Hanauer G Anjeiger
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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Mt- md Landkreis Hanau.
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Derantwortl. Redakteur: G. S ch r e ck e r in Hanau,
3lt* 141* Fernsprechanschluß Nr. 605»
Freilaa den 20. Juni.
Fernsprechanschluß Nr. 605. 1902
Amtliches
Landkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
Die Landwegestrecke zwischen Leipziger-(Fuldaer)-Straße und Langendiebach wird in der Zeit vom 23. Juni bis 3. Juli wegen der daselbst stattfindenden Dampfwalzarbeiten für den Fuhrverkehr gesperrt sein.
Hanau den 19. Juni 1902.
Der Königliche Landrath.
V 5954 v. Schen ck.
Hue Stadt und Candt
Hanau, 20. Juni.
* Ueber den Verkehr mit Kraftfahrzeugen (Automobilen, Moior-Fahrrädern rc.) sind neue Bestimmungen erlassen worden. Der Herr Oberpräsident macht im RegierungsAmtsblatte bekannt, daß die §§ 9 und 13 Abs. 1 der Pro- vinzial-Polizei-Verordnung vom 13. November 1901 durch nachstehende Vorschriften ersetzt worden sind: § 9. „Jedes Kraftfahrzeug, mit welchem innerhalb der Provinz Hessen- Nassau öffentliche Straßen befahren werden, muß mit einem polizeilichen Kennzeichen versehen sein, welches aus einer Bezeichnung der Provinz, in welcher das Fahrzeug polizeilich registrirt ist und einer Erkennungsnummer besteht." § 13 Abs. 1. „Das Kennzeichen ist auf der Rückseite des Fahrzeugs nach außen hin an leicht sichtbarer Stelle, sowie in deutlich lesbarer Schrfft anzubringen und, währeM^er Dunkelheit zu beleuchten." In Ausführung der genannten Polizei-Verordnung wird sodann unter Aufhebung der Ausführungs-Bekannt» machung vom 13. November 1901 folgendes bestimmt: 1) Zur Bezeichnung der in der Provinz Hessen-Nassau polizeilich re- gistrirten Kraftfahrzeuge dient der Buchstabe T in großer lateinischer Schrift. Für die Erkennungsnummer sind arabische Ziffern zu verwenden. 2) Das polizeiliche Kennzeichen (Buchstabe und Erkennungs-Nummer) ist auf der Wandung des Fahrzeuges selbst oder auf einer mit diesem durch Schrauben mit versenkten Köpfen fest verbundenen Tafel mit möglichst platter Oberfläche bei Kraft-Fahrrädern auf einem hinten am Rade rechtwinkelig zur Fahrrichtung und senkrecht zum Erdboden untrennbar befestigten Metallschilde anzubringen. Es ist in schwarzer 12 Ctm. hoher und im Grundstrich 2 Ctm. starker Schrift auf weißem Grunde herzustellen. Der Buchstabe muß über der Erkennungsnummer stehen. Der Abstand zwischen beiden und zwischen den einzelnen Ziffern der Erkennungsnummer hat 2 Ctm. zu betragen. Die Anbringung von Schnörkeln und Verzierungen an dem Buchstaben und Zahlen sowie auf der Tafel selbst ist unzulässig.
* Bijouterie. In einer Versammlung des Kreditorenvereins für die Bijouterie-Industrie zu Schw. Gmünd verbreitete sich u. a. ein Herr Hischmann von dort über das Thema: „Wi-e können unsere geschäftlichen Beziehungen nach Ost asten in Fluß gebracht werden? Weg und Mittel hierzu?" Für die Bijouteriebranche spielten weder unsere afrikanischen noch asiatischen Kolonien bisher einen beachtenswerthen Faktor, da Deutschlands Ausfuhr pro 1899 nur 49 Millionen, pro 1900 nur 69 Millionen betrug. Doch sind deutsche Firmen thätig und es ist nicht schwer, mit denselben in Verbindung zu treten. Vielleicht empfiehlt es sich, Hand in Hand zu gehen mit der Uhrenindustrie, die dort schon Vertretungen habe. Der Chinefe ist sehr konservativ; es ist also schwer dort festen Fuß zu fassen. Krönung des Ganzen wäre eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung zur Vertretung der Interessen der Bijoutcne- branche. Herr Scheffler gab Aufschluß über die in dieser Richtung bereits gemachten Schritte, speziell über die werthvollen Mittheilungen des badischen Ministers v. Brauer, während die württembergische Zentralstelle nichts ans Ausland (Pforzheim) verrieth. Pforzheim wartet den Beschluss der Gmündcr Firmen ab und ist gewillt, Hand in Hand mit, letzteren vor- zugehen und wenn es sein muß, auch ohne diele.
P.-A. Mittekheinisch-s Turnfest. Aus Worms wird uns geschrieben: An sämmtliche dem Mittelrhemkre) angehörende Turnvereine sind nunmehr die Einladungen z dem vom 2.-5. August d.J. hier st°Bndenden großen ergangen. Die altehrwürdige, sagenreiche Rhernstadt gibt 1 ch der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß recht viele! ^urnerund Freunde der Turnsache dieser Emladung ■/* m den wer und wird alles aufbieten, um ihren Gästen den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Als ^ftpN '^ em großer Wiesenplan ausgewählt worden, der neben h - in unmittelbarer Nähe der Stadt schon gelegenist und von dem ein entsprechend großer Theil zum Schaup tz rischen Wettstreites hergerichtet wird. Den Mittelpunkt des
festlichen Lebens wird das große Festzelt bilden, das für 3000 Personen Raum bieten soll. Als weitere Stätten der leiblichen Erquickung sind drei große Bierzelte, ein geräumiges Weinzelt und ein Wiener Gase vorgesehen. Für die Beleuchtung des Festplatzes und sämmtlicher Wirtbschaftsräume ist elektrisches Licht in Aussicht genommen. Der Musik- und Vergnügungsausschuß wird weder Mühe noch Kosten scheuen, um durch abwechselungsreiche Veranstaltungen verschiedener Art dem Feste ein besonders glanzvolles Gepräge zu verleihen.
* Jahresversammlung des Hess. Kirchengesang- Vereins zu Gelnhansen. Den Mitgliedern der beiden Kirchenchöre, sowie sonstigen Theilnehmern dient hiermit zur Nachricht, daß gelegentlich der Jahresversammlung des Hessischen Kirchengefangvereins zu Gelnhausen kommenden Sonntag den 22. Juni folgendes Programm festgesetzt ist: 1. Abfahrt: Hanau-Ost 11.37, Ankunft: Gelnhausen 12.17 (Ssnntags- billet). 2. Besichtigung der Barbarossapfalz. 3. ^2 Uhr: Gemeinschaftlicher Kaffee im Garten des Kasinos. 4. Um 3 Uhr: Probe in der Kirche mit den anderen Kirchengesang- vereinen. 5. Hieran anschließend: Besichtigung der Kirche. 6. Von 4‘/s— 51/» Uhr: Liturgische Andacht. 7. Nach derselben Spaziergang in den Schöffer'schen Garten. 8. Von */2 7 Uhr ab: Gesellige Vereinigung der Kirchenchöre in dem Gasthaus „zur Hoffnung"; dortselbst Abendessen nach Belieben. 9) Abfahrt von Gelnhausen 8.35 und 10.49, Ankunft in Hanau 9.18 und 11.36.
ß Die Ergebnisse des Weilburger Wetterdienstes im Mai liegen jetzt vor. Die Wettervorhersagen zeichneten sich dadurch aus, daß nur solche Ausdrücke gebraucht wurden, welche allgemein verständlich und unzweideutig sind. Es sind dies stets dieselben, wie sie auf Grund wiederholter Umfragen bei einer großen Zahl von Interessenten, besonders praktischen Landwirthen, Beobachtern der Meteorologischen Stationen rc. sich als die brauchbarsten ergeben haben. Die Voraussagen sind ferner insofern vollständig, als sie jedesmal eine Angabe über das muthmaßliche Verhalten aller 4 Witterungselemente enthalten: Wind, Bewölkung, Wärme und Regen bezw. Gewitter. Das Eintreffen der Voraussagen für die verschiedenen Gegenden Nassaus (und Oberhessens) wird auf Anordnung des Ministeriums für Landwirthschaft durch 20 Vertrauensmänner der Landwirthschaftskammer zu Wiesbaden (und des landw. Vereins für Oberhessen) auf die Weise geprüft, daß diese täglich das eingetretene Wetter aufzeichnen und nach Weilburg berichten. Zur Berechnung der Trefferprozente wird eine Methode angewandt, welcher wohl Niemand, der sie kennt, Sachlichkeit und Unparteilichkeit absprechen wird. Für den Mai zeigen nun die Voraussagen im mittleren Lahngebiet 89 pCt. Treffer, im oberen und unteren Lahngebiet 85 pCt., in den nicht im Lahngebiet gelegenen Theilen Nassaus 82 pCt., in Oberhessen 84 pCt. Treffer. Trotzdem dieses Ergebniß hinter den Durchschnittsziffern des vorigen Sommers ein wenig zurückbleibt, kann es doch als zufriedenstellend bezeichnet werden, wenn man bedenkt, daß die oben erwähnte Genauigkeit im Ausdruck und Vollständigkeit der Voraussagen naturgemäß die Quelle für manchen Fehler wird, den allgemeiner gehaltene oder unvollständigere Voraussagen vermeiden, zumal von einem „Wohlwollen" der Vertrauensmänner bei der angewandten Methode nicht die Rede sein kann. Schließlich ist erfreulich, daß fast alle Voraussagen ganz oder doch vorwiegend richtig waren. Bloß 1—4 pCt. (je nach der Gegend) waren halbrichtig. Vorwiegend unrichtige oder ganz falsche sind überhaupt nicht vorgekommen.
* Amtsjubiläum. Der Bürgermeister Stroh aus Marköbel begeht heute die Feier seines 25-jährigen Amts- Jubiläums.
* Rabenvertilgung. Das Ergebniß der in diesem Frühjahr vorgenommenen Rabenvertilgung im Landkreise Hanau ist Folgendes: Es wurden 3081 Nester zerstört, 19 762 Rabeneier, 5486 junge und 518 alte Raben abgeliefert. Die Ge- sammtsumme an gezahlten Prämien betrug 1520.31 Mk.
* Stadt Bremen. Der rührige Restaurateur der „Stadt Bremen" hat bekanntlich sogen. Freitags-Concerte cin- geführt, die in dem einen schönen Aufenthalt gewährenden Gärtchen des betreffenden Etablissements stattfinden. Wir bemerken an dieser Stelle, daß heute Abend ein solches Concert abgehalten wird.
* Fahnenweihe des Gesangvereins „Eintracht" zu Ravolzhausen. Der Witterungsumschlag kommt wohl auch den am nächsten Sonntag stattfindenden Festlichkeiten zu Gute, von denen wir an erster Stelle das Fahnenweihe-Fest des Gesangvereins „Eintracht" mit gemischtem Chor zu Ravolzhausen nennen wollen. Als Festtage sind Samstag, Sonntag und Montag (21., 22. und 23. Juni) vorgesehen. Der Hauptfesttag ist Sonntag der 22. d. M. Der Festplatz liegt direkt am Kleinbahnhof und bietet hinreichende Gelegenheit zur Entfaltung eines großen Volksfestes. Die Hanauer Kleinbahn
hat zwei E x t r a z ü g e, zu denen aber Billete zu ermäßigten Fahrpreisen nicht verabfolgt werden können, eingelegt. Der eine Zug geht Sonntag Nachmittag 2 Uhr von Hanau ab, der andere Extrazug verläßt Ravolzhausen 10 Uhr abends und fährt in der Richtung nach Hanau. Wir bemerken noch, daß der Festzug in Ravolzhausen etwa um 21/» Uhr dort ab- geht, sodaß die Paffagiere des Extrazuges der Kleinbahn noch rechtzeitig dort eintreffen. Festwirth ist Herr U l s a m e r au? Hanau. Die Festmnstk führt die Hanauer Jnfanteriekapelle aus.
Sprechfaul.
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Anfrage!
Könnte die verehrliche Stadtverwaltung nicht dafür Sorge tragen, daß das Aufstellen von Fuhrwerken in der an und für sich schon sehr engen Mühlstraße endlich einmal verboten würde?
Dieses Aufstellen hat so überhand genommen, daß es den betr. Besitzern gar nicht mehr darauf ankommt, ihre Fuhrwerke auch auf dem Trottoir, rechts und links, stehen zu lassen, so daß den Passanten nichts Weiteres übrig bleibt, als sich durch ein Chaos von Wagen und Pferden auf dem Fahrdamm Hindurchzuschlängeln.
Sollte jedoch ein solches Vorgehen nicht angängig erscheinen, so dürfte es wohl an der Zeit sein, die Mühlstraße mit erhöhtem Trottoir zu versehen, denn dann hörten diese Mißstände von selbst auf und es wäre den Passanten ermöglicht, ohne Lebensgefahr und ohne sich beschmutzen zu müssen, die Straße zu begehen. Ein Anwohner.
Aus dem Gerichtssaal.
Sitzung des Schwurgerichts vom 19. Juni.
Unterschlagung und Urkundenfälschung.
Während der kurzm Herrschaft, die der Prinz von Oranien im Anfang des vorigen Jahrhunderts über die Fuldaischen Lande ausübte, gründete er aus der Zusammenlegung des Vermögens der katholischen Stiftsherren, welche damals in Rasdorf ihren Sitz hatten, einen Fonds, dessen Erträgnisse für Zwecke des höheren Schulwesens bestimmt wurden. Es entstand daraus das Lyceum in Fulda, welches später mit dem Gymnasium vereinigt wurde. Fulda war 1803 durch Reichsdeputationsbeschluß mit Korvey und Dortmund zu einer Herrschaft vereinigt worden, welche an den Fürsten von Naffau und Dietz kam, der sie seinerseits seinem Sohn, dem Prinzen Wilhelm, nachmaligen König der Niederlande, verlieh. Als dieser sich 1806 weigerte, dem Rheinbünde beizutreten, nahmen die Franzosen seine Lande in Besitz. Von diesen kamen sie wieder an Preußen, dann an Kurheffen, um endlich mit diesem abermals mit Preußen vereinigt zu werden. Durch alle Wandlungen der Geschichte hat nun diese Einrichtung des Oranier- prinzen, nämlich die Lyceumsstiftung, ihren selbständigen Charakter im Sinne des Stifters behalten, d. h. die Stiftung wird selbständig unter Aufsicht des Staates verwaltet und ihre Erträgnisse dienen zur Deckung der Ausgaben für das Lyceum, bezw. Gymnasium, wozu der Staat einen Zuschuß leistet. Das Vermögen der Stiftung beträgt etwa 200 000 Mk., die Gelder werden gegen Hypotheken ausgeliehen. Der jährliche Etat balanzirte gewöhnlich mit 27—28 000 M. Rendant dieser Stiftung war von 1886 bis zum März 1900 der Landwirth Adalbert Gutberlet von Rasdorf, geb. am 26. Septbr. 1854 daselbst, der das Amt von seinem Vater übernommen hatte. Im März 1900 wurden bei einer Reviston, die durch Vertreter der Regierung zu Caffel vorgenommen wurde, Fehlbeträge zunächst in Höhe von 4400 M. entdeckt. Der Rendant legte auf Aufforderung der Regierung sein Amt nieder. Spätere Erhebungen ergaben, daß er Unterschlagungen in Höhe von zirka 13000 M. begangen und die Bücher gefälscht hatte.
Der Angeklagte sitzt seit November v. I. in Untersuchungshaft. Die Anklage legt ihm zur Last, in den Jahren vor dem 10. März 1901 Beträge in Höhe von 13000 M., Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft empfangen, unterschlagen und die zur Kontrolle der Einnahmen und Ausgaben dienenden Bücher gefälscht zu haben, ferner hierauf bezügliche Urkunden vernichtet zu haben. Infolge des oben geschilderten nahen Verhältnisses der Slifung zum Staate ist es strittig geworden, ob der Angeklagte als Beamter anzusehen ist oder nicht. Die Anklagebehörde war früher der Ansicht, der Beschuldigte sei nicht als Beamter anzusehen, und hatte die Verweisung der Sache vor die Strafkammer beantragt. Die Strafkammer in Fulda aber erklärte sich für unzuständig, weil sie dm Angeklagten für einen Beamten ansah. Infolgedessen würde ein Verbrechen vorliegen und die Sache vor das Schwurgericht