Erstes Blatt.
anauer
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$lt Stadt- und Lindkreis Hanau 10 Pfg. die flnf» gespaltene Petitzeite oder deren Raurn, sät Auswärts 15 Pfg., im Rektameniherl d-e ßc!e 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
ve,«gSpreiS:
1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., fit «18. vLrtis« $b»Kiieut«i mit dem betreffenden Postauffchlaz. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
General-Anzeiger
O«ta»ckr w* »«tegt in der Buchdruckerei des verein, ev.
WaiseuhauieL in Hana».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
NcraxttvorN. Redakteur: G. Schrecker tu Hamm.
Ferusprechanschluß Nr. 605.
Donnerstag ben 15. Mai
Fernfprechanschluß Nr. 605.
1902
Hierzu
Amtliche Beilage« Nr. 10
Hue Stadt und Cand.
Hanau, 15. Mai.
Lokal-Historische Notizen.
15. Mai 1635. Uebelfall der Kaiserlichen durch Graf Johann Jakob. Die Kroaten Ostheim und Bruchköbel, sowie das Windecken.
in Städten verbrannten Schloß zu
Beamtenpersonal-Nachrichten.
Ernannt: der Hilfslehrer Schmiedt in Gaffel zum Königlichen Baugewerkschullehrer, die Referendare Bröckelmann und Schenk zu Gerichtsassessoren, der Rechtskandidat von Boxberger zum Referendar, der Vicefeldwebel Messerschmidt zum Schutzmann bei der Königlichen Polizeidireklion zu Hanau, zu Schutzleuten bei der Polizeidirektion Cassel die Unteroffiziere BahIdusch und Weitzel.
Augestellt: die Postasststenten Fügener, Gerland und Sesch in Cassel, Schönewolf in Hanau.
Allerhöchst bestätigt: der zum unbesoldeten Beigeordneten der Residenzstadt Cassel auf die gesetzliche Dauer von 6 Jahren gewählte Gutsbesitzer, Stadtälteste Georg S e i d l e r.
Uebertrageu: dem Oekonomiecommissar Claus die einstweilige Verwaltung der Spezialkommission zu Homberg.
Uebernommen: der Referendar K i tz n e r aus dem Bezirk des Oberlandesgerichts zu Naumburg a/S. in den zu Cassel.
Beauftragtt der Pfarrer Altmüller zu Gudensberg mit Versetzung der Metropolitanaisgeschäfte der Classe Gudensberg, der Pfarrer extr. Wagner mit Versetzung der 1. Pfarrstelle zu HerSfeld, der Pfarrer extr. Kienzl er mit Versehung der 3. Pfarrstelle an j>er Marienkirche zu Hanau.
Versetzt: der Regierungs- und Schulrath Martin von der Regierung zu Merseburg an die zu Cassel, der Regierungs- und Schulrmh Dr. Hinze zu Cassel an die Königliche Regierung zu Merseburg unter gleichzeitiger Berufung als Hilfsarbeiter in daS Ministerium der geistlichen rc. Angelegenheiten zu Berlin.
Verliehe«: dem Direktor der Landcskredilkaffe a. D., Geheimen Regierungsrath Dr. So5 der Rothe Adler-Orden 3. Klaffe mit der Schleife, den Lehrern Keßler zu Wollrode und Ger hold zu Datterode der Kantortitel, das Allgemeine Ehrenzeichen dem bisherigen Kirchenfesten und Kastenmeister Arch inal zu Schwabendorf, und dem pensionirten Schutzmann Schulze bei der Königlichen Polizeidireklion in Caffel.
Entlaste«: der außerordentliche Professor in der theologischen Fakultät der Universität Marburg Lic. Cremer zum Zweck deS Uebertritts in das Pfarramt, der Referendar Dr. Pieper aus dem Justizdienst behufs Uebertritts zur Allgemeinen StaatSverwaltvng, der Schutzmann Mitten der g von der Königlichen Polizeidireklion in Cassel auf Antrag.
Gestorbe«: der Gerichtsdiener Gutzmann in Neuhof.
• Versetzt sind die Amtsgerichts-Sekretäre Stuckmann von Bergen nach Großenlüder und Schmer von Großen- liber nach Bergen.
* Besichtigung. Wie wir bereits kürzlich berichteten, findet morgen und übermorgen beim hiesigen Ulanenregiment die EskasronS-Besichtigung statt.
* Uferbauten. Im benachbarten Bürzel soll noch m diesem Jahre am Main eine Schiffsladestelle hergestellt und daS Ufer ausgebaut werden. Die Erd- und Baggerarbeiten «fordern 19,470 Kubikmeter Auftragsmasse, die Herstellung einer Ouaimauer mit Treppen bedingt u. A. 650 Kubikmeter Zundament-AuSschachtung, 700 Kubikmeter Bruchsteinmauerwerk und 1070 Kubikmeter Beton. Ein Stück Chauffee, das ebenfalls neu angelegt wird, wird als Lade- und Zufuhrstraße zur Vervollständigung der Anlagen beitragen. Die Vorarbeiten find soweit gefördert, daß die Vergebung der Arbeiten schon vor Miite Juni erfolgen kann.
* Fürsorge-Erziehung. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes betrtffenb die Fürsorge-Erziehung Minderjähriger (1. April 1901) sind im Landkreise Hanau 11 Zöglinge der Fürsorge-Erziehung überwiesen worden.
• Verpflegungsstation. Die Verpflegungsstation Hanau wurde im Jahre 1901 von 5308 Personen (im Vorjahre 3401 Personen in Anspruch genommen. Es wurden gewährt 5307 Portionen Frühstück, 5300 Portionen Mittag- effen, 5307 Portionen Abendessen, 5307 Nachtlager. Die Gesammtkosten betrugen 4243.50 Mk. gegen 2662.40 Mk. im Jahre 1900. Wie aus diesen Zahlen hervorgeht, hat die Jnansvruchnahme der Verpflegungsstation im Jahre 1901 gegen •BaMxeflw*—*eieee™aaaMGaeFpe^' Ux& --.'K^ V? -'^^______1^, .-^zä^-^ij^M
das Vorjahr bedeutend zugenommen. Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß seit dem Herbst 1900 bekanntlich überall in der Industrie ein großer Stillstand und hierdurch eine wesentliche Zunahme der Arbeitslosigkeit eingetreten ist.
* Sammeltvasenmeisterei^ In der amtlichen Beilage zur heutigen Nummer unseres Blattes befindet sich u. a. auch eine mit dem 1. Juli d. I. in Kraft tretende Polizeiverordnung über die Benutzung der von genanntem Termine ab in Betrieb kommenden Sammelwasenmeisterei. Nach § 2 dieser Polizeiverordnung müssen die Kadaver gefallener, ge- tödteter oder geschlachteter Thiere, soweit das Fleisch und die Eingeweide der Letzteren ganz oder nur iheilweise für untauglich zum menschlichen Genuß erklärt werden, der Sammelwasenmeisterei bei Bruchköbel, die vom Stadt- und Landkreise gemeinschaftlich errichtet ist, überwiesen werden. Im Uebrigeu verweisen wir auf den Inhalt der Polizeiverordnung.
* Gemeindesteuern. Die Gemeindesteuern sind in den Gemeinden des Landkreises Hanau pro 190 L bis zu 150% gleichmäßig von allen Steuerarten erhoben worden und zwar:
in Höhe bis
50% in
über
50%
100%
//
»
100%
150°/»
W
150%
u
Dörnigheim, Keffelstadt, Langen- diebach, Langenselbold, Nieder- dorfelden, Niederisstgheim, Nieder- .rodenbach,
Bruchköbel, Erbstadt, Fechenheim, Großauheim, Kilianstädten, Ostheim, Oberisstgheim, Ravolzhausen, Roßdorf, Rückingen, Rüdigheim, Windecken,
Bischofsheim, Butterstadt, Gro- nau, Großkrotzenburg, Hüttengesäß, Mittelbuchen, Neuwiedermuß,Ober- dorfelden,
Bergen und Oberrodenbach.
Gemeindesteuern kamen nicht zur Erhebung in Eichen, Hochstadt, Marköbel und Wachenbuchen.
* Marktpreise. Im Monat April 1902 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen Mk. 16.81, Roggen Mk. 14.33, Gerste Mk. 15.03, Hafer Mk. 17.—, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 22.—, Speise- Bohnen (weiße) Mk. 21.78, Linsen Mk. 34.33, Eßkartoffeln Mk. 3.73, Richtstroh Mk. 6.33, Krummstroh Mk. 5.40, Heu Mk. 8.29, Rindfleisch im Großhandel Mk. 115.22; Rindfleisch im Kleinhandel für 1 kg von der Keule Mk. 1.44, vom Bauche Mk. 1.20, Schweinefleisch Mk. 1.65, Kalbfleisch Mk. 1.20, Hammelfleisch Mk. 1.10, Speck (geräuchert) Mk. 2.—, Eßbutter Mk. 2.22, Eier 1 Schock = 60 Stück 3.07 Mark.
* Ladenpreise. Im Monat April 1902 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 1 kg Mehl zur Speise- bereitung, Weizen 32 Pfg., Roggen 23 Pfg., Gersten-Graupe 43 Pfg., -Grütze 38 Pfg., Buchweizengrütze — Pfg., Hafergrütze 41 Pfg., Hirse 32 Pfg., Reis Java (mittlerer) 43 Pfg., Kaffee, Java-, mittlerer (roh) 2 Mk. 10 Pfg., gelber (in gebrannten Bohnen) 2 Mk. 80 Pfg., Speisesalz 20 Pfg., Schweineschmalz 1 Mk. 80 Pfg.
* Die erste deutsche Lehrerfahrt nach Egypten- Palästina findet vom 5. August bis 10. September statt. Das reich illustrirle, mit Karten und Plänen versehene Handbuch erscheint im Laufe des Mai und ist von dem Leiter der Reise, Herrn Jul. Bolthausen in Solingen gegen Einsendung von 50 Pfg. in Marken zu beziehen.
** Eine Winterlandschaft drei Tage vor Pfingsten. Was seit mehreren Tagen aus dem Schwarz- wald, sowie aus Frankreich und Spanien gemeldet wird, das ist nun auch hier eingetreten, heute Morgen überraschte uns eine veritable Schneelandschaft, drei Tage vor dem „Fest der Freude, das da feiern Wald und Heide"! Die Flocken wirbelten hernieder, just als ob Weihnachten und nicht Pfingsten vor der Thür stände. Ein betrübender Anblick inmitten der Frühlingsherrlichkeit und angesichts der noch vor zwei Wochen zu so großen Hoffnungen berechtigenden Obstblüthe und Feldfrüchte. Wo die Eismänner noch etwas verschont haben, hat die neuerliche Kälte wahrscheinlich das Werk jetzt vollendet und noch manche Hoffnung vernichtet. Ein netter „Wonnemonat"!
* Der Verein Kreditreform in Hanau zählte im Geschäftsjahre 1900/01 360 Mitglieder. Ertheilt wurden 3476 schriftliche und rund 3200 mündliche Auskünfte. Von den Mitgliedern wurden rund 3900 Anfragrzettel an auswärtige Vereine zu direkter Auskunstsertheilung eingesandt. Für das Mahnverfahren wurden 754 Posten mit 45529 Mk. angemeldet; davon wurden 73 Posten mit 5265 Mk. als unbestellbar oder bestritten gebucht, 493 Posten mit 31570 Mark geordnet, 188 Posten mit 8 694 Mk. in der Liste der säumigen Zahler vermerkt. Seit dem Bestehens des Vereins (1882) wurden zum Mahnverfahren 13 859 Posten mit 606185 MkI angemeldet. |
* St Josephs-Bauverein Hanau. Heute Donnerstag, abends 8% Uhr, findet) in sder „goldenen Gerste" die Auszahlung resp. Ueberschreibung der Dividenden pro 1901 statt.
* Stenotachygraphentag. In Nürnberg wird am 16. bis 20. Mai der VI. Allgemeine Deutsche Stenotachy- graphentag abgehalten werden. Die Veranstaltungen beginnen mit einem öffentlichen Vortrage des Herrn Parlamentssteno- graphen Dahms-Berlin über den gegenwärtigen Stand der stenograpischen Bewegung in Deutschland. Der Verbandstag wird sich u. A. mit der Frage der deutschen Einheitsstenographie und der Einführung der Stenographie in die Schulen befassen. Nähere Auskunft ertheilt das Stenoiachygraphische Werbeburrau, Berlin W., Nollendorf-Straße 42, sowie der Vorsitzende des Nürnberger Lokalcomitees, Fabrikdirektor Fritz Maurer, Nürnberg.
