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Zeite 6

Donnerstag

14. August

Politilcbe Rundschau.

Der Kaiser hat vorgestern nach dem Stapellauf des LloyddampfersKaiser Wilhelm IL" auf der Werft des Dulcan den russischen KreuzerBogatyr" eingehend besichtigt. Es geschah dies auf ausdrücklichen telegraphischen Wunsch des Zaren. Kaiser Willhelm überreichte dem Capitän des Kreuzers, Capitän z. S. v. Stemmann, den Rothen Adler-Orden dritter Klasse und sandte an Kaiser Nikolaus ein Telegramm ab, in dem er ihn zu dem schönen Schiff beglückwünschte und zu­gleich mittheilte, daß er den Kreuzer in bester Ordnung ge­funden habe.

Telegramm-Wechsel. Wie das Wolff'sche Telegraphen- vureau aus München erfährt, find zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten Luitpold von Bayern nach­stehende Telegramme ausaetauscht worden:

Swinemünde, 10. August. An den Prinzregenten von Bayern, München. Von meiner Reise eben heimgekehrt, lese ich mit tiefster Ent­rüstung von der Ablehnung der von Dir geforderten Summe für Kunst­zwecke. Ich eile, meiner Empörung Ausdruck zu verleihen über die schnöde Undankbarkeit, welche sich durch diese Handlung kennzeichnet, sowohl gegen das Haus Wittelsbach im Allgemeinen als auch argen Deine erhabene Person, welche stets als Muster der Hebung und Unter­stützung der Kunst geglänzt hat. Zugleich bitte ich Dich, die Summe, welche Du benöthigst, Dir zur Verfügung stellen zu dürfen, damit Du in der Lage seist, in vollstem Maße die Aufgaben auf dem Gebiete der Kunst, welche Du Dir gesteckt hast, zur Durchführung zu bringen.

Wilhelm.

S. Mai. Kaiser Wilhelm, Swinemünde. Es drängt mich. Dir meinen innigsten Dank für Dein so warmes Interesse an meinen und meines Hauses Bestrebungen auf dem Gebiete der Kunst und für Dein so hochherziges Anerbieten ausmsprechen. Zugleich freut es mich, Dir mittheilen zu können, daß durch den Edelsinn eines meiner Reichsräthe, welcher die abgelehnte Summe zur Verfügung stellte, meine Regierung in die Lage versetzt ist, getreu den Traditionen meines Hauses wie meines Volkes die Pflege der Kunst als eine meiner vornehmsten Auf­gaben unentwegt fördern zu können.

Jagdhaus Fischbach, 11. August.

Luitpold, Prinz von Bayern.

Wegen einer leichten Unpäßlichkeit konnte die Kaiserin der Fahnenweihe in Succase, zu deffen Bezirk Ca- dinen gehört, nicht beiwohnen. Ihre Theilnahme mußte sich deshalb auf die Entgegennahme der Huldigung der Krieger­vereine in Cadinen beschränken. Die Unpäßlichkeit soll auf einen Unfall zurückzuführen sein, der der Kaiserin bei einem Ausfluge nach Kahlberg widerfuhr, und zwar soll sie sich beim Besteigen einer Pinaffe den Fuß verstaucht haben. Auf ärzt­lichen Rath legt die Kaiserin sich jetzt noch Schonung im Ge­brauch des Fußes auf.

Vek der Reichstagsersatzwahl im Kreise Forch- Heim-Kulmbach erhielten nach den bis gestern Abend 9 Uhr festgestellten Ergebnissen Faber (nat.-lib.) 1266, Deinhardt (Soz.) 790, Weilnbeck (Bauernbund) 423 und Zöllner (Ctr.) 161 Stimmen.

