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General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Derantmortl. Redakteur: G. S ch r e ck c r in Hanau,
Nr. 139. Fernsprechanschlvß Nr. 605.
Mittwoch den 18. Juni.
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
Amtliches
Landkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.
An der evangelischen Volksschule zu Langenselbold ist eine Lehrerstelle zu besetzen. Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1200 Mark, der Einheitssatz der Alterszulage 150 Mark und die Miethsentschädigung 300 Mark. Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen binnen 14 Tagen an den Schulvorstand zu Langenselbold z. H. des stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Pfarrer Hufnagel daselbst einreichen.
Es wird bemerkt, daß nur solche Bewerber Berücksichtigung finden können, welche besonders für den Turn- und Zeichenunterricht befähigt find.
Hanau den 16. Juni 1902.
Für den Schulvorstand: .
V 5838 Der Königliche Landrath v. S ch e n ck.
politische Rundschau.
Das Kriegsministerium theilt über die Fahrt der Truppentransportschiffe mit: Heimkehrende Mannschaften vom 2. Bataillon des 3. und vom 3. Bataillon des 2. ostasia- tischen Infanterie-Regiments und der ostasiatischen Eskadron Jäger zu Pferde sind am 15. Juni in Taku nach Schanghai für die Heimreise mit dem Reichspostdampfer „Hamburg" eingeschifft, zusammen 15 Offiziere, 472 Mann unter Führung des Majors von Schönberg.
Die Fleischbeschau-Kommission des Herrenhauses nahm die Vorlage in der Fassung des Abgeordnetenhauses an.
Zur Beseitigung der Gerichtsferien hat die Vereinigung von Handelskammern des niederrheinisch-westfälischen Jndustriebezirkes eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet. Die Einrichtung der Gerichtsferien lasse sich mit einer geordneten, unverzögerten Rechtspflege nicht in Einklang bringen und sei bei dem Verkehrs- und Wirthschaftsleben der Gegenwart nicht mehr zu rechtfertigen. Es wird hervorgehoben, wie ursprünglich diese Ferien in erster Linie als eine Befreiung bezw. Erleichterung der rechtsuchenden Parteien gedacht waren. Im Laufe der Zeit ha^e sich dann die alte Zweckbestimmung der Gerichtsferien ganz in ihr Gegentheil verkehrt, indem man heute die Gerichtsferien in erster Linie als eine Wohllhat für die Justizbeamten in weitestem Sinne anzusehen pflegt. Die Eingabe führt aus, wie für diese selbst, ebenso für Rechtsanwälte usw. es praktischer ist, wenn die Beurlaubungen nicht auf nur zwei Monate zusammengedrängt werden.
Die zweite hessische Kammer nahm mit 40 gegen 5 Stimmen Artikel 4 der Regierungsvorlage betreffend das Landtagswahlgesetz an, welcher die Einführung des allgemeinen direkten und geheimen Wahlrechts vorsteht.
Ein österreichisches Kriegsschiff in Hamburg. Das österreichische Kriegsschiff „Szigetva" ist im Hamburger Hafen eingetroffen. Gestern Vormittag begab sich der Kommandant zur Abstattung offizieller Besuche an Land. Am Nachmittag haben die Vertreter der Behörden den Besuch erwidert. Der Aufenthalt des „Szigeivar" in Hamburg soll bis zum 22. d. Mts. dauern. Das Schiff geht sodann zu den Krönungsfeierlichkeiten nach England.
