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Bezugspreis:

Lierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- Därtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Erstes Blatt

emkr

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei deZ verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hana«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Eiiiriickungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 119.

Fernsprechanschluß Nr. 605»

Samstag den 24. Mai.

Fernsprechanschluß Nr. 605»

1902

Amtliches

MMmchW litt WmKMmtt lll totl.

Wir geben hierdurch bekannt, daß das Meisterprüfungs­wesen nunmehr in allen Theilen geregelt ist. Wer sich nach dem L Oktober 1901 selbständig machte, ist nur dann zur Führung des Meistertitels berechtigt, wenn er die Meister­prüfung abgelegt hat und die Befugniß zur Anleitung von Lehrlingen besitzt. Dies gilt auch für die Folgezeit.

Zur Ablegung der Prüfung haben sich zu melden die be­treffenden Handwerker aus den Kreisen:

L Cassel (Stadt und Land), Hofgeismar, Wolfhagen, Messungen, Fritzlar und Homberg bei Herrn Privat­mann Ruetz-Cassel, Lutherstraße.

Aus den Kreisen:

II. Marburg, Frankenberg, Kirchhain und Ziegenhain bei Herrn Kumtschlossermeifter See bin g er -Marburg.

Aus den Kreisen:

III. Eschwege, Witzenhausen und Rotenburg a./F. bei Herrn Carl Waßmann-Eschwege, Lehrer der Fort­bildungsschule.

Aus den Kreisen:

IV. Fulda, Hersfeld, Gersfeld und Hünfeld bei Herrn Fr. Fleischmann-Fulda.

Aus den Kreisen:

V. Hanau, Schlächtern und Gelnhausen bei Herrn Kaspar Müller-Hanau.

Aus dem Fürstenthum Waldeck:

VI. bei Herrn Fried rich Müller -Mengeringhausen.

Die unberechtigte Führung.des.Meistertitels wird bis Z 150 Mark bestraft.

Nur in Cassel können folgende Handwerker geprüft werden: 1) Müller, 2) Kürschner, Hut- und Mützenmacher, 3) Seiler, 4) Tuchmacher, Weber und Wirker, 5) Schornstein­feger, 6) Gold- und Silberarbeiter, 7) Gelbgießer, Zinngießer und Gürtler, 8) Nadler und Siebmacher, 9) Orgel- und Jn- strumentenmacher, 10) Töpfer und Ofensetzer, 11) Bürsten­macher, 12) Konditoren, Pfefferküchler und Bonbonskocher, 13) Kupferschmiede.

Cassel den 22. Mai 1902. 9113

Der Vorsitzende: Der Sekretär:

H. R ö m e r. H. L i p p e r t.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: Im Lokale des städtischen Meldeamtes eine Anzahl Beitragsmarken der Versicherungsanstalt Hessen-Nassau. Hanau den 24. Mai 1902.

Feuilleton

Hanauer Gcschichtsvcrciil.

Eröffnung des römisch-germanischen Museums.

(Siehe Inserat.)

Morgen Vormittag und von jetzt ab an jedem Sonntage in der guten Jahreszeit wird die Sammlung römischer und germanischer Alterthümer dem Publikum zugänglich sein. In zwei großen Sälen sind all die altertbümlichen Gegenstände zur Besichtigung ausgestellt, welche seit 60 Jahren in Hanau und Umgebung gefunden worden sind : Ueberbleibsel längst ent­schwundener Zeiten, welche beredtes Zeugniß von der Thätig­keit und der Beschäftigung der damaligen Menschen ablegen. — Vor Allem sind es Gegenstände aus der Zeit der Besetzung unserer Gegend durch die Römer. Im ersten, besonders aber im zweiten und dritten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung waren die Wetterau und das untere Mainthal von Miltenberg bis Mainz von Römern bevölkert, welche die Gegend zuerst militärisch besetzten, dann aber auch viele bürgerliche Nieder­lassungen gründeten. An das befestigte Lager (Castellum), dessen Grundmauern noch heute unter den Häusern Kesselstadts liegen, welches, wie auch Castell bei Mainz, von jenem Worte den Namen hat, schloffen sich mit der Zeit Privatwohnhäuser an. Daher erklären sich die vielen Funde, die am Salisberg und Saliswege gemacht worden sind. Ueber den Main führte eine Brücke, an der heutigen Werft zwischen Krähn und Kanalmündung, und vor einigen Jahren wurden mit den Brückenpfeilern verschiedenartige Gegenstände hervorgeholt, welche sich, im Flußkies eingebettet, "beinahe wie neu erhalten haben: Geldmünzen mit den Bildnissen verschiedener Kaiser, große und kleine Instrumente, Gewandnadeln, sogenannte Fibulae (ähn­lich unseren Broschen und Sicherheitsnadeln). — Bei Rückingen befand sich ein Begräbnißplatz, ein Friedhof. An