Sanirung des Reichsinvalidenfonds. Daß, wie auch aus den Verhandlungen in der letzten Sitzung der Zolltarifkommission des Reichstages hervorging, die Regierungen sich lebhaft mit der Frage der Sanirung des Reichsinvaliden­fonds beschäftigen, ist durchaus begreiflich. Während vor der letzten großen Erweiterung der Fürsorge für die Kriegs­invaliden und Hinterbliebenen jährlich etwa 30 Millionen Mark aus dem Fonds selbst entnommen zu werden brauchten, um mit den Zinsen zusammen die Deckungsmittel zu bilden, müssen für das laufende Jahr etwa 16 Millionen Mark mehr dem Bestände zu dem gleichen Zwecke entzogen werden. Dabei kommen noch für das Etatsjahr 1902 ganz außergewöhnliche Umstände in Bezug auf besseren Zinseingang hinzu. Es ist also als ganz sicher anzusehen, daß der nächstjährige Etat mindestens wieder 46 Millionen Mark als Einnahme aus dem Reichsinvalidenfonds wird verzeichnen müssen, um die auf ihn übernommenen Ausgaben zu decken. Bei einer fortlaufen­den Entnahme so hoher Beträge aus dem Fondsbestande wäre seine völlige Aufzehrung natürlich nicht fern. Es ist daher durchaus angebracht, nach Abhilfcmaßnahmen zu suchen.

Deutschland und Frankreich. Daß das beider­seitige Entgegenkommen zwischen Deutschland und Frankreich gegenwärtig ein ausgezeichnetes ist, beweist der Umstand, daß mit Genehmigung des Reichskanzlers seit einiger Zeit der

talismus oft durch Ueberftürzung und Aufwallung gebrochen; der Ruthene hält sich in grenzenloser, passiver Ergebung. Mit Recht bemerkt Dr. Szujski, daß der Ruthene an feinen Ueberlieferungen mit wahrhaft asiatischer Zähigkeit festhalte, während der polnische Charakter die an ihn herantretenden europäischen Einflüsse in seiner Weise verarbeitet und ver­ändert. Abergläubisch sind der Pole wie der Ruthene, aber bei dem Ruthenen wurzelt der Aberglaube noch ungleich tiefer und seine Erinnerungen führen noch unmittelbar in eine heid­nische Zeit hinein. Für den Ethnologen ist daher der Ruthene besonders interessant, weil in seinen Gebräuchen das Ursprüngliche noch schärfer, als bei den Gebräuchen der Polen gewahrt ist.

Sehr merkwürdig ist dann, wie sich die Verschiedenheit der beiden Raffen in der Dichtung ausprägt. Beide Stämme haben eine reich entwickelte Volksdichtung. Hören wir nun, wie ihre Dichter einen verwandten Gegenstand behandeln. Ein ruthenisches populäres Trinklied lautet (Uebersetzung von Szujski):

Es dörrt mich namenloses Wehe, Doch kann ich mich vom Weh nicht fassen; Geh' in die Schänke, trinke Branntwein, Stark ist das Wehe, das Glas stärker! Du willst's nicht glauben, lieber Bruder, Wie mir am Herzen nagt die Natter. Hütten und Aecker hatt' ich einstens, Jetzt steh' ich hilflos da und rathlos. .

Ein ähnliches Thema behandelt ein polnisches Volkslied in folgender Weise:

Mathias ist gestorben, stehet nicht mehr auf, Erlaß ihm seine Sünden, lieber Gott und Herr, Artig war Mathias, vorzüglicher Säufer, Davon läuft der Schankwirth, da Mathias gestorben- Leisten Beileid wir Mathias, Brüder von der Schänke, Brechen Gläser wir und Flaschen, da er ist geiiorben, , Suchen aber in den Taschen, ob er etwas nicht hat übrig, Um zu zahlen unsere Zech» ....

Nichts ist bezeichnender als dieser Gegensatz. Das Trink­lied des Ruthenen ist wahrhaft tragisch, das des Polen voll

französische Artilleriehauptmann Picard im Elsaß weilt, um für seine Regierung archivalischen Studien auf den Schlacht­feldern von Weißenburg, Wörth, Saarbrücken rc. obzuliegen. Wie verlautet, sollen im französischen Generalstabswerke einige Details, die Einnahme von Weißenburg betreffend, anders dargestellt werden als bisher. Es soll sich namentlich um den Kampf auf dem Krautmarkie und am Hagenauer Thor handeln, sowie auch um den Weg, den die französische Truppe nahm, um während der Schlacht aus der Stadt Weißenburg, deren Thore bereits deutscherseits besetzt waren, entkommen zu können. Don Weißenburg aus besuchte Herr Picard das Schlachtfeld von Wörth, wo er mit einem deutschen Stabsoffizier, der mit der Revision des deutschen Generalstabswerkes betraut ist, zu- sammentraf. Die beiden Herren verkehrten miteinander aufs Herzlichste.

Von König Georg berichten dieDresd. Neuest. Nachr." als gut verbürgt aus den ersten Tagen seiner Regierung: Seine Räthe legten ihm einige Erlasse zur Vollziehung vor, die er abzuändern für nöthig hielt. Dies wurde aber für unmöglich erklärt, weil die Erlasse schon ins Land gegangen, ja sogar bei den amtlichen Blättern schon im Druck seien. Mit ernster Mißbilligung machte der König die Herren auf das Unstatthafte ihres Verfahrens aufmerksam und erklärte ein für alle Mal, er wolle nie und nimmer als bloßerJa­sager" seinen Namen unter die Elaborate seiner Räthe setzen, sondern er wolle selbst die Entscheidung in allen wich­tigeren Fragen treffen.

Der König von England besichtigte gestern Nach­mittag in Gegenwart der Königin, einer Anzahl fürstlicher Besucher, der indischen Fürsten und anderer Vertreter die indischen Truppen in den Anlagen des Buckingham-Palastes. Die vielfarbenen Uniformen und der prächtige Aufzug der indischen Fürsten boten ein glänzendes Bild.

Hue aller Melt.

Eugen Richter als Hotelpatron. Aus dem Berner Oberlande wird geschrieben: Der Abgeordnete Richter machte in den letzten Wochen mit seiner Gattin eine Schweizerreise. Ganz besonders gut gefiel es ihm in einem hoch über dem Thuner See belegenen Kurort, wo das Ehepaar mehrere Wochen verweilte. In dem Hotel, in welchemEugen Richter, Schriftsteller und Reichstagsmitglied mit Gemahlin" so steht im Fremdenbuch zu lesen Aufenthalt genommen hatte, war der gefürchtete Parlamentarier" nicht wieder zu erkennen. Sei es, daß er sich im Ehestand rasch an dasJasagen" ge­wöhnt hat, kurzum, er nahm beim Mittsgbrod und beim Abend­essen alleVorlagen" glatt an, machte keinerlei Abstriche an dem ihm vom Wirthe vorgelegten Budget und stellte nirgends Abänderungsanträge. Nun hatte das Hotel, in welchem der sonst so strenge Kritikeralles bewilligte", vor einigen Jahren seinen Stern im Bädeker verloren, weil es in andere Hände übergegangen war. Selbstverständlich lag dem neuen Wirth sehr viel daran, den Stern wieder zu bekommen, aber alle Be­mühungen waren bisher vergeblich gewesen. Da wandten sich nun Wirth und Gäste an den Abgeordneten Richter mit der Bitte, für eine an Bädeker zu richtendePetition" dasRefe­rat zu übernehmen." Eugen, der dasNeinsagen" offenbar ganz verlernt hatte, sagteJa", und schon nach wenigen Tagen erhielt er von Bädeker den Bescheid, daß seinem Wun­sche Folge gegeben sei, und daß das betreffende Hotel,im nächsten Jahre seinen Stern wieder bekommen werde. Nicht wenig stolz ist nun aber der Wirth;die vier Reichskanzler, denen er immer alles abgelehnt" so sagt der Brave müssen es falsch angefangen haben. Bei mir hielt er keine langen Reden, höchstens einmal ein paar persönliche Be­merkungen und von Obstruktion war nie eine Spur."

Verlust der schwedischen Reichsbank. Die schwedische Reichsbank hat, wie aus Stockholm depeschirt wird, drei von der Staatskasse ausgestellte Schecks von 3000, 5000 und 9000 Kronen, welche auf 30 000, 50 000 und 90 000 Kronen gefälscht waren, ausbezahlt und hierdurch einen empfindlichen Verlust erlitten. Die Untersuchung ist im Gange.

von Humor. Die Dichtung des Ruthenen ist überall voll von Schwermuth, die der Polen erfüllt von heiterer Lebens- anschauung. Witz ist die Triebfeder der polnischen Dichtung, heißes Herzensgefühl die der ruthenischen. Aus den ruthe- nischen Volksliedern tönt ein tiefes Leid, das Leiden eines durch Jahrhunderte geknechteten Volkes, aus der polnischen Dichtung tönt etwas wie der Uebermuth und das kecke Selbst­bewußtsein des Siegers.

Es ist noch nicht lange her, daß dies unterdrückte Volk sich wieder auf sich selbst zu besinnen anfing. Seit jenem furchtbaren Ausbruche der Volksleidenschaften, der im Jahre 1846 sich Luft machte, beginnt das allmähliche Aufwachen des Ruthenenthums. Es wurden nationale ruthenische Vereine gebildet, wie z. B. die Rußkaja Rada; es wurden Lehrstühle für ruthenische Litteratur begründet, ruthenische Zeitungen ins Leben gerufen. Eine rührige und begabte ruthenische In­telligenz bildete sich; eine gebildete und geschickte Klasse von ruthenischen Beamten, Schriftstellern, Geistlichen. Der Geist­liche ist der geborene Führer der ruthenischen Bewegung. Bei ihm vereinigt sich das nationale mit dem kirchlichen Interesse, und da sich der geistliche Stand bei den Ruthenen in erster Linie immer wieder aus sich selbst rekrutirt, so ist die nationale Tradition in dem ruthenischen Klerus außerordentlich stark. Auch in der jungruthenischen Litteratur, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden ist, findet der Haß gegen das Polenthum leidenschaftlichen Ausdruck. Der größte der ruthenischen Dichter ist Taras Szewczenko, der noch als Leibeigener geboren wurde und in seinen Kindes- und Jünglings- Jahren dasselbe materielle und geistige Elend durchzumachen hatte, wie alle seine Landsleute. Aus seinen Gedichten, wie z. B.Tarasnacht" undDie Haidamaken", spricht ein fana­tischer Haß gegen den polnischen Adel; und gerade mit diesen Tönen hat Szewczenko die ruthenische Volksseele getroffen; im Jahre 1861 wurde ihm am Dnieper-Ufer unter nationalen ruthenischen Demonstrationen ein Grabhügel aufgeschüttet. Eine rührige Agitation bemüht sich, die Ruthenen mehr und

Schneefälle. In der Obersteiermark finden seit Mon­tag starke Schneefälle statt. Zirbitzkogel, Kreiskozel bei Zelt­weg Hnb tief herab mit Neuschnee bedeckt.

Lustmord. Eine grauenhafte Unthat ist Mittwoch Nachmittag in der Jungfernheide, ist der Nähe vom Plötzensee, entdeckt worden. Dort wurde in einer Schonung versteckt die Leiche eines kleinen Mädchens aufgefunden, an welchem ein Lustmord verübt worden ist. Die näheren Nachforschungen ergaben, daß es sich um die neun Jahre alte Tochter der Bake'schen Eheleute aus Charlottenburg handelt. Das Kind wurde seit Dienstag Abend vermißt. Der Thäter ist unbekannt.

Todtschlag aus Eifersucht. In Rahnenberg (West­preußen) erstach der Jnstmannsfohn Wilhelm Rautenberg den Arbeitersohn Wischnewski aus Riesenburg aus Eifersucht über ein Liebesverhältniß, welches Ersterer mit einer Rübenarbeiterin unterhielt. Der achtzehnjährige Mordbube gestand ohne Reue die That ein und wurde verhaktet.

Selbstmord eines 86jährigen Greises. Ein aufregender Vorfall spielte sich am Sonntag in Mainz in dem Hause eines Bankiers ab. Zum Entsetzen der Passanten stürzte sich der im- Hause wohnende 80jährige Privatmann Joh. Bapt. Bopp vom Dach herab auf die Straße und blieb mit zerschmettertem Schädel todt liegen. Der alte Mann, der in guten Verhältnissen lebte, muß die That in einem Anfall von Geistesstörung verübt haben.

Unfall mit tödtlichem Ausgange. Die Frau des Siellenbesitzers Gouwald in der sog. Buschkäthe bei Hirschberg wollte ein Fohlen aus dem Stall auf die Straße bringen und verwickelte sich hierbei mit der Hand in die Kette. Das Fohlen ging durch, und die Frau wurde eine große Strecke weit fortgeschleift; hierbei erlitt sie so schwere Verletzungen, daß sie kurz darauf starb.

Eisenbahnunfall. Wie dasRathenower Kreisblatt" meldet, fuhr gestern Abend auf der Eisenbahnstation Groß- Wudicke ein Güterzug so heftig gegen den Prellbock, daß die Wagen in einander geschoben und beide Geleise gesperrt wurden. Auf den Trümmerhaufen fuhr gleich darauf ein Personenzug auf und entgleiste. Personen wurden nicht verletzt; der Sachschaden ist aber nicht unerheblich.