Im englischen Unterhause fragte gestern Wir Bowles an, ob in Anbetracht der vermehrten, Sicherheit, die dem Handel und der Industrie der südafrikanischen Kolornen allgemein aus dem Ergebniß des Krieges erwachsen, die Regierung der Kapkolonie und Ratals aufgefordert werden wurden, die Besitzer der De Beers- und anderer Diamanten- und Goldminen in Südafrika außerhalb Transvaals und der Oranjekolonie zu den Kriegskosten heranzuzrehen. Chamberlain erwidert schriftlich, die Regierung beabsichtige nicht, ^ Ueber^die Erkrantungoes Königs vou Eug- land verlautet Folgendes: Bei Gelegenheit eines militärischen Fackelzuges im Lage? von Aldershot, mit dem die Kronungs- feierlichkeiten so zusagen als eröffnet anzu ehen sind, zog ich der König einen Herenschuß zu, der den telegraphisch H^ gerufenen Leibarzt veranlaßte, dem Komg vollständige S 5 vorzuschreiben. Es ist natürlich, daß duse lo kurz vor der Krönung auftretende, wenn auch leichte Erkran ung, große Unruhe hervorrief, nicht als wenn mangefürchtete, daß di- Krankheit ernst werden könne, sondern weil man eme Siörung der mit so großen Kosten vorbereiteten ^eier für nicht ausge-
Die^enalischen Zölle auf Spiritussen^ feste und flüssige Glukose sind mit Wirkung vom heutigen -vage erhöh worden.
Lord Kitchener telegraphirte am 17.: Die Uebergabe- listen sind jetzt in Transvaal und der Oranjeflußkolonie vollständig. In Transvaal haben sich 11225 Mann mit 10 843 Gewehren übergeben, in der Oranjeflußkolonie 5395 Mann mit 5280 Gewehren. Die Liste aus der Kapkolonie ist noch nicht vollständig.
Erhöhung von Einfuhrzöllen. Durch Beschluß der Nationalversammlung von Guatemala sind die Einfuhrzölle auf Wein, Bier und Liqueure um 20 pCt. erhöht worden.
Hue Stadt und Cand.
Hanau, 18. Juni.
* Ungünstige Wetteraussichten. Die diesmalige Prognose des bekanntlich um die Wetterkunde überaus verdienten Kartographen und Meteorologen H. H a b e n i ch t zu Gotha ist jüngst, am 11. Juli zur Veröffentlichung gelangt, und zwar prognostizirt Genannter wie folgt: „Ueber die Eisverhältnisse in Island sind wir diesmal in der Lage, Ausführliches zu berichten. Mitte Februar stellte sich das Polareis bei Island ein und hatte am 10. Mai noch die ganze Insel blockirt; bis 20 Meilen von ihrer Südspitze war die Schifffahrt unmöglich. Hieraus war theoretisch auf einen sehr nassen Sommer für Mitteleuropa zu schließen, jedoch dürfte der infolge des Eismangels bei Neufundland zu erwartende Mangel an tieferen und zahlreichen atlantischen Minimas auf den Einfluß des Jslandeises mildernd wirken. Ein extrem heißer und trockener Sommer dürfte daher wohl nicht zu erwarten sein, sondern ein wechselvoller, mit vorwiegender Neigung zur Kühlung und Nässe."
* Postpersoualieu. Angeuomme^,^
Sergeant Bellebaum uud Vicewachtmeister Voklmer in Hanau. Versetzt sind die Postassistenten: Krohn von Fulda nach Hanau und S t a u f e n b er g von Bergen nach Windecken.
* Staatliche Reilebeihilfe anm Besuche der Düsseldorfer Ausstellung. Nach einer an den Vorstand des hiesigen Handwerker- und Gewerbevereins gelangten Mittheilung beabsichtigt der Herr Minister für Handel und Gewerbe mit Rücksicht auf die günstigen Erfolge, die mit der durch staatliche Beihilfen geförderten Entsendung von Handwerksmeistern und gewerblichen und kunstgewerblichen Arbeitern nach Paris zum Besuche der Weltausstellung erzielt worden sind, einer größeren Anzahl solcher Personen durch Gewährung von Reisebeihilfen aus Staatsmitteln auch den Besuch der Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf zu ermöglichen. Zu diesem Zwecke hat der Herr Minister in Aussicht genommen, Reisebeihilfen von je 50 Mk. bis 150 Mk. etwa 400 Handwerksmeistern, gewerblichen und kunstgewerblichen Arbeitern zu gewähren und dabei die Vorschläge solcher Städte, Handwerkskammern, Gewerbevereinen und ähnlichen Vereinigungen vorzugsweise zu berücksichtigen, die sich verpflichten, in gleicher Weise Mittel zum Besuche der Düsseldorfer Ausstellung aufzuwenden. Dabei sollen nur die Städte und Bezirke in Frage kommen, die von Düsseldorf weiter entfernt liegen und von denen aus, um nach Düsseldorf zu gelangen, ein größerer Zeit- und Geldaufwand erforderlich ist. Es soll Bedacht darauf genommen werden, soweit möglich nur solche Personen auszuwählen, die im Stande sind und sich verpflichten, über ihre Beobachtungen auf der Ausstellung auf fach- gewerblichem Gebiete den Städten, Innungen, Handwerkeroder Gewerbevereinen schriftlich oder mündlich Bericht zu erstatten. — Der Vorstand des hiesigen Handwerker- und Gewerbevereins ist vom Herrn Regierungs-Präsi- denten in Cassel gleichzeitig ersucht worden, Vorschläge und nähere Mittheilungen an ihn gelangen zu lassen. In Verfolg dieser Aufforderung beschloß der Vorstand des Vereins, 6 Mitglieder für den Besuch der Ausstellung und zur Gewährung einer Reisebeihilfe aus staatlichen Mitteln in Vorschlag zu bringen.