Sekanntmachung für Kellelltakt.

Die Geschäftsräume des hiesigen Bürgermeisteramts, Standesamts, Schiedsamts, Gewerbegerichts sowie der Ge­meindekasse befinden sich vom 27. d. Mts. ab in den unteren Lokalitäten des Gemeindehauses, Wilhelmstratze 4.

Der Bürgermeister. 9068

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 24. Mai.

Lokal-historische Notizen.

25. Mai 1659. Grundsteinlegung der lutherischen Kirche zu Harnu durch den Grafen Johann Casimir von Hanau im Beisein des Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen.

* *

* Impfungen. Montag den 26. Mai, nachmittags 4 Uhr, in Fechenheim: Erstimpfung, am 2. Juni, nach­mittags 4 Uhr, Nachschau der Erstimpfung; am 27. Mai, nachmittags 4 Uhr: Wiederimpfung, am 3. Juni, nach­mittags 4 Uhr: Nachschau der Wiederimpfung; Jmpsiokal: Gasthaus „zur Stadt Offenbach".

* Ortskrankenkasse für den Landkreis Hanau. Aus dem vorliegenden Rechnungsbericht für das Jahr 1901 ist zu ersehen, daß das Rechnungsergebniß ein günstigeres war als im Vorjahre, konnten doch dem Reservefonds 10 817 Mk. 40 Pfg. zugeführt werden, was die gesetzlich vorgeschriebene Rücklage bedeutet. Das Gesammtvermögen der Kasse beträgt 45 047 Mk. 71 Pfg. Die Mitgliederzahl betrug am Jahresschlüsse 4365. Krankheitsfälle kamen 1689 vor. Für ärztliche Behandlung sind 13 748 Mk. 86 Pfg., für Arzneien und sonstige Heilmittel 8113 Mk. 81 Pfg., an Krankengeld 28 819 Mk. 18 Pfg., an Wöchnerinnenunterstützung 1256 Mk. 53 Pfg., an Sterbegeld 1570 Mk. 34 Pfg., an Verwaltungs­kosten 10 553 Mk. 55 Pfg. ausgezahlt. Die Gesammtein- nahmen betrugen 87 265 Mk. 41 Pfg., die der Ausgaben 76 409 Mk. 12 Pfg., sodaß ein Ueberschuß von 10 856 Mk. 29 Pfg. erzielt wurde.

* Erledigte Stellen im Bereich Hes 18. Armeekorps. Eiserfeld (Amt), Polizei-Wachtmeister, jährliches Gehalt 1500 Mark steigend bis zum Höchstbetrage von 2100 Mark nebst 250 Mark Wohnungsgeld und 100 Mark Kleidergeld. Fechen­heim, Orts-Polizeibehörde, Polizeidiener für den Tag- und Nachtdienst, während der Probezeit monatlich 100 Mark, nach der definitiven Anstellung auch 150 Mark Theuerungszulage jährlich, außerdem freie Dienstkleidung, Frankfurt (Main) I,

die hundert Gräber sind aufgedeckt worden und ihr Inhalt, in jedem war mindestens ein Krug, ist in einem Schranke des mittleren Saales aufgestellt. Was diese Krüge für eine Be­deutung haben, ist heute noch eine Streitfrage: Thränenkrüge, Aschenkrüge, Weinkrüge (Vorrath zur Reise in die Unterwelt, wohin nach heidnischem Glauben alle Gestorbenen kamen); es ist Alles möglich und auch Alles wahrscheinlich. Zur Zeit, da unser Gräberfeld entstand, wußten die Bestattenden wohl selber nicht mehr, welche Bedeutung die Krüge hatten, aber der Gebrauch war uralt und wurde, wenn aitdj verständniß- los, festgehalten.

Einen sehr hohen Stand hatte bei den Römern die Töpferkunst (Keramik) erreicht. Die Scherben von Tellern, Schalen, Krugen, desgl. die gebrannten Platten mit den Stempeln der Cohorten und Legionen sind überaus gleich­mäßig und schön roth gebrannt und . zeigen eine eigenartige Politur; auch Glasgefäße (sehr selten und darum kostbar), Ampeln in großer Anzahl und verschiedenster Form sind vor­handen. Die Ueberreste von Gebäuden und seien sie auch noch so klein, beweisen das Vorhandensein größerer und kleinerer Bauten. Findet sich z. B. wenige Meter unter der Erd­oberfläche ein kleines Stückchen Mosaikarbeit, die wir heute Terrazzo nennen. so ist damit die Existenz eines vornehmen Hauses sehr wahrscheinlich gemacht und wird vollends bewiesen, wenn man auf Grundmauern stößt.

Aber schon vor der Römerzeit hatten Menschen hier ge­wohnt, von denen ebenfalls Spuren in der Erde gefunden worden sind. Es war eine Zeit, wo die Kunstfertigkeit viel geringer war als bei den Römern. In der allerältesten Zeit machten sich die Menschen mit großer Mühe Geräthe aus Feuerstein, viel später erst lernten sie das Schmelzen der Metalle und machten sich Werkzeuge, zuerst aus Kupfer (Broncezeit), später aus Eisen (ältere und jüngere Eisenzeit). Die Töpfe und Krüge jener Zeit sind nicht gebrannt, sondern nur getrocknet, daher ihr unscheinbares,' grau schwärzliches Aussehen.

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltungsblatt 14 Seiten

Garnison-Baubeamten, Baubote, 3 Mark Tagegeld. — Großh. hessisches Landeshospital Hofheim, Großh. Direktion des Landes­hospitals. 4. Bureaugehilfe, jährliches Gehalt 500 Mark baar und vollständig freie Station.

* Der Landeskreditkaffe zu Caffel, welche bereits durch Erlaß der zuständigen Minister vom 17. Dezember 1899 auf Grund des Ausführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch zur Hinterlegungsstelle für Mündel­vermögen bestimmt worden war, ist durch das nunmehr in Kraft getretene Gesetz vom 16. April 1902 allgemein d i e Befugniß verliehen worden, Werthpapiere in Ver­wahrung und Verwaltung zu nehmen. Die Direktion erlaßt infolge dessen im Jnseratentheil unseres Blattes eine Bekannt­machung, inhaltlich deren sie sich zur Entgegennahme von Effekten-Depositen bereit erklärt.

* Handwerkskammer. Im amtlichen Theile der heutigen Nummer unseres Blattes befindet sich eine Bekannt­machung der Handwerkskammer zu Cassel, deren Inhalt wir dringender Beachtung empfeblen.

* Durchschnittspreise. Der Durchschnitt der höchsten Tagespreise für Fourage beträgt mit einem Aufschlage von 5 vom Hundert für den Monat Mai 1902 in dem Stadt- und Landkreise Hanau für Hafer 9 Mk. 19 Pfg., für Heu 4 Mk. 55 Pfg., für Stroh 3 Mk. 50 Pfg. pro Zentner.

