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Erstes Blatt.

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Kür Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die (Auf* gefpalteuc Petitzcile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zc?.e 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Tedrickt wb »erlegt in der Buchdrucker« deS verein, e».

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Havan.

Waisenhauses in Hana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantwortl. Redakteur: G. S ch r r <k e r in Hanau.

. .r. 104

Fernsprechanlchliiß Nr. 605.

Montag t»en j. Mai

Fernsprechaiitchluß 'Jit. 605

1902

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

(S e f h n b e n: 1 Herrenregenschirm. 1 Kinderspielzeug (Raffel mit Pfeife). 1 Stempel mit dem Namen Heinrich Schullheis.

Verloren: Auf dem Wege Pulverfabrik bis Hotel Adler

2 Schlüssel (einer davon vergoldet).

Zugelaufen: 1 schwarzer Spitzhund, m. Geschl.

Hana« den 5. Mai 1902.

Arvcitcrschutz im Handclsgctocrbc.

In der arbeitsstatistischen Abtheilung des Kaiserlichen Statistischen Amts ist in diesen Tagen die auf Anordnung des Reichskanzlers eingeleitete Erhebung über die Arbeitszeit der Gehilfen und Lehrlinge in solchen Comptoiren des Handels- gewerbes und kaufmännischer Betriebe, die nicht mit offenen Verkaufsstellen verbunden sind, abgeschloffen und veröffentlicht worden.

Die Erhebung hat sich auf insgesammt 13 673 Compto're erstreckt, in welchen zur Zeit der Erhebung (September 1901) 69 686 Personen ®alS Gehilfen oder Lehrlinge beschäftigt waren. Hiervon gehörten 64 560 dem männlichen, 5126 dem weiblichen Geschlecht an. Von den letzteren waren 4755 Ge­hilfen über 16 Jahre. In den bearbeiteten Betrieben sind im Ganzen 13 433 männliche Lehrlinge gezählt worden, annähernd ein Fünftel (19.2 v. H.) aller gezählten Hilfspersonen und etwas über ein Viertel der Zahl der männlichen Gehilfen. . Die Zahl der weiblichen Lehrlinge hat sich als sehr unbe­deutend herausgestellt, sie betrug nur 1.8 v. H. der beschäftigten Lehrlinge. — In den 13 673 Betrieben hat sich eine Arbeits­zeit ergeben von 8 Stunden und weniger für 1663 Beiriebe und 10 459 Personen, mehr als 8 bis 9 Stunden für 5155 Betriebe und 30 071 Personen, mehr als 9 bis 10 Stunden für 4040 Betriebe und 20 292 Personen, mehr als 10 bis 11 Stunden für 2085 Betriebe und 7042 Personen, mehr als 11 Stunden für 730 Betriebe und 1822 Personen.

Ferner hat sich ergeben, daß die Arbeitszeit der Lehrlinge in einem Theil der Betriebe grundsätzlich länger ist, als die der Gehilfen, sowie daß die Lehrlinge überhaupt an den vorkommenden längeren Arbeitszeiten stärker detheiligt sind als wie die Gehilfen. — Im Allgemeinen verkürzt sich die Arbeitszeit mit der steigenden Größe der Stadt und des Betriebes. Verhältnißmäßig ungünstigere Arbeitszeiten sind in den kleinen Städten und kleinen Be­trieben, sowie in denjenigen Comptoiren gesunden worden, in welchen die Arbeitszeit der Lehrlinge grundsätzlich länger festgesetzt ist als die der Gehilfen. Bei den Ermittelungen über das Vorkommen der getheilten sowie der ungeteilten Ar­beitszeit (englische Tischzeit) hat sich herausgestellt, daß die letztere zur Zeit noch in sehr geringem Umfang eingeführt ist (3,21 v. H. der Betriebe) und daß sie im Wesentlichen noch als eine Besonderheit norddeutscher Großstädte zu betrachten ist. Bei englischer Tischzeit liegt der Comptoirschluß in der Mehrzabl der Comptoire — 54,67 v. H. — schon vor oder um 5 Uhr abends, nur 61 Betriebe sind gezählt worden, die nach 6 Uhr abends schließen. — Die Dauer der Mittags­pause in den Betrieben mit getheilter Arbeitszeit schwankt in der großen Mehrzahl der Fälle zwischen 1 und 2 Stunden. In 44 05 v. H. der Comptoire mit englischer Tischzeit fanden sich bestimmte Frühstücks- und Nachmittagspauien, insgesammt in der Dauer von i/i—1 Stunde. Eine Verlängerung der Arbeitszeit zu gewissen Zeiten des Jahres erfolgte bei 20,43 v. H. der Comptoire. Besondere Tabellen geben Ausschluß darüber, in welchem Umfange Verlängerungen oder Verkürzungen der Arbeitszeit an den Samstagen üblich sind. Verlängerungen kamen im Ganzen nur in 1,95 v. H. der befragten Betriebe vor, Verkürzungen dagegen in 7,85 v. H. In 33,03 v. H. her bearbeiteten Comptoire fand Sonntagsarbeit statt, die in ber Mehrzahl der Comptoire (70 v. H.l über zwei Stunden nicht hinausging. Andererseits hat sich ergeben, daß die Mehrzahl desjenigen Personals, welches überhaupt zur Sonn- tagsmbeit herangezogen wurde, Sonntagsdienst an mehr als der Hälfte aller Sonntage hatte. — 3n 33,78 v. H. der Comptoire wurde regelmäßig, in weiteren 6,08 v. H. „auf Wunsch" Urlaub bewilligt. Die Lehrlinge stehen auch hier schlechter als die.Gehilfen. In den Großstädten und Groß­betrieben wird häufiger Urlaub gegeben als in den Klein­betrieben und kleinen Städten, auch dauert in den Großstädten und Grol betrieben der gewährte Urlaub länger als in den anderen Orts- und Betriebsgrößenkloffen. Relativ die günstig­sten Verhältnisse in den von der Erhebung erfaßten Be­ziehungen haben sich in den Comptoiren des Geld- und Kredit­handels ergeben.

Hue Stadt und Cand.

Hanau den 5. Mai.

Lokal-historische Notizen.

5 . Mai 1553 starb Eras mus Albeous, gebürtig aus dem Vogelsberg (aus der Umgegend von Schotten), später Pfarrer zu Sprendlingen, dann Superintendent in Hanau und anderen Orten, als Superintendent zu Neubrandenburg, ein eifriger Reformator. Noch berühmter aber ist er als Dichter, und neben Burkard Waldis der einzige nennenswerthe Dichter, den wir Hessen aufzuweisen haben.

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* Impfungen. Dienstag den 6. Mai, nachmittags 4 Uhr, in MarköbeI: Erstimpfung, am 13. Mai, nachmit­tags 4 Uhr: Nachschau der Erstimpfung; am 6. Mai, nach­mittags 4^3 Uhr: Wiederimpfung, am 13. Mai, nachmittags 4’/2 Uhr: Nachschau der Wiederimpfung; Jmpflokal: Ralh- hausiaale.

* Die 45tägigen Rückfahrkarten. Mehrere Blätter wußten zu berichten, die erst vor 10 Monaten einge­führten 45tägigen Rückfahrkarten sollten wieder aufgehoben werden. Zunächst sei die Giltigkeit der Bahnsteigkarten eingeschränkt worden, um ihre mißbräuchliche Verwendung an Stelle der Rückfahrkarten zu hemmen. Das habe nach der Ansicht der Bahnverwaliung nicht genügend genutzt, und so ist nach wieder­holter Erwägung auf Grund von Gutachten sämmtlicher Eisenbahn- direktionen jetzt beschlossen worden, die Rückfahrkarten gänzlich aufzuheben. Es sollen nur einfache Fahrkarten ausgegeben werden. Diese Fahrkarten sollen zu einem allgemeinermäßigten Preise aus gegeben werden, der wahrscheinlich die Hälfte des Preises der Rückfahrkarten unter Hinzurechnung eines gewissen Zuschlages für Schnellzüge betragen solle. Hierüber stehe ein definitiver Beschluß noch aus; es sei auch möglich, daß der Modus der in Oesterreich, Baden u. s. w. eingeführten Kilometerhefte in Preußen Annahme findet. So viel stehe nur fest, daß das Prinzip der Rückfahrkarten mit 45tägiger Giltigkeit unbedingt aufgegeben werden und daß dies sehr bald geschehen werde. Das System der Rückfahrlarten solle nur noch wenige Monate bestehen bleiben. — Soweit die Meldungen, die jedem halbwegs Sachkundigen von vorn­herein sehr unwahrscheinlich vor kommen mußten. Nun ist als­bald das Wölfische Telegraphenbureau ermächtigt worden, die Mittheilungen über angeblich bevorstehende Aufhebung der 45tägiqen Rückfahrkarten für völlig erfunden zu erklären."

* Kreis-Thierschau. Die am 10. Juli d. J. abzuhaltende Kreis-Thierschau bildete in der am Samstag stattgefundenen Versammlung des landwirthschafilichen Kreisvereins Hanau einen der Hauptpunkte der Berathung. Zunächst theilte der Herr Vorsitzende mit, daß mit Rücklicht der sich ergebenden Schwierigkeiten und der hohen Kosten davon abgesehen worden sei, die Thierschau in Wilhelmsbad abzuhalten. Bruchköbel habe sich erboten, die Arrangements zu übernehmen, auch ein eventuelles Defizit zu tragen, jedoch sei letzteres nicht zu be­fürchten. Für Prämiirungszwecke habe die Landwirthschafts- kammer 660 M. bewilligt, auch der Kreis einen Betrag bis zu 400 M. zur Verfügung gestellt. Aus Zeitungsberichten sei zu ersehen gewesen, daß die Stadtverordnetenversammlung eine erbetene Beihilfe von 200 M. abgelehnt habe. In der sich entwickelnden Besprechung wurde das ablehnende Verhalten der Stadtverordnetenversammlung bedauert, da der Verein sich über Stadt- und Landkreis erstrecke, seine Sitzungen fast stets in Hanau abhalte und die mit der Thierichau verfolgten Zwecke Stadt und Land zu gute kommen würden. In der weiteren Berathung über die Einzelheiten der Thierschau wurde bekannt gegeben, daß sich ein Platzcomnö, ein Ausstellungs- eomite, ein OrdnungscomitH und ein Wirihschafts- und Ver- gnügung? comite gebildet hat. Sämmtliche Comite's haben Verstärkung erfahren durch Ortsbürger Bruchköbels. Die dortige freiwillige Feuerwehr hat in anerkennenswcrther Weise ebenfalls ihre Dienste zur Verfügung gestellt. Alles läßt darauf schließen, daß Bruchköbel, das bereits 1886 eine vorzügliche Ausstellung arrangirte, auch diesmal die Kreis- Thierschau gut durchführen wird. Nachdem der landwirth- schaftliche Kreisverein ebenfalls einen ansehnlichen Beitrag be­willigt hat, stehen bis jetzt etwa 1460 M. für Prämiirungszwecke zur Verfügung. Die Grundzüge der Prämiirung und die Höhe der einzelnen Prämien wurden ebenfalls festgelegt, die weitere Eintheilung des Prämiirungsplanes aber dem Aus- stellungscomiiö überlassen. Bemerken wollen wir noch, daß auch der Hanauer Geflügelzuchtverein sich an der Ausstellung betheiligen wird.

* Eber-Körung. Die Schweinezucht - Genoffenschaft Hofgeismar hat bei der Landwirlhschaftrkrmmer in Anregung gebracht, auf den Erlaß einer Regierungs-Polizeiverordnung betreffs Regelung der Eber-Körung hinzuwirken. Die land-

wirthschaftlichen Kreisvereine des Bezirks sind nun um Abgabe von Begutachtungen ersucht worden, infolge dessen sich auch der landwirthschaftliche^ Kreisverein Hanau in seiner letzten Sitzung mit dieser Angelegenheit zu befassen hatte. Die Zweck­mäßigkeit einer Regelung der Eber-Körung im Interesse der Hebung der Schweinezucht wurde allgemein anerkannt, nur hegte man Befürchtungen hinsichtlich der entstehenden Kosten, doch war man der Ansicht, daß auch in dieser Beziehung sich eine befriedigende Lösung erzielen lassen werde.

* Die Gesellenprüfung für Schlaffer findet im Juni statt. Diejenigen Lehrlinge und Gesellen, welche sich der Prüfung unterziehen wollen, haben sich bei dem Vorsitzenden der Prüfungskommission Herrn Schlossermeister Jg. Petel er, Schnurstraße 16, zu melden. Der Anmeldung ist beizufügen: ein selbstgeschriebener Lebenslauf, Schul- oder Gewerbeschul- Zeugniß, Lehr-Zeugniß. Vorgeschrieben ist eine mindestens dreijährige Lehrzeit. Die Lehrbriefe der am 10. April ge­prüften Gesellen können bei Herrn Jg. Peteler in Empfang genommen werden.

* Organisation des Kredits für den größeren Landwirth. Oekonomierath N exerodt in Cassel, der be­kannte Leiter des hessischen Genossenschaftswesens, erläßt einen Aufruf, in welchem er betont, daß er die Zeit für gekommen erachte, an die Lösung einer Aufgabe zu gehen, die ihn seit Jahren beschäftige, nämlich die Organisation des Kredits für den größeren Landwirth. Der Plan, den er zur Begutachtuntz und Aeußerung seiner Kollegen barlegt, ist in Kürze folgender: Die größeren Landwirthe Hessens bilden im engen Anschluß an die bereits bestehende genossenschaftliche Organisation der Hessi­schen Heimath eine oder je nachdem mehrere Genossenschaften mit dem Zweck, sich dadurch den Bankier, den Getreidehändler, den Futter- und Düngemittel-Lieferanten zu ersetzen. Diese Genossenschaft tritt der hessischen Bezirks-Genossenschaft Cassel bei und wTb dadurch in den Stand gesetzt, die Mittel der Preußenkasse und der landwirthschaftlichen Zentral-Darlehens- kasse für ihre Mitglieder nutzbar zu machen.

* Gauturnfahrt des Main-Gaues. Der Main- Gau unternahm gestern eine Gauturnfahrt von Wilhelmsbad über Wachenbuchen durch die große Lohe nach Bischofsheim. Ob­wohl das Wetter sehr ungünstig war und man deshalb auf eine große Betheiligung nicht hoffte, so fanden sich doch 125 Turner zusammen. Auf der großen Lohe wurden gemeinsame Freiübungen ausgeführt und ein Wettturnen in den volks- thümlichen Uebungen: Weiterung ohne Brett und Kugelstoßen abgehalten. Trotz der schlechten Bodenverhältnisse wurden doch recht ansehnliche Leistungen erzielt. Im Weilsprung wurde 5,20 m und im Kugelstoßen (10 Silo schwer) 8 m erreicht. Die stattliche Betheiligung sowie die guten Leistungen haben gezeigt, daß auch im Maingau echter Turnersinn herrscht, der es mit feiner Arbeit ernst nimmt.

* Fahrreuführung. Dem Kriegerverein zu Ober- dorfelden ist, wie wir vernehmen, zuständigen Orts die Erlaubniß zur Führung einer Fahne ertheilt worden, sodaß sich der genannte Verein nunmehr rüstet, in diesem Jahre daS Fest der Fahnenweihe in würdiger Weise abzuhalten. In Kriegervereins-Kreisen hegt man die Zuversicht, daß sich mit diesem festlichen Akte vielleicht die Abhaltung eines Verbands­festes des Kreis-Kriegerverbandes Hanau verbinden lasse, umsomehr, als bereits seit drei Jahren ein Verbandsfest nicht abgehalten und der Verbandsverein Oberdorfelden sicherlich in freudiger Weite das Fest übernehmen würde.

-ß- Familienabend. Das Hanauer Sängerquartett vereinigte gestern Abend im Sälchen zur „Stadt Bremen" seine Mitglieder und Freunde zu einer Familienfestlichkeit. Der Vor­sitzende Herr Kreiß begrüßte die Anwesenden und sprach den Wunsch aus, daß es dem Quartett gelingen möge, die An­wesenden für einige Stunden angenehm zu unterhalten. Dieser Wunsch bewahrheitete sich aber auch voll und ganz, denn die zum Vortrag gelangten Lieder zeugten von guter Schulung und eifriger Hingabe der Mitglieder. Ganz besonders heroor- zuheben sind einige Baßsoli, gesungen von Herrn Fr. Herbst, welcher über sehr schmiegsame Stimmmittel verfügt, sowie die durch Herrn W o l f zum Vortrag gebrachten Couplets, welche eine sehr angenehme Abwechselung in dem Programm boten. Lobend anzuerkennen ist noch ein komisches Terzett, sowie die musikalischen Darbietungen der Herren Gebr. Hagemann, Roye und Hillebrand. Selbstverständlich machte das un­vermeidliche Tänzchen, welches die Anwesenden bis nach Mitter­nacht in animirlestcr Stimmung zusammenhielt, den Schluß des sehr schön und angenehm verlaufenen Abends, der dem Quartett zu aller Ehre gereicht.

* Kynologisches aus Frankfurt a. M. Dar so­eben erschienene Ausstellungsprogramm der Frankfurter Kyno- logischen Woche dürfte wohl das interessanteste aller deutschen diesjährigen Hundeausstellungen sein. Es haben Se. Excellenz der kommandirende General des 18. Armeekorps Herr von