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Erstes Blatt.

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau, '

Nr. 184.

FernsprechkAschtvß Nr. 605»

Samstag den 9. August.

Fernsprechanschluß Nr. 605. 1902

ywWMMP

Amtliches.

Stadtkreis Danau.

Erledigtes Ausscheeiben.

Das vom Untersuchungsrichter am Königl. Landgericht Zweibrücken erlassene Ausschreiben um Ermittelung des des Mordes verdächtigen Johannes Schmidt ist durch dessen Festnahme erledigt.

Hanau den 5. August 1902.

P 7827 Königliche Polizei-Direktion.

Zwangsversteigerung.

Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in An­sehung der in der Gemarkung Langendiebach belegenen, im Grundbuche von da Artikel 9 a zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Erben des Jakob Ruth IV., Johannes III. Sohn, nämlich:

1. der Kinder der verstorbenen Tochter, Katharina, Ehefrau des Peter Jöckel:

a. Elisabeth Jöckel,

6. Katharina Jöckel,

2. der Kinder der verstorbenen Tochter Elisabeth, Ehe­frau des Maurers Wilhelm Schäfer:

a. Hermann Schäfer,

b. Katharina, Ehefrau des Maurers August Müller,

e. Wilhelm Schäfer,

d. Heinrich Schäfer,

e. Dorothea Schäfer,

f. Maria Elisabeth Schäfer,

3. des Malers Wilhelm Ruth,

4. des Weißbinders Jakob Ruth, 2ter Ehe,

5. des Kaufmanns Gustav Ruth, 2ter Ehe eingetragenen Grundstücke:

Kartenblatt 1 Nr. 44, Ueber dem hohlen Rain,

Acker, 48 ar 81 qm,

Kartenblatt 9 Nr. 18, Vorm Simmes, 26 29 Kartenblatt 9 Nr. 25, Auf der Borngasse 18 64 besteht, sollen diese Grundstücke

am 13. Oktober 1902, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Der Versteigerungsvermcrk ist am 21. Juli 1902 in das Grundbuch eingetragen.

Es ergeht die Aufforderung, Rechte, soweit sie zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus dem Grund­buche nicht ersichtlich waren, spätestens im Versteigerungs­

Aus der schwarzen Republik.

Von Otto Leonhardt.

(Nachdruck verboten.)

Haiti, li pays bon Dieul so rühmen die Haitianer dem fremden Ankömmling gegenüber ihr Land. Und wohl dürfen sie es als einGottesland" preisen; denn an Schön­heit und Reichthum können wenige Punkte unserer Erde mit der Insel sich vergleichen. Spenser St. John sagt:Ich habe fast den ganzen Globus durcheilt und ich kann sagen, daß nirgends eine Insel existirt, die ebenso schön wäre, wie Santo Domingo. Kein Land besitzt eine größere Verschiedenheit des Bodens, des Klimas, der Produkte, kein Land eine ebenso be­wunderungswürdige geographische Lage. Nirgends bieten Bergeshänge verschiedenartigere und bezauberndere Ansichten dar und erlauben, reizendere und gesundere Landsitze zu schaffen." So ein nüchterner Brite. Aber die feurigeren romanischen Schriftsteller, vor Allem die Franzosen, malen in den, tiefen Farben der Poesie, wenn sie diesekönigliche Insel", die einst das Eden Frankreichs" genannt wurde, und ihre Reize schil­dern. Ein pittoreskes Bergland mit hohen Gipfeln und tiefen Schluchten, umgeben von einem blauen Meere, getaucht in die Strahlen der leuchtenden südlichen Sonne, ein Land, reich an Abwechslung, mit üppigen Fruchtäckern, weitgestreckten Vieh­weiden, mit Flüssen, Sturzbächen und Seen, ein Land, strotzend von Fruchtbarkeit, wo der Kaffee, die Baumwolle, der Kakao, die Orange fast ohne Kultur gedeihen, um noch nie Dünger verwendet zu werden brauchte, um die Kraft der Erde zu er­neuern, und wo jede Spezies des Pflanzenreiches zur Ent­wickelung und zum Gedeihen gebracht werden kann, so stellt sich Haiti in Wahrheit als ein Paradies dar. Aber auch in diesem Paradiese fehlt leider die Schlange nicht. Kein schlagenderes Wort ist je über Haiti gesagt worden, als das von Bird, der es ein Land nennt, where everything is pleasing and only man is vile. Ja, alles ist hier schön und nur der Mensch gemein, und fast scheint es, als ob

termine vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten an- zumelden und, wenn der Antragsteller widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Vertheilung des Ver­steigerungserlöses den übrigen Rechten nachgesetzt werden.

Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegenstehendes Recht haben, werden aufgefordert, vor der Ertheilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegen­standes tritt.

L a n g e n s e l b o l d den 29. Juli 1902.

__________Königliches Amtsgericht. 43678

Handelsregister.

A. 496 Firma Colombia Genfer Uhren-Versandt Ferdinand Heinr. Heintz, Hanau. Die Firma ist erloschen.

Hanau den 5. August 1902.

Königliches Amtsgericht. 5. 13679

Hus Stadt und £and.

* Verbrauchsabgaben. Im Laufe des Monats Juli 1902 wurden im hiesigen Schlachthause geschlachtet: 100 Ochsen, weniger gegen den Monat Juli 1901 1 Stück 148 Kühe, mehr w 32 56 Rinder, weniger 9

905 Schweine, o9 404 Kälber, ,/ ,/ 4 121 Hämmel, 4

1 Lamm, mehr ,? ^ 1

Die Accis-Einnahme hiervon beträgt . Mk. 4336.20 An eingeführten Fleischwaaren rc. wurdm versteuert: 26 376 Kilogramm, weniger gegen den Monat Juli 1901: 3511 Kilogramm.

Hiervon die Accis-Einnahme mit . . Mk. 855.46

Summa Mk. 5191.36

Gesammt - Accis - Einnahme im Monat Juli 1901 . Mk.__5284.74

Mithin weniger gegen den Monat Juli

1901.......Mk. 90.35. Accis-Einnahme vom 1. April 1902 bis 31.

Juli 1902 Mk. 20 674.74

Accis-Einnahme vom 1. April 1901 bis 31.

Juli 1901..... 24 100.62

Mithin weniger gegen die gleiche Zeit des

Vorjahres . Mk. 425.88.

e8 die Bestimmung der Menschen, die sich auf dieser glück­lichen Insel ansiedeln, wäre, ihren Menschenadel zu ver­leugnen. Erst kamen die spanischen Herren Conquistadores, daheim zumeist niedrige und bankerotte Abenteurer, die hier, auf Hispaniola, wie die Insel damals hieß, die großen Herren spielten und ihrem Herrenthum durch die abscheu­lichsten Mißhandlungen der armen Eingeborenen Genüge thaten, die ihnen, wie Hunden, die Knochen ihres Mahles zu- warfen und ihnen so mitspielten, daß 42 Jahre nach der Ent­deckung der Insel eine Million Indianer als Opfer der Grau­samkeit der Europäer umgekommen waren. Bald war die Rasse ganz verschwunden, Neger wurden an ihrer Stelle^ ein- geführt, und da finden wir denn in Haiti jene französischen Kolonisten, die in einem fürstlichen Luxus lebten, derenHa- bitationen" Palästen glichen und deren Reichthum von den Händen der wie Vieh behandelten schwarzen Sklaven geschaffen und unausgesetzt vermehrt wurde. Die Fülle dieser^ Reich­thümer vor Augen, mußten die arnien Schwarzen oft hungern und sich mit dem Nothdürftigsten begnügen; der eine Herr ließ seine Neger in die siedenden Kessel werfen, der andere lebendig begraben, und Vergehungen wurden bestraft, indem die Neger mit dem Ohre an einen Pfahl genagelt oder mit 500 Peitschenhieben bedacht wurden. Endlich empörte sich der unterdrückte Sklave, machte sich frei und gründete ein eigenes Reich, ein Reich, in dem der Schwarze der Herr war, in dem er seine Befähigung zu freier Kultur beweisen konnte. Das ist nun mehr als ein Jahrhundert her. Aber in diesem Jahr­hundert sind wohl manche Formen der Kultur (oft in Zerr­bilder verkehrt) von den Schwarzen angenommen worden, aber ihrem Wesen sind sie fremd geblieben, und ihre Geschichte ist ein unaufhörlicher Wechsel von Tyranneien und Bürgerkriegen, wie wir eben jetzt wieder einen erleben. Noch heut gilt von der Insel das Wort: man is vile.

Aber es gilt nicht nur von den Schwarzen, es gilt im Allgemeinen auch für die Weißen, die in Haiti leben. Für sie gibt es nur einen Götzen: das Geld. Reich zu werden, reich auf jede Weise und durch jedes Mittel und dann die

* Hanauer Geschichtsverein. In der letzten Vor­standssitzung sind dem Vereine folgende Zuwendungen resp. Geschenke gemacht worden:

1. Durch Herrn Cäsar Böhm das Protokollbuch der Gesell­schaftHarmonie", die sich 4895 aufgelöst hat. Der Verein besitzt auch schon das Protokollbuch des Ver­einsFrohsinn", und ist für jede Zuwendung dieser Art dankbar.

2. Herr Friedrich aus Aschaffenburg schenkte dem Ver­eine zwei wohlgelungene Photographien von römischen Alterthümern, die in der unteren Maingegend gefunden worden sind.

3. Herr Stadtbaurath a. D. I. P. Thyriot überreichte dreißig wohlgeordnete Bände enthaltend die vollständige Sammlung der Theaterzettel des Hanauer Stadttheaters von 18721902.