Typhuserkrankungen in Gera. In der Stadt G e r a sind in den letzten Tagen schwere Typhuserkrankungen ausgetreten. Die Zahl der Typhuserkrankungen ist in der Zunahme beoriffen. Die behördliche Untersuchung ist eingeleitet.

Hinrichtung in Banjalttka (Bosnien). Joo Jlic genannt Marie, hatte auf Anstiften seiner Geliebten Pezie den Mohammedaner Ali Kaledar für 32 Kronen angeworben, um den Mann der Pezie zu erschießen. Pezie wurde vom ge­worbenen Mörder nur verwundet. Marie tödtete ihn aber ganz und zerstückelte den Leichnam. Drei Mitschuldige wurden zum Tode verurtheilt, die Frau zu lebenslänglicher Kerkerstrafe. Am 9. August wurde Marie im Gefängnisse von Banjaluka durch den Serajewoer Scharfrichter gehenkt, nachdem das tele­graphische Gnadengesuch einzelner Bürger wirkungslos geblieben war. Der Delinquent war vollkommen gebrochen.

Das Automobil, das den Verkehr zu Lande in oft unliebsamer Weise beeinflußt?" beginnt jetzt, so wird aus Eisenach geschrieben, auch zu Wasser friedlichen Menschen ge­fährlich zu werden, wie folgender Fall beweist.. Als gestern Nachmittag ein Automobil die Chaussee von Stockhausen nach Eiienach in schneller Fahrt passirte, nahm der Fahrer, an der Brücke bei der Nessemühle angelangt, die Kurve allzuschneidig und steuerte sein Gefährt durch das dem vehementen Anprall nachgebende eiserne Geländer hindurch in das Bette der Nisse, wo es ruhsam liegen blieb. Ein Insasse blieb im Gebüsch hängen, der andere fiel ins Wasser, beide kamen glücklicherweise mit leichten Verletzungen davon. Einige Fischer, die 2 Minuten vorher an der Stelle des Unfalls gefischt halten, dankten dem Schöpfer, daß ihnen das Vehikel nicht auf den Kopf gefallen war.

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mehr zum Bewußtsein ihres Volksthums zu bringen und den Gegensatz gegen die Polen zu schüren. Seit dem Jahre 1848 sind die ruthenischen Bauern frei; aber ihre Freiheit ist in vieler Hinsicht nur eine Scheinfreiheit. Noch heute werden sie vom Herrn geknechtet und auf das willkürlichste behandelt, werden sie vom Juden ausgebeutet. Träge, langsam, bedürf- nißlos und stumpfsinnig lebt der Ruthene vor sich hin, bis die fanatischen Gesänge seiner Dichter, bis die leidenschaft­lichen Reden seiner intelligenteren Landsleute seine Seele in Brand gesetzt haben. Dann flammt der Aufstand oder Aus- stand auf, und der innige Zusammenhang aller Mitglieder dieses Stammes tritt in der allgemeinen Ausdehnung der Be­wegung zu Tage. Dann fällt plötzlich ein grelles Licht auf diesen dunkelsten Winkel Europas. Aber ihn dauernd zu er­hellen und ihm die Segnungen der Kultur zugänglich zu machen, das ist eine Augias-Arbeit, auf deren Vollendung man, wie die Sachen liegen, heute um so weniger rechnen darf, als das Polenthum sich mit allen Mitteln der Emanzi­pation des ruthenischen Stammes in den Weg stellt.

Kunst und Leben.

Lenaus 100* Geburtstag. In Heidelberg wurde gestern an dem Hause Nr. 146 der Hauptstraße in dem Lenau vom November 1831 bis März 4832 wohnte, um seine in Wien begonnenen medizinischen Studien zu Ende zu führen, eine Gedenktafel angebracht. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: Für Erinnerung an Nikolaus Lenau, der in diesem Hause 1831/1832 wohnte, errichtet an seinem hundertsten Geburts­tage, den 13. August 1902, von der Stadt Heidelberg." In diesem Hause, dem ehemaligenKönig von Portugal", be­wohnte Lenau ein finsteres Hofzimmer. Zahlreiche Poesien sind die Frucht von Lenaus Heidelberger Aufenthalt. So vor Allem dieSchilflieder", dieWinternacht", dieWurmlinger Ka- pelle u. das oft gesungene LiedUnsere Gläser klingen hell", zu dem oer Dichter in einem Kreise von Studenten die Anregung erhielt.