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Mittwoch
13. August
Kommission auf den 22. September und überläßt den Fraktionen die Bildung einer Siebener-Subkommisston, die am 18. September zur Vorbesprechung der zweiten Lesung zusammentreten soll. Der Vorsitzende wünscht vergnügte Ferien. Abg. Hahn dankt dem Vorsitzenden Rettich. Damit ist die erste Lesung erledigt.
Die französische Regierung wird bei der im nächsten Monat in Köln stattfindenden Generalversammlung der internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz durch die Direktoren im Handelsministerium Chapsal und Fontaine vertreten sein. — Das französische Kriegsministerium erhielt laut einer Pariser Meldung keinerlei Bestätigung des Gerüchtes, nach dem eine Jnfanteriekompagnie in Quimper sich weigerte, eine gegen die Kongregationsschulen angeordnete Maßnahme auszuführen. In Quimper und anderen Orten des Departements Finistöre wurden gestern Nacht neuerdings von unbekannten Thätern von mehreren gesperrten Kongregationsschulen die Siegel abgerissen.
Der König von England nahm gestern in Be- gleitung der Königin eine Parade der Kolonialtruppen vor dem Buckingham-Palast ab. Roberts und Kitchener wohnten gleichfalls der Parade bei, nach der Ordensauszeichnungen vertheilt wurden. Der König überreichte die erste, der Prinz von Wales die übrigen. — Bei der Parade richtete der König an die Kolonialtruppen eine Ansprache, in welcher er seiner großen Genugthuung über den Patriotismus derselben und die Art und Weise Ausdruck gab, wie dieselben sich in Südafrika hervorgethan haben. Der König fügte hinzu, er werde niemals vergessen, welche Dienste die Truppen dem Mutterlande erwiesen haben. Hierdurch würden die entlegenen Kolonien mehr denn je auf das Engste mit den anderen Theilen des großen Reiches verbunden werden.
Englische Kolonialkonferenz. Reuters Bureau erfährt: Die Ergebnisse der Kolonialkonferenz waren sehr be« friedigend. Die Konferenz nahm eine Resolution an betreffend die Erhöhung der Leistungen der Kolonien für die Reichsmarine. Danach werden die Zuschüsse der Kapkolonie und Natals erhöht. Kanada erklärt sich bereit, sich zu be- theiligen. Ferner wurde eine Resolution angenommen. Danach sollen die Kolonien dem Beispiele Kanadas folgen, indem sie Waaren englischer Herkunft möglichst bevorzugen. Die Resolutionen verpflichten weder die englische Regierung, noch die Regierungen der Kolonien, sie sollen vielmehr den gesetzgebenden Körperschaften der betreffenden Theile des Reiches unterbreitet werden.
Aus Transvaal. Obwohl sich bis jetzt 25 000 Buren ergeben haben, wurden doch nur 18 000 Gewehre ab- geliefert. Man nimmt an, daß die Buren noch etwa 25 000 Gewehre verborgen halten.
In Venezuela scheinen die Dinge nachgerade für ein Eingreifen der deutschen Kriegsschiffe reif geworden zu sein. Die Herrschaft des Präsidenten Castro nähert sich ihrem Ende, doch da er immer noch das Feld zu behaupten versucht, laufen die Fremden Gefahr, bei den nothwendig werdenden letzten Entscheidungskämpfen Schaden an Leib und Leben zu nehmen. Unter diesen Umständen werden die Schiffskomman- danten natürlich die Hände nicht in den Schooß legen. — Aus Washington wird telegraphirt: Auf eine Depesche des amerikanischen Gesandten in Caracas, daß im Falle eines Jn- surgenten-Angriffs auf Puerto Cabello die deutschen Kriegs- schiffe „Falke" und „Gazelle" Truppen landen würden, befahl das Marine-Departement dem Kapitän Nickels, Kommandeur des amerikanischen Kriegsschiffs „Topeka", sich bereit zu halten, um Truppen zum Schutze amerikanischer und ausländischer Interessen zu landen und ein Bombardement ohne gehörige Ankündigung zu verhindern. Die „Topeka" kann 125 Mann mit einem Feldgeschütz landen. Das Kabel von Barcelona wurde nach dem Einzug der Insurgenten durchschnitten. An Berliner zuständiger Stelle ist allerdings von einer beabsichtigten ^Truppenlandung vor Puerto Cabello nichts bekannt, doch läßt sich annehmen, daß die Führer der deutschen Kriegsschiffe ermächtigt sind, in jedem Augenblick die ihnen nothwendig erscheinenden Maßregeln zu treffen.
füllt mit dem Gefühle bitterer Enttäuschung und sich verzehrend in der Sehnsucht nach der Heimath und den Lieben — der Dichter: ein Müßiggänger, der angesichts des Urwaldes stunden- und tagelang sinnen konnte und dessen poetische Produkte dem Vater Rapp und seinen braven Freunden recht wunderlich und schwärmerhaft vorkommen mußten. Einmal soll Lenau drei Tage abwesend gewesen sein und endlich viele Meilen von Economp entfernt auf einer hohen Felskante in todesähnlicher Erstarrung gefunden worden sein. Sicher ist, daß der Teufel des Lebensüberdrusses ihn damals wieder heftig gepackt hatte.
Aber er raffte sich wieder auf, auf zu einem rechten Husarenstückchen. Winter war eS und um die Weihnachtszeit 1832, als Lenau im Schlitten durch den vereisten Urwald einige hundert Meilen nach seiner Farm reiste. Es war ein ungewöhnlich strenger Winter, und die Folgen dieser verwegenen Fahrt sind für LenauS Gesundheit oerhängnißvoll geworden. Da war er denn nun auf seiner Farm und, wie sich später herausstellte, es war wirklich gutes Land, und seine Nachfolger im Besitze, biedere Schweizer, haben es dort durch redlichen Fleiß zu schönem Wohlstände gebracht. An Lenau aber rächte sich nun die übersehene Wirklichkeit mit rauher Faust. Wir haben eine Schilderung von ihm aus den Wochen seines Aufenthaltes in Crawford County. „Er war ein feiner Herr, der aber keineswegs in den Hinterwald paßte. Er trug elegante Kleider und einen Pelzmantel, hatte Tanzschuhe und weiße Handschuhe an, als wenn er auf einen Hofball gehen sollte. Mit Glacehandschuhen an den Händen ergriff er die Axt, um Bäume umzuhackm, legte sie aber nach ein paar Streichen bald wieder hin." Er wohnte bei einem Engländer, blieb beinahe immer zu Hause, schrieb immerfort und sprach kaum ein Wort. Den „verrückten Deutschen" nannte man ihn allgemein in der Gegend. Was in Lenaus armer Seele in diesen Wochen, da er sich über das völlige Scheitern aller feiner Hoffnungen ganz klar sein mußte, vorging, das vermag wohl Niemand mehr zu ermessen. Aber nach wenigen Wochen
Der Bürgerkrieg auf Haiti. Die „Hamburger Dörsenhalle" veröffentlicht einen neuen, ihr von privater Seite zugegangenen Bericht über die Unruken in Haiti. Es heißt darin u. A.: Aus Kap Haiti schreibt man mit der letzten Post, daß die Haltung der schwarzen Bevölkerung gegen die Weißen immer drohender werde. Viele Fremde schickten Frauen und Kinder nach den benachbarten Inseln, da man jeden Augenblick einen Angriff auf die Geschäftshäuser erwartet. Der im Norddepartement kommandirende General Alexis Nord ließ bereits Mitte Juli den fremden Konsuln offiziell mittheilen, daß er nicht im Stande sei, sie zu schützen, falls sein Gegner, Jean Jumeau, mit den Truppen von Antenor Firmin die Stadt angreifen würde. Man befürchtet einen baldigen Angriff, sowohl von der Land- als auch von der Seeseite her. Glücklicherweise liegt im Hafen von Kap Haiti ein amerikanischer Kreuzer, der gegebenenfalls die Fremden an Bord nehmen wird. Man schätzt das in Kap Haiti gefährdete deutsche Kapital auf mindestens 6 Millionen Mark, sodaß die Anwesenheit eines deutschen Kriegsschiffes zum Schutze dieser großen Interessen sehr erwünscht wäre.
Hus aller Welt
Das Unglück am Montblanc. Wir ergänzen unsere gestrigen Mittheilungen über das Unglück am Montblanc durch eine Schilderung, welche ein Augenzeuge davon im „Bund" gegeben hat: „Am Freitag, Mittags gegen 12 Uhr, verließ die verunglückte Parthie die Grands Mulets, die etwa fünf Stunden von Chamonix entfernte Nachtstation der Montblane-Besteiger, um sich nach der 2 Stunden unter dem Gipfel gelegenen Cabane Vallot zu begeben und dort zu übernachten; wir folgten in der gleichen Absicht etwa eine Stunde später und bekamen die Parthie öfters vor uns zu Gesicht, bis gegen 4 Uhr ein schreckliches Gewitter mit Schneesturm losbrach; dadurch wurde der Blick selbst auf die kürzesten Distanzen vollständig verdunkelt, so daß unsere einzige Weg- leitung in den von Zeit zu Zeit auftauchenden Fußspuren der vorderen Parthie bestand; als aber auch diese aufhörten und in 2 Stunden die Nacht einbrechen mußte, beschlossen wir, um 6 Uhr abends, von einem zwecklosen Weitervordingen abzu- stehen und auf gut Glück den Abstieg nach Grands Mulets zurück zu suchen, wiewohl man bei dem Sturm keine Hand breit vor sich sehen konnte. Die Verunglückten haben die schreckliche Nacht im Freien zubringen müssen; die beiden Touristen I. C. Staehling und Henri Mauduit erlagen mit Tagesanbruch, Einer 10 Minuten nach dem Andern, den Tod durch Erfrieren. So erzählten es uns am Samstag Morgen Führer und Träger der Verstorbenen, die wir bei dem von uns wiederholten Aufstieg unterwegs antrafen. Sie beschrieben uns den Ort, wo die Todten lagen, und wir gäben ihnen noch etwas zu trinken, worauf sie versicherten, den Weg nach Grands Mulets gut zurücklegen zu können, wiewohl sie von der durchlittenen Nacht sehr angegriffen aussahen; beim Abstieg jedoch müssen auf dem harten Schnee beide ausgeglitten und, an verschiedenen Stellen, dabei in Gletscherspalten gefallen sein. Der Absturz des Trägers war mit dem Teleskop von Chamonix aus gesehen worden und eine Rettungskolonne' wurde sogleich gebildet und nach Grands Mulets geschickt. Als sie dort anlangte, war das Schicksal des jungen Trägers schon besiegelt; von einigen Führern war er mit eingekeiltem Kopf in einer Spalte, 20 Minuten über Grands Mulets, aufgefunden und todt herausgezogen worden. Der Absturz erfolgte an einer gänzlich ungefährlichen Stelle; man muß daher annehmen, daß den jungen Mann aus Erschöpfung unter dem furchtbaren Eindruck des Erlebten an dieser Stelle die Kräfte verlassen haben. Aus Spuren, die nach einer weiter oben gelegenen Gletscherspalte führten, konnten wir auch der Rettungsmannschaft die Absturzstelle des Führers zeigen. Es gelang der Mannschaft auch, den Führer Blanc aus Bonneval sur Arc lebendig aus der Spalte zu ziehen. Zwei Stunden nach unserer Begegnung mit dem Führer und Träger langten wir bei der Cabane Vallot an; zwei vor uns gegangene Parthien waren schon dort. Die Führer drängten
sagte es ihn auf; er floh nach Economy zurück und dort verfiel er in eine Krankheit, während deren er von den Landsleuten liebevoll gepflegt wurde. Nichts gefiel ihm mehr in diesem Lande. Er stimmte Buffon zu, daß in Amerika Menschen und Thiere von Geschlecht zu Geschlecht weiter herab- kämen. Er fand, daß die englische Sprache ein „Thalergelispel" sei. Die Hinterwäldler erschienen ihm als „ausge- brannte Menschen in ihren ausgebrannten Wäldern"; die ganze Natur Amerikas wie eine große Wüste und Amerika selbst als ein großes Nebelland, in dem der Liebe leise die Adern geöffnet werden und sie sich unbemerkt verblutet. Nur eine Sehnsucht hatte er noch: den Niagara. Den Niagara wollte er noch sehen und rauschen hören. Er sah ihn, er hörte ihn rauschen, und es blieben der Niagara und der Ozean die beiden großen Eindrücke, die er hauptsächlich von der Reise mitbrachte.