4. Herr Jacob Bern ges schenkte einen gedruckten Neu­jahrswunsch aus dem 48. Jahrhundert.

5. Herr Carl Engel schenkte einen eingerahmten Stich: dasBildniß des Regierungsrathes Ruth zum Aufhängen im Sitzungszimmer.

6. Herr Franz Joseph Dörr, der bekannte Loealdichter dessenKlausner in Wilhelmsbad" Vielen bekannt ist, schenkte nebst zwei eigenen Gedichten einen an ihn ge­richteten Brief von Jos. Victor v. Scheffel mit Bildnissen der Grabstätten der beiden Hauptpersonen imTrompeter von Säkkingen."

Allen freundlichen Gebern sei hiermit der Dank des Vereins ausgesprochen und zugleich allen Hanauern die Bitte nahe- gelegt, geschichtlich interessante Gegenstände dem Vereine zuzu- wenden. Für heute soll außerdem diese Bitte noch besonders specialisirt werden: Auf eine Anregung des Herrn v. Ubisch, Direktors des Kgl. Zeughauses zu Berlin, (der früher Lehrer und Bibliothekar an der hiesigen Zeichenakademie war) sollen allent­halben Erinnerungen an den Feldzug 1870/71 gesammelt und zusammengestellt werden. So bittet der Geschichtsverein, ihm vorhandene Ausrüstungsstücke, Helme, Monturen u. s. w. sowie Waffen zur Aufbewahrung zu übergeben. Nächsten Sonntag werden im Neuen Museum (Altstadter Markt Nr. 6) im Sitzungszimmer aufgestellt sein: Band VII, VIII u. IX der Ziegler'schen Tagebücher, einige weitere Schubladen der R a u' schen Münzsammlung, sowie mehrere Kupferstiche.

* Strautz-Coneert. Wie wir soeben hören, wird Herr Johann Strauß aus Wien mit seiner vollstän­digen Kapelle am Dienstag den 49. August auch in unserer Stadt imDeutschen Haus" eoncertiren und sind Karten bereits im Vorverkauf in G. M. Alberti's Hof- buchhandlung (C l a u ß u. F e d d e r s e n) zu haben. Um einer Ueberfüllung vorzubeugeu, werden diesmal Karten nur in beschränkter Anzahl ausgegeben.

Insel zu verlassen das ist ihr Ziel, ihr einziger Gedanke ihr einziges'Interesse. Das Land und sein Volk entlockt ihnen keine Theilnahme; verächtlich sehen sie auf die Haitianer herab und meiden ihre Gesellschaft. Der Neger sagt:Blanc vini prend lagent pays der Weiße kommt das Geld des Landes holen, und man kann Kch nicht wundern, wenn das Gefühl des Hasses gegen die Aemden mächtig ist. Nur diehellen" Haitianer, die Kreolen, die auf der Insel geborenen Nachkommen von weißen Eltern, suchen seine Gesellschaft und für jede kreolische Mutter ist die Heirath ihrer Tochter mit einem Blanc das Ideal. Diese Nachkommen der Weißen zeigen freilich deutliche Spuren der Entartung. .Der Kreole hat einen lebendigen Geist und eine schnelle Auffassungsgabe, er ist offen, leutselig, großmüthig, vertrauend und tapfer. Aber er ist zugleich hoffnungslos indolent und leichtsinnig. Er eignet sich in Europa einigen Bildungsfirniß an, aber es steckt nichts dahinter. Seinen Leidenschaften hingegeben, bringt er es bei all seinen Fähigkeiteu nicht zu solidem Schaffen. Auch in der Kreolin liegt diese Neigung zur Indolenz; stundenlang kann sie in der Einsamkeit müßig träumen. Sie ist ein schönes Geschöpf: von wunderbarer Zartheit der Züge, melobqd)er Stimme, geschmeidigen Bewegungen, schlankem Wüchse, entzückend beim Tanze und imlaisser aller". Sie ist sehr leidenschaftlich, eifersüchtig bis zum Exzeß und, wenn sie getäuscht ist, furchtbar in ihrem Hasse.

Der Kreolin ist die Mulattin in vielen Dingen ähnlich. Die Mulatten sind unter den zahlreichen Typen vonFar­bigen", d. h. von Mischlingen weißen und schwarzen Blutes, am zahlreichsten. Es ist die beste Mischung:mit der Mäßig­keit und der Kraft des Negers (sagt Tippenhauer) vereinigt er die Anmuth und die Intelligenz des Weißen." Der Mu­latte ist indolent, aber er liebt die Körperbewegungen. Er hat zwei Idole: die Pferde und die Frauen. Er ist ein guter Soldat, aber es ist unmöglich, ihn zu kaserniren oder in seine Freiheit zu beschränken. Er liebt den Schmuck und die schönen Kleider; und die Mulattin treibt diese Vorliebe für Schmuck bis zum Exzesse. Im Uebrigen unterscheidet sie sich von den