Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 19 Pfg.
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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. Deiainwvut. N-bakteur: ®. Schrecker >a Hanau.
Nr. 143. Fernsprechanschlnß Nr. 605.
Montag den 23. Juni.
Fernsprechanschlnß Nr. 605.
1902
Amtliches.
Stadtkreis Ranau»
Der Königliche Gewerberath Scheibe! zu Fulda wird am Mittwoch den 25. d. Mts., von 6—7*^ Uhr abends, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
Hanau den 23. Juni 1902.
Königliche Polizei-Direktion.
P 6429 I. A.: Valentin er, Reg.-Assessor.
Stadtkreis Ranau, Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Am Mittwoch den 25. Jrtni d. Js., nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neu- städter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können. Hanau den 21. Juni 1902.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
Dr. Bulle. 10822
Handelsregister.
A. 254. Firma Seckbach & Co., Hanau: Die Gesellschaft ist aufgelöst. Liquidator ist Kaufmann Samuel Sachs in Würzburg.
-^..... - Hanau den 17. JumMM
Königliches Amtsgericht 5. 40343
Gefundene und verlorene Gegenstünde rc.
Gefunden: auf dem Neustädter Marktplatz eine Mahne. Verloren: 1 goldene Damenuhr mit Monogramm H. St., am 17. d. Mts. auf dem Marktplatz 1 gelbes Damenportemonnaie mit über 12 Mark Inhalt, auf dem Wege Groß-Steinheim—Hanau bis Bleichstr. 1 grün-ledernes Portemonnaie mit Inhalt und einer Bahnsteigkarte Innsbruck.
Hanau den 23. Juni 1902.
Bus Stadt und £and, Hanau, 23. Juni.
Lokal-historische Notizen.
23. Juni 1567 starb der Abt Peter Lotich von Schlächtern, welcher in dem dortigen Kloster die Reformation einführte.
Feuilleton.
Jahresfeier des Evangelischen Kirchen- gcsangvereincs
(für den Konsistorialbezirk Cassel) in Ge!nhausen.
Seit den letzten Jahrzehnten macht sich in unserer evang. Kirche mehr und mehr die schöne Sitte geltend, die Gottesdienste namentlich an Feiertagen durch passende Chorvorträge weihevoller auszugestalten. Dies Ziel verfolgt auch unser hessischer evangelischer Kirchenchorverband. Seither schloß sich das Jahresfest desselben an das für „innere Mission" an, was zur Folge hatte, daß von den Bestrebungen des Kirchengesangveremes wenig in die Oeffentlichkeit drang. In diesem Jahre hatte nun der Vorstand dieses Vereines im Interesse einer gedeihlicheren Entwickelung der Sache des Kirchengesangs im Konsistorialbezirk Cassel den Beschluß gefaßt, eine selbständige Feier zu veranstalten. Daß ein solches Jahresfest für die Kirchen- chor-Verbände von Nutzen ist, steht fest; denn einmal werden die hinzugezogenen Kirchenchöre sich und anderen zur Freude mitwirken; das Dargebotene wird gegenseitige Anregung geben; Vorträge kirchenmusikalischen Inhalts werden ein tieferes Verständniß für Kirchenmusik und deren Ausführung übermitteln; Kantoren, Organisten und Geistliche werden sich uber Auswah der Chöre und sonstige Fragen aussprechen; kurz, der Zusammenschluß der einzelnen Kirchenchorverbände und die gegen- seitige Anregung kann nur Förderung erfahren.
Als Ort für die Feier des diesjährigen ersten selbs andigen Jahresfestes des Ev. Kirchengesangvereines war Gelnhausen gewählt worden. . , „,
Das Jahresfest wurde gestern Morgen m der altehrwur- digen Kirche durch Festgottesdienst eingeleitet. Die Gemeinde sang zuerst mit Posaunenbegleitung „O Heil ger u , ch
In demselben Jahre ereignete sich in Binsfört bei Spangenberg einer von den merkwürdigen Fällen des Wiedererwachens vom Scheintode, welcher dazumal ein unglaubliches Aufsehen über die Grenzen Hessens hinaus machte. An einer damals herrschenden Seuche („Pestilenz") starb der neunzehnjährige Bauernbursche KunzStrawe; nachdem er 24 Stunden für todt gelegen und der vermeintliche todtstarre und kalte Leichnam zum Begräbntß angekleidet werden sollte, erwachte er zu neuem Leben. Seine Seele war aber offenbar während dieser Zeit in einem fremden Lebensgebiete gewesen und hatte Eindrücke empfangen, welche der, bei vollem Leben wo nicht stumpfe, doch sehr nüchterne Jüngling aus dem Kreise seiner bisherigen Anschauungen nicht entnommen haben konnte.
* *
* Befördert. Zu Hauptleuten, vorläufig ohne Patent, wurden befördert die Oberleutnants und Direktions-Assistenten Kühne und Kempe bei der Pulverfabrik bei Hanau. — Franz, Lt. a. D. (IV Berlin) zuletzt im Ulanen-Regt. Nr. 6, in der Armee und zwar als Lt. mit Patent vom 6. Febr. 1894 bei den Offizieren der Landw.-Kav. 1. Aufgeb. wieder angestellt.
