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Erstes Blatt.

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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei deZ verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur; G. Schrecker in Hanau,

Nr. 138.

Fernsprechanschlaß Nr. 605

Dienstag den 17. Juni

Fernsprechanschluß Nr. 605

1902

Hlcrzu

Amtliche Beilage" Nr. 13.

Amtliches

Stadt- und Landkreis Hanau. Ausschreibe«.

Eine unbekannte weibliche Leiche wurde am 2. Juni 1902 hierselbst aus dem Main gelandet. Beschreibung: 1,60 Meter groß, korpulent, hellblondes Haar. Das Alter wird auf ca. 20 bis 25 Jahre geschätzt. Kleidung: Schwarzer Rock, roth und schwarz karrirte Blouse, sowie niedere sogen. Spangen­schuhe. Dem Stande nach kann die Frauensperson eine land- wirthschaftliche Arbeiterin gewesen sein, die im Sonntagskleide in's Wasser gegangen ist.

Die Kleidungsstücke befinden sich zur Inaugenscheinnahme auf dem hiesigen Polizei-Präsidium.

Es wird um Nachforschungen und Mittheilung unter III b 6024 gebeten.

Frankfurt a. M., den 10. Juni 1902.

Der Polizei-Präsident.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 14. Juni 1902.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

P 6171 v. Schenck.

Landkreis Danau,

Bekanntmachungen des Königl. Landrathsamtes.

Unter dem Hühnerbestand des Landwirths Johs. Bender in Niederd orfelden ist die Gefliigelcholera festge­stellt worden. Ueber das Gehöft des Genannten wurde die Sperre verhängt.

Hanau den 17. Juni 1902.

Der Königliche Landrath.

V 5862 v. Schenck.

. Bekanntmachung.

Wegen Vornahme der Walzarbeiten auf der Kreisstraße OffenbachMühlheim wird dieselbe von, Montag den 16. Jrmi !. Js. für den Fuhrverkehr auf die Dauer von 4 Wochen gesperrt. Die Fuhrwerke, welche von und nach Mühlheim verkehren, haben ihrer: Weg über Rumpen- Heim und Bürgel zu nehmen.

Offenbach den 13. Juni 1902.

Großherzogliches Kreisamt Offenbach. v. Hombergk.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: am 14. d. Mts. im Graben der Land­straße FechenheimFrankfurt ein Fahrrad, dasselbe hat schwarze Felgen und nach unten gebogene Lenkstange, an den Pedalen Fußhaken, Laterne am Vorderrad, an der Werkzeugtasche der NamePresto", abzuholen bei der Ortspolizeibehörde in Fechenheim.

Hanau dm 17/ Juni 1902.

Hus Stadt und Cand.

Harra«, 17. Juni.

* Auf dem Gebiete -er praktischen Wetterkunde weht seit einiger Zeit ein frischerer Wind. * Es gilt, die Er­gebnisse der meteorologischen Wissenschaft für die Allgemeinheit nutzbarer zu machen. Dahin gehört vor Allem der vielfach ausgesprochene Wunsch aller Interessenten, hinreichend zuver­lässige Wettervoraussagen für den folgenden Tag rechtzeitig zugänglich zu machen. Was die Zuverläsngkeit der Sßoraus- sagen an betrifft, so hat man allgemein die Erfahrung gemalt, daß dieselbe um so mehr abnimmt, je großer das Gebiet si, für welches sie Geltung haben sollen. Beschrankt man sich aber auf ein kleineres Gebiet, so ist es heute schon mog ich, Voraussagen für den folgenden Tag aufzustellen, welche mi 8590 pCt. eintreffen. Auf wiederholte Anregung des deut­schen Landwirthschaftsraths geht man jetzt seitens der Preußi­schen Regierung mit dem Plane um, ganz Preußen m klein r Bezirke zu theilen, welche erfahrungsgemäß ziemlich gleiches Wetter haben und in jedem solchen Bezirk eme Wetterdienst­stelle einzurichten, welche dieselben mit allem Nöthigen vers g. Naturgemäß ist man hierbei noch nicht über Versuche hinaus- gekommen. Soll ferner eine gute Voraussage rvirttich nutzen, so muß sie spätestens bis mittags 12 Uhr für f 9 Tag festgeftellt sein und sofort telegraphisch verbreitet werden.

Leider hat das Reich es jetzt abgelehnt, die Verbreitung der Voraussagen durch die Post unentgeltlich zu übernehmen. Daher sind mehrere Versuche, die man im vorigen Jahre an- stellte, in diesem Sommer nicht wiederholt. So der groß an­gelegte Versuch in der Provinz Brandenburg, wochentäglich die Voraussagen des Berliner Wetterbureaus in der ganzen Pro­vinz telegrafisch zu verbreiten. Dieser Versuch hat trotz der bedeutenden Gebühren-Ermäßigung 10000 Mark erfordert nur für die Verbreitungskosten. So ist es vorläufig nur ein ein­ziger Bezirk Preußens, der einen derartigen Wetterdienst auch in diesem Sommer besitzt, der nassauische Theil des Lahnge­bietes. Für diesen ist der seit zwei Jahren an der Landwirth­schaftsschule zu Weilburg eingerichtete Wetterdienst Centralstelle. Letzterer hat bescheiden angefangen, aber allmählich hat sich auf den unmittelbaren Wunsch besonders der landwirthschaftlichen Kreise sein Gebiet und seine Thätigkeit immer mehr erweitern müssen. In diesem Sommer werden u. a. seit dem 1. Mai die Weilburger Wettervoraussagen täglich auch Sonntags mittags vor 12 Uhr durch die Post nach 165 Ortschaften des Lahngebietes mit Hilfe des Fernsprechers verbreitet und sofort am Postgebäude angeschlagen. Ueber die Ergebnisse werden wir berichten.

* Beitragspfticht zur Handelskammer. In dieser strittigen Frage ist neuerlich wieder eine Entscheidung ergangen, die sich gegen die Beitragspflicht von Gewerbe­treibenden richtet, insofern sie zur Handwerkskammer schon beitragspflichtig sind. Der Fall ist folgender: DerMaschinen- fabrikant Christoph König war von der Handelskammer zu Hanau zu den Beiträgen für die Handelskammer heran­gezogen worden und erhob Klage mit dem Anträge auf Freistellung, da er Handwerker und nicht Kaufmann sei, auch zu den Beiträgen für die Handwerkskammer her­angezogen werde. Er beschäftige in der Regel 12 bis 13 Arbeiter, davon seien 4 bis 5 Gesellen und die übrigen Lehr­linge, auch arbeite er selbst mit. Nachdem der Bezirksausschuß noch festgestellt hatte, daß König selbst seine Eintragung ins Handelsregister beantragt hatte, erkannte er auf Abweisung der Klage, da die beiden Voraussetzungen für die Beitragspflicht und die Wahlberechtigung zur Handelskammer vorhanden seien, denn König sei nicht nur zur Gewerbesteuer eingeschätzt, son­dern stehe auch im Handelsregister eingetragen. In seiner Revision behauptete König, er sei lediglich infolge von Straf­androhung veranlaßt worden, seine Eintragung ins Handels­register nachzusuchen. Es erscheine unzulässig, ihn sowohl zu Beiträgen zur Handels- und Handwerkskammer heranzuziehen. Der Vertreter der Handelskammer beantragte die Verwerfung der Revision und betonte, eine Doppelbesteuerung finde that­sächlich im weiten Umfange statt. Das Gesetz verhindere dies nicht; eine gesetzliche Regelung in dieser Beziehung dürfte erst die Zukunft bringen. Das Oberverwaltungsgericht hob jedoch die Vorentscheidung auf und wies die Sache an die Vorinstanz mit der Begründung zurück, nach dem Handelskammergesetz sei die Beitragspflicht an zwei Voraussetzungen geknüpft; der Bei­tragspflichtige müsse Kaufmann sein und im Handelsregister eingetragen sieben. Sei König nicht Kaufmann, sondern Hand­werker, so müsse er von den Beiträgen zur Handelskammer befreit werden.

* Ueber den vulkanischen Ausbruch auf-Marti- nique und die gegenwärtige Temperatur schreibt A. Taquin in derRevue scientifique" : Die vulkanischen Er­eignisse sind bekanntlich derart mit den meteorologischen Natur­erscheinungen verknüpft, daß in den anderen Theilen der Welt das Klima stark davon beeinflußt wird; der wirklich winter­liche Mai, den wir durchgemacht haben, war ein deutlicher Beweis dafür. Dieser Einfluß auf das Klima ist auch stets im Verlaufe der bedeutenden früheren Ausbrüche beobachtet worden. Es ist zu bemerken, daß die Wiederaufrichtung der Temperatur in unseren Küstenstrecken mit der Abnahme der seismischen Kraft im Golf von Mexiko und den Antillen zu- sammenfällt; die magnetische Kraft verstärkt sich hier und be­kundet sich schon durch Gewitter, das Wetter ist drückend, immer stürmisch; es ist anzunehmen, daß die Temperatur im Laufe dieses Sommers hoch sein wird. Jeder Ausbruch der seismischen Gewalt auf Martinique muß hier seinen Wieder- Hall finden und sich durch einen Temperatursturz bekunden; man kann diese Behauptung durch die täglich einlaufenden Telegramme kontrolliren und die Wirkungen dieser Schwankungen der elektrischen Intensität verfolgen. Am 6. und 7. Juni hat man uns z. B. einen Wiederausbruch angekündigt; gleich­zeitig fiel die Temperatur von 27 Grad im Schatten auf 9 Grad.

* Am Telegraphengestänge längs der Bahnstrecke Hanau-Babenhausen läßt die Reichstelegraphenverwaltung gegen­wärtig eine Reserve-Morseleitung anbringen. Jeden­falls wird die neue Leitung von Babenhausen aus noch weiter geführt.

* 50jähriges Berussjnbilänm. Heute feiern die Herren Louis C o q u o t, Kabinetmeister bei der Firma Geißell u. Härtung, sowie der Inhaber dieser Firma, Jakob Geißell, ihr 50jähriges Berufsjubiläum.

* Straßensperre. Laut amtlicher Bekanntmachung ist wegen Vornahme der Walzarbeiten auf der Kreisstraße Offenbach-Mühlheim dieselbe von jetzt ab für den Fuhrwerksverkehr auf die Dauer von 4 Wochen gesperrt. Die Fuhrwerke, welche von und nach Mühlheim verkehren, haben ihren Weg über Rumpenheim und Bürgel zu nehmen.

* Dom Blitz getroffen. Bei dem gestern Nach­mittag gegen 4 Uhr über unsere Gemarkung ziehenden Ge­witter wurde auch eine Frau von einem Blitzschläge getroffen. An der sogen.Milch", hinter dem v. Deines'schen Grund­stücke, vor der Kinzigbrücke, waren gestern Nachmittag zwei Frauen, Bach und Kaufhold, beschäftigt. Als das Unwetter losging, begaben sich die Frauen Schutz suchend in ein dort stehendes Häuschen. Die Frau Kaufhold trat dann aber einmal heraus und stellte sich unter einen Nußbaum. Es erfolgte ein Blitzschlag und die Frau sank getroffen ohn­mächtig zu Boden. Ein Offizier und Mannschaften einer vorbeimarschirenden Truppenabtheilung leisteten sofort Hilfe und später brächte man die Frau in ihre Wohnung, wo ihr ärztliche Hilfe zu Theil wurde. Der Unfall ist glücklicher Weise noch gut abgelaufen, da die Frau scheinbar nur am Fuße vom Blitze getroffen worden ist. Der Baum selbst ist auch nicht beschädigt.

* Selbstmordversuch. Ju den Anlagen von Wil­helmsbad nahe der kleinen Wirthschaft machte gestern Abend gegen 9 Uhr der hier in der Mühlstraße wohnende aus Dietes- Heim (Baden) gebürtige 30jährige Schlosser Ludwig Fey einen Selbstmordversuch, indem er sich mit dem Rastrmesser die Puls­ader und Sehnen der linken Hand durchschnitt. Spaziergänger in der Anlage vernahmen gegen neun ein viertel Uhr an der betreffenden Stelle ein leises Röcheln, benachrichtigten den Wirth und bei gemeinsamem Suchen fand man den Fey bereits bewußtlos am Boden liegen. Derselbe wurde in die Wirth­schaft gebracht und dann von dem alsbald von Hanau per Wagen herbeigeholten praktischen Arzte Herrn Dr. Zehner verbunden und in das Landkrankenhaus gebracht. Die Ver­blutung war beim Auffinden des jungen Mannes beinahe vollständig und nur besonders günstigen Umständen ist es zu danken, daß derselbe noch am Leben erhalten werden konnte. Liebeskummer soll das Motiv der That sein.

* Jm Banne des Alkohols. Der im Dienst eines Oekonomen stehende Knecht Joh. Sch. wurde gestern Morgen 9 Uhr mit seinem mit 2 Pferden bespannten Wagen am Gast­hause zum Stadtpark in angetrunkenem Zustande betroffen. Der hiervon benachrichtigte Oekonom schickte einen anderen Knecht zur Ablösung des Sch. Als das Fuhrwerk dann in der Nähe der Abladestelle des Nordbahnhofs angekommen war, trat der Sch. wieder an den Wagen heran, reklamirte die Führung desselben für sich und erzwäng sich auch dieselbe. Kaum hatte er eine kleine Strecke zurückgelegt, als er einen Schrei ausstieß. Er war unter den beladenen Wagen gerathen und die Räder ihm über den rechten Oberschenkel gefahren. Ein Verschulden von dritter Seite liegt nicht vor.

* Radsport. Bei dem am vergangenen Sonntag an­läßlich des 10jährigen Stiftungsfestes des Radfahrer-Vereins Blitz"-Eckenheim abgehaltenen Preiskorso errang der Bicycle- KlubHanovia" -Hanau den zweiten Preis (prachtvoller Ehren­preis nebst Diplom) mit 10,5 Punkten.

Hauarrer Uerrins-«. Urrgnügungsuachrichten

für Dienstag den 17. Juni.

Evang. Männer- und Jünglingsverein: Jünglingsverein: Bibelbe- sprechuna; Jungfrauenverein: Flickabend (Ev. Vereinshaus.)

Kath. Kafino .Eintracht" (Vereinsl.:3. Braustüb'l"): Vereinsabend Turn- u. Fechtklub: Fechten.

Zitherverein Sanau: Probe in der RestaurationAllemauia".

Süddeutscher Klub: Klubabend in der RestaurationAllemaitia".

Athletenklub .Germania": Riegenstemmen und Musterriegenarbeiteu. (Restauration Wagenbach, Paradeplatz),

Stemm- und Ring-KlubEiche": Abends von 910 Uhr: Dauer- stemmen und Steinstoßen; von 1011 Uhr: Musterriegen- arbeiten (Restauration zurWiener Spitze").

für Mittwoch den 18 Juni.

Hanauer Schützenverein: Nachmittags von 2 Uhr ab: Schießen auf den neuen Schießständen.

Kurort Wilhelmsbad: Nachmittags von 4 Uhr ab: Großes Militär- Konzert der Jnfanteriekapelle Nr. 166.

Uerstetgerungs- etc. Kalender

iür Mitiwoch den 18. Juni.

Vormittags 9 Uhr soll das Gras (erster und zweiter Schnitt) in den Fürstl. Jsenburg-Birstem'schen an der Kinzig gelegenen Wiesen zu Rückingen an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden; Zu­sammenkunft auf der Kinzigbrücke bei Rückingen (s. Nr. 135Han.