* Volksbad. Nach einer amtlichen Bekanntmachung ist das Vo'.ksbad am Main wieder geöffnet.

* Nationaltzenographen - Verein. Unter diesem Namen hat sich am Donnerstag den 22. Mai in der „großen Krone" ein Verein gebildet, welcher jeden Donnerstag Lehr- und Uebunqsstunde abhält. Der Verein trat dem Südwest- deutschen Verband für Nationalstenographie, welcher seinen Sitz in Baden-Baden hat, bei. Gleichzeitig erklärte der Arends- sche Stenographen-Verein (gegr. 1897) einstimmig seinen Bei­tritt und nahm folgende Resolution an: „Die heute stattge- fundene Generalversammlung des Arends'schen Stenographen- Vereins (gegr. 1897) beschloß einstimmig, die Nationalsteno­graphie der Herren Gebr. v. Kunowski, welche als Einigungs­system der vokalschreibenden Schulen Arends, Roller, Brauns und v. Kunowski am 2. Januar 1898 in Berlin angenommen wurde, zu vertreten und den Namen „Nationalstenographen- Verein" zu führen." — Als erster Vorsitzender wurde Herr Joh. Match. Schwindt basier einstimmig gewählt. Herr Schwindt schilderte die stenographischen Verhältnisse in Ver­gangenheit, Gegenwart und Zukunft und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Nationalstenographie baldigst Gemeingut der gesammten deutschen Nation werden möchte, wie ihr Name schon besagt. Da man sich ohne Stenographie und Telephon die Welt im Verkehr nicht vorstellen könnte, so sei es unsere Auf-

Die Zeit nach der Römerherrschaft zeigt ein besonders kriegerisches Gepräge. Es ist die Alamannisch-Fränkische Zeit, welche etwa vom 4. bis 8. Jahrhundert nach Chr. dauerte; von ihr geben die sogenannten Hünengräber, eigentlich Gräber von Kriegern, Zeugniß. Lange Schwerter, Lanzenspitzen, Halsketten finden sich in den Gräbern der Männer; Arm­ringe, Kämme, Haarpfeile und Halsketten in denen der Frauen. Wir dürfen annehmen, daß die erhaltenen Gräber die­jenigen der Vornehmsten und Angesehensten waren. Die Spuren des armen Volkes sind auf immer dahin. Nur wenn Schädel und Knochenreste allein erhalten sind ist ein Zweifel möglich. Die gleichen Funde wie bei uns sind am ganzen Oberrhein, in Baden, Württemberg, im Elsaß und in Hessen gemacht worden und die einzelnen Gegenstände zeigen merkwürdige Uebereinstimmung in Form, Aussehen und Farbe. Abbildungen der Typen der einzelnen Stücke sowie ihre Zuweisung in die einzelnen Zeitperioden findet der auf­merksame Beschauer auf colorirten Tafeln, die an den Wänden hängen und die ergänzende Erklärung zu den Fund­stücken bilden.

Auch das Sitzungszimmer des Vereinsvorstandes, welches mit mancherlei interessanten Gegenständen geschmückt ist, ist zugänglich. Ueber 2 Thüren befinden sich mehrere Erzeugnisse der neueren Keramik, darunter eine fein ausgeführte Ofenkachel mit dem ganzen hessischen Wappen und einige Apothekerkrüge aus dem Jahre 1632.

Ueber einem Schränkchen neben dem Ofen 3 Oelgemälde: 2 Ansichten des Paradeplatzes, angeblich von Georg Karl Ur­laub, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Hanau lebte. Der Brand Hanaus während der Schlacht am 30. und 31. Oktober 1813. Auf der anderen Seite des

Ofens eine Abbildung der Ruinen des Klosters Wolfgang. Ganz in der Nähe zwischen 2 Thüren ein colorirter Plan von Hanau und Umgebungvom Jahre 1597,vor Erbauung der Neustadt. Darunter eine Reliefkarte unserer Gegend mit dem Taunus, Hanau Offenbach und Frankfurt. In der tiefen Fensternische nach der