* Sprechstunde des Gewerberaths. Der Königl. Gewerberath Scheibe! zu Fulda wird am Mittwoch den 25. d. Mts., von 6—7x/a Uhr abends, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
* Handwerkskammer zu Caffel. Der Handwerkskammer ist ein Ministerial-Erlaß vom 28. Mai zugegangen, der wie folgt lautet: „Im Serfolg des Erlasses vom 8. Oktober v. J. bestimme ich hiermit, daß künftig nur solche junge Leute in die vierte Klasse der Baugewerkschulen ausgenommen werden dürfen, die glaubhaft nachweisen können, daß sie während zweier Bausommer wenigstens 12 Monate handwerksmäßig beschäftigt gewesen sind. Die Aufnahmesuchenden müssen in ihrer Meldung angeben/ bei welchen Bauausführungen sie gearbeitet haben und welcher Art ihre Beschäftigung war. Sofern sich bei einem Schüler zeigt, daß er am Unterricht wegen mangelnder praktischer Kenntnisse nicht mit Erfolg Theil zu nehmen vermag, kann ihm der weitere Besuch der Anstalt versagt werden, bis er noch einen dritten Bausommer praktisch gearbeitet hat. Falls eine solche Verpflichtung auferlegt wird, ist das im Schulzeugniß zum Ausdruck zu bringen. In die Vorklasse können auch Lehrlinge ausgenommen werden, die erst einen Sommer gelernt haben. J. Ä.: Nenh aus." — Die Handwerksmeister werden ersucht, darauf zu sehen, daß Lehrlinge, welche später eine Baugewerkschule besuchen wollen, in den ersten beiden Lehrjahren eine möglichst vielseitige und umfassende Ausbildung erhalten und veranlaßt werden, sich über
bei uns ein", während im. Verlauf der Altarliturgie der Gelnhäuser Kirchenchor die große Doxologie von Bortniansky (Ehre sei Gott in der Höhe) zum Vortrag brächte. In der darauffolgenden Predigt sprach Herr Metropolitan Schäfer aus Gelnhausen über den Dienst im Hause des Herrn und nach der Predigt sang noch der Kinderchor die hübsche Motette: „Danket dem Herrn".
Nachmittags trafen dann die auswärtigen Vereine (Wächtersbach und die beiden Hanauer) ein und zogen von Mitgliedern des Gelnhäuser Kirchenchores empfangen in die in reichem Flaggenschmuck prangende Stadt ein. Die Hanauer Kirchenchöre, mit sonstigen Theilnehmern in einer Stärke von zusammen ca. 120 Personen erschienen, gingen zunächst zur Barbarossaburg und nahmen diese in Augenschein.
Um 3 Uhr fand gemeinschaftliche Probe mit den anderen Gesangvereinen in der Kirche statt. Wenn auch der Standpunkt des Chores hinter dem Lettner ein verdeckter ist, so muß man doch sagen, daß gerade von dort aus eine wunderbare, harmonische und gedämpfte Tonentfaltung stattfindet, die ja in einer Kirche ergreifend wirkt. Nachdem sich die Kirchenchöre in der Probe an ihre Ausstellung und an das Zusammensingen gewöhnt hatten, fand um 4V2 Uhr die Liturgische Andacht statt. Bei derselben fangen nach einem Orgelvorspiel und Gemeinde- gesang und den einleitenden Tcxtworten des Liturgen zuerst die vereinigten Hanauer Kirchenchöre „Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen." Herr Dirigent W. Breidenbach dirigirte den im „Tonus peregrinus" (fremder, eigenartiger Ton) gesetzten packenden Chor. Im Verlauf der liturgischen Andacht brächte ferner der Gelnhäuser Kirchenchor das Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freud" zu Gehör und daran anschließend sang der Kinderchor ebenfalls zwei Verse desselben Liedes; die hellen, frischen Kinderstimmen gaben eine prächtige Abwechslung zu dem vorausgegangenen gemischten Chor. Den zweiten gemeinschaftlichen. Chor der vereinigten Hanauer Kirchenchöre „Was unser Gott geschaffen hat", dirigirte Herr Lehrer Wagner, Dirigent des Marienkirchenchores.
die Art ihrer Beschäftigung rechtzeitig die dem Aufnahmegesuch beizufügenden Aufzeichnungen zu machen.
* Versetzt. Die Herren Lehrer Scholling und Wenzel, ersterer seither an der Knabenmittelschule, letzterer an der Knabenvolksschule dahier thätig, sind vom 1. Juli d. I. an die städtischen Schulen nach Frankfurt a. M. versetzt.
* In gefährlicher Lage. Am Freitag Nachmittag gegen 2 Uhr fuhren drei junge Leute auf der Kinzig in der Nähe der Herrnmühle Kahn; als sie in der Nähe des Rechens landen wollten, glitt einer der Herren aus und stürzte ins Wasser. Glücklicherweise konnte er sich mit einer Hand am Rechen anklammern und wurde von einem der beiden Anderen mit größter Anstrengung aus seiner gefährlichen Lage befreit.
* Abonnements - Concert im „Kaiserhof". Morgen Dienstag Abend findet im Concertgarten „Kaiserhof" das dritte Abonnementsconcert der Ulanenkapelle statt, worauf wir auch an dieser Stelle noch besonders hinweisen möchten. Bei der jetzt erfreulicherweise herrschenden angenehmen Temperatur dürfte sich der Aufenthalt in dem prächtigen Garten für alle Besucher zu einem recht genußreichen gestalten.
* Sommertheater „Becks Fetsenkeller". Das diesmalige Programm der Darbietungen auf „Becks Felsenkeller" ist ein besonders gewähltes und vorzügliches. Wir nennen vor Allem den Schnellmaler, Thierstimmenimitator rc. Gutberg, den vorzüglichen Humoristen Elliot, die anerkannt tüchtigen, stimmlich recht gut beanlagten Soubretten Frl. B u r k a r d t und L. D r 0 l l a, sodann den Japanesen Gama-Mottes. Der Besuch der heutigen Vorstellung kann deshalb nur empfohlen werden.
* Das 49» Feldborgfest war vom schönsten Wetter begünstigt. In dem Vierkampf mußte eine Aenderung vorgenommen werden, indem das Weithochsprlngen ausfiel. Die Uebungen bestanden in Stabhochsprung, Steinweitstoßen und Laufen über 200 Meter. Den 1. Sieg errang mit 29 Punkten K. Schäfer, Turngemeinde Bornheim, den 2. Sieg errangen mit 28*A Punkten, H. Roth, Turnverein Kaste! und W. Schmidt, Turnverein Essen. Den 3. Sieg errangen mit 28 Punkten G. Heck, Turnverein Ried, W. Ranck, Turnvcr- ein Dörnigheim und H. Rocker, Turngemeinde Worms. Den 4. Sieg errangen mit 271 /» Punkten Chr. Schäffer, Turngesellschaft Friesenheim, F. Mäußer, Turngesell- schaft Dörnigheim, M. Gaß, Turngesellschaft Niederrad und A. Herbert, Turngemeinde Darmstadt. Den 5. Sieg errangen W. Urban, Turnverein Heddernheim, I. Herrmann, Turnverein Frankfurt, K. Senff, Turngesellschaft Bürzel, A. Muth, Turnverein Hausen, N. Becker, Turverein Oberts- hausen und F. Peter, Turnverein Offenbach. An demSonder- wettturnen, welches in Kugelstoßen bestand, betheiligten fich 60 Turner. Den ersten Sieg errang F. Veltum, Fechenheim, mit
Der Hanauer Marienkirchenchor brächte dann unter Leitung seines Dirigenten Herrn Lehrer Wagner, den Chor „Das Leben welkt wie Gras" zu Gehör und weiterhin der Hanauer Johanneskirchenchor unter Leitung seines Dirigenten das Lied „Ach, wann werd' ich dahin kommen". Der gemeinschaftliche Chor „Jerusalem, du hochgebaute Stadt" und eine herzliche Ansprache des Geist- lichen schloß die erhebende Feier. Das Gotteshaus konnte die Menge der Theilnehmer an der Feier kaum fassen.
Abends gegen 7 Uhr fand dann eine gesellige Vereinigung der Kirchenchöre in dem überfüllten Saale „Zur Hoffnung" statt. Nach gemeinsamem Gesang hielt Herr Generalsuperintendent I). W e r n e r aus Cassel die Eröffnungsansprache, in welcher er alle Freunde der Bestrebungen der Kirchenchöre herzlich willkommen hieß, seiner hohen Freude über die heute gehörten Leistungen der Kirchenchöre beredten Ausdruck verlieh und mit dem Wunsche schloß, daß die Kirchenchöre mit ihren verdienstvollen Leitern auf dem betretenen Wege weiterwallen möchten, Gott zur Ehre und Andere« und sich selbst zur Freude. Was die einzelnen Kirchenchorvorträge betrifft, so sangen im Laufe des Abends der Wächtersbacher Kirchenchor „Ich hebe meine Augen auf" und „Der Herr ist mein getreuer Hirt"; der Hanauer Marienkirchenchor „Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein" und „Ein Blümlein auf der Heide, das liegt mir in dem Sinn"; der Hanauer Johanneskirchenchor „O, Jesulein" und „Danket dem Herren"; der Gelnhäuser Kirchenchor endlich „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet" und „Schönster Herr Jesu!" Sämmtliche Chöre wurden in schöner, abgerundeter Form zu Gehör gebracht.
Ansprachen wurden gehalten außer der erwähnten des Herrn Generalsuperintendenten D. Werner noch von Herrn Pfarrer B ä r-Hanau (Das Lied im Hause), ferner von Herrn Organisten D. P a u l st i ch-Hanau (Das Lied in der Schule), von Herrn Pfarrer M e y e n s ch e i n-Altenhaßlau (Das Lied in der Kirche) und von Herrn Metropolitan S ch ä s er-Geln-