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General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke: in Hanau,

Nr. 181. Fernsprechanschluß Nr. 605.

Mittwoch den 6. August.

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Fernsprechanschluß Nr. 605.

1902

Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König Allergnädigst geruht haben, mich zum Polizei- Direktor in Wiesbaden zu ernennen, lege ich heute die Verwaltung des Landkreises und der Königl. Polizei-Direktion nieder.

Mit warmem Dank für das freundliche Ent­gegenkommen und die thatkräftige Unterstützung, die ich während meiner amtlichen Wirksamkeit hierselbst von Behörden, Beamten und von der Bevölkerung in Stadt und Land allezeit erfahren habe, scheide ich von hier. Glückliche Jahre waren es, die ich hier verlebt, und mit schwerem Herzen nehme ich Abschied von dem mir so lieb gewordenen Amt, von meinem theuren Kreise, in dem es mir vergönnt war, getragen von dem allgemeinen Vertrauen und unterstützt von treuen Mitarbeitern, sieben Jahre wirken zu können.

Dank sage ich insbesondere den Herren Bürger­meistern für ihre treue, nie versagende Mithülfe, das Zusammenarbeiten mit ihnen war mir eine hohe Freude, nur durch ihre verständnißvolle Hin­gabe war es möglich, meine auf Förderung des Gemeinwohls gerichteten redlichen Bestrebungen ihrem Ziele zuzuführen.

Da ich schon in den nächsten Tagen mein neues Amt antreten muß, so ist es mir -zu meinem schmerz­lichen Bedauern nicht möglich, mich von jedem Ein­zelnen, mit dem ich während meines Hierseins in dienstliche oder private Beziehungen getreten bin, persönlich zu verabschieden. Ich bitte deshalb, mir zu gestatten, auf diesem Wege Allen ein herzliches Lebewohl zuzurufen. Mit unverändertem Interesse werde ich wie das Ergehen des Einzelnen auch die Entwickelung der Stadt und des Kreises in der Ferne verfolgen.

Hanau den 6. August 1902.

von Schenck.

Politische Rundschau.

Kaiser Wilhelms Telegramm an den Kapitän von Rosenstock. Aus Anlaß der Depesche, die der Deutsche Kaiser an den Korvettenkapitän a. D. Rosenstock v. Rhöneck gerichtet hat, bemerkt der LondonerGlobe":Niemand ver­mag eine huldvolle Handlung in huldvollerer Weise zu voll­bringen als der Kaiser. Sein Beileidstelegramm an den Kapitän von Rosenstock ist ein Muster gütiger Aufmerksam­keit. Der Sohn des Kapitäns verlor sein Leben unter Um­ständen, die uns Engländer mit Dankbarkeit erfüllen müssen. Die Depesche des Kaisers, der darin die britische Flotte an seiner Trauer theilnehmen läßt, wird auf jedem britischen Schiffe ein bereitwilliges Echo finden."

Bismarck-Denkmal. Aus Varzin wird geschrieben: Hier ist am 1. August, an welchem Tage der am 30. Mai v. J3. verstorbene Graf Wilhelm Bismarck sein 50. Lebensjahr vollendet haben würde, für den verewigten Fürsten Otto von Bismarck ein Denkmal enthüllt worden. Unter Führung des Trompeterkorps der Blücher-Husaren in Stolp nahm zur Seite des Denkmals der Krieger-Verein von Varzin Aufstellung. In weitem Halbkreis schloffen sich die Arbeiter an und die über 10 Jahre alten Schulkinder aus allen zur Herrschaft Varzin gehörenden Ortschaften. Um 10 Uhr begab' sich die Gräfliche Familie mit zahlreichen Gästen auf den Denkmalsplatz. Neben der Frau Gräfin Bismarck schritt die treue Freundin deS Gräflich Wilhelm Bismarckschen Hauses, Baronin Helene v. Reitzenstein aus Stuttgart, die süddeutsche Stifterin des Denkmals. Von weiteren Gasten erwähnen dieHamb. Nachr." den Grafen v. Lehndorff-Preyl, den zu jeder Zeit treu bewährten Freund der Familie von Bismarck undAruim, der trotz seiner 73 Jahre und trotz

schweren Leidens die beschwerliche Reise nach Varzin nicht ge­scheut hatte; ferner Graf Eulenburg-Prassen, den langjährigen Vorsitzenden des ostpreußischen Provinziallandtages, den treuen Mitarbeiter des Grafen Wilhelm Bismarck in allen auf das Wohl und die Hebung der Provinz Ostpreußen gerichteten Be­strebungen ; den Großherzoglich badischen Landstallmeister August Grafen Bismarck aus Lilienhof im Breisgau; Herrn Karl v. Bismarck-Plathe als Enkel des älteren Bruders des Fürsten Bismarck; den Schöpfer des Denkmals, Professor v. Dondorf aus Stuttgart; den Geheimen Regierungsrath Prof. Dr. Zorn aus Bonn, verschiedene Grenznachbarn von Varzin. Frau Gräfin Bismarck selbst eröffnete die Feier. In tiefe Trauer gehüllt, trat sie vor das Denkmal und sprach, tief be­wegt, aber mit ergreifender Selbstbeherrschung, etwa folgende Worte:

Meine lieben Leute! Für Varzin ist heute ein Freudentag. Ihre Exzellenz, Frau Baronin von Reitzenstein, hat ihre Freundschaft für unseren theueren Grafen, dessen 50. Geburtstag wir heute feiern, und ihrer patriotischen Begeisterung für den Namen Bismarck einen dauernden und greifbaren Ausdruck verleihen wollen. Das Denkmal, welches heute enthüllt wird, von hervorragender deutscher Künstlerhand geschaffen, ge­reicht uns zur Ehre und Zierde. Wir danken dafür. Im Sinne der beiden Todten, z» deren Gedächtniß diese Feier gerade an diesem Tage stattfindet, aber ist es, wenn sich jetzt die Gedanken dem Vaterlande zn- wenden, als dessen Verkörperung jedem braven Deutschen die Person Seiner Majestät erscheint. Wir wollen den Gefühlen, die uns erfüllen, daher Ausdruck geben in dem Rufe: Seine Majestät der König von Preußen, der Deutsche Kaiser, er lebe hoch! hoch! hoch!"

Begeistert stimmte die Schaar der Festtheilnehmer in diesen Ruf ein, mächtig hallte es wieder von den Riesen des Waldes, und die Musik intonirte:Heil Dir im Siegerkranz!" Nun bestieg Geheimrath Professor Dr. Zorn die Waldkanzel und hielt in begeisterten Worten die Weiherede. Kaum waren die letzten Worte verhallt, da ließ der Kommandant de^ Krieger- Vereins das Gewehr präsentiren, und langsam senkte sich die Hülle, von der das Denkmal bis dahin umgeben war. Eine Kolossalbüste aus karrarischem Marmor, das Haupt unbedeckt, um den Hals das bekannte weiße Halstuch unter dem Gehrock, auf 3 Meter hohen Sockel auS roth-grauem Granit gestellt.

Hus Stadt und Cand.

Hanau, 6. August.

* Ernannt. Der Königliche Landrath des Dillkreises, Herr Dr. von Beckerath zu Dillenburg, ist nach einer heute hierher gelangten offiziellen Mittheilung zum Landrath des Landkreises Hanau und Polizei-Direktor der Stadt Hanau ernannt worden.

* Missionsfest. Der Verein für äußere Mission in der Diözese Hanau wird, so Gott will, sein Jahresfest am Mittwoch den 13. b. M. in Bruchköbel feiern. Pre­digten haben freundlichst übernommen Herr Pfarrer Hies aus Melbach in der benachbarten Wetterau, Herr Pfarrer Paschen aus Frankfurt und Herr Missionsprediger R u l a n d aus Darmstadt. Letzterer hat längere Jahre in Indien im Dienste der Heidenmission gestanden und ist im Stande, in­teressante Berichte aus der Arbeit eines Missionars zu geben. Es ist zu hoffe«, daß auch von dieser Feier Anregung und Segen für die Arbeit der Mission ausgehe und daß sich alle Freunde der Mission in Stadt und Land eifrig an dieser Feier betheiligen.

* Mittheilung der Handelskammer. Ueber die Besteuerung der ausländischen Handlungsreisenden und der durch sie vertretenen Firmen in Rußland find in letzter Zeit ungenaue Nachrichten durch die Presse gegangen, die den Deutsch-Russischen Verein zur Pflege und Förderung der gegenseitigen Handelsbe­ziehungen, Eingetragener Verein, Berlin, veranlassen, auf nachstehende Punkte aufmerksam zu machen. Das Gildenpatent für die Firma kostet für das Kalenderjahr 150 Rubel ä 2,16 Mark; es ist selbstverständlich nur einmal zu bezahlen, gleichviel ob die Firma einen oder mehrere An­gestellte in Rußland reisen läßt. Der von jedem Geschäfts­reisenden zu lösende Commis-Voyageur-Schein kostet pro Ka­lenderjahr 50 Rubel. Im ersten Halbjahr, also vom 14. Januar bis 13. Juli n.St. werden nur Ganzjahres- scheine ausgegeben. H a l b j a h r e s s ch e i n e für 75 und 25 Rubel gibt es nur" bei der Lösung der Scheine in der Zeit vom 14. Juli bis 13. Januar n. St. für das zweite Semester. Für Jsraeliten sollen die härteren Bestimmungen, welche für russische Jsraeliten gelten, in Anwendung gebracht werden. Das Gildenpatent kostet dann 500 Rubel. Zu diesen feststehenden Sätzen der Gilden- und der Commis- Voyageursteuer kommen noch Ortsgebühren. Diese sind nicht etwa an jedem besuchten Platze, sondern nur einmal und an dem Orte zu zahlen, an welchem das Gildenpatent gelöst wird. In den meisten Städten beträgt der kommunale

Zuschlag 30 pCt. der Gilden- und 20 pCt. der Commis- Steuer. In einzelnen, besonders in größeren Städten ist er indeß höher, so beträgt er zum Beispiel in Moskau 62,60 Rubel (plus 10 Rubel Zuschlag zum Commisschein), in Warschau 72,50 Rubel (plus 15 Rubel), in Kiew 112 Rubel (plus 10 Rubel), in Tiflis 60 Rubel (plus 10 Rubel), in Lodz 65 Rubel (plus 15 Rubel), in Wilna, Kowno, Bialystock 62 Rubel (plus 10 Rubel), in Astrachan 60 Rubel (plus 15 Rubel). In Petersburg dagegen beträgt der Zuschlag nur 41,10 Rubel (plus 5 Rubel), in Odessa 45 Rubel (plus 10 Rubel). Die Annahme, daß bei dem Besuche eines Ortes, an welchem der Ortszuschlag höher ist als an dem Orte, an welchem das Patent gelöst und der Ortszuschlag bezahlt wurde, die Differenz nachgezahlt werden muß, ist nicht zutreffend. Ein Zwang, bereits an der Grenze die Steuern zu entrichten, besteht nicht, auch nicht für Reisende mit Mustern; nur kann in letzterem Falle der Handlungsreisende nicht verlangen, für dieselben den Zoll nur zu deponiren, wenn er nicht das Gil­denpatent bereits gelöst hat. Will er seine Reise nicht unter­brechen, so steht es ihm frei, seine Muster trausito nach einem Orte dirigiren zu lassen, in welchem sich ein Zollamt befindet, und es kann dort die Abfertigung derselben resp, die Lösung des Gildenpatents besorgt werden. Im Allgemeinen ist es aber zu empfehlen, die Steuern an der Grenze zu entrichten, da die Abfertigung hier am schnellsten vor sich geht und die Ortsabgaben hier am niedrigsten sind.

* Empfang der Turner. Den Siegern vom Mittel­rheinischen Kreisturnfest wurde gestern Abend am West-Bahn­hof der gewohnte begeisterte Empfang zu Theil. Beim Ein­laufen des Zuges spielte die Jnfanteriekapelle einen Tusch, dann zogen die Turner (sämmtliche 4 Vereine) inmitten einer großen Menschenmenge mit Musik nach dem Vereinshaus der Turngemeinde", in dessen unterer Halle ein frisch-frohes Leben Platz griff. Herr Jean Bailly begrüßte die An­wesenden und stellte fest, daß Hanau als Turnerstadt sich aufs Neue bewährt und im friedlichen Wettkampf seine Fahnen tapfer vertheidigt hat. Er brächte den Siegern ein kräftiges Gut Heil!" Herr Otto Schütt berichtete in anschaulicher Weise über die Einzelheiten des diesmaligen Kreisturnfestes, Herr Schwellenberg spendete unter anerkennenden Worten einen riesigen Eichenlaubkranz, der zur Erinnerung in der Turnhalle aufbewahrt wird. Concert und muntere Turn- lieder thaten ihr Uebriges, die Stimmung zu beleben, die na­türlich ihren Höhepunkt erreichte, als um 12 Uhr noch die Sieger vom Turn- und Fecht-Club erschienen und einen stür­mischen Willkomm erfuhren. Das Resultat der geselligen Ver­einigung stand dem im Wettkampf Erreichten würdig zur Seite. Nachstehend geben wir das turnerische Resultat vom Kreisturnfest, soweit es Hanau betrifft: Vereinswett- turnen: 1. Rang (Diplom, Kranz und Schleife I. Klasse) Turn-Gemeinde mit 41,409 Punkten. 48. Rang (I.Klasse) Turngesellschaft mit 36,3 Punkten. Einzelwettturnen (540 Mitbewerber): 32.Preis: Fritz Funk, Turngemeinde, 59 Punkte; 38. Preis: Georg Appel, Turnverein, 58 Punkte; 50. Preis: Franz Röhrig, Turngesellschaft, 56 Punkte; 56. Preis: Philipp Spähn, Turngesellschaft, 55 Punkte; 58. Preis: Paul Christ, Turnverein, 54,4 Punkte; 59. Preis: Engen Bieg, Turngemeinde, 54,3 Punkte; 63. Preis: Ernst Falk, Turngesellschaft, 53,5 Punkte; 72. Preis: Willy Ludwig, Turngemeinde, 52,2 Punkte; 73. Preis: Otto Schlegel, Turngemeinde, 50,5 Punkte; 81. Preis: Karl Fromm, Turnverein, 50,5 Punkte; 82. Preis: Otto Bausch er, Turn- u. Fecht-Club, 50,4 Punkte; 83. Preis: Rudolf Schmidt, Turngemeinde, 52,1 Punkte. Zu bemerken ist, daß der erste Sieger eine Punktzahl erreichte, die noch auf keinem Mittelrheinischen Kreisturnfest erzielt wurde. Fecht-Ergebniß (45 Mitbewerber): 1. Preis: Heinrich Ziegler, Turn- und Fecht-Club; 4. Preis: Louis St aßen, Turn- und Fecht-Club; 9. Preis: Sig- mund Kurz, Turn- und Fecht-Club.

* Turnerisches vom Kreisturnfest. Auch die Turnvereine unseres Landkreises haben auf dem Kreisturnfeste in Worms erfreulicher Weise schöne Resultate erzielt. Es er­rangen beim Einzel-Wettturnen den 35. Preis Wilhelm Rauch vom Turnverein Dörnigheim mit 58,3 Punkten, den 45. Preis Fried. Nix vom Turnverein Fechenheim mit 56,5 Punkten, den 51. Preis Jean Reuter vom Turnverein Mittel- b uch e n mit 55,5 Punkten, den 59. Preis Jean Horst von der Turngemeinde Bruchköbel mit 54,3 Punkten, den 60. Preis John Baumann von der Turngemeinde Bruchköbel mit 54,2 Punkten, den 66. Preis Friedrich Mäusert vom Turn­verein Dörnigheim mit 53,2 Punkten, den 71. Preis Wilhelm Wörn vom Turnverein Bischofsheim mit 52,3 Punkten, den 75. Preis Hch. Kraemer vom Turnverein Fechenheim mit 51,5 Punkten, den 78. Preis Th. Schneider vom Turnverein Bischofsheim mit 51,2 Punkten, den