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Hanauer M Anzeiger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für au?« Wärüge Abonnenten mit dem betreffenden Posiaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

bedruckt mtb verlegt in der Buchdrucker« des verein, cv. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: <8. Schreck er in Hanau.

Nr. 116 Fernsprechanschluß Nr. 605»

Amtliches

Stadt- und Landkreis Hanau

Zur Kapitulation für die Maschinistenlaufbahn bei den Werst- Noistonen und dem Maschinenpersonal der Torpedoabtheilungen der Kaiserlich Deutschen Marine werden nach der Marine­ordnung auch Seedampfschiffsmaschinisten IV. Klasse und solche Personen zugelassen, die eine dreijährige Lehr- und Arbeitszeit als Maschinenbauer, Schlosser, Kupferschmied, Elektrotechniker, Mechaniker oder in ähnlichen Handjverken nachweisen können, wenn diese Anwärter entweder eine Eintrittsprüfung bestehen oder entsprechende Schulzeugnisse vorlegen. Bei den Königlichen Seemaschinistenschulen in Flensburg und Stettin sind neuer­dings Vorbereitungskurse für den Eintritt als Maschinistenan­wärter in die Kaiserliche Marine eingerichtet worden.

Am Schlüsse der Kurse werden Prüfungen abgehalten und darüber Schulzeugnisse ausgestellt. Der Herr Staatssekretär des Neichsmarineamts hat die auf Grund der Schulprüfung ausgestellten Zeugnisse mit der erwähnten Eintrittsprüfung als gleichwerthig anerkannt. Die Kurse, die eine Dauer von acht Wochen haben nnd das Pensum der Maschinisten III. Klasse unter Hinzurechnung des Zeichenunterrichts umfassen, werden alljährlich beginnen in Flensburg am 10. April und 20. Oktober und in Stettin am 5. Januar und 15« Juni. Das Schulgeld beträgt 30 Mk. und die Prü­fungsgebühr 5 Mk.

Vorstehenden Erlaß bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß und mache besonders auf die Einrichtung der Unter- richtskurse aufmerksam.

Hanau den 16. Mai 1902.

Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.

v. Schenck.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Paar weiße wollene Herrenhandschuhe.

1 weißes Taschentuch, gez. M. V. 1 Schraubenschlüssel. 1 seidenes Spitzentaschentüchelchen ohne Zeichen. 1 Notizbuch. 1 silberne Taschenuhr, Cylinderuhr, mit silberner Panzerkette. Nr. 52971; Empfangnahme auf dem Bürgermeisteramt Großauheim.

Verloren: 1 braun und grau karririer Umschlag.

Gelandet: Am Mainufer bei Großauheim ein Floß­boden, gez. K. 8. Nr. 447 und 480.

Zugelaufen: 1 gelbbrauner Dachshund, m. Eeschl. Hanau den 21. Mai 1902.

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Feuilleton.

Ueber Keramik, Kunftgläser und Schmukt unserer Zeit.

Ein Begleitwort zur gegenwärtigen Ausstellung in der Aula der Königlichen Zeichen-Akademie von »r. Richard Grundmau«.

(Schluß.)

Die transparente Fayence hat aber auch in Europa ihre tüch­tigen Vertreter, unter denen in erster Linie der Düne M. A. Kaebler durch seine Erzeugnisse von schöner mosaikartiger Be­handlung durch die kräftige Struktur seiner Vasen, bei deren Dekoration er in richtiger Weise Ausguß und Henkel betont, durch seine soliden einfachen Formengeschmack und durch das Maßvolle seiner Farbengebung vortheilhaft auffällt. In Deutsch­land, das auch auf keramischen Gebiete schon vor der Welt­ausstellung von 1900 eine rührige Thätigkeit entfaltet hatte, zeichnet sich namentlich Prof. Max Länger in Karlsruhe aus. Der Künstler wurzelt mit seiner Formen- und Farben,kala ganz in dem heimischen Boden und das ist rückhaltslos anzu erkennen. Ausgehend von den Bauerntöpfereren des badrfchen Landes erstrebt er bei gewallter Einfachheit, die aber dem Fayence-Charakter durchaus entspricht und mit den geringsten Mitteln, denn seine Werke sind ohne besondere Z-ergl-eder aus gewöhnlichem Töpferthon geformt, - fern kuntlerrfche Wirkungen. In seinen größeren Arbeiten, so namentlich den Kamin, den Oefen und Wandfüllungen, hat er. ebewo ver­ständig mit der alten Tradition der Gesimse, Srmschen und Säulchen, die nachgerade abgeschmackt geworden war, gehörig aufgeräumt und uns dafür mit frischen, aus der .catur ge­griffenen Formen und einfachgroßen felblterfnndenen -inren erfreut.

