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Hanauer G Anzeiger

Bezugspreis:

Lierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Echruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

AMIiches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Eiurückungsgebnhr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

-^r. 188. Ferns-rechanschluß Nr. 605»

Donnerstag den 14. August. gmfrreww fe eos. 1902

Amtliches.

Stadtkreis Danau*

Bekanntmachung.

Der Goldarbeiter Karl Wilhelm Doll, geb. am 2. Dezember 1867 in Pforzheim, und dessen Ehefrau Elisa­beth Doll geb. Krämer, geboren am 27. Dezember 1875 in Hanau, haben sich aus hiesiger Stadt, unter Zurücklassung ihrer Kinder in hilfsbedürftiger Lage, entfernt.

Es wird ersucht, nach den beiden Genannten zu fahnden und mir im Betretungsfalle Mittheilung zu machen.

Hanau den 12. August 1902.

Königliche Polizei-Direktion.

? 7976 I. V.: Valentin er, Reg.-Assesfor._____

Bekanntmachung.

Das Proviantamt kauft Roggen und Hafer «euer Ernte von guter magazinmäßiger Beschaffenheit. 13930 ______Königliches Proviantamt Hanan.______

Stadtkreis Danau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Nachdem die Abänderung des Fluchtlinienplanes für Straße Nr. 16 einschließlich der Ecke der Waldstraße und Ecke Leipzigerstraße auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1875 förmlich festgestellt ist, liegt derselbe von jetzt an im Stadt­bauamt, Langstraße 41, Zimmer gleicher Erde links, zu Jeder­manns Einsicht offen.

Hanau den 11. August 1902.

Der Magistrat.

J. A.: Schmidt. 13929

Grnndstücksverkanf.

Die domänenfiskalischen Ackerparzellen Kartenblatt V Nr. 152 und 153an der Warte" der Gemarkung Bergen von zusammen 0,1122 ha Fläche sollen am Samstag den 16. August, vormittags von 8 Uhr ab, zu Bergen im Rathhaussaal öffentlich meistbietend unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen verkauft werden.

Hanau den 30. Juli 1902.

Reinhardt, Domänen-Rentmeister. 13469

Ortspolizei-Verordnung.

Auf Grund des § 5 der Allerhöchsten Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen und des § 143 des Gesetzes vom 30. Juli 1883 über die allgemeine Landesverwaltung wird unter Zustimmung des Gemeindevorstandes für den Gemeinde­bezirk Bergen-Eukheim Folgendes verordnet:

§ 1. Stacheldraht darf zu Einfriedigungen in unmittel­barer Nähe der dem öffentlichen Verkehr oder der landwirth- schaftlichen Bestellung dienenden Wege und Trifften rc. ohne ortspolizeiliche Erlaubniß nicht verwendet werden.

§ 2. Uebertretung wird mit Geldstrafe bis zu 9 Mark subs. entsprechender Haft bestraft.

§ 3. Diese Verordnung tritt mit der vorschriftsmäßigen Veröffentlichung in Kraft.

Bergen am 24. Juli 1902.

Der Bürgermeister.

13957 Klemann.

Gefundene und verlorene Gegenstände 2t.

Gefunden: 1 goldene Vorstecknadel mit 4 weißen Perlen und einem grünlichen Stein besetzt, 1 wollene Pferde­decke, 1 unechter Trauring gez. E. B. Feb. 1890.

Verloren: Verschiedene Papiere für Jakob Gläßner, 1 schwarze Schürze, 1 silberne Herrenuhr mit Tula-Kette, an- gehättgt 1 Georgsthaler, 1 silberner Bleistift mit Pferdekopf.

Zugelaufen: 1 junger weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, w. Geschl.

Entlaufen: 2 Enten.

Stehen geblieben: 1 rothgescheckte Kuh. Näheres in denDrei Hasen".

Hanau den 14. August 1902.

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 14. August.

* Erledigte Pfarrstelle. Infolge Versetzung ihres seitherigen Inhabers ist diePfarrstelle zu Ransbach. Klasse

Hersfeld, zur Erledigung gekommen. Meldungsgesuche sind durch Vermittelung des zuständigen Superintendenten binnen 4 Wochen an Königl. Konsistorium in Cassel einzureichen.

* Kein Weiterb au der Virsteiner Bahn. Durch eine Reihe von Blättern geht die Mittheilung von einer Kon­ferenz^ in Birstein, in der der Weiterbau der Wächtersbach- Birsteiner Bahn beschlossen sein soll. Wie wir von unter­richteter Seite erfahren, hat eine solche Konferenz weder statt- gefunden noch wird der Weiterbau der Bahn über Birstein hinaus beabsichtigt. Eine Wetterführung der Bahn zum An­schluß an die Linie Grebenhain-Gedern würde nur durch das Salzthal, also über Radmühl möglich sein. Dieser Weiterbau würde aber der Bahn nicht viel mehr Verkehr bringen können, als sie z. Zt. bereits besitzt. Er kann daher nur in Frage kommen, wenn die Kosten desselben von dritten Betheiligten, etwa dem Großherzogthum Hessen, zum größeren Theile über­nommen werden. Daran ist aber wohl nicht zu denken. Die Bahn selbst, welche einen guten Verkehr besitzt und heute sehr gut rentirt, würde durch einen solchen Bau lediglich mit Kosten belastet, ohne daß sie auch nur annähernd in der geringen Verkehrsvermehrung einen Ersatz für dieselben finden könnte. Auf Durchgangsverkehr von Gütern via GrebenhainWächters­bachFrankfurt würde sie bekanntlich nicht zu rechnen haben, selbst wenn sie den ruinösen Versuch machen würde, niedrigere Tarife zu erstellen als die konkurrirende Staatsbahnlinie. Ueberdies ist ein Durchgangsverkehr von Gütern von Staats­bahn zu Staatsbahn über Kleinbahnen z. Zt. überhaupt noch nicht gestattet. Es liegt daher keinerlei Anlaß vor, dem Weiterbau der Birsteiner Bahn näher zu treten.

* Hinsichtlich der Haftpflicht der Lehrer hatte der Magistrat der Stadt Mitten an der Ruhr beim Provin- zialschulkollegium angefragt, ob für den Fall, daß die Stadt­gemeinde die Haftpflicht für Lehrer nicht übernimmt, Schul- ausflüge künftig nicht mehr ausgeführt "zu werden brauchten. Das Provinzialschulkollegium hat darauf erwidert, daß es nicht in der Lage sei, auf diese Frage eine bestimmte Erklärung ab- zugeben, weil laut ministerieller Bestimmung den Schüleraus­flügen sowohl hinsichtlich der führenden Lehrer wie auch der theilnehmenden Schüler der Charakter der Freiwilligkeit unbe­dingt zu wahren sei. Die nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch bestehende Haftpflicht sei indessen kein hinreichender Grund, die bisher üblichen Schülerausflüge gänzlich einzustellen.

* Der Felsbergthurm ist jetzt seines Gerüstes ent­kleidet und macht einen recht imposanten Eindruck. Die Ar­beiten im Innern des Thurmes werden noch den ganzen August und Anfang September in Anspruch nehmen. Die Meldung, daß die feierliche Einweihung des Thurmes in der Zeit zwischen dem 17. und 24. August stattfinden werde, und zwar mit Rücksicht darauf, daß der Kaiser in jenen Tagen in Homburg weile und eine Theilnahme desselben an der Feier möglich sei, ist falsch. Bis zu den Hamburger und Cronberger Feierlichkeiten ist der Thurm überhaupt noch nicht fertig, die Einweihung wird nicht vor Mitte September sein können. Wohl aber darf man annehmen, daß der Kaiser eines schönen Tages von Cronberg oder Homburg aus den monumentalen Aussichtsthurm besuchen wird. Eine Frankfurter Firma hat dem Taunusklub ein kunstvoll gebundenes Fremdenbuch, ein goldenes Buch", für den Thurm geschenkt, in das der Kaiser bei dieser Gelegenheit als Erster seinen Namen eintragen soll. Lieber Erwarten rasch hat der Taunusklub die erforderliche Bausumme von etwas über 60000 Mk. durch die reichlich zu­fließenden Beiträge aus Privatkreisen zusammengebracht.

* Ein strenger Winter steht zu erwarten, soforn sich eine alte Bauernregel bewahrheitet, die besagt, daß ein strenger Winter zu erwarten ist, wenn die Zugvögel frühzeitig nach dem Süden ziehen. Die ist thatsächlich in diesem Jahre der Fall. An verschiedenen Orten sind die Thurmschwalben be­reits wieder fortgezogen. Allerdings sind Bauernregeln nicht unfehlbar.

* Einer Sterbekasie gehört Mancher an, ohne es zu wisfen. Eine solche ist nämlich die Invalidenversicherung. so­fern der Versicherte aus dieser Versicherung feine Rente be­zogen hat. Das Letztere wird bei den vielen Millionen Ver­sicherten in den weitaus meisten Fällen der Fall sein, und gerade in diesem Falle haben die Hinterbliebenen des Ver­sicherten das Recht, sich die Beiträge, die der Versicherte selbst gezahlt hat, zurückerstatten zu lassen. Schon jetzt hat die Summe für diejenigen Arbeiter, die seit Anfang der Versicherung Beiträge gezahlt haben, eine anständige Höhe erreicht. Wohl die meisten Arbeiter haben die höchsten Beitragsmarken zu 30 Pfennig geklebt, gleich 15 Pfg. wöchentliche Beitragsleistung. Bis zum Ende dieses Jahres' (1902), nach elfjährigem Be- äehen dieses Gesetzes, macht dies aber schon die Summe von 85.50 Mark aus, vorausgesetzt, daß der Versicherte sich stets in versicherungsfähiger Beschäftigung befunden hat. Wenn nun gar ein Arbeiter vierzig Jahre lang Beiträge in die Kasse

gezahlt hat, und das wird später noch vielfach der Fall sein, so würde der Betrag für die Hinterbliebenen die Summe von 312 Mark ausmachen. Jetzt, wo sogar 36-Pfg.-Marken ge­klebt werden, ist das Verhältniß noch höher. Auf Eins sei aber hierbei es ist nämlich die Hauptsache aufmerksam gemacht. Es werden die Beiträge nicht freiwillig, sondern nur auf Antrag zurückerstattet, und zwar muß der Antrag inner­halb eines Jahres nach dem Ableben des Versicherten gestellt sein. Berechtigt zur Antragstellung sind die Wittwe und noch unter 15 Jahre alte Kinder. Die Ansprüche werden bei der unteren Verwaltungsbehörde geltend gemacht.

* Oratorien-Bereiu. Wie uns vom Vorstand des Oratorienvereins mitgetheilt wird, wurde Herr Ferdinand Küchler, Lehrer am Dr. Hoch'schen Conservatorium zu Frankfurt a. M. und Mitglied des bekannten Professor Heer- mann'schen Streichquartetts, zum Dirigenten des Ora­torienvereins gewählt. Herr Küchler war in einem Concerte der letzteren Jahren solistisch erfolgreich thätig und dürfte deshalb bei den Concertbesuchern noch in angenehmer Erinnerung stehen. Die Proben des Vereins werden vor­aussichtlich Ende August ihren Anfang nehmen, in welcher Zeit auch das diesjährige Concertprogramm zur Veröffentlichung kommen wird.

s§] Sommerfestschietzett des Schützenvereins. Gestern hat, wie wir erwähnten, das Preisschießen bereits seinen Anfang genommen. Die Feier, welche am Samstag ihren weiteren Fortgang nimmt, verspricht einen äußerst solennen Verlauf zu nehmen, da u. a. bereits an diesem Tage der GesangvereinSumser" mit mehreren Chören die Theil- nehmer erfreuen wird und außerdem für Belustigungen und Ueberraschungen verschiedenster Art das Fest-Comits in aus­giebigster Weise gesorgt hat. Am Montag wird neben einem reichhaltigen Programm, bestehend in Concert, Volksfest u. s. w., ein Brillant-Feuerwerk von Herrn Pyrotechniker Fr. M e n g e r zur Ausführung gebracht werden. Die Restauration auf dem Festplatze ist dem bewährten Restaurateur Fritz Schüßler (Stadt Bremen) übertragen worden und so ist auch für die Magenfrage in bester Weise gesorgt.

