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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Nr. 91
Erstes Blatt
General-Anzeiger.
Amtliches Organ siir Stadt- und Landkreis Kana«
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
FernsprechaMluß Nr. 605
Samstag den 19. April
Hus Stadt und Cand,
Hanau den 19. April.
Lokal-historische Notizen.
19. April 1610 legte Graf Philipp Ludwig den Grundstein zum vorderen oder Eckerbau des Schlosses.
20. April 1452 starb Reinhard III. zu Heidelberg. Ihm folgte Philipp L, genannt der Jüngere.
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* Postalisches. Bei dem bedeutenden Umfange, den der Briefverkehr in Berlin angenommen hat, und der Schnelligkeit, mit der die Vertheilung der von auswärts in Berlin eingehenden Briefsendungen auf die einzelnen Bestellämter statt- finden muß, liegt es im Interesse des Absenders, den Empfänger der Sendungen so genau zu bezeichnen, daß über die Postanstalt, von der auS sie dem Adressaten übermittelt werden, kein Zweifel bestehen kann. Zu diesem Zwecke ist es dringend erforderlich, daß bei den Briefsendungen nach Berlin außer Straße, Hausnummer, Gebäudetheil und Stockwerk, auch der Postbezirk und die Nummer des Postamtes angegeben wird, von dem die Sendung bestellt oder abgeholt wird. Die beiden letzten Angaben sind auch bei Briefsendungen an Behörden nothwendig. Die Adressaten würden hiernach folgenden Mustern zu entsprechen haben:
a) bei einer Behörde, die ihre Briefe vom Postamte abholen läßt:
„An das Reichs-Postamt in Berlin W. 66/
b) bei einer Behörde, die sich die Briefe bestellen läßt:
„An das Reichs-Justizamt inJbyiin WvL, Voßstraße Nr. 4.
c) bei Privatpersonen:
„An Herrn Kaufmann Karl Müller in Berlin NW. 6, Albrecht- straße Nr. 7, Hinterhaus JH Tr.
* Kontrol-Versammlung. Montag den 21. April, Vormittags 9 Uhr, in H an au (Paradeplatz): Gediente Mannschaften der Jahresklassen 1893 und 1894 von Hanau; Vormittags IOV2 Uhr: desgleichen Reservisten der Jahresklassen 1895 und 1896 von Hanau; Nachmittags 3 Uhr: desgleichen Reservisten der Jahresklassen 1897 und 1898 von Hanau.
* Bezirks-Attsschtttz. Nachdem die auf den 10. und 11. April d. I. anberaumt gewesenen Sitzungen des Bezirks- Ausschusses eingetretener Hindernisse halber haben ausfallen müssen, finden die nächsten Sitzungen des Bezirks-Ausschusses nunmehr am 24., 25. und 26. April statt.
* Historische Kommission. Die Hauptversammlung der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck wird Samstag den 10. Mai d. I., nachmittags 4 Uhr, in Marburg abgehalten werden. Tagesordnung: 1) Feststellung des Per-
sonalbestandes der Kommission. 2) Entlastung des Schatzmeisters wegen der Rechnung für das Finanzjahr 1900/1902. 3) Ergänzung des Vorstandes. 4) Eventuelle Wahl von weiteren Mitgliedern der Kommission. 5) Bericht über den Stand der wissenschaftlichen Unternehmungen.
* Gesellenprüfung für Schlosser. Zu der am 10. d. Mts. abgehaltenen Gesellenprüfung hatten sich 6 Prüflinge gemeldet, von denen 5 die Prüfung mit dem Prädikat gut bis sehr gut bestanden, während einer nicht bestanden hat. Es wurde demselben anheimgegeben, sich in 4 Wochen zu einer neuen Prüfung bei dem Vorsitzenden des Prüfnngsaus« schusses Herrn Jg. beider zu melden.
F. Innere Mission. Aus allen Kreisen von Hessen und Waldeck waren in voriger Woche in Cassel 31 Lehrer versammelt, um an dem vom Casseler Verein für Innere Mission veranstalteten I n st r u k t i o n s k u r s u s für Innere Mission theilzunehmen. Am Sonntag Abend wohnten die Herren dem zahlreich besuchten Familienabende des Evangelischen Arbeitervereins bei, Montag Nachmittag wurde die Strafanstalt besichtigt, Dienstag ging die Fahrt nach Trepsa zum Besuch der Jdiotenanstalt und Mittwoch nach Hofgeismar zur Besichtigung des Siechenhauses. Donnerstag und Freitag wurden die Casseler Anstalten der Innern Mission besichtigt. Der Vormittag war mit Vorträgen aus all den verschiedenen Arbeitsgebieten der christlichen Liebesthätigkeit ausgefüllt. Am Donnerstag Abend bethciligte sich auch der Herr Oberpräsident an den Verhandlungen über die Fürsorge »für die sittlich gefährdete und verwahrloste Jugend und legte diese Arbeit der Innern Mission den Herren warm an's Herz. Der Kursus schloß mit einem Familienabende im Diakonissenhanse, bei welchem abermals der Herr Oberpräsident das Wort nahm, um zu thatkräftiger Mitarbeit an den Werken der Inneren Mission zu. mahnen. Auch die Herren Konststorialpräsibent v. Altenbockum, Generalsuperintendent Lohr und Pfarrer Nordmann richteten freundliche Worte der Begrüßung an die Theil- nehmer des Kursus. Herr Lehrer G. Todtenhöfer I.-Wolfhagen dankte in deren Namen und gab die Versicherung ab, daß die schönen anregenden Tage des Kursus allen Theilnehmer« unvergeßlich bleiben und durch treue Mitarbeit gelohnt werden würden. Die Herren Lehrer wohnten im Evangelischen Ver- einshause, wo auch die Verhandlungen stattfanden. Die über 1000 Mark betragenden Kosten des Kursus wurden aus dem Ertrage des „Sonntagsboten" Gestritten. Die Auswahl der Theilnehmer ist auf Ersuchen des Vereins für Innere Mission von der Kgl. Regierung getroffen worden. Da nur eine beschränkte Anzahl Theilnehmer zugelassen werden konnte, mußten für diesmal Manche zurückstehen, die auf die Anfrage der Kreisschulinspektoren hin sich gleichfalls gemeldet hatten. Voraussichtlich werden derartige Kurse indessen von jetzt ab öfter
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Feuilleton
— Hanau, 19. April.
Als ich vor vielen vielen Jahren als kleiner „Quatutter" auf der „fransesch Allee" mit meinen Freunden und Freundinnen — damals durfte ich noch solche haben — „spille" ging, war nicht nur „Ellemessers" rc., sondern auch „Ester beffter, zickle seffder" wüst im Schwung. Ich habe oft darüber nachgedacht, woher diese merkwürdigen, an das räthselhafte „Eiris sasum idisi" erinnernden Worte kämen. Ob man sie auf einer Thonscherbe in Rückingen oder auf einem vergilbten Pergament in der Kirche des Kinzdorfes gefunden: Jdj weiß es nicht, woher sie stammen und bin fest davon überzeugt, wenn ich, um mit einem andern Verschen aus der spielfrohen Kinderzeit zu sprechen, fragen wollte: „Wo bist Du denn gewesen?" sie keine Antwort zu geben vermöchten. Aber wenn Du, liebe Leserin, mit Deiner neuen Dir so gut stehenden Blouse, mich freundlichst anlächelnd fragst, wo bist Du denn gewesen? so antworte ich Tir gerne und erzähle Dir mit Vergnügen, was ich diese Woche getrieben.
Am Sonntag, während das Dienstmädel aus dem 1. Stock in Kesselstadt sich mit der Grazie eines Mehlsackes im Ueber- stil im Arme eines strammen Ulanen nach der Melodie: „Im Lambewald, im Lambewald ist Holzauktion", pustend und schnaubend im Tanze drehte und die Herrschaft aus dem 2. Stock in Wilhelmsbad den Klängen der „1066" lauschte, lockte mich der warme Sonnenschein hinaus ins Freie, hinaus in den Wald, den beliebten Weg der Kinzig entlang zum Forsthaus. Als ich nach alter Gewohnheit zwischen Mineralwasser- und Singspielhalle einbog, bot sich meinen Augen ein bis dato — verzeihen Sie bitte, so ein Stubenhocker kommt nur selten hinaus — ungeahnter Anblick: ein Riesenbau, die neue Schule. Während ich mir nun diese
im Entstehen begriffene Bildungsstätte anschaute und mich freute, daß der Bildungsdrang der Hanauer in solcher Weise befriedigt werden soll, dann aber ärgerte, daß die schönen Kastanienbäume verschwunden, kamen zwei „Berjer" an mir vorüber, die sich so laut und lebhaft unterhielten, daß ich, ohne es zu wollen, ihre Unterhaltung mit anhören mußte. „Sog' emol Schorsch, wo sein mer denn hie eigentlich. Ich maß nett, bin ich verrückt wor'n in dene zehn Johr', daß ich in Amerika war, oder ist das Hanau verrückt worn? Maßt Du, mein sog emol: Hie war der doch als e'Holzplatz, gelle." Schorsch sucht seinen Freund, der, wie ich erfahren habe, Christian heißt, über all' die vielen neuen Gebände: Elektrizitätswerk, Villen rc. aufzuklären. Der Christian hört andächtig zu und ist einfach platt. Ich siehe dabei und merke es ihm an, er hat noch etwas auf dem Herzen, er will noch etwas fragen, aber ergenirt sich scheinbar vor mir, da ich in meinem strohgelben Raglan ihm einen zu noblen Eindruck mache. Endlich faßt er sich Muth und fragt, so leise er nur kann: „Wo ist dann dem .... . sein ..... Hitt'hinge- komme' ?" (Die Worte, die ich nicht verstand, ersetze ich durch Punkte, der geneigte Leser wird sie wohl errathen können.) „Ei, guck' nur do, des ist jetzt n' groß' Fabrik wor'n, da mache se allweil Wäschkessel aus Platin, die solle' viel besser sein, als die kupperne'." Ich wagte nicht zu widersprechen, denn bis jetzt habe ich mich von der Güte der Wäschkessel aus Platin noch nicht überzeugen können, da in den mir bekannten Häusern solche Kessel noch nicht existiren. Aber sobald ich einen für 978 Mk. 64 Pfg. in irgend welchem Schaufenster erblicke, kaufe ich ihn sofort. Indem ich mir überlegte, daß ich dann immer noch ein ganz gutes Geschäkt machen würde, schlenderte ich weiter und war bald im Wald, ringsum von Schlüsselblumen und solche pflückenden Menschenkindern umgeben. Ich dachte so bei mir: für jede Blume ’/io Pfg., es gäbe mehr wie 2.66 M., die neulich ein hiesiger, poetisch beanlagter Bürger für einen schönen, edlen Zweck gestiftet hat. Ich freute mich nicht nur der
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CinrilckungSgcbiihr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
stattfinden, sodaß Allen, die sich für die Arbeit der Inneren Misston interessiren, nach und nach Gelegenheit geboten werden wird, dieselben kennen zu lernen. — Die diesjährigen Theil- nehmer waren folgende: Lehrer Siebert-Niedervellmar, Pfeil« Niederkaufungen, Wasmuth-Karlshafen, Münch-Trendelburg, Heyde-Zierenberg, Todtenhöfer I.-Wolfhagen, Aschenbrenner- Wabern, Müller-Rosenthal, Hebeler-Großfelden, Müller-Kirch« Hain, Korell-Neukirchen, Lunge-Borken, Schmidt-Guxhagen, Gerhold-Altmorschen, Schwanz-Vatterode, Schröder-Breitan, Heinz-Friedewald, Bräutigam-Wendershausen bei Tann, Freund- Schwarzenfels, Schmidt-Wächtersbach, Kretschmar-Langendiebach, Schlag-Seligenthal, Ort-Veckerhagen, Platte-Rotenbergen, Hen- kelmann-Jnnshausen, Martin-Rhoden, Güldner-Niederwaroldern, Sülzer-Rhena, Dogell-Sudeck, Fleischhauer-Bergheim, Drinhaus«
Unterwildungen.
* Gaslichtstarke
bis 15. April
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Gaslichtstärke in der Zeit vom 1. Deutsche Vereinskerze. ij einer Licht.
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Mithin durchschnittlich 20.5 24,61
* Otatorieitverektt. Wie aus dem heutigen Jnseraten- theile ersichtlich, wird der Oratorienverein Dienstag den 29. April sein 3. Abonnementsconcert abhalten. Wir glauben, schon jetzt empfehlend auf dasselbe Hinweisen zu können. Da das Hauptwerk des Concerts, das berühmte deutsche Requiem von Brahms, schon einmal aufgeführt wurde, so liegt es auf der Hand, daß die wunderbaren Tiefen desselben vom Tonkörper noch inniger erfaßt und herausgearbeitet werden können. Das kleinere Werk, Cantate von Bach ist noch wenig bekannt, die Orchesterstimmen sind noch nicht im Druck erschienen. Was die Soloparthien im deutschen Requiem betrifft, so liegen dieselben in bewährten Händen. Alles in allem dürfte dieses Concert einen genußreichen Abend in Aussicht stellen. Bemerkt sei noch, daß der langjährige verdienstvolle Dirigent des Oratorienvereins, Herr Dr. Fr. L. L i m b e r t, sich mit diesem Concert vom hiesigen kunstliebenden Publikum verabschieden und nach Düsseldorf übersiedeln wird.
frisch aufblühenden und üppig sprießenden Pflanzenwelt, ich freute mich auch über die Freude Derer, die nun auf kurze Zeit von der Arbeit los, im Walde Erholung von der Arbeit und Kraft zu neuem Schaffen suchten. Gewiß mannigfach ist die Erholung: der Eine glaubt sich erholen zu können, wenn er sich in sein Rad hängt und nun 273 Kilometer in 11 Stunden 19 Minuten und 41 Sekunden herunterradelt, der Andere baut ein Skätchen von abends 7 bis zum anderen Morgen 9, der Dritte ißt beim Weber in Hochstadt die Speisekarte von oben bis unten und von unten bis oben zweimal herunter und wieder hinauf und der Vierte schläft oder liest — es erfordert die gleiche geistige Anstrengung — die „Lotte Bach." Nur ein Glück, daß noch andere Litteraturerzeugnisse gelesen und eingehend studirt werden. Wie freute ich mich am Dienstag einen schönen Beweis dafür zu finden, daß unseren modernen guten Dichtern hier eine Aufmerksamkeit • und Beachtung geschenkt wird, wie sie sie verdienen. Den Herren, die durch ihre wohlgelungenen Rezitationen einer großen Zahl geladener Gäste einen edlen Genuß bereitet haben, möchte ich nur wünschen, daß sie auf dem betretenen Weg weiter fortarbeiten. Der Hanauer hat Interesse an der dramatischen Kunst und stellt gerne seine Kräfte zur Verfügung. Das sahen wir bei dem Lutherfestspiel und manchen anderen ähnlichen Veranstaltungen, das sehen wir auch jetzt, da man sich anschickt, die gewaltigen Ereignisse von 1870/71 in Bild und Wort vor unserem Auge vorüberziehen zu lassen. Es ist nur mit Freuden zu begrüßen, wenn einem Volke auch auf solche Weise seine Geschichte vor Augen geführt wirb. So lerne es aus der Vergangenheit die Gegenwart verstehen! —
Und wenn in 2—3 Wochen abends am Stammtisch Einer den Anderen fragt: Wo bist Du heut' gewesen? können hoffentlich recht Viele sagen: „Bei dem Kriegsfestspiel, des wor der odder awer schön." Ego.
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten.