Erstes Blatt.
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General-Anzeiger.
AmtUlhes Orgail für Stadt- und Fandkreis Kann«.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker i» Hanau.
Ur. 105
Fernfprechaulcliluß Nr. 605.
Dienstaa ^en 6. Mai
Fernfprechanschluß 'Nr. 605
1902
Amtliche»
Landkreis hanau.
BkfnmmnachnlMn nes Königl. Vmihrat^nmte^.
Betreffend Bekämpfung der Blutlaus.
In Verfolg meiner Bekanntmachung vom 1. Novbr. 1901 — V 11852 — abgedruckt in Nr. 26 der Amtlichen Beilage zum „Hanauer Anzeiger" für 1901 und vom 3. Februar cr. — V 1225 — veröffentlicht in Nr. 4 und 5 der Amtlichen Beilage zum „Hanauer Anzeiger" und unter Hinweis auf die Regierungs Polizeiverordnung vom 22. April 1892, Amtsblatt S. 109 ff. Artikel 111 § 17, veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die Untersuchungen der Aepfelbäume durch geeignete Revitoren alsbald, spätestens jedoch bis gttm 20. d. Mts., vornehmen zu lassen.
Falls bei der Revision das Vorhandensein der Blutlaus festgestellt wird, sind die zur Vertilgung erforderlichen Maßregeln sofort anzuordnen.
Bis zum 15. Juni cr. ist mir zu berichten, in welchem Umfange das Auftreten der Blutlaus festgestellt worden ist, welche Maßnahmen zur Vertilgung angeordnet worden und ob solche von Erfolg begleitet gewesen sind.
Fehlanzeige ist nicht erforderlich.
Hanau den 1. Mai 1902.
Der Königliche Landrath.
V 4294 v. S ch e n ck.
Stadtkreis hanau
Bekannimachunffen des Oberbürstermeisteramtes.
Am Mittwoch den 7. Mai 1902, nachmittags von .3 Uhr ab, findet im Magistrats-Sitzungssaale des Neu- städter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen -c. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau den 5. Mai 1902.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
Dr. Gebeschus. 8120
Feuilleton.
Auf zu den Kricgsfcstspicleii!
Herbei! — ihr deutschen Männer! Herbei! — ihr deutschen Frau'n!
Herbei! ihr Patrioten aus Hessenlandes Gau'n!
Ihr, — dort im Nidderthale, ihr, — an der Kinzig Strand, Ihr, — in dem Vogelsderge, waldgrünem Spessariland; Dort, nah' des Alikings Hängen, der wanderfroben Rhön, Dem milden Odenwalde mit seinen sonn'gen Höd'n, Laßt heut die Hände feiern, gönnt ihnen heute Ruh', Doch nehmt dafür ohn' Säumen das Festkleid aus der Truh'; Holt aus der sich'ren Lade den letzten Td^er her — Wird auch von ihm das Scheiden im Augenblick was schwer — Und wandert frohen Muthes ins B.üihenland hinein
Zur altenVesteHanau, am sangesfrohenMain. Zieht ein in ihre Mauern, besucht ihr Musenhaus, Daß ihr darin erschauet, was noch kein Lied fang aus, Daß ihr im Geist durchlebet die letzte große Zeit, Die Manchem jetzt schon lieget zurück so weit, so weit. Die Zeit, in der sich herrlich All Deutschland wiederfand, Ein Herz wir, ein Gedanke: „Gott, Fürst und Vaterland!"
Man zeiget euch den Boten des dritten Bonapart', Vor König Wilhelm stehen in seines Herren Art, Vernehmet dann mit Wonne des greisen Herrschers Wort, Das Benedetti störte aus Ems gar eilig fort.
Ihr iehi' ein Volk in Waffen, am Rhein Alldeutschlands Heer, Die deutschen Adler fliegen herbei von Fels und Meer; Ihr hört der Waffen Klirren, der Schlachtenlieder Klang, Der Sieger Jubelrufen, auch Seufzer schwer und bang. Ihr schaut des Schlachtfelds Engel, die, wie der Kampf auch tost, Dem wunden Krieger spenden die Labung und den Trost. Wie jäh der Thron dort stürzet, auf Bürgerblut erbaut, Zu dem der Erden Völker in Sorgen stets geschaut.
Von dem so mancher Frevel einst seinen Ausgang nahm, So manches junge Herze zum ew'gen Stillstand tam. Es werden euch erscheinen viel Helden an der Zahl,
Hus Stadt und Land.
Hanau den 6. Mai.
Lokal-historische Notizen.
6. Mai 1776 starb Adolf Franz Friedrich Ludwig -Freiherr Knigge, einst auch eine Zeit lang in hessen- cassel'schen Diensten, ein bekannter Jlluminat und Schöngeist, welcher in seinem Buche „Roman meines Lebens" eine ziemliche Reihe damaliger hessischer Zustände, freilich in seinem Sinne, geschildert, und durch alle seine, einst viel gelesenen, Werke, besonders durch das Buch: „Ueber Umgang mit Menschen" der flachen Aufklärung nicht wenig Vorschub geleistet hat. Zuletzt war er Stadthauptmann in Bremen.
* * *
* Geflaggt haben heute aus Anlaß des Geburtstages Sr. Könial. Hoheit des Kronprinzen die öffentlichen Gebäude.
* Militärisches. Der heutigen Kompagniebefichtigung beim Jnf.-Reg>. Nr 166 wohnte bei der kommandirende General v. L i n d e q u i st, der Divisionskommandeur General Leut. v. Deines und der Bigadekommandeur General-Major v. Normann. Heute halten die 1., 2., 3. und 8. Komp. Besichtigung, morgen folgt die Besichtigung der anderen vier Kompagnien. Die BatatUonsvorstellung ist für den 2. und 3. Juni vorgesehen. — Beim Ulanen-Regiment erfolgt die Besichtigung der einzelnen Eskadrons am 16. und 17. d. Mts.
* Postalisches. Die Postagentur in Hochstadt (Main) führt die Bezeichnung Hochstadl (Oberfranken). Es ist häufig beobachtet worden, daß Sendungen mit der Aufschrift Hochstadt (Main) für Personen in Hochstadl (Kr. Hanau) bestimmt waren. Zur Vermeidung von Verzögerungen in der Ankunft der Sendungen empfiehlt es sich, in der Aufschrift zwischen den beiden Orten Hochstadl (Kr. Hanau) und Hochstadt (Oberfranken) genau zu unlerscheisen.
* Firmung. Der Bischof von Fulda wird am Sonntag den 25. Mai dahier das hl. Sakrament der Firmung ertheilen. Auch Schulkinder im Alter von 12—14 Jahren, die die erste hl. Kommunion noch nicht empfangen haben, sollen zur hl. Firmung zugelassen werden, da es vielfach vorkommt, daß manche in ipäleren Jahren die hl. Firmung aus Lauigkeit überhaupt nicht mehr empfangen.
* Silberne Hochzeit feiern heute Herr Jean Kern und Frau, Sieinheimerstrage wohnhaft.
Die kühn entgegenwarfen die Brust der Feinde Stahl, Den neuen deutschenKaiser, den großen Zollernsohn, Hoch über ihm den Rothbart auf lufl'gem Wolkenihron, Der schnell heraufgestiegen aus des Kyffhäusers Nacht, Als er das Reich so herrlich erstehen sah mit Macht. Auch ihn, den edlen Dulder, des deutschen Volkes Lust, Das Bild in ew'gen Zügen lebt fort in deutscher Brust: Held Kronprinz Friedrich werdet ihr schau'n in Manneskraft
Als er im Elsaß Wandel den Dingen hat geschafft.
Der Mac Mahon gezeiget, wie Schlachten man gewinnt, Wie um die Siegespalme ein Hohenzollern minnt, Der in dem todten Feinde den Helden noch geehrt, An seines Gegners Bahre uns — „edel sein" — gelehrt. Dann — Friedrich Karl — der Degen, auch er tritt auf den Plan,
Er, der nie lang gezaudert, griff allzeit herzhaft an; Der löwenkühn gestüizet stracks in den Feind hinein, Schlug in die Wälschen Rollen wie Golteswelter drein. — Auch weh'n die Paladins, das große Dreigestirn, Von jedem Kind benamet, vom Strand bis zu dem Firn, Die um den Herrscher standen, wenn rief das Vaterland, Als Helfer und Berather, wie schöner man's nie fand. Scham' nur den „Hagen-Bismarck" — ist er's nicht ganz und gar,
Der Eiserne, der Recke, mit trotz'gem Augenpaar? — Kein Zug verräth die Meinung, ernst blickt der Kanzler drein, Just, wie die machl'ge Eiche im stillen düst'ren Hain. Und hier „den großen Schweiger" — den Moltke
— einfach schlicht —
Wer ihn nicht kennt, vermuthet in ihm den Denker nicht; Der doch so viel gesonnen, der allzeit treu bereit Für feines Volkes Ehre und Reiches Herrlichkeit.
Und endlich — Roon — der Schöpfer von Deutschlands stolzem Heer,
Wie keines ist zu find.n rings auf der Erde mehr. Der feines Amts gewartet stets selbstlos, still und treu, Daß seines Königs Kriegsmacht allzeit schlagtüchng sei. Und was sonst noch geboten, wer will es nennen gleich, Ist doch die Augenweide fürwahr fast überreich!
* Impfungen. Mittwoch den 7. Mai, nachmittags 3 Uhr, in Wachenbuchen: Erstimpfung, am 14. Mai, nachmittags 3 Uhr: Nachschau der Erstimpfung; am 7. Mai, nachmittags 4 Uhr: Wiederimpfung, am 14. Mai, nachmittags 3’/s Uhr: Nachschau der Wiederimpfung; Jmpflokal: Rath- h.auslaale. —■ Am 7. Mai, nachmittags 5 Uhr, in Mittel- buchen: Erstimpfung, am 14. Mai, nachmittags 4 Uhr, Nachschau der Erstimpfung; am 7. Mai, nachmittags 5*/i Uhr: Wiederimpfung, am 14. Mai, nachmittags 4*/i Uhr: Nachschau der Wiederimpfung; Jmpflokal: Rathhaussaale. — Am 7. Mai, nachmitiags 2'/« Uhr, in Kilianstädten: Erstimpfung, am 14. Mai, nachmittags 21 /» Uhr: Nachschau der Erstimpfung; am 14. Mai, nachmittags 31 /« Uhr: Wiederimpfung, am 21. Mai, nachmittags 3’/a Uhr: Nachschau der Wiederimpfung; Jmpflokal: Für Erstimpfung: Rathhaussaale, Für Wi-derimpfung: Schulhaus.
* Die Landgräfin von Heflen in Rom. Ihre Königl. Hoheit die Landgräfin von Hessen, Prinzessin Anna von Preußen, welche, wie wir aus römischen Journalen ersehen, seit einigen Tagen in der ewigen Stadt weilt und letzten Sonntag vom Papste mit allen fürstlichen Ehren in einer Privataudienz empfangen wurde, besuchte am 2. d. Mts. mit ihrem ganzen Gefolge das Atelier des Hanauer Bildhauers Josef Limburg. Von den Werken des Künstlers gefielen der hohen Dame ganz besonders die eben vollendete Broncegestalt und Büste des Königl. bayerischen Kammerherrn Frhrn. v. Roienhan und die Kolossal-Marmorbüste des Papstes Gregor des XHL, welche bereits im Vestibül des Collegium Germanicum aufgestellt ist. Auch die Portraithalbfigur des Weihbischofs von Straßburg Baron Zorn von Bulach erregte das volle Interesse Ihrer Königl. Hoheit, welche nach längerem Besuch dem Künstler selbst einige Aufträge zu Theil werden ließ.
* Schulinspektor - Stelle. Die eingelaufenen Bewerbungen um die von der Stadt ausgeschriebene Schul- inspeklor-Stelle sind sehr zahlreich. Es haben sich nämlich 87 Herren gemeldet.
* Schornsteinfeger-Genossenschaft. Die Sektion X. der Genossenschaft deutscher Schornsteinsegermeister, zu welcher die Reg.-Bezirke Cassel, Wiesbaden, Koblenz uno das Groß- herzogthum Hessen gehören, hielt in Marburg vorgestern unter dem Vorsitze des Schornsteinfegermeisters Beck- Frankfurt ihre Jahresversammlung ab. Man beschloß u. A. bei der Behörde um Erniedrigung der Beiträge zum Unfalloerstcherungsfonds, der schon über 100 000 Mk. zählt, einzukommen. Als nächster Versammlungsort wurde Darmstadt gewählt.
Drum wer noch mehr will wissen, werf ins Programm den Blick,
Wo alles eingezeichnet mit Umsicht und Geschick.
Und schon — fürwahr — die Namen das Herze machen weit, Wie erst, wenn sich das Festspiel in seiner Schöne beut! Drum wer in Busens Tiefe, die heilge Flamme nährt Der großen deutschen Liebe, die Hohes nur gewährt, Die neu stets Helden zeuget, von Knechtschaft stets befreit', Die selbst noch triumphirel tn Schmach und tiefstem Leid, Der komm und schaue, stärke sich Herz und Sinn auf's neu An deutschem Geist und Wesen, an Heldemhum und Treu. Daß er aufs neu erkenne, wie groß das Opfer war, Das unj're Väter legten aufs Vaterlands Altar.
Wenn er dann heimwärts ziehet zu Weib und Kind und Herd, Er glaubt sie neu geschenket sich und darum doppelt werth. Er wird zum Tagwerk schreiten mit frischem frohen Sinn, Mit Glaube, Liebe, Hoffnung, was zwiefach bringt Gewinn. — Was er geschaut, vernommen, erzählt er seinem Kind, Wie treu dem Schwur gestorben einst deutsche Söhne sind. Das Kind wird es bewahren getreu in tiefster Brust, Hier wird es sprossen, wachsen und reifen, unbewußt.
Und wenn der Tag sollt' kommen, daß wieder dräut Gefahr Dem Vaterland, zum Streite ruft Deutzschlands Kaiseraar, Der Sohn zum Kampf wird stürmen, ein Held fein in dem Streit,
Nicht rasten, bis der Adler gesiegt, das Land befreit.
Und wenn es sei gestorben, soll gehen in den Tod, Er wird sich willig beugen des Höchsten Hand, Gebot. Wenn ihm die Wunde brennet, das Herzblut färbt den Sand, Sein letzter Hauch auch gilt dann: „Gott, Kaiser, Vaterland!" — —
Und hiermit hat das Festspiel sein schönstes Ziel erreicht, Dem „jungen Deutschland" sichtlich die Bahnen an- gezeigt,
Die es hinfort zu wandeln, muß haben stets im Aug', Davon nicht wanket, weichet, wie groß die Lockung auch, Wenn es, — was seine Väter errungen im Verein, — Bewahren will, so würdig — des großen Erbe — sein!
Langenselbold. Fritz Schleucher.