildungskurses für Handarbeitslehrerinnen unter gütiger Mit- wirkutig des Herrn Stadtschnlinspektors Bungenstab; die Ein­richtung von Volksbibliotheken in Form von Wanderbibliotheken, welche sich über den ganzen Kreis verbreiten. Es sind zu er­wähnen die Bestrebungen zur Hebung der Viehzucht und des Obst­baues, welch letzterer für den Kreis von erheblicher, leider immer noch nicht genügend gewürdigter Bedeutung ist, unter thätiger Beihilfe des Herrn Pfarrer Henß-Windecken. Hierher gehört auch die Erbauung der Sammelwascnmeisterei in Ge­meinschaft mit dem Magistrat der Stadt Hanau. Ich er­wähne weiter als eine besonders schwierige Aufgabe die end- giltige Ermöglichung des Baues der Stockheimer Bahn, welche für einen Theil des Kreises von erheblicher Bedeutung ist; die Herabsetzung der Frachtsätze im Uebergangsverkehr von der Kleinbahn zur Staatsbahn; die Errichtung einer Güterver­ladestelle Hochstadt-Dörnigheim; die in Kürze auszuführende Fährverbindung von Dörnigheim nach dem hessischen Ufer; der Ausbau des Straßennetzes. Wenn ich dann die Gründung der Kreissparkasse erwähne, so hat Herr von Schenck damit dem Kreise eine Einrichtung geschaffen, welche zu den schönsten Hoffnungen berechtigt und welche durch ihr ungeahnt rasches Aufblühen den Beweis erbringt ein wie großes Vertrauen die Bevölkerung zur Leitung des Kreises hatte. Auch die Erbau­ung des Kreishauses eine Zierde der Stadt zeugt von weitschauendem Blick und wird das Gebäude in seiner zweckent­sprechenden Anlage, bei der stetig wachsenden Arbeitslast und dem immer zunehmenden Verkehr, der Lenung des Kreises dauernd von Vortheil sein. Aus Anführung dieser Thatsachen die ich nicht weiter vermehren will geht zur Genüge hervor, wie meisterhaft Herr von Schenck es verstanden hat auf den verschiedensten Gebieten der Verwaltung erfolgreich zu sein, so daß er den Kreis in mustergiltiger Verfassung hinterläßt. Hiernach ist es auch begreiflich, daß das Verhältniß zur Kreis- vertretung stets ein harmonisches war, so daß der Kreistag das Scheiden des Herrn von Schenck mit aufrichtigem Be­dauern empfindet. Ganz besonders schmerzlich trifft aber die Mitglieder des Kreis ausschusses der Weggang ihres Vorsitzen­den, dessen sachliche und liebenswürdige Leitung der Geschäfte allzeit ein gedeihliches Zusammenarbeiten gewährleistet hat. Ein gleiches Gefühl beherrscht auch die^ Beamten des Land­rathsamts, deren Interessen Herr von Schenck stets in wohl­wollender Weise vertreten. Um meinen Worten Zeugniß zu geben, sind die Vertreter der einzelnen Dienstzweige des Kreises, die Kreistagsabgeordneten, die Mitglieder des Kreisausschusses und die Beamten des Landrathsamts zum heutigen Feste geeilt. Sie sind aber auch gekommen, um in dankbarer Erkenntniß dessen, was Sie sehr verehrter Herr von Schenck dem Kreise gewesen sind, Ihnen die herzlichsten Wünsche für die Zukunft darzubringen, insbesondere auch für das Sie ehrende verantwortungsvolle Amt, zu dessen Leitung anerkennende Kaiserliche Gnade Sie berufen. Das Gefühl des Dankes, mit welchem der Landkreis von Ihnen Abschied nimmt, es wird auch ferner bestehen und sich stets erneuen an den greifbaren Erinnerungen, welche Sie im Kreise zurücklassen. Und wer heute oder dereinst die Geschichte des Landkreises Hanau durch­geht in welchem die Amtsperiode eines jeden Landraths ein für sich abgeschlossenes Kapitel bildet und das Kapitel studirt hat, welches überschrieben istvon Schenck 18951902", der wird sein Urtheil dahin abgeben:Er war ein Mehrer der Wohlfahrt im Kreise." Mit diesem Gefühl, sehr verehrter Herr von Schenck, dürfen Sie von dem Landkreise Hanau scheiden! Sie aber, meine Herren, fordere ich auf einzu- stimmen in den Ruf:Unser früherer Landrath, Herr von Schenck, der Mehrer der Wohlfahrt im Kreise, hoch!"

Zur Verlesung gelangte hierauf ein von Sr. Kgl. Hoheit dem Landgrafen von Hessen aus Schloß Panker ein- gelaufenes Telegramm, in dem die besten Wünsche aus An- jaß der Beförderung ausgesprochen werden.

Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus: Zum 2.'Mal während meiner hiesigen Dienstzeit richte ich als Vertreter der Stadt an dieser Stelle Worte des Abschiedes an einen aus seinem Amte als Landrath des Landkreises und Polizeidirektor des Stadtkreises scheidenden Ferrit. Fast könnte ich glauben, daß ich schon zu lange au der Spitze dieser Stadt stände, wenn mich nicht ein Blick in die Vergangenheit eines Anderen, eines Besseren belehren würde. Die unmittelbaren Vorgänge des scheidenden Herrn von Schenck bezeugen mehr als Worte, daß das Amt, welches derselbe bisher bekleidet hat, wichtig genug ist, um als Schule für diejenigen Herren zu dienen,

die bestimmt sind, die höheren Sprossen der Leiter der preußischen Beamten - Hierarchie zu ersteigen. Und sürwahr, meine Herren, dürfte auch dieses Amt schwierig und verantwortungsvoll genug sein, um eine Vorschule für die höheren Stellen in der Staatsverwaltung zu bilden. Ich will nicht von der Stellung eines Landrathes im Allgemeinen sprechen, eine Sinekure ist dieses Amt niemals, wenn sein In­haber seine Pflichten ernst nimmt. Je wohlhabender aber die Gemeinden, je größer die Vermögensverwaltung derselben, um­so verantwortungsvoller ist die Thätigkeit des die Gemeinde­verwaltung beaufsichtigenden Landrathes. Wir wissen, daß zu den Kreisen mit wohlhabender Bevölkerung, wohlhabenden Ge­meinden und großer Vermögensverwaltung in erster Linie der Landkreis Hanau gehört.

Die verantwortungsvolle Stellung des Landraths wird aber dadurch noch erheblich schwieriger, daß der Kreis weder ein rein wirtschaftlicher noch ein rein industrieller ist. Nicht immer gehen die Interessen beider BerufSkreise Hand in Hand, häufig stehen sie sich diametral gegenüber und es gehört viel Takt, viel Klugheit und viel Erfahrung dazu, die oft wirklich vorhandenen, oft vermeintlichen und dann gewöhnlich um so schärferen Gegensätze zu mildern und zu versöhnen. Daß die Thätigkeit des Scheidenden auf dem Gebiete der landräthlichen Verwaltung eine segensreiche gewesen ist, haben Sie aus be­rufenem Munde gehört.

Nicht so verantwortungsvoll, aber nicht weniger Umsicht, Takt und Gewandtheit heischend, ist das Amt des Polizei­direktors für den Stadtkreis, das der Staat, bekannten Spar­samkeitsrücksichten folgend, dem mit der Verwaltung seines Hauptamtes schon genug belasteten Landrath hier noch im Nebenamt aufgebürdet hat. Wenn man die Tagespresse liest, 'sollte man glauben, wir lebten in der Zeit der Polizei-Will­kür, der polizeilichen Mißgriffe und Uebergriffe. Daß solche vorkommen, ist nicht zu leugnen, aber auch nicht zu verwundern, wenn man bedenkt, daß Tausende von Polizei - Beamten Millionen von Amtshandlungen vorzunehmen haben und daß schließlich dir Polizei-Beamten auch nur Menschen sind. Kommm sie vor, dann taugt das System nichts, der Chef ist der Schuldige, es fehlt an der nöthigen Instruktion als wenn für jeden Fall des viel­gestalteten menschlichen Lebens immer im Voraus eine Instruk­tion, eine bestimmte Vorschrift erlassen werden könnte. Dank­bar erkennen wir das alle Zeit konnivente Verhalten unserer Polizei an. Das liegt am System, das ist das Verdienst des Chefs, des scheidenden Polizeidirektors.

Mein lieber Herr Landrath, der Sie es nicht mehr, und Polizeidirektor, der Sie es nicht mehr für Hanau sind, seit mehr als sieben Jahren arbeiten wir am großen Ganzen, bald Jeder für sich, bald gemeinsam. Die Geradheit Ihres Charakters, die Lauterkeit Ihrer Gesinnung haben mir gemein­same Arbeit und persönlichen Verkehr mit Ihnen stets ange­nehm gemacht und wenn auch das Kriegsbeil zuweilen zwischen uns ausgegraben war, weil nun weil wir Beide dem Kampf nicht abhold sind, so ist es doch schon seit Jahren endgültig begraben. So sehr ich mich daher über Ihre Beförderung freue, so -sehr bedauere ich Ihren Fortgang. Die Wünsche, die ich für Ihr ferneres Wohlergehen Ihnen darbringen möchte, lassen Sie mich zusammenfassen in dm Ruf, in den ich Sie, meine Herren, bitte, mit mir einzustimmen:Unser scheidender früherer Polizeidirektor Herr von Schenck, lebe hoch! hoch! hoch!"

Der nächstfolgende Redner war Herr Oberst v. Tempsky, Zunächst Dank abstattend für die gewordene Aufforderung zur Theilnahme an der Abschiedsfeier, betonte er, daß es für das Offizierskorps auch ein Herzensbedürfniß gewesen sei, sich zn betheiligen, denn mit voller Berechtigung zählten sie Herrn v. Schenck zu den ihrigen. Morgen, am 18. August, sei der Jahrestag, an dem derselbe in dem mörderischen Kampfe um Metz für das Vaterland geblutet habe und die Folgen der er­haltenen schweren Verwundung seien für ihn der Grund ge­wesen, sich einen anderen Beruf zu wählen. Somit seien es kameradschaftliche Gefühle, die das Offizierkorps mit Herrn v. Schenck verbinden. Wenn man nun aber Herrn v. Schenck Glück für die Zukunft wünsche, so gelte dies auch Denen, die hieran theilnehmen, vor Allem der Lebensgefährtin. Frau v. Schenck habe nach dem Vorbild unserer Kaiserin in stiller Weise, so viel in ihren Kräften stand und ihre schwache Ge­sundheit es ermöglichte, unermüdlich Noth gelindert, sie ver­diene, daß man am heutigen Tage auch ihrer in herzlichster Weise gedenke und so klangen die Worte aus in einem Hoch auf die treue Lebensgefährtin des Scheidenden, Frau v. Schenck.

Herr Superintendent Sopp sprach als Vertreter der kirchlichen Diözese und brächte mit herzlichem Gruß und Dank zum Ausdruck, wie der Gefeierte in dem seiner Fürsorge ver­trauten weiten Kreise seiner persönlichen Herzensgesimmng ent­sprechend auch die Angelegenheiten der kirchlichen Gemeinde