Erstes Blatt.
Hanauer G Anzeiger w u L n Wenetlll-Ameiaer *—- “" i w»
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Gedruckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, ev. Amtliches Organ für Sinkt- und Landkreis Kanan. Waisenhauses in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage." Verantwort,. Redakteur: G. S ch r e ck - r in Hanau,
Nr. 90 Ferns-rechans« Nr. «05.
Freitag den 18. April
Fernsprechanschlnß Nr. 605
1902
Amtliches.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Es wird hiermit in Erinnerung gebracht, daß nach den Bestimmungen des Fischstraftarifs zur Kurhesstschen Straf- ordnung vom 30. Dezember 1822 Diejenigen, welche ohne ausdrückliche Erlaubniß Enten auf Fischwasser und fremde Teiche einlaffen, mit 15 Mark bestraft werden und außerdem der Enten verlustig gehen.
Die Herren Bürgermeister des Kreises wollen das Feld- und Forstschutzpersonal auf diese Bestimmung hinweisen und ihm die Kontrole der Fischwasser während der Laichzeit vom April bis Juni besonders zur Pflicht machen.
Hanau den 15. April 1902.
Der Königliche Landrath und Polizei-Direktor.
P 4222 v. Sch enck.
Aus Stadt und £and.
Hanau den 1«. April.
* Kontrol-Berfammlung. Samstag den 19. April, Vormittags 9 Uhr, in Hanau (Paradeplatz): Ersatzreseroisten der Jahresklassen 1889—1893 von Hanau; Vormittags IOV2 Uhr: desgleichen Ersatzreservisten der Jahresklassen 4894 bis einschl. 1901 von Hanau; Nachmittags 3 Uhr: desgleichen gediente Mannschaften der Jahresklassen 1889 bis einschließlich 1892, ausschließlich derjenigen Wehrleute, die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1890 eingetreten sind, von Hanau.
* Aenderungen im Sommersahrplan. Am 1. Mai treten die Sommerfahrpläne in Kraft, die eine Reihe von Aenderungen bringen: neue mti aMgllmde Züge, Früh- verlegungen u. s. w. In Folgendem geben wir ein Verzeichnis dieser wichtigeren Aenderungen, abgesehen von den regelmäßig im Sommer erfolgenden Zugvermehrungen und Zugverschiebungen. Neue Züge. Frankfurt - Hanau - Bebra. Frankfurt n. Ostb.-Hanau-Äschaffenburg. Schnellzug 171 Frankfurt ab 4", Aschaffenburg an 556 und Schnellzug 172 Aschaffenburg ab 1285, Frankfurt an 1". Die Züge bilden Theile einer neuen Schnellzugsverbindung zwischen Vlissingen bezw. Hoek van Holland und München und zurück mit direktem Wagendurchgang. Schnellzug 171 hat in Frankfurt Anschluß von den Zügen 110/47 von Köln (linksrh.), 68 von Köln (rechtsrh.),^ 8 von Basel und 726 von Homburg. Schnellzug 172 hat in Frankfurt Anschluß an die Züge 46/109 nach Köln (linksrh.), 313 und 61 nach Wiesbaden, 7 nach Basel (rechtsrh.) und 31 nach Homburg. Sonstige wichtige Zugünderungen, insbesondere Früherlegungen. Frankfurt-Hanau-Bebra. Personen- zug 233. Frankfurt ab 845 (bisher 830), Hanau-Ost an
Kleines Feuilleton.
Des Kaisers scharfer Blick im^ gutes Gedächtniß, die es ihm ermöglichen, Personen, mit denen er nur einmal in Berührung gekommen, sofort wiederzuerkennen, werden in einem Briefe gerühmt, ■ den ein norwegisches Blatt veröffentlicht. Auf einer seiner Nordlandssahrten hat der Kaiser in Drontheim im Hause des Konsuls Jenssen als Gast geweilt. Kürzlich stattete Frau Jenssen Berlin einen Besuch ab und ging unter den Linden spazieren, als der Kaiser vor- beifuhr. Er erkannte sie sofort und ließ ihr später Gruße und Blumen überbringen.
Wie ein „wirklicher Mann" sein muß. „Svenska Dagbladet" veröffentlicht eine Reihe von Aussprüchen berühmter schwedischer Frauen über die Eigenschaften, die die guten Männer haben müssen, um dem schönen Geschlecht zu gefallen. Wir bringen hier ein paar Beispiele: Die Schriftstellerin Ellen Key schreibt: „Des Weibes Vorstellung von einem wirklichen Mann ist von allen Vorstellungen die schwankendste: sie wechselt erstens nach der Individualität des jeweiligen Weibes, zweitens nach ihrem Alter, Vaterland und ihren Lebensverhältnissen. So ist z. B. der wirkliche Mann in den Augen einer englischen Großkaufmannstochter ein Mittelding zwischen Chamberlain und Alfred Tennyson; in den Äugen eines deutschen Mädchens aus der Provinz eine Vereinigung von Schiller und einem Kürassterleutnant, und nach den Vorstellungen einer Pariser Weltdame ein Gemisch von Napoleon I. und Maupaffant. Eine Stockholmerin, wenn sie z. B. gerade eine Köchin ist, wird ihn sich eher als Feuerwehrhauptmann denken, der „der Löwe des Tages" ist. Nkit einem Wort, man findet in der Vorstellung des Weibes von einem wirklichen Manne nur immer eine hervoriret-nde Uebereinstimmung: daß sie sich ihn als eine Vereinigung von Gegensätzen denkt, wie die Natur sie niemals heroorbringt. Bedauerns-
928 (bisher 913); später gelegt zur Gewinnung der Anschlüsse in Frankfurt von den V-Zügen 12 und 75 von Basel. Frankfurt Ost-Hanau-Aschasienburg. Personenzug 466 (alte Nr. 392) Hanau-Ost ab 4" (bisher 505), Frankfurt-Ost an 532 (bisher 5").
** Hanauer Ortskrankenkasse. Gestern Abend fand im unteren Rathhaussaale die Generalversammlung der Hanauer Ortskrankenkasse statt. Die Prüfung der Rechnung hatte den Revisoren zu Anständen keinerlei Anlaß gegeben und konnte daher dem Rechnungsführer Decharge ertheilt werden. Aus dem an die Generalversammlungsvertreter »ertheilten gedruckten Geschäfts-Bericht für das Jahr 1901 geht hervor, daß die Kasse immer noch mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, der Vorstand gibt sich indessen der Hoffnung hin, daß sich das laufende Jahr besser gestalten werde, wenn nicht außerordentliche Anforderungen an die Kasse herantreten sollten. Als von allgemeinem Interesse wird auf eine Verfügung des Vorstandes der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau zu Cassel vom 29. Juni 1901 hingewiesen, welche die Ankündigung brächte, von jenem Zeitpunkt an eine zahlenmäßige Beschränkung der Unterbringung Kranker in Lungenheilstätten, Bädern und Erholungsorten in ganz erheblichem Maße eintreten zu lassen, weil die etatsmäßigen Mittel, welche zum Zweck der Uebernahme des Heilverfahrens der Landes-Versicherungsanstalt zur Verfügung standen, ganz erheblich überschritten worden seien. Der Vorstand nahm im Interesse der Mitglieder gegen diese Verfügung sofort Stellung, seine wiederholten Bemühungen durch entsprechende Eingaben vom 9. und 21, August v. I., welchen ausführliche ärztliche Berichte beigelegt waren, die den gegnerischen Standpunkt der Aerzte zu der geplanten Einschränkung dokumeNtirten, waren indessen nicht von Erfolg begleitet; sie konnte»» die-Kachtheile nicht von der Kasse ablenken, denn die Landesversicherungsanstalt gab mittels Schreiben vom 27. August v. Z, den Bescheid, daß sie nur nach den allgemein erlassenen Bestimmungen handeln könne. Auf eine diesbezügliche Anfrage hat der Vorstand unterm 6. Juni v. I. beschlossen, dem „Verein zur Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr in der Provinz Hessen- Nassau und Waldeck" mit einem Jahresbeitrag von 10 Mk. beizutreten. Ueber Neuansiellung von Aerzten wird berichtet, daß den Mitgliedern, welche außerhalb Hanaus wohnen, 6 weitere Aerzte zugängig gemacht wurden, sodaß jetzt insgesammt 23 Aerzte vertragsmäßig für die Hanauer Ortskrankenkasse in Stadt- und Landkreis Hanau nebst Umgebung thätig sind. Die neuangestellten Kassenärzte sind die Herren Dr. med. Hüter für Gelnhausen und 14 Ortschaften, Walther für Windecken und 6 Ortschaften, Dalquen für Heldenbergen und 3 Ortschaften, B l e s e r für Alzenau und 14 Ortschaften, Borges für Rimpar (b. Würz-
werthe Männer und — arme Frauen!" Die Schriftstellerin Helene Nyholm schreibt: „Für mich ist Derjenige ein wirklicher Mann, der sich Zeit läßt, sich über die wichtigsten Fragen des Lebens seine eigene Meinung zu bilden und nachher moralischen Muth genug besitzt, um in allen verschiedenen Verhältnissen und Lebenslagen danach zu handeln. Ein wirklicher Mann muß außerdem so viel Demuth besitzen, daß er einen Irrthum eingestehen und dadurch eine Entwickelung möglich machen kann. Und schließlich schadet es auch nicht, wenn ein wirklicher Mann ein paar sogenannte „weibliche Eigenschaften" besitzt. Feines Empfinden und Liebenswürdigkeit im täglichen Umgang sind die Sonnenstrahlen, die im Wesentlichen dazu beitragen, das Leben glücklich zu machen, und ein wirklicher Mann wird dadurch keineswegs unmännlich, daß er rücksichtsvoll und zart ist." — Die Schauspielerin Julia Hackonsson schreibt: „Ich glaube fast, daß die Frauen stets „wirkliche Männer" in dem männlichen Individuum sehen, das sie gerade lieben. Auf diese Weise traben alle Herren während des größten Theils ihres Lebens als „wirkliche Männer" umher, und das ist ein herrlicher Anblick und ein schöner Gedanke. Was mich anbetrifft, so ertheile ich dem Manne den Preis, der an Adams Stelle niemals von Evas Apfel gebissen hätte." — Endlich schreibt die Operettensängerin Emma Meißner: „Einen solchen Mann habe ich mir folgendermaßen gedacht: munter wie Fairsax, freimüthig wie der Bettelstudent, schön wie Paris, treu wie Pippo, edel wie Henri de Corneville, muthig wie Montedafido, feurig wie der Zigeunerbaron, elegant wie Eisenstein und fesch wie Boccaccio."
Eine russische Feuerprobe. Ein merkwürdiges Beispiel für den Aberglauben der russischen Bauern wurde, wie aus Moskau berichtet wird, kürzlich vor dem Odessaer Bezirksgericht verhandelt. Einem Kutscher, Andrei Oleynik waren 16 Mark gestohlen worden, und der Verdacht siel auf einen alten Bulgarier, Peter Dutcho, der in dem Hause über Nacht geblieben war. Dutcho beschwor seine Unschuld, aber Oleynik sagte: „Wenn Du unschuldig bist, so setze Dich auf den ge-
burg) und 7 Ortschaften und Kittsteiner und Gg. Wagner für Kesselstadt und Wilhelmsbad. Die Statistik über die Mitgliederbewegung der beiden Jahre 1900 und 1901 ergibt, daß die monatsweisen Zu- und Abgänge sich in beiden Jahren fast nach gleichen Verhältnissen vollzogen haben und auch am Jahresschluß 1901 wieder einen Mehrbestand von 389 Mitgliedern brachten, sodaß von dem allgemein festgestellten wirth- schaftlichen Niedergänge, wenigstens nach dem zahlenmäßigen Mitgliederbestand, bei der Ortskrankenkasse nichts zu bemerken war. Der Prozentsatz der weiblichen Mitglieder beträgt immer noch fast 40pCt., wogegen andere Ortskrankenkassen durchschnittlich nur ca. 23pCt. weibliche Mitglieder aufweisen, was eine ungünstigere Stellung der hiesigen Kasse bedeutet, weil die weiblichen Mitglieder die Kasse in viel stärkerem Maaße belasten wie die männlichen. Unter den 3753 in eigener Pflege und hiesigen Krankenhäusern behandelten Krankheitsfällen befinden sich 414 Unfälle. Der Mitgliederbestand betrug am 31. Dezember 19015806 gegen 5417 des Vorjahres. Die Einnahmen betrugen 179,125.43 Mk., die Ausgaben 179,080.34 Mk., der Bestand des Reservefonds war am 31. Dezember 1901 83,506.02 Mk. Bei der Vorstandswahl wurden seitens der Arbeitgeber Herr Ph. Müller wiedergewählt, als dessen Ersatzmann Herr A b e l m a n n, seitens der Arbeitnehmer die Herren V 0 g e l w e i d und Max H 0 f f m a n n und als deren Ersatzleute die Herren T e i ch e r t und B l u m ö h r. An die Stelle des im Laufe des Jahres durch Auswanderung ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedes Kiefer war Herr Schab! getreten, welche Wahl nachträglich genehmigt wurde. Ein Antrag des Vorstandes, den Anhang zum Statut betr. die „Unterstützungen für Familienangehörige" im Wortlaut dahin abzuändern, daß in Zeile 6 hinter das Wort Krankheit die Worte: „mit Ausschluß spezialarztlichcr Behandlung und Operationen" cingefügt werden, wird angenommen. Unter Punkt „Verschiedenes" gab der Vorsitzende, Herr Müller, ein von drei Aerzten unterzeichnetes, bei dem Vorstand einge- laufenes Schreiben zur Kenntniß, in welchem diese darauf dringen, daß endlich die schon so lange geforderte Erhöhung des ärzlichen Honorars von 2.50 Mk. auf 3 Mk. pro Mitglied bewilligt werde. Der Vorsitzende bemerkte, daß man innerhalb des Vorstandes der Forderung sympathisch gegen- überstehe, daß die Erhöhung aber bis jetzt durch die schlechte finanzielle Lage der Kasse noch nicht beantragt werden konnte. Von Herrn Roth wird anerkannt, daß ein Honorar von 2.50 Mk. pro Jahr und Mitglied als gering bezeichnet werden müsse, er schlägt aber vor, im Hinblick auf die derzeitige ungünstige Lage der Kasse die Antragsteller unter Beifügung eines Rechenschaftsberichts zu ersuchen, für dieses Jahr noch einmal von ihrer Forderung Abstand zu nehmen und ihnen für das nächste Jahr sicheres Entgegenkommen in Aus-
heizten Ofen." Dutcho setzte sich, um seine Unschuld zu beweisen, willig auf den glühend heißen Ofen und zog sich natürlich schreckliche Brandwunden zu. Trotzdem beteuerte er, daß er nicht gestohlen hätte, und Oleynik befragte eine Prophetin, die auch Dutcho's Unschuld bezeugte. Da kniete sein Ankläger demüthig vor dem verbrannten Märtyrer nieder, bat mit Thränen um Vergebung und bot ihm zwei Mark als Entschädigung an. Dutcho vergab ihm edelmüthig und wurde ins Krankenhaus gebracht, aus dem er nach einiger Zeit als Krüppel für den Rest seines Lebens entlassen wurde. Oleynik wurde jedoch von den Behörden wegen „Mißhandlung" angeklagt, aber die Verhandlung wurde vertagt, um ein ärztliches Gutachten über Dutcho's Gