Erstes Blatt.
Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- partige Abonnenten mit dem betreffenden Posiausfchlag, Die einzelne Nununer kostet 10 Pfg.
Eiurückungsgebühr:
Für Stadt- unb Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Erdrückt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, cv. Waifelchaufes in H-nau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kauau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristisAr Beilage.
Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 19 0. Fernlvr^Mls« Nr. 605. Samslaa den 16. August. FernsprechaMlnß Nr. 605. 19 02
Amtliches.
Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen des Kaufmanns Heinrich Nohl, alleinigen Inhabers der Firma Heinrich Nohl jr. in Hanau ist heute am 15. August 1902, nachmittags 12 Uhr 15 Min., das Konkursverfahren eröffnet.
Der Kaufmann Heinrich Jost jr. in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt.
Offener Arrest und AnzeiqeplliLt bis zum 15. September 1902, Termin zur Anmeldung bis zum 15. September 1902. Erste Giäubioerversammlung 5. September 1902, vormittags 11 Uhr, Prüiungstermin am 26. September 1902, vormittaas 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht, Abth. 5 hier, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5.
Hanau den 15. August 1902. 14083
Der Gerichtsschreiber KöniaNcken Amtsgericht 5.
Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau.
Wir bringen'hiermit zur Kenntniß, daß an der hiesigen Lehranstalt
1) ein Lbstverwerthunstskursus für stauen in der Zeit vom 25. bis 30. August d. Is.,
2) ein Obstvertverlhungskitrfirs für Männer in der Zeit vom 1. bis 8. September d. Is.
abgehalten werden. Die Kurse beginnen jedesmal an den zuerst genannten Tagen, vormittags 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch ertheilt, sodaß die Tbeilnehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Derwerthungsmelhoderl einzuüben.
Der Unterricht umfaßt: Obstweinbereitung und Behandlung desselben im Keller, Bereitung von Essig, Branntwein und Beerenwein, Schaumweinbereitung, Untersuchung des Mostes auf Zucker und Säure. — Bereitung von Gelee, Marmelade und Herstellen von Konstroen und Obstsäften; Dörren des Kern- und Steinobstes und des Gemüses. — Obsternte, Aufbewahrung und Verpackung des frischen Offstes.
Das Honorar beträat 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark. — Unterkunft für die Frauen bewegt die Direktion, an welche auch die Anmeldungen zu den Kursen bis spätestens 14 Tage vor Beginn derselben zu entrichten Hub.
Geisenheim a. Rhein, den 23. Juli 1902.
Der Direktor.
Goethe, Königlicher Lande-ö'onomierath.
Gefundene intii verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Kriegsdenkmünze 1870/71, 1 griechisches Elementarbuch mit dem Namen Albert.
Verloren: 1 schwarze seidene SLürze.
Entlaufen: 1 kleiner schwarzer Spitzhuud, w. Geschl., gegen gute Belobmun abzugeben.
Hanau den 16. August 1902.
Aus Stadt und £andt
Hanau, 16. August.
«.Nachdruck, telegraphiicke oder telephonische Verbreitung unserer Ori- ginallokaartikel ist qcmüs; § 18 des Urheberrechts nur mit deutlicher Quellenangabe s„Han. Anz."j gestattet.)
* Der Kaiser als Pathe. Bei dem jüngst geborenen siebenten Sohne des Herrn Rittmeisters von Eckartsberg hat Se. Maj. der Kaiser die Pathenstelle zu übernehmen geruht und Se. Exzellenz den Generalleutnant v. Deines mit seiner Vertretung bei dem Sankst beauftragt.
* Handelskammer - Sekretär. Nachdem in der Plenarsttzung vom 11. Juni d. I. die Neubesetzung des Sekretariats der Handelskammer und die Ausschreibung der Stelle beschlossen worden war, fand gestern die Wahl für die Stelle statt. Gewählt wurde Herr Dr. Fr. Schulte, z. Zt. wlssenichastlicher Hilfsarbeiter der Handelskammer zu Köln a. Rh.
* * Gut abgelaufen. Heute Morgen gegen halb 8 Uhr wurde das Pferd eines mit Petroleumfässern beladenen Wagens in der Namsaystraße scheu und ging durch. Bei der Auemündung der Ramsaystraße in die Hainstraße, als es um die Ecke ging, schlug das Gefährt um, die Fässer rollten auf die Erde und der Kutscher wurde gegen die Stackelen eines Vorgartens der neuen Häuser geschleudert. Das Pferd raste mit dem Fuhrwerk weiter, wobei der Hinterwagen schließlich abgerissen wurde, sauste über die Wilhelmsbrücke die Lamboy- straße entlang und gerieth noch in ein ausrückendes Bataillon des Infanterieregiments, dann an ein weiteres Hinderniß, woselbst es endlich stürzte und in den Graben flog. Glücklicher
Die beutige Nummer ttm)..6t außer
weise ist auf der ganzen Strecke, die das scheue Thier durcheilte, kein weiterer Unfall passirt, auch der Kutscher kam trotz seines schlimmm Falles mit einigen wenig bedeutenden Verletzungen davon.
* Entsendung von Gewerbetreibenden zur Düsseldorfer Ausstellung. Bereits zur Pariser Weltausstellung war mit Unterstützung des Ministers für Handel und Gewerbe eine Anzahl von Handwerksmeistern ent'endet worden. Der günstige Erfolg dieser Entsendung für die gewerbliche Fortbildung der betreffenden Personen hat dazu geführt, daß in erweitertem Umfang auch für den Besuch der Gewerbe- und Industrieausstellung in Düsseldorf Reiseöeihilfen aus der Staatskasse bew lligt worden sind. Es werden im Laufe des Sommers mit staatlicher Unterstützung fast 500 Handwerksmeister und einzelne kunstgewerbliche Arbeiter, namentlich aus den östlichen Provinzen der Monarchie, die Ausstellung besuchen. Da überdies eine erhebliche Zahl von Kommurtal- verbänden, Innungen, Handwerkskammern, Gewerbevereinen rc. für den gleichen Zweck Beihilfen in Aussicht genommen haben, darf angenommen werden, daß insgesammt einer wesentlich größeren Zahl von Handwerksmeistern das Studium der Düsseldorfer Ausstellung auS öffentlichen Mitteln ermöglicht werden wird. Die Handwerkskammer in Düsseldorf hat sich dankenswerther Weise bereit erklärt, auf Verlangen für Unterbringung und fachkundige Führung der fremden Meister Sorge zu tragen.
* Straust-Coneert. Wie überall, so dürfte auch hier Johann Strauß, dessm Concert mit seinem Wiener Orchester am Dienstag den 19. ds. stattfinoet, freudig willkommen geheißen werden. Presse und Publikum sind des Lobes voll über die vorzüglichen Leistungen des Orchesters und seines famosen Dirigenten, der mit echt wienerischer Grazie und Eleganz seine Schaar zum Siege führt. Auch als Komponist findet Johann Strauß große Anerkennung; der dem englischen Königspaar gewidmete „Krönungswalzer" erfreut sich des lebhaftesten Beifalls. Karten im Vorverkauf in G. M. Alberti's Hofbuchhandlung (Clauß & Feddersen) und im Deutschen Haus.
* Koschaj-Coneert. Wie zu erwarten war, fand das Koschat-Ouintett bei seinem gestrigen Auftreten dahier einen bis auf den letzten Platz besetzten Saal, ein Beweis, daß der Name Koschat in unserer sangesfreudigen Stadt einen besonders guten Klang besitzt. Aber weid & Sängerherz schlüge auch nicht höher beim Namen dieses gefeierten Mannes! Ist er doch der Inbegriff lachenden Humors und tiefen Gemüths im voKsthümlichcn Liede. Mit dem innig-gemüthreichen Liede „Geknickte Bleamerle" das Concert eröffnend, folgte eine prächtige Auswahl ernster und heiterer Schöpfungen Ksschats und anderer Komponisten, die sämmtlich ein freudiges Echo fanden. Ganz allerliebst waren besonders die von urwüchsigem Humor durchwehten Lieder „'s g'iunde Pflastert" und „Beim Hasel- wirth." Letzteres mußte infolge des tosenden Beifalls theil- weise wiederholt werden. M't dem poesievollen „Verlassen" gedachte das Quintett den Abend zu beschließen, jedoch die Beisallsbezeugungen waren derart stark, daß das Quintett noch einige Proben aus seinem reichen Liederschatz hervorholen mußte.
* Sommerfest des Turnvereins. Auf das morgen auf Beck's Felsenkeller statifindende Sommerfest des Turnvereins möchten wir nochmals aufmerksam machen. Die sorgfältige Vorbereitung des Festes und die vorgesehenen verschiedenartigen Darbietungen garamiren den Besuchern, sowohl den großen als den kleinen, einen Unterhaltungsreichen und gewiß auch amüsanten Jag.
* Wiener Spitze. Heute Abend von 8 Uhr an. findet das erste Concert der rühmlichst bekannten Egerländer Damenkapelle statt. Morgen Sonntag wird die Kapelle außer beim Frühschoppen auch nachmittags und abends con- cerliren.
* Kurort Wilhelmsbad. Morgen Nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsvad Concert der Infanterie-Kapelle Nr. 166 statt.
* Neue Thiere im Zoologischen Garten zn Frankfurt a. M. Don der Insel Island ist ein echter Jagdfalke eingetroffen, das ist diejenige Faltenari, die im Mittelalter zur Reiherbeize abgerichtet wurde, und die heute so selten geworden ist, daß es viele Menschen gibt, die sie noch nie lebend gesehen haben. Zum ersten Male wird ein peru- vianischer Triel, aus dem Salpeterland bei Jquique, ausgestellt; ferner kamen Purpurhühner aus Quayaquil, australische Nieiensischer u. a. an. Bis zum Sonntag wird die Neuaufstellung der Reptilien beendet sein und den Besuchern des Zoologischen Gartens wird sich dann ein imposanter Anblick bieten. Durch Hinzunahme des kleinen Säugethierhauses tönnen erst jetzt alle Terrarien zur Ausstellung gelangen. Das Arrangement versucht den Anforderungen des heutigen Geschmacks nach Buntheit und Eleganz thunlichst gerecht zu
dem Nnterhaltunasblatt 12 Seiten.
werden und die Thierchen sitzen jetzt alle wohlgeordnet in gold- glänzenden, außen mit Blattpflanzen verzierten Behältern, während in den Kästen selbst alle Gegenstände entfernt wurden, hinter denen sich die Thiere etwa verstecken könnten. Somit dürften die Terrariensammlung des Frankfurter Zoologischen Gartens nicht nur die reichste, sondern auch die schönste auf dem Kontinente sein. Zur Ausstellung gelangen etwa 300 Reptilien; davon sind 70 Schlangen, über 100 Eidechsen resp. Krokodile, 50 Schildkröten (die großen Arten sitzen auf Grasflächen des Gartens), 50 Frösche, Kröten, Salamander rc. (die Riesensalamander im Aquarium). Es sind im Ganzen ca. 100 verschiedene Arten Kriechtiere vertreten. Am Sonntag den 17. August ist der Eintrittspreis den ganzen Tag über auf 50 Pfg. pro Person (Kinder £5 Pfg.) und für das Aquarium auf 20 Pfg. pro Kopf ermäßigt.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis V»! Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet. — „Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Altstädter Rathhaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Festtagen vormittags von 11—121/» Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.
* Das Hahnenkammhatts ist täglich geöffnet.
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ü Langenselbold, 16. August. Morgen wird hier- selbst die Nachkirchmechfeier abgehalten.