* Der Mitteldeutsche Gastwirthe-Verband, besten Sitz sich in Cassel befindet, hielt am Dienstag seine Jahresversammlung in Erfurt ab. Bei der Besprechung über die seit dem 1. April bestehende Verordnung des Bundesrathes, die Arbeitszeiten im Gastwirthegewerbe betreffend, wurde geklagt, daß die Verhältnisse nicht berücksichtigt werden, sondern alles nach der Schablone behandelt wird. Eine ganze Reihe von Vereinen hatte Anträge über besondere, das Gastwirthegewerbe interessirende Fragen gestellt. Ein Antrag Salzungen betraf die Dienstmädchenfrage. Man forderte, daß Mädchen unter 17 Jahren nicht in Fabriken arbeiten dürfen. Auf Vorschlag des Bundesvorsitzenden zog man diesen Antrag zurück. Der Antrag Hofgeismar, betreffend Aufhebung der städtischen Verbrauchsabgaben (Octroi auf Bier, Branntwein) in einzelnen Theilen Preußens wurde zurückgestellt, um die Entscheidung des hessischen Städtetages in Marburg abzuwarten. Auch sei der Antrag mehr kommunaler Natur und daher den einzelnen Vereinen zu überlasten. Der nächste Verbandstag soll entweder in Hersfeld oder in Gelnhausen staufinden. Definitive Beschlüsse werden gefaßt werden.
* Wettspiel. Das am Sonntag in Offenbach stalt- gefundene Wettspiel zwischen der I. Mannschaft des Hanauer Fußballklubs „Viktoria" und des Offenbarer Fußballklubs „Kickers" nahm einen interessanten Verlauf. Schon kurz nach Beginn des Spieles konnten die Hanauer Stürmer, schön unterstützt durch die Hintermannschaft, ein Goal erringen, was aber von Offenbach als Offsted bezeichnet und vom Schiedsrichter auch zugegeben wurde. Hanau konnte aber durch tadelloses Zusammenspiel noch zwei weitere Bälle ins Netz senden. So endete das schöne Spiel ohne jeden Zwischenfall zu Gunsten der „Vikloria"-Hanau mit 2 : 0 (SoaL
FC. Kriegsgericht der 21. Division. Ein großer Zugvogel ist der 2 t Jahre alte Franz Schuster von der 4. Kompagnie der 166er in Hanau. Ganz Deutschland hat er durchwalzt, auch mit den Strafgesetzen kollidiri, 5 Monate Gefängniß wegen Majestätsbeleidigung verbüßt. In der lustigen Pfalz, in Frankenthal, nahm man ihn beim Schla- wittchen, da er der Militärpflicht sich entzogen, bei welcher Gelegenheit er äußerte: „Hoch lebe die Anarchie!" und steckte ihn in den Rock des Königs. Das Militärleben jedoch gefiel Schuster nicht, er sehnte sich nach seinem Dorado der Land- straße, weshalb er zwei Monate nach seiner Einstellung durch- brannie und seine Schritte nach Aschaffenburg zu wandte. Am Walde beim Neuwirthshaus begegnete ihm ein Handwerksbursche, ein Krüppel, den er zwang, das Civil ab- und die Uniform anzulegen. Der fahrende Jünger that dies „gern", nach Schuster's Meinung, doch ergab die Untersuchung, daß der Krüppel aus lauter Angst sein Civil vom Körper streifte und die Uniform anzog. Ein heiteres Bild! Nicht lange war dem Musketier die goldene Freiheit beschieden, schon nach 8 Tagen fiel er einem Schutzmann in die Hände, dem er obendrein einen falschen Namen sagte. Wegen Fahnenflucht, Preisgabe von Dienstgegenständen u. s. w. wurde dem Schuster gestern der Prozeß gemacht und 11 Monate wandert er in's Gefängniß, um über seine Straffälligkeit nach- zudenken.
* Zu der Veyrich'schen Konkurs- und Selbstmord-Affaire (Wächtersbach) bemerken wir ergänzend zu unserer neulichen Mittheilung, daß außer der Warnung auf Grund des Revisionsproiokolles im August 1901 auf Veranlassung zweier Vorstandsmitglieder des Wächtersbacher Raiff. eisen-Vereins eine erneute Warnung seitens der Verbandsdirektion an den Aufsichtsrath des Vereins erging, welcher die Sicherstellung der Beyrich'schen Schuld durch Bürgen zur Folge hatte. Eine weitere energische Vorstellung dieser beiden Porstandsherren im April d. J. an den Aufsichtsrath hatte dann die Katastrophe zur Folge. Es ist somit alles geschehen, was im Bereich der Möglichkeit lag, zumal man von den Schiebungen und Wechselfälschungen Beyrichs vor der Katastrophe keine Ahnung hatte.