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14. August

Bus aller Melt.

Die Rückkehr eines Begnadigten. PariS, 12. August. Heute wird in Paris jener Apotheker Danval erwartet, der vor fünfund,wanzig Jahren als der Vergiftung seiner Frau schuldig zum Tode verurteilt und zu lebensläng­licher Zwangsarbeit begnadigt wurde. Er führte sich in Neu- Kaledonien so gut auf/ daß er in einer Apotheke als Gehilfe thätig sein durfte und schon nach sechs Jahren als freier Sträfling eine Konzession erhielt, die er selbst bebaute. Letztes Jahre machte ein Pariser Publizist, Jean Thurr, auf einer Rundfahrt durch Neu-Kaledonien die Bekanntschaft Danvals und ließ sich von ihm seine Schicksale und die Leiden eines Unschuldigen erzählen. Nach Paris zurückgekehrt, leitete Thurr einen Preßfeldzug zu Gunsten des Apothekers ein, der mit dem besten Erfolge gekrönt wurde, denn der Präsident der Republik begnadigte ihn. Für den Heimkehrenden, den die Frau, die er in Numea heirathete, und seine drei Kinder be­gleiten, hat das Syndikat der Pariser Apotheker eine Apotheke gekauft, die ihm als Geschenk übergeben werden soll. Alle seine Gedanken sind nun darauf gerichtet, binnen kürzester Frist die Rebabilitirung zn erlangen.

EineGespenstergeschichte" beschäftigte gestern das Brauns.chweiger Landgericht. DieMagdeb. Zig." be­richtet darüber: Im Jahre 1900 glaubte der Ackermann Berner in Opp.erHausen bei Kretensen wiederholt nächt­liche Gespenstererscheinungen zu sehen. Er kam schließlich zu der Ueberzeugung, daß sein verstorbener Vaterumgehe." Als er seiner Umgebung von den beunruhigenden Erscheinungen Mittheilung machte, wurde er in seinem Aberglauben noch be­stärkt. Namentlich die damalige Dienstmagd Wiegand und der Knecht Bürßing, die sich inzwischen geheirathet haben, suchten ihm eine glaubhafte Erklärung für die nächtlichen Geister­erscheinungen zu geben, indem sie ihm vorredeten, der ver­storbene Vater Werners habe in seinen Jugendjahren etwas begangen und die Folgen auf einen Unschuldigen abgewälzt; infolgedessen könne er jetzt keine Ruhe im Grabe finden. Wenn Berner, so meinten Beide übereinstimmend, eine Summe Geldes opfere, dann werde sein Vater im Grabe Ruhe finden und er selbst hinfort unbehelligt bleiben. So wurde die Phantasie des geplagten Mannes immer mehr erhitzt, und die Gespenster­erscheinungen nahmen immer abenteuerlichere Formen an. That­sächlich muß dem Spuk etwas nachgeholfen worden sein, denn auch ganz unbefangene Personen hörten, wenn sie in Werners Kammer übernachteten, zischende oder klopfende Geräusche, klagende Töne und leise Kommandoworte. Schließlich machte sich ein Schwager an die Beschwörung desSpuks", die zur Geisterstunde unter allerlei seltsamen Zeremonien vorgenommen wurde und auch den Erfolg hatte, daß Werner etwa ein Jahr lang Ruhe hatte. Dann aber lebte die Spukgeschichte von Neuem auf. In einemim Namen der Dreieinigkeit" geschriebenen Brief an Werner wurde ausgeführt, daß dessen Vater wegen seines ebengenannten Vergehens in der Hölle schmachte, daß er aber durch ein von seinem Sohn zu zahlendes Lösegeld von etwa 6000 Mark aus ihr befreit werden könne. Das Geld solle Werner an eine Wittwe zahlen, die ihm den Gruß eines unbekannten Mannes übermitteln werde. Eines Tages erschien die so angekündigte Botin aus dem Jenseits auch wirklich in der Person der Wittwe Heine aus Wolfshagen, die nach Ab­wicklung einiger geschäftlicher Angelegenheiten denGruß des Unbekannten" überbrachte. Jetzt begann nun doch der Glaube Werners zu wanken. Er veranlaßte die Verhaftung der Ge- sandun der Hölle. Durch eine bei der Heine vorgenommenen Haussuchung wurden Briefe von deren Sohn, der zur Zeit in Straßburg seiner Militärpflicht genügte, vorgefunden. Die Schriftoergleichung ergab große Ähnlichkeit mit der Schrift desBriefes aus dem Jenseits." Die Folge davon war eine Anklage wegen Erpressungsversuchs gegen die Wittwe Heine und deren Sohn, über die heute die zweite Ferienkammer ver­handelte. Beide Angeklagten leugneten ihre Schuld, obwohl Heine jun. in einem Briefe an seinen Vertheidiger zugestanden hat, den Brief im Austrage eines gewissen Wiegand geschrieben zu haben. Die Gutachten der Schreibsachverttändigen gehen dahin, daß Heine jun. unbedingt der Schreiber des Briefes sein müsse. Der Staatsanwalt beantragte gegen Frau Heine zwei Jahre, gegen Heine jun. 1 Jahr Gefängniß. Das Urthei' lautete gegen Frau Heine auf 1 Jahr und gegen ihren Sohn auf 8 Monate Gefängniß.

Schmachvolles Ende. Don Stufe zu Stufe ge­sunken ut der am Freilag bei Marienburg ertrunken aufge­fundene 73jährige Kuhhirt Lange. Er hat einst Bessere Tage gesehen. Er war früher Gutsbesitzer und Amtsvorsteher im Regierungsbezirk Königsberg. Durch seinen bodenlosen Leicht­sinn und durch Kartenspiel um hohe Geldbeträge hat er sein

Donnerstag

ganzes Grundstück und sein sonstiges Vermögen verloren. Nach Königsberg ist er früher stets in einem Wagen mit vier Pferden gefahren. Zuletzt war er bei einem Besitzer in Schroop als Kubbirt thätig.

Wohin aeräth das Gold? Ein französischer Ge­lehrter, der sich seit längerer Zeit mit der Lösung der Frage beschäftigt, wohin die Edelmetalle der Erde gerathen, hat aus Grund einer statistischen Berechnung herausgefunden, daß die amerikanischen Zahnärzte zum Plombiren der notorisch schlech­ten Zähne ihrer Mitbürger allein jährlich gegen 800 Kilo­gramm Gold verbrauchen. Dieses Gewicht repräsentirt einen Geldwerth von zweieinhalb Millionen Francs, der beim Ab­leben seiner Inhaber zumeist mit in das Grab genommen wird. Wenn das nun, so rechnet der französische Statistiker, in dieser Weise noch drei Jahrhunderte fortgeht, so liegt auf den Kirchhöfen Nordamerikas die respektable Summe von 750 Millionen Francs in Gold, d. h. annähernd dieselbe Summe, die gegenwärtig in Gold geprägt in den Vereinigten Staaten zirkulirt.

Muster-Register.

(Eintragungen beim Königl. Amtsgericht zu Hanau, Abth. 5.)

Nr. 1163. Firma Otto Bern ges in Hanau, 10 Muster, verschlossen, plastische Erzeugnisse, Fabriknummern 2111, 2112, 2113, 2114, 2115, 2119, 2120, 2121, 2122, 2223, Schutzfrist 3 Jahre, angemeldet am 3. Juli 1902, vormittags 11 Uhr.

Nr. 1164. Firma Heinr. u. Aug. Brüning in Hanau, 50 Muster, verschlossen, Flächenmuster, Fabriknummern 11565, 11566, 11569, 11591, 11592, 11593, 11594,

11612, 11613, 11614, 11626, 11640, 11641, 11642,

11650, 11651, 11652, 11653, 11656, 11657, 11658,

11659, 11661, 11662, 11663, 11664, 11666, 11667,

11668, 11669, 11671, 11672, 11673, 11674, 11691,

11692, 11693, 11694, 11899, 11700, 11701, 11702,

11705, 11706, 11710, 11720, 11725, 11730, 11746, 11752, Schutzfrist 3 Jahre, angemeldet am 18. Juli 1902, vormittags 11 ^ Uhr.

Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel.

Großauheim und Großkrotzenburg. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in den Gemarkungen von Großauheim und Großkrotzenburg belegenen, im Grundbuche von Großauheim und Großkrotzenburg zur Zeit der Ein­tragung des Dersteigerungsvermerkes auf den Namen des Bäckers Theodor Hain (Adam's Sohn) und dessen Ehefrau, Pauline, geb. Herbert, zu Großauheim eingetragenen Grundstücke, am 3. Oktober 1902, nachmittags 2 Vs Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Hanau, Abth. II Marktplatz 18, Zimmer Nr. 14 in Großauheim im Gast­hauszum Engel" versteigert werden.

Drahtnachrichten.

Lenaus 100, Geburtstag.

Pest, 13. Aug. Unter Betheiligung der deutschen und ungarischen Bewohner des Ortes Esatad nebst Umgebung und in Anwesenheit des Staatssekretärs Gulner als Ver­treter der Regierung, sowie zahlreicher Abgeordneter und De­putationen der Akademie der Wissenschaften und verschiedener litterarischer Gesellschaften des Landes fand heute die Grund­steinlegung eines Denkmals für Nikolaus Lenau statt. In der Festsitzung der Gemeinde dankte der Ortsnotar der Regierung für die moralische und materielle Unterstützung, welche sie den patriotischen Bewohnern trotz Verdächtigungen habe angedeihen lassen. Staatssekretär Gulner antwortete, er sehe mit Freuden, daß begeisterte wahre Männer und wirk­liche Patrioten ihren großen Sohn feiern, der immer an der vaterländischen Scholle gehangen habe. Die Festrede hielt der Schriftsteller Franz H e r c z e g. Redner hob den kulturellen Ein­fluß der deutschen Nation auf die ungarische hervor und betonte, die ungarische Nation betrachte den deutschen Klassiker Lenau, den sie der deutschen Nation geschenkt habe, mit Stolz, und wünsche, daß das Andenken an Lenau der Regenbogen der Eintracht für die idealen Bestrebungen der beiden Stämme werden möge. Die schwäbische Kolonie, der Lenau entstammte, sei verschwunden, es gebe keine Kolonien mehr in Ungarn; dieselben hätten sich ein ewiges Recht auf den ungarischen Namen errungen. Als Symbol hierfür solle sich das Denkmal Lenaus erheben auf ungarischem Boden, von einem ungarischen Künstler geschaffen. Der Richter an der königlichen Tafel, v. Stein, hielt

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hierauf eine deutsche Ansprache. Alsdann wurde der Grund« stein zu dem Denkmal Lenaus gelegt, worauf die Versammlung vor das Geburtshaus des DichteW zog, wo die dort angebrachte Gedenktafel bekränzt wurde. Hieran schloß sich ein Festdiner, dem ein Volksfest folgte.

Der Kulturkampf in Frankreich.

Lesneven, 13. August. In Lefolgotzt, St. Msen und Plondaniel erwartet man ein Bataillon Kolonialtruppen und sechs Gendarmerieposten. In Lofolgoöt errichten Arbeiter hinter der Eingangsthür zur Hauptschule eine Mauer.

Brest, 13. August. Während der Schließung der Schulen in Morlaix und Gonezec wurden der da­mit beauftragte Kommissar und zwei Gendarmen von der die Schulen umgebenden Menge durch Steinwürfe verletzt.

Lyon, 14. August. Der Präfekt erhob sofort, nach­dem er von dem Beschlusse des AppellationshofeS, welcher die Anlegung von Siegeln an die Schulen der Schwestern von Saint Charles für ungesetzlich erklärt hat, Kenntniß er­hielt, den Einwand der Unzuständigkeit. Die Siegel ver­bleiben^ jetzt an der Stelle, bis der Kompetenzgerichtshof end- giltig über die Angelegenheit entschieden hat.

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Berlin, 13. August. Die Kaiserin ist von ihrer Unpäßlichkeit wieder hergestellt. Das Interesse des Kaisers für die Provinz Westpreußen erhellt, wie diePost" berichtet, aus der Thatsache, daß der Monarch beabsichtigt, daselbst einen neuen Landbesitz zu erwerben. Es handelt sich, dem Ver­nehmen nach, um die Villa Litten, welche in Bad Kahlberg bei Elbing gelegen ist, wobin die Kaiserliche Familie von Cadinen aus wiederholt Ausflüge unternommen hat. Die Villa ist im Genre eines Jagdschlößchens erbaut und soll der Kaiserin und ihren Kindern zum Sommeraufenthalt dienen. Des Ferneren wird berichtet, daß in dem Prinzwalde bei Tharden, unweit Liebemühl, ein Jagdrevier für den Kronprinzen ein­gerichtet werden wird. Der Landwirthschaftsminister von Pod- bielski besichtigte dieser Tage in höherem Auftrage das frag­liche Forstgelände.

Berlin, 14. August. DieVoss. Zig." meldet: Das Polizei-Präsidium setzte eintausend Mark Belohnung für Ermittelung des Mörders der am 13. August nachmittags in der Jungfernhaide bei Berlin ermordet aufgefundenen neunjährigen Elisabeth Baake aus Charlottenburg aus. DemBerl. Tagebl." zufolge liefen über das Befinden Pro­fessor Virchow's besorgnißerregende Nachrichten ein.

Posen, 14. August. Das Aktienkapital der polnischen Ansiedelungs-Bank, die den Germanisationsbestrebungen ent­gegen arbeitet, soll auf 15 Millionen, nicht auf 10 Millionen Mark erhöht werden. Man hofft, namentlich im Weichsel­gebiet einen großen Betrag der Aktien unterzubringen.

Hannover, 14. August. Rudolph von Bennigsen soll ein Denkmal erhalten. Die bei seinem Begräbniß anwesenden Mitglieder der nationalliberalen Partei haben die nöthigen Schritte eingeleitet. Größere Beträge find bereits gezeichnet.

Hamburg, 14. August. Hier sind zwei Normanen- Agenren verhaftet worden. Die Leute waren bereits aus Preußen ausgewiesen.

Madrid, 14. August. Bei dem 14. internationalen medizinischen Kongreß, der vom 23.30. April 1903 hier stattfindet, wird Rudolph Virchow den Vorsitz führen.

Reims, 14. August. Der frühere Gouverneur von Lyon, General Berge, ist gestorben.

Saniander, 14. August. Der König ist heute Vor­mittag hier eingeiroffen und von der Bevölkerung mit lebhaften Kundgebungen empfangen worden.

Bilbao, 14. August. Das deutsche SchulschiffChar­lotte" ist hier eingetroffen.

Schiffsberichte.

Hamburg, 11. August. Der DampferSyria" von der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in St. Thomas und der DampferJl Piemonte" vorgestern in Galveston einge­troffen.

Bremen, 13. August. Der Dampfer des Norddeutschen LloydHohenzollern" ist gestern in New-Dork eingetroffen.

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Nr. 177 980. Halbschuh jeglicher Art mit Kappenver- längerung. H. Giebe Nachf. in Caffel, vom 14. Mai 1902 ab. - G. 9703. Kl. 71a.

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eine silberne Uhr, Tulakette mit Georgsthaler u. silb. Bleistift.

Abzugeben gegen Belohnung Wilhelms- stratze 13a i I. 13941

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Sabbathausgang 8 Uhr 35 Min.

Wochengottesdienst von Sonntag den 17. August an, morgens 6 Uhr, nachmittags 7 Uhr.

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