Mittwoch den 21. Mai

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Bekanntmachung.

Die Hanau At iedbergersiraste ist in der Ge­markung Bruchköbel wegen der daselbst staitfindenden Dampswalzarbeiten bis zum 24. d. Mts. für Lastfuhrwerk nicht passirbar.

Hanau den 21. Mai 1902.

Laudesbauamt.

Wohlfarth. 8855

Hus Stadt und Cand.

Hanau, 21. Mai.

* Passtrt. Mittels Sonderzuges passirte heute Morgen 3 Uhr Se. Maj. der Kaiser auf der Reise nach Lothringen die hiesige Station.

* Prof. Falbs Prophezeiungen sind für den Wonnemonat mit unheimlicher Präzision zugetroffen. Dem Neuen Wiener Tagebl." macht Falb nunmehr Mittheilung über seine weiteren Vorhersagungen für dieses Jahr. Wenn meine Wetterprognosen so sagt der Prophet für dieses Jahr auch ferner so zutreffen, wie dies bis jetzt der Fall war, so sind die Aussichten für die zweite Maihälste nicht ungünstig. Allerdings stehen zahlreiche Gewitter bevor, doch sonst bleibt es verhältnißmäßig trocken. Nur um den 22. herum, einem kritischen Termin dritter Ordnung, und in den letzten Tagen des Monats sind Landregen zu erwarten. Gegen Ende des Monats ist ein Rückgang der Temperatur wahrscheinlich. Aehn- lich wie der Mai dürfte auch der Juni verlaufen. In der erstell Woche herrscht ausgebreitetes Regenwetter bei verhäliniß- mäßig niedriger Temperatur ; namentlich dürfte sich der 6. Juni als ein kritischer Termin erster Ordnung bemerkbar machen, und zwar wahrscheinlich schon vom 3. ab. Zu dieser Zeit sind selbst Schneefälle in den höheren Regionen nicht ausge­schlossen. Nach diesem Termin wird es ziemlich trocken. Doch treten zahlreiche Gewitter ein, die allerdings die Trockenheit stellenweise empfindlich unterbrechen dürften. Vom 21. Juni an, einem kritischen Termin dritter Ordnung, sind wieder ausgebreitete Regen und unmittelbar zuvor zahlreiche Gewitter zu erwarten. Es wird verhältnißmäßig kühl. Auch im Monat Juli dürfte die Temperatur meist unter der nor­malen, das ist, unter derjenigen sein, welche der Jahreszeit am betreffenden Orte entspricht. Gewitter sind daher während des ganzen Monats verhältnißmäßig selten und häufiger in Oesterreich als in Deutschland. Der 5. Juli ist ein kritischer Termin erster Ordnung. Um diese Zeit sind Gewitter, in den Hochgebirgen Schneefälle zu erwarten. Vom 16, ab sind na­mentlich in den Alpenländern die Gewitter zahlreich, am hän- figsteu um den 20,, einen kritischen Termin dritter Ordnung.

Die gegenwärtige Ausstellung in der Königl. Zeichen- Akademie, welche nur einzelne Stücke der verschiedenen Manu­fakturen und Meister vereinigt, muß natürlich vollständig da­rauf verzichten, ein auch nur annähernd charakteristisches Bild von der Bedeutung, dem Werth und Reichthum der keramischen Produktion in der neuesten Zeit geben zu wollen. Auch die moderne Kunstglaserzeugung "ist hier in den etlichen Proben nur unvollständig vertreten; indessen fehlen wenigstens die be­rühmtesten Namen nicht.

Man kann von modernen Kunstgläsern nicht sprechen, ohne daß sich einem sogleich die Namen Gallö und Tiffany auf die Lippen drängen. Und thatsächlich ist die künstlerische Thätig­keit dieser beiden Männer derart regeneratorisch und epoche­machend geworden, daß sie ein Markstein in der Geschichte der Glasarbeiten bezeichnet. Welche erstaunliche Virtuosität, welche tiefe Kenntniß von allen Hilfsquellen, die Wissenschaft und Technik bieten, gehört doch dazu, derartige dekorative Ueber- raschungen und bewunderswerthe toloristische Zusammenstellungen in einem so spröden Stoff möglich zu machen! Das Ver­fahren, mit welchem Galls brillirt, die Nebeneinanderstellung verschiedener Glaspasten in heißem Zustand und deren In­krustation in einander, ist indessen nicht das Wesenltiche an den von ihm geschaffenen Wunderwerken, das Wesentliche ist, wie bri jeder wahren Kunstschöpsung, der dieselben beseelende Geist. Die Meisterschaft des Technikers, die Routine des Farbenkünstlers dienen bei ©alle nur dazu, über sein Werk jenen duftigen Hauch auszubreiten, ihm jenes geistige Leben einzugießen, von dem er, der Schöpfer, selbst durchdrungen ist, und dem Betrachter jene Poesie müzutheilen, von der die Seele des Urhebers erfüllt war, als er seinem künstlerischen Gedanken Form verlieh. Deshalb also bezaubern uns seine Gläser,weil sie aus einer künstlerisch sinnigen Stimmung ge­boren sind unb so ist es auch keine Marotte oder etwa ein leeres Spiel, wenn ©alle auf seine Glaser Dichterworte als Divisen setzt, denn eine wirkliche Seele wohnt in diesen Kunst­gebilden und spricht aus ihnen. Sehen wir also in Gallä

Fernsprechanschluß Nr. 605. 1902

In den Zwischenzeiten ist es ziemlich trocken. In den letzten Tagen des Monats aber werden die Niederschläge stellenweise sehr ergiebig. Die Temperatur ist im Steigen begriffen. Im Moüat August sind normale Temperaturen wahrscheinlich. Die erste Woche verläuft ziemlich trocken. Der 3. August ist ein kritischer Termin erster Ordnung, welcher jedoch wegen der Trockenheitstendenz nur schwach zur Geltung kommen dürfte. Um den 10. jedoch sind ausgebreitete und ergiebige Nieder­schläge zu erwarten. Daraus wird es sehr trocken uud warm. Der kritische Termin des 19., zweiter Ordnung, wird nur stellenweise stärkere Niederschläge bringen. Erst vom 25. an ist eine größere Ausbreitung der Niederschläge zu erwarten; zu dieser Zeit sind auch die Gewitter zahlreich.

* Der neuesteEis- und Wetterbericht" des rühmlichst bekannten Meteorologen H. Habenicht zu Gotha, datiert vom 13. Mai cr., konstatirte folgende, für die Gestal­tung des Witterungs-Vcrlaufes hier in Europa während der ersten Hälfte des vom Mai bis August cr. sich erstreckenden meteorologischenVoltjahrs" überaus bedeutsamen Thatsachen: In der zweiten Hälfte des Monats April setzte sich über Nord- und Mitteleuropa ein Luftdruck-Maximum fest und brächte Mitteleuropa die typische Frühjahrs-Trockenheitsperiode mit Ostwind. Dieser Schönwetter- und Wärme-Periode folgte im Mai einer der angekündigten starken und jähen Kälte- rückschläge, der bis heute angehalten hat. Es sind nun auf kurze Wärmeperioden wohl noch einige ähnliche Rückschläge zu erwarten, da im Norden unseres Kontinents immer noch un­gewöhnlich viel Meeres-, Seen- und Bodeneis existirt. Jedoch hat dieser Umstand keineswegs immer die gleichen Folgen für uns. Im Jahre 1868 herrschten ganz ähnliche Eisverhältnisse in Nordskandinavien, und trotzdem hatten wir damals ein un­unterbrochen extrem schönes, warmes Frühjahr und einen eben­solchen, unerhört trockenen Sommer. Das kam daher, weil damals fast gar kein Treibeis im ostgrönländischen Meere war, die nordatlantischen Minima daher nördliche Bahnen ein- schlugen und Europa nicht berührten. Eben diese neuesten Nachrichten über jedwede Eisverhältnisse im Ostmeere fehlen uns aber."

* Mittelrheinischer Aerztetag. Am gestrigen dritten Pfingsttage fand in Bad Soden die übliche Tagung der mittel- rheinischen Aerzte statt, zu der sich mehr als 100 Theilnehmer eingefunden hatten. Die nächstjährige Tagung soll in Wies­baden vor sich gehen.

* Nationaler Gesangswettstreit. Während der Pfingstfeiertage, vom 17. bis 20. Mai, fand in Darmstadt anläßlich der Fahnenweihe des dortigen MännerchorsDoppel­quartett" ein nationaler Gesangswettstreit statt, an dem die Be­theiligung der Vereine aus dem ganzen Hessenland eine recht rege war. Gesungen wurde in 6 Klassen. Das Resultat des

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vorwiegend einen Poeten bei der Kunstglaserzeugung thätig, so ist Tiffany seinerseits ein wahrer Maler in seinem Schaffen. Den Zufall, den die Vorsehung gibt, hat wohl selten Jemand so geistreich zum Zweck zu gestalten verstanden, wie gerade Tiffany. Es war Zufall, daß ihm die Jrisation der Gläser des Alterthums, welche so viele Jahrhunderte in der Erde ge­legen hatten, vor Augen kam, aber er schuf, ausgehend von diesen Jrisationen Gebilde in Glas, die hundertfach mannig­faltiger schillern, als jene antiken Gläser und in ihrer unbe­schreiblichen Pracht den reichsten Seidenstoffen gleichen. Es ist Zufall, daß der Hauch des Glasbläsers in der Masse zahl­lose wundervolle Linien hervorbringt, aber Tiffany schenkte, indem er diesen Zufall nützie, der Welt Gläser, in denen sich das Spiel der Wellen und das Netz der $3alten im farbigen Ab­bild malt. Noch mehr aber setzte er alles in Erstaunen, als er mit seinen Vasen, auf welchen das Pfauenaugenmotiv als Dekor ausgenutzt wird, an die Oeffentlichkeit trat. Trotzdem zeichnet die Tiffany-Gläser bei allem Raffinement in der Technik und in den Farben ein so bescheidenes Aeußere aus, daß sie niemals aufdringlich wirken und sich jedem feinen Interieur willig anpaffen und anfügen lassen. Was Tiffany aber nament­lich zummodernen" Künstler stempelt, das ist seine stilgerechte Behandlung des Dekors. Derselbe ist bei ihm ein immanenter Bestandtheil des Glases selbst, nichts Aufgetragenes, Angepapptes oder Eingeätztes, sondern mit dem Glase zugleich entstanden und zugleich mit ihm auch vollendet und darin so folgerichtig aus der Natur und den Gesetzen des Materials hervorge­gangen, wie wir es von den Schöpfungen der Kunst unserer Tage verlangen müssen. Und gerade das ist es, was auch die Keramik der Gegenwart von der vergangener Zeiten u. e. unterscheidet, daß sie nämlich nicht mehr bald Schäferspiele, bald Kopien berühmter oder nicht berühmter Gemälde, bald Bildnisse, Früchte und Stillleben mit peinlicher Sorgfalt als Dekoration auf die Gefäße, Schalen rc. genau so malt, als ob sie auf Elfenbein zu malen oder Miniaturporträts herzu- stellen hätte, sondern daß man es ihren Dekors anmerkt, daß