* Meister-Prüfung. Ende dieses Monats findet dahier die erste Meister-Prüfung statt, zu der die Königl. Regierung jedenfalls einen Vertreter entsenden wird. Einige junge Leute, die vor der Prüfung stehen, können sich noch zur Abnahme derselben bei dem Vorstandsmitgliede der Handwerkskammer Herrn K. Müller dahier melden.
* Die Lehrverträge, die zur Eintragung in die Handwerkerrolle nach Cassel geschickt worden sind, können, nachdem dieselben wieder retour gesandt, bei Herrn K. Müller dahier in Empfang genommen werden.
* Handwerkskammer. Eine Vollversammlung der Handwerkskammer für den Regierungsbezirk Cassel findet am Montag den 30. d. M. in Cassel statt.
* Schlechte Honigernte. Trübe Aussichten eröffnen sich unseren Bienenvölkern. Das lang anhaltende kühle Wetter hat nicht nur die Ausnutzung der reichen Tracht der Obstbäume verhindert und Tausenden von kühnen Flugbienen, die
sich herauswagten, den Tod durch Erstarren gebracht, sondern es hat auch das Brutgeschäft stark beeinträchtigt. Die nächste Folge ist das Fehlen von Arbeitsbienen. So kann die bevorstehende Haupttracht aus den Kleearten nicht ausgenutzt werden und eine schlechte Honigernte ist sicher zu erwarten.
* Entgleisung eines v-Zuges. Der v-Zug 6 B e r l i n—F rankfurt a. M., der gestern um 4 Uhr 3 Min. nachmittags hier eintreffen sollte, ist hinter Bebra bei der Haltestelle Ronshausen auf freier Strecke mit zwei Wagen entgleist. Drei Personen, zwei Reisende und eine Wartefrau, wurden leicht verletzt. Die beiden Wagen sind nicht unerheblich beschädigt. Beide Geleise waren bis 3 Uhr gesperrt. Nach 3 Uhr wurde eins, gegen 7 Uhr abends beide wieder fahrbar. Der Zug fuhr mit einer Verspätung von 53 Minuten in der Richtung nach Hanau-Frankfurt a. M. weiter. Von Frankfurt ging zur fahrplanmäßigen Zeit ein Vorzug nach Basel ab. — Ueber den Unfall wird noch berichtet: Wie von Reisenden erzählt wird, hat sich der Unfall etwa 200 Meter vor dem Hönebacher Tunnel zugetragen und zwar an einer Stelle, wo am Bahnkörper Reparaturen vorgenommen wurden. Die beiden entgleisten Wagen (Personenwagen) sollen infolge der Entgleisung unbrauchbar geworden sein, trotzdem haben die darin befindlichen Personen nur ganz leichte Verletzungen (meistens Hautabschürfungen) erlitten. Beide Wagen versperrten die Gleise, sodaß der Verkehr an der Unfallstelle mehrere Stunden gestört war. Der übrige Theil des Zuges fuhr nach Bebra weiter, wo auf dem Bahnhof beide Bahnärzte anwesend waren. Die wenigen verletzten Personen konnten, nachdem sie verbunden worden waren, mit 50 Minuten Verspätung ihre Reise in der Richtung nach Frankfurt fortsetzen. — Von anderer Seite wird erzählt: Der Schaffner des Zuges, der sich im vorletzten Wagen befand, bemerkte durch die sprühenden Sandwolken das Unglück und zog sofort die Nothbremse, so daß der Zug auf eine verhältnißmäßig kurze Strecke gestellt werden konnte. Durch dieses rasche Bremsen sind die Puffer der letzten Wagen ineinandergeschoben. Die beiden letzten Wagen, die sehr gut besetzt waren, erlitten Beschädigungen und mußten zurückbleiben. Von den darin befindlichen Reisenden erlitten glücklicher Weise nur zwei Herren an den Händen leichte Verletzungen; man legte ihnen sofort Nothverbände an. Beide konnten die Reise nach Frankfurt fortsetzen. Der Zug- theil, dem man in Bebra für die verunglückten Wagen Ersatz bereitstellte, traf um ö1/» Uhr in Frankfurt ein. Da man in Frankfurt annahm, daß mehrere Reisende verletzt seien, traf die Bahnverwaltung dort ausreichende Vorsorge, den Verwundeten ärztliche Hilfe zu leisten; glücklicher Weise war das Unglück nicht derart, daß hiervon Gebrauch gemacht werden mußte.
* Militär-Concert. Wie wir bereits heute mittheilen können, wird am Dienstag den 1. Juli die rühmlichst bekannte Regimentsmusik des Kgl. bayr. 5. Feldartillerie- Regiments (Garnison Landau i. d. Pfalz) unter Leitung ihres Musikmeisters, Herrn Ferd. Schneider, im Concertgarten „Bürgerbräu" concertiren. Von der Kapelle schreibt' man unter Anderem aus Berchtesgaden: Die Leistungen der gestern hier concertirenden Regimentsmusik des Kgl. bayr. 5. Feldart.- Reg. aus Landau waren einzig. Wir können uns nicht erinnern, eine so vorzüglich geschulte Artilleriemusik hier gehört zu haben. Die Reinheit des Zusammenspiels, der herrliche, bei getragenen Stellen wie Orgelspiel wirkende Klang, welcher dieser Kapelle eigen ist, war uns bisher fremd. Die Stücke wie: „Gebet und Schlachthymne" v. Rienzi, „Faust Diver- tissement", Tongemälde a. d. Tetralogie, „Der Ring des Nibelungen", mit ihren reichen Harmonien, sind von einer solchen Kapelle gehört, ein wahrer Genuß. Auf das Nähere des Programms kommen wir noch zurück.
* National-Stenographie. Der diesjährige Südwestdeutsche Verbandstag für National-Stenographie findet am 20. Juli in Baden-Baden statt. Der Vorsitzende des Verbandes, Herr Hauptlehrer Blasius Müller, Baden-Baden, wird einen Vortrag halten über das Thema: „Die National-Steno- graphie als Schrift der Zukunft". Auch wird der hiesige National-Stenographenverein einen Vertreter senden und findet dieserhalb Donnerstag Abmd eine Generalversammlung statt.
* Neu erwachte Lebenslust. Wiedergefunden hat sich die kürzlich von Offenbach aus als vermißt gemeldete 17- jährige Dienstmagd Eugenie E tz e l, die vor ungefähr 8 Tagen ihren Dienst in Offenbach heimlich verlassen und einen Brief geschrieben hatte, daß sie sich umbringen wolle. Sie befindet sich wohl und munter in Hanau und scheint hiernach die Lebenslust nicht ernstlich verloren zu haben.
* Heffenland. Inhalt der Nummer 12 des „Hessenland" : Traudt, Valentin. „Der junge Sieger" (Gedicht). — Armbrust, L. „Der Reformator Johann Sutel". — Bergsr, Dr. phil. „Hessen - Darmstadts Abfall von Napoleon I."