Eine Reihe schöner Gedichte ist in Amerika entstanden. Es sei nur an alle jene Gesänge erinnert, die den Urwald, die das Leben und die Schicksale der Indianer schildern oder behandeln. Alle Gedichte, die in Economy entstanden sind, athmen eine besonders tiefe Schwermuth, ein Gefühl menschlicher Vergänglichkeit und Hinfälligkeit, wie z. B. „die Heidelberger Ruine." Nimmt man aber das Bündel Gedichte, das Lenaus Amerikafahrt seine Anregung verdankt, zusammen und berücksichtigt man, daß die Eindrücke der Reise, ja selbst das Meer in seinem späteren poetischen Schaffen bald wieder zurücktreten, ja fast verschwinden, so muß man wohl sagen, daß nie ein Mensch und ein Dichter eine größere Enttäuschung erlebt hat, als Lenau durch diese Amerikareise. „Wie ging's?" fragte ihn Justinus Kerner beim Wiedersehen. „Das sind verschweinte, nicht vereinte amerikanische Staaten", verletzte Lenau; er hat nach seiner Rückkehr nie gern über die Reise gesprochen. Ferdinand Kürnberger hat in dem bekannten Roman „Der Amerikamüde" Lenaus Schicksal behandelt, und das Echo von Lenaus bitteren Urtheilen über die neue Welt tönt auch aus Kürnbergers Buch wieder. Es ist überflüssig, die
| auf sofortige Bergung der Leichen und nur ein junger Oester* reicher beharrte auf Vollendung der Besteigung, wogegen wir und eine andere Parthie den beiden Leichen zusteuerten, sie in die von der Hütte mitoebrachten Decken hüllten und über den Schnee thalwärts schleppten, was besonders an den steilen Stellen große Schwierigkeiten verursachte. Da wir außer Stande waren, sie an einer Stelle über eine Spalte zu heben, mußten wir die beiden Leichen eine Stunde über Grands Mulets liegen lassen und brachten dann die Schreckenskunde dorthin. Inzwischen hat die Rettungskolonne auch die Leichname der beiden Touristen nach Grands Mulets geborgen. Diese Nacht bricht eine weitere Führerkarawane auf zum Transport der Todten nach Chamonix. Ich will nicht verfehlen, noch ganz besonders auf das ausgezeichnete Verhalten unteres Fübrers Joh. Pieren aus Adelboden aufmerksam zu machen, welcher trotz der Anstrengungen der beiden Marschtage frisch aus Werk ging, als es galt, den Verunglückten Hilfe zu bringen. Herr Staehling, ein Sohn des früheren Bankiers Staehling, hatte vor Kurzem seine juristische Studien beendigt. Verwandte von ihm sind bereits in Chamonix eingetroffen.
Ein neues Kriegerdenkmal für Mars la Tour. Der Berliner Bildhauer Hans Dammann hat soeben das große Thonmodell zu einem Denkmal vollendet, welches die früheren und jetzigen Kameraden des in Torgau garnisonirenden Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 72 ihren Gefallenen in Mars la Tour errichten. Es wird ein etwa 10 Meter hoher obeliskartiger Aufbau aus Granit, der am unteren Theil von einem Eichenfries umzogen wird.
, 3« dem grauenvollen Morde in Leipzig wird letzt eine Thatsache bekannt, welche bisher den ersten Lichtblick in der gräßlichen Geschichte darstcllt. Der Vater des jugendlichen Mörders, Herr Grabich, ist, wie der „Leipz. Gen.-Anz." berichtet, persönlich bei Frau Klein, der Mutter der ermordeten Anna Klein, gewesen und hat der armen Frau sein innigstes Beileid zum Hinscheiden ihres hoffnungsvollen Töchterchens ausgesprochen. Herr Grabich hat sich sofort freiwillig dazu entschlossen, für die Frau verw. Klein bis zu deren Lebensende dermaßen zu sorgen, daß die arme israelitische Händlerin aller weiteren Sorgen für die Zukunft enthoben ist.
Dampfkessel-Explosion. Oberschlensche Blätter melden, daß in Jawosno bei Kattow'tz mit einer furchtbaren Detonation zwei Dampfkessel in die Luft flogen. Acht Personen wurden verletzt.
Vermächtnis;. Der Stadt Magdeburg ist ein Ver- mächtniß von 300 000 Mk. für Stiftungen von Wohlfahrts- zwecken zugefallen.
Kastendefekt bei einer italienischen Bank. Bei der gestrigen Oeffnung des Kaffenschrankes in der Filiale des Banco dt Noma in Ziena fehlten 50 000 Francs.
Vom Grafen Häseler, dem kommandirenden General des 16. Armeekorps, erzählt man sich in Metz folgendes hübsche Geschichtchen: Dieser Tage war ein Zögling des Militärwaisenhauses zu Potsdam, ein erst zwölfjähriger Dreikäsehoch, bei seiner Mutter in Sablon auf Besuch. Der junge Marssohn wollte nun nicht wieder die Reichslande verlassen, ehe er den General Häseler, von dem man doch so viel spricht, gesehen hätte. Wie das aber bewerkstelligen? Rasch entschlossen erkundigt sich der Knirps nach der Wohnung Seiner Excellenz, geht hin und meldet sich einfach. Dem Muthigen gchört die Welt. Der Knabe wird vom General angenommen und zur Abstattung seines Besuches in den Garten beordert. Dort sah er dem alten General recht fest ins Auge und wurde dafür aufs freundlichste von Seiner Excellenz behandelt. Mit freundlichen Worten allein war's aber nicht gethan. Der Kommandirende, der recht wohl weiß, was einem angehenden Soldaten gut thut, schenkte seinem Gast ein Stück Kuchen von beträchtlichen Dimensionen und spendete ein Geldstück kleineren Kalibers, aber höheren Taxwerthes. Hoch beglückt kehrte der unerschrockene Knabe zu „Muttern" zurück und erzählte ihr, was er gehört, gesehen — und gegessen hatte.
Cholera-Epidemie. Von der in Ostasien unter der einheimischen Bevölkerung herrschenden Cholera-Epidemie ist
Ungerechtigkeit dieser Urtheile im Einzelnen nachzuweisen; aber es mag gut sein, daran zu erinnern, daß auch ein so scharfer und unbefangener Beobachter wie Dickens, im „Martin Chuzz- lewit" von Amerika ein Bild entworfen hat, das sich mit dem Lenau-Kürnbergerschen in überraschend vielen Punkten berührt. Lenau ging mit falschen Voraussetzungen übers Meer; in seiner Seele trug er,, wie die Melancholia auf Böcklins Gemälde, den schwarzen Spiegel, der Alles schwarz reflektirte. Krank ging er hin, kränker kam er zurück. Der Dämon, vor dem er geflohen war, hatte sich an sein Schiff geheftet, war ihm bis in den Urwald gefolgt.
Humoristisches.
Boshafte Erwiderung. Dame: „Die Männer sind heutzutag so ungalant! . . . Ach, wäre ich doch lieber in der Zeit des Ritterthums zur Welt gekommen!" — Herr: „Nun, viel kann ja da nicht fehlen!"
Verfchnappt. Onkel: „Hast Du auch noch die Uhr, die ich Dir geschenkt habe?" — Studiosus: „Onkelchen, die habe ich sogar schon wieder!"
Beruhigung. Schauspielerin (entrüstet): „Das will ich Ihnen sagen, wenn Sie mir die Mäuse nicht aus der Wohnung vertreiben können, ziehe ich aus!" — Hauswirthin: „Ach, schämen Sie sich doch! Im Theater spielen Sie die Jungfrau von Orleans und hier sind Sie vor einer Maus bange."
Höchste Gemüthlichkeit. Herr Wamperl (der ein m rasendem Tempo daherkommendes Automobil durch lebhaftes Winken zum Anhalten gebracht); „Wollten Sie wohl so gütig sein, mir etwas Benzin zu geben — meine Frau hat sich 'n Fettfleck ins Kleid gemacht!"
* Rache ist süß. Kannibalen-Häuptling (zu einem ge- fluchteten Fabrikdirekior): „Sie werden unbedingt gefressen — ^ habe auch zwanzig Aktien Ihres verkrachten Unternehmens!"