6 Bruchköbel, 14. Aug. (MissioN3fest.) Gestern hat der Ve rein für äußere Mission in der Diözese Hauau sein Jahresfest in unserer Kirche gefeiert. Obwohl das Fest vom Wetter sehr begünstigt wurde, ließ doch der Besuch von auswärtigen Gemeinden zu wünschen übrig, was sich wohl durch die gegenwärtig drängenden Erntearbeiten erklä en und entschuldigen läßt. In dem Vormittagsgottesdienst predigte Herr Pfarrer Nies aus Melbach bei Friedberg in frischer, klarer und überaus anregender Weise über Lukas 6, 36—42. In der Predigt wurden folgende Hauptgedanken auSgeführt: Ein Christ ist nicht ein unbetheiligter Zuschauer, sondern ein Mitarbeiter an dem Werke der Mission. Auf den Missions- festen werden die Christen an ihre Missionspflicht und an den Missionsbefehl Christi erinnert. Die Misstonsarbeit trägt ihren Segen in sich selber. Wenn wir den armen Heiden Barmherzigkeit erweisen, werden wir inne, was wir selber an dem barmherzigen Gott und Vater haben. Der einen barmherzigen Gott kennende Christ muß den Heiden den barmherzigen Gott predigen. Die heidnischen Götter zeigen keinen Zug der Barmherzigkeit in ihrem Charakter. Darum reiften auch die Heiden selbst nichts von Barmherzigkeit. Der indische Brahmine verachtet den Paria; einem solchen Barmherzigkeit zu erweisen, ist ihm Sünde. Die Unbarmherzigkeit der Heiden hat einen religiösen Grund; einen religiösen Grund hat aber auch die Barmherzigkeit der Christen. Die wahre Armuth der Heiden besteht darin, daß sie keinen barmherzigen Gott haben. Diesem Mangel will die Mission abhelfen durch die"Predigt des Evangeliums. Was der Mensch, was wir ohne Gott und Heiland sind, setzen wir an den armen Heiden. Daß wir das erkennen, ist der Segen der Missionsarbeit für uns. — Das Wort: „Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen?" gilt auch für die geistig Blinden, die Heiden. Das erkennen sie auch dadurch an, daß sie nicht durch Predigt, auf dem Weg der Ueberzeugung des Herzens Mission treiben. Mit Feuer und Schwert haben wohl schon einze'ne Völker, z. B. die islamitischen, andere Völker zu ihrem Glauben gezwungen; aber das war keine „Mission." Auch im Mittel- alier ist solche Gewaltmisston, z. B. von Karl dem Großen gegen die Sachsm, getrieben worden. Aber damals war das Äuge der Kirche, der Glaube, ein Schalk geworden, und ihr ganzer Leib finster. Es hat lange gedauert, bis es besser wurde, und bis in Folge heften auch der Missionssimr erwachte. Zeiten der Erwcckung und Erleuchtung sind solche, in denen der Missionesinn erwacht. Bekehrte Seelen zeigen Missions- eifer. Manche Leute meinen zwar, man müsse erst „ in der Heimath alle Schäden heben, ehe man daran gehen dürfe, den Heiden das Heil zu bringen. Allein das ist verkehrt. Mit der Heidenmission wird auch und erst der Sinn lebendig^ in der Heimath zu arbeiten. Die Väter der inneren Mission sind die Freunde und Förderer der äußeren Misston gewesen. Arbeit macht gelund. Arbeit gehört zum Leben. Christus ist gckounnen, die Welt selig zu machen. Die Arbeit der Kirche ist Milsion. Die treibt dazu, auch in der Heimath Alles selig zu machen. Der Segen kommt von oben; er liegt aber auch schon in der Arbeit. — In dem Nachmittagsgottesdienst predigte zunächst Herr Pfarrer Paschen aus Frankfurt über einen Doppeltext: 1. Mol. 4, 9 und 1. Mos. 37,16. ^eit jener Zeit, in der diese Worte: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?" und „Ich suche meine Brüder" gesprochen sind,