* Sportsfest. Das am Sonntag den 10. August von 11 Uhr ab stattgefundene Vereins-Sportfest desHanauer Fußballklubs Viktoria 1894" nahm folgenden Verlauf: Laufen, 100 Meter, Junior: 1. H. Berthold 142/ö Sek., 2. H. Hartwig 16 Sek. Freiweitsprung: 1. H. Heck 5,55 Mtr., 2. H. Ullrich 5,10 Mir. Hauptlaufen über 1500 Meter: 1. J. Daßbach 5 Min. 16 Sek., 2. Ernst Hoffmann 5 Min. 29 Sek. 400-Meterlaufen: 1. J. Kaufhold" 1 Min. 7 Sek., 2. Fr. Kühm 1 Min. 9 Sek., 3. Lampert Schwenzer 1 Min. 10 Sek. 100 Meter-Klubmeisterschaft: 1. H. Heck 12 Sekunden. 200 Meter-Trostlaufen: 1. Jean Kürst 29 Sekunden. Beim Tauziehen standen sich die 1. und 2. Mannschaft gegenüber. Die 1. Mannschaft bestand aus folgenden Mitgliedern: Eduard Schreiber, Guttbell, H. Daßbach, H. Heck, H. Walter; die 2. Mannschaft aus den Mitgliedern: Hugo Braun, G. Schleucher, L. Hoffmann, Fritz Schwucho, Karl Hillenbrand; die Letztere siegte. Am Nachmittag fand Ausflug (8. Stiftungsfest) nach Klein-Stein- heim in denHanauer Hof" statt, wobei es an Unterhaltung nicht fehlte. Der GesangvereinMelomania" brächte einige schöne Lieder zum Vortrag, welche allgemeinen Beifall fanden.

* Mainzer Radrennverein. Ein glänzend besetztes Feld wird kommenden Freitag und Sonntag die internationalen Radrennen um das goldene Rad von Mainz (Gesammtpreise Mk. 3000) auf dem Mainzer Sportplatz bestreiten. Haben doch die bedeutendsten Größen des internationalen Radrenn- sportes gemeldet, so u. a. Grogna-Lüttich, Momo-Mailand, Buisson - Paris, Van den Born-Antwerpen, Ferrari-Rom, Swenson-Stockholm, Dörflinger-Basel, Kudelr-Prag, Nöhrig- Wieu, Meyer, Bettinger-Ludwigshafen. Möder, Gräf-Frank- furt, Krüger-Lübeck, Heering, Althoff, Conrad-Hannover, Herty- Steinheim. Die Herrenfahrer-Konkurrenzen weisen ebenfalls unsere besten Fahrer auf, wie Struth, Drescher, Kellner, Lurz, Schweinsberg u. s. w. Freitag (Marin Himmelfahrt) finden die 7 Vor- und 2 Hoffnungsläufe zum goldenen Rad, sowie ein 30000 Meter Dauerfahren mit Motorschrittmachern statt. Am Sonntag (dem Hauptlag) sind die Zwischen- sowie der Endlauf, ferner ein Tandemhauptfahren und Prämienfahren für Berufsfahrer, sowie 4 Herrenfahrerrennen. Bei dem End­lauf des goldenen Rades gelangt ein vergoldetes Fahrrad (Luxusrad, gestiftet von der Firma Adam Opel Rüsselsheim) nach folgendem Modus zur Verloolung. Es gelangen ca. 2000 numerirte Programme zur Ausgabe; bei dem Endlauf des goldenen Rades zieht jeder Fahrer aus einer Urne, in der sich die gleiche Anzahl Nummern wie die ausgegebene An­zahl Programme befinden, eine Nummer und ist derjenige Zu­schauer glücklicher Gewinner des vergoldeten Rades, dessen Programmnummer mit der gezogenen Nummer des Siegers