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Erstes Blatt.

Danauer G Anzeiger

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.

Gtnttal-Anztigtt.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.

Einruckungsgcbuhr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- «nb Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 100 Fernsprechanschluß Nr. 605.

Mittwoch den 30. April

Fernsprechanschlnß Nr. 605. 1902

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Ofenthüre. 1 Schultasche mit Schiefer­tafel, Griffelköcher und Lesefibel mit dem Namen Klepsa Franz. 2 Pferdedecken, die eine Decke ist blau, mit roth und gelb­gestreiftem Band garnirt und mit den Buchstaben F. und H. verschlungen gezeichnet, die andere ist eine alte graue Decke. 1 Beutel mit Nägeln und Scheere.

Verloren: 1 schwarzes Körbchen mit schwarzer Litze durchzogen. 1 braunledernes Damenportemonnaie mit einer Fahrkarte MainkurHanau, etwa 3 Mk. Inhalt und 2 kleinen Schlüsseln.

Zugelaufen: 1 schwarzer schottischer Schäferhund, m. Geschl. 1 Hund, Deckel, schwarz mit gelben Beinen, m. Geschl.; Empfangnahme bei Landwirth Johannes Meisinger, Gronau.

Hanau den 30. April 1902.

Hue Stadt und £and*

Hanau den 30. April.

* Impfungen. Donnerstag den 1. Mai, nachmittags 2 Uhr, in Windecken: Erstimpfung im Rathhaussaale, Wiederimpfung im Schulhause; am 8. Mai, nachmittags 2 Uhr: Nachschau der Erstimpfung; am 3. Mai, nachmittags 2 Uhr: Wiederimpfung; am 10. Mai, nachmittags 2 Uhr: Nach­schau der Wiederimpfung.

* Oratorienverein. Mit dem gestern Abend stattge- habten Konzert des Oratorienvereins verabschiedete sich Herr Dr. Frank L i m b e r t, der langjährige Dirigent und nun­mehrige Ehrendirigent des Vereins, von dem hiesigen mustk- liebenden Publikum, um einem ehrenvollen Rufe nach Düssel­dorf Folge zu leisten. Es sei bei dieser Gelegenheit gestattet, einen kurzen Rückblick auf die erfolgreiche Thätigkeit des Herrn Dr. Limbert im Oratorienverein zu werfen. Im Sommer 1895 übernahm Herr Dr. Limbert die Leitung des Oratorien­vereins. Ihm verdankt der Verein das Emporheben zu einem nicht nur in unserer Vavrstadt, sondern auch darüber hinaus geachteten Tonkörper. Unter Herrn Dr. Limberts zielbewußter, oerständnißvoller und namentlich uneigennütziger Leitung wurde es dem Verein ermöglicht, aus seinen früher in etwa eng gezogenen Grenzen herauszutreten und seine Bahnen zu er­weitern. Werke wie Comala v. Niels W. Gade,Das Lied von der Glocke",Römische Leichenfeier" undSchön Ellen" von Max Bruch, das Schicksalslied und das deutsche Requiem von Brahms, ein ebensolches von Cherubin!,Die Wallfahrt nach Kevlaar" von Humperdink, dieJahreszeiten" und dieSchöpfung" von Haydn,Josua" undJudas Maccabäus" von Händel, (die erste Aufführung in Deutsch­land nach der neuen Bearbeitung des Dr. Chrysander), die Johannespassion" und dasWeihnachtsoratorium" von Joh. Seb.Bach, die Scenen aus Faust undDer Rose Pilgerfahrt" von Schumann, die Legende von der heiligen Elisabeth von Fr. Liszt u. a. zeugen davon. Herr Dr. Limbert hat durch all diese

Feuilleton.

Drittes Abvmlcmcnts-Concert des Oratvricnvercins.

Hanau, 30. April.

Einen prächtigen Nachklang aus der verflossenen Concert­saison herüber bildete das vom Oratorienverein in seinem dritten Abonnements-Concert gestern Abend im deutschen Hause auf­geführtedeutsche Requiem" von Joh. Brahms, unter Leitung des kürzlich zum Ehrendirigenten ernannten Herrn Dr. Fr. Limbert. Da dieses Meisterwerk eine Wiederholung ist, dürfte wohl der Inhalt desselben unseren Concertbesuchern noch in lebhafter Erinnerung sein. Die gestrige Aufführung muß als recht ge­lungen bezeichnet werden. Der Chor wurde der ohnehin schwie- rigen und dabei anstrengenden Arbeit vollauf gerecht. Präzision, Deutlichkeit und Bestimmtheit der Einsätze, gut gelungene Achattirungen erhöhten die Ausdrucksfähigkeit, so daß die Wiedergabe dieses großartigen Werkes sich erhebend und weihe­voll gestaltete. Die Soloparthien bestritten Frau Dr. Hilde­gard Börner aus Leipzig und Herr Adolf Müller aus Frankfurt a. M. Frau Börner besitzt eine hohe und an­sprechende, nicht besonders kräftige Sopranstimme. Daher sicherten ihr nicht stimmliche Kraft, sondern eine warme und riefempfundene Dortragskunst ansprechende Erfolge. Herr A. Müller fand ungeteilten Beifall durch seine bekannten stimmlichen Vorzüge und durch einen musikalisch sicheren, aus­drucksvollen Vortrag.

Eingeleitet wurde das Konzert durch die Bach'sche Cantate: Du Hirte Israel". Auch auf dem Gebiete der Cantate hat der Meister das Höchste erreicht und den Inhalt der christ-

Aufführungen bewiesen, daß er sich stets mit inniger Freude und regem Fleiß in die Werke vertiefte, das jeweilig Charakteristische in denselben voll erfaßte und dem ihm unter­stellten Tonkörper trefflich zu übermitteln verstand; seine Lei­tung in denConcerten brauchte sich eben durch das fleißige vorherige Studium der Werke uicht mehr sklavisch an die Partitur zu halten, sondern konnte frei auftreten und die bestmögliche Ver­ständigung zwischen Leiter und Tonkörper erzielen. Auf diese Weise konnte sich der Oratorienverein, gestützt auf die treffliche Jnfanieriekapelle und uneigennützige Künstler hiesiger Stadt aufs beste ausgestalten und seine Bahnen erweitern. Diese Ausgestaltung verdankt ihm der Verein in seiner Gesammtheit. Was ihm der Einzelne im'.Verein verdankt, das ist: verstünd- nißvolle Einführung in die Tiefen der klassischen Oratorien­musik auf sozusagen mühelose, fesselnde und durchaus metho­dische Weise. Kein Wunder, daß sich zwischen dem Dirigenten und den Vereinsmitgliedern ein überaus herzliches, sich gegen­seitig stützendes Verhältniß entwickelte. Die Damen und Herren, die sich gelegentlich der Jubelfeier 1897 zu dem so stattlichen gemischten Chor von circa 250 Personen zusammen- fanden und die Herren, die die Männerchöre bildeten, werden sich noch gern der interessanten Uebungsabende erinnern und der geschickten Art und Weise, mit der Herr Dr. Limbert den komplizirten Tonkörper schulte und leitete. Ueberhaupt hatte Herr Dr. Limbert sich damals der ihm gestellten keineswegs leichten Aufgabe.mit Meisterschaft entledigt und zum Gelingen des Festes sein redliches Theil beigetragen. Als Componist hat sich Herr Dr. Limbert mehrfach mit Glück versucht. Die reizenden Minnelieder in Tanzform, die Scenen aus Snder- mannsJohannes", der 13. und der 150. Psalm und die Dithyrambe" von Schiller u. a. zeugen davon. Alles in allem verdanken das hiesige musikliebende Publikum und der Oratorienverein Herrn Dr. Limbert sehr viel. Der Oratorien- verein namentlich wird dessen stets dankbar eingedenk sein. Um nun Herrn Dr. Limbert auch äußerlich einen Beweis der Anerkennung für seine hervorragenden Verdienste um den Verein zu geben und um die Bande, die Jahre lang sich um Dirigent und Vereinsmitglieder schlangen, auch äußerlich nicht zu lockern, wurde Herr Dr. Fr. Limbert auf der Generalver- versammlung vom 18. April d. J. einstimmig zum Ehren- d i r i g e n t e n des Oratorienvereins, (eine Würde, die seit dem etwa 60jährigen Bestehen des Vereins noch von keinem Dirigenten bekleidet war), ernannt, und ihm am 22. April die künstlerisch ausgeführte Ehrenurkunde vom Vereinsvorsitzen­den überreicht. Wir wünschen Herrn Dr. Limbert auch in seinem neuen Wirkungskreise in Düsseldorf guten Erfolg. Möge ihm dieser zu seinem weiteren Studium förderlich sein. Möge er dort für seine Intentionen alle Zeit volle Anerken­nung wie hier finden und möge er später wieder nach Hanau kommen. Möge es endlich seinem Nachfolger gelingen, den Oratorienverein in den Bahnen weiterzuführen, in die ihn Herr Dr. Limbert geleitet, damit dem hiesigen mustkliebenden Publikum noch manche Perle klassischer Musik vom Oratorien-

lichen Lehre erschöpfend dargestellt, wozu ihn seine Meisterschaft in Beherrschung der künstlichsten Formen des Kontrapunktes befähigten. Um sein ganzes Inneres austönen zu lassen, be­durfte Bach neben den vokalen Mitteln auch der Instrumental- stimmen, die er in höchster Fülle und Bestimmtheit mit einander vereinigt. Die Instrumente wurden ihm zu ausdrucksvollen Trägern seiner Ideen und selbst in denArien" treten sie selbst gegen die Solostimmen in den Vordergrund. Für das Gesagte bildete die Cantate den sprechenden Beweis. Die Wiedergabe seitens des Oratoriensvereins konnte recht befrie­digen. Die Soloparthien führten Frau Dr. Börner und Herr Franz Waßmuth mit bestem Gelingen aus. Herr Franz Waßmuth gefiel besonders durch seinen packenden, lebensvollen Vortrag, der uns noch durch besondere Frische anmuthete.

Das Orchester löste seine anstrengende Aufgabe zur vollen Zufriedenheit. Die Begleitung deS Harmoniums besorgte Herr I. Milbach in feinfühliger Weise. Kürzn, es waren die Aufführungen beider Werke lobenswerthe und tiefergreifende Leistungen, die den Mitgliedern und dem Dirigenten alle Ehre machten.

Bekanntlich verläßt Herr Dr. Limbert unsere Stadt, um in Düsseldorf seine künstlerische Thätigkeit aufzunehmen. Herr Limbert hat mit Liebe, Hingabe, Knnstverständniß und Energie sein mühevolles Dirigentenamt mit Erfolg verwaltet, so daß der Oratorienverein seinen seitherigen Leiter ungern scheiden sieht. Wie genannter Verein Herrn Limbert viel Dank schuldet und diesen willig und gern spendet, so ist auch das Hanauer Concertpublikum ihm zu großem Danke verpflichtet, da er durch seine rastlose Arbeit in den Jahren seines Direk­toriums so manches große und schöne Meisterwerk im Zu­sammenhang vermittelte. Wir wünschen Herrn Dr. Limbert auch in seinem neuen Wirkungskreise reichen Segen.

verein in trefflicher Weise geboten werden kann. Möge der Oratorienverein auch fernerhin von dem hiesigen mustkliebenden Publikum durch regen Besuch seiner Concerte unterstützt werden, damit er allen Anforderungen, die namentlich auch in solistischer Beziehung an ihn gestellt werden, gewachsen sein kann, und mögen sich immer noch mehr stimmbegabte Damen und Herren um seine Fahne schaaren. Z.

* Gründung einer Trinkerheilanstalt für das Großherzogthum Hessen und Hessen-Naffau. Auf Einladung des Frankfurter Zweigvereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke tagten am Freitag Nachmittag im Senken- berg'schen Institut zu Frankfurt a. M. die Vertreter mehrerer interessirter Vereine, um über die Gründung einer Trinker- Heilanstalt für das Großherzogthum Hessen und die Provinz Hessen-Nassau zu berathen. Eine derartige Anstalt ist schon längst als ein dringendes Bedürfniß empfunden und deren Einrichtung angesichts der leider immer mehr zunehmenden Fälle zur unabweisbaren Nothwendigkeit geworden. Der Vor­stand des Hessischen Landesvereins gegen den Mißbrauch geisti­ger Getränke (mit dem Sitze in Darmstadt) war durch mehrere seiner Mitglieder vertreten; er erklärte, daß er schon vor einigen Jahren vorbereitende Schritte gethan habe, um eine Trinkerheilanstalt für das Großherzogthum Hessen zu errichten, daß es bisher aber einerseits immer noch an den erforderlichen Mitteln, andererseits an einem geeigneten Platze gefehlt habe, um das Projekt zur Ausführung bringen zu können. Nach-, dem es nun neuerdings gelungen ist, einen Komplex von 90 Morgen Land ausfindig zu machen, der für sehr billiges Geld zu haben und zu dem Zwecke der Errichtung einer Trinker- Heilanstalt, nach dem übereinstimmenden Gutachten der Autori­täten, vollständig geeignet ist, glaubte die Versammlung einen kräftigen Schritt vorwärts thun zu können. Man einigte sich dahin, eine Gesellschaft, eine eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, zu gründen, die erforderlichen Mittel zu beschaffen und dann mit aller Energie an die Ausführung des Projekts heranzugehen. Der Staat als solcher wird sich bei aller Sympathie für das Unternehmen noch nicht aktiv 6e» theiligen können, er wird die Gründung einer solchen Volks­wohlfahrtseinrichtung privaten Organen überlassen müssen, da­gegen glaubt man sicher, die bethciligten Regierungen, auch die Kreis- und Gemeinbeverbände würden insofern ihre Hilfe ange­deihen lassen, als sie Mittel zu Unterstützungszwecken in ihre Budgets einstellen werden. Auch die Vereinsthätigkeit (Mäßig- keits- und Enthaltsamkeitsvereine, Fürsorgevereine für entlassene Sträflinge, Missionen rc.) und nicht minder die private und freiwillige Liebesthätigkeit müßten in Betracht gezogen werden.

* Jahresversammlung. Die diesjährige Jahresver­sammlung des Vereins von Lehrern höherer Unterrichtsanstalten der Provinz Hessen - Nassau und des Fürstenthums Waldeck wird am 7. Mai d. I. in Geisenheim abgehalten.

* Schmetterling-Ausstellung. Im Frankfurter Zoologischen Garten wird die große Schmetterling-Sammlung auch in diesem Jahre wieder an 3 Tagen und zwar am 7.,

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Hoher Luftdruck erstreckt sich vom Ozean bis zur Mitte von Continentaleuropa, über 779 mm südwestlich von Irland, Depressionen unter 755 mm lagern über Nordwegen und Südosteuropa. In Deutschland ist die Witterung kalt, im Nordwesten regnerisch, im Binnenland heiter.

Prognose für den 1. Mai: Etwas wärmeres Wetter, Ausbreitung der Regenfälle wahrscheinlich.

Eine neue Veruntreuung bei der Berliner städtischen Sparkasse ist jetzt entdeckt worden. Die Unterschlagungen des Buchhalters Werkmeister, der durch Selbst­mord endete, hatten eine allgemeine Revision der Kasse zur Folge. Hierbei stellte sich heraus, daß ein Buchhalter Karl Ulbrich ebenfalls 9000 Mark veruntreut hat. Ulbrich ist ein leidenschaftlicher Segler und Jäger. Er besitzt ein eigenes Segelboot und ist Pächter einer Jagd. Als am Montag die Unterschlagung entdeckt wurde, nahm er seinen Hut unter den Rock, verließ unter Zurücklassung seines Ueberziehers das Spar- kassengebäude und ging davon. Die Nachforschungen nach seinem Verbleib hatten bis jetzt keinen Erfolg. In seine Woh­nung kehrte Ulbrich nicht mehr zurück.

Eine ganze Familie vergiftet. In Schalke (Westphalen) erkrankte nach dem Genuß einer Biersuppe die gesammte, aus fünf Personen bestehende Familie unter Ber- giftungserscheinungen. Der Zustand des Ehemanns verschlim­merte sich in wenigen Stunden derart, daß er auf dem Trans­port zum Krankenhause verstarb. Die übrigen Erkrankten liegen hoffnungslos im Hospital darnieder. Die Staatsanwalt­schaft hat alsbald eine Untersuchung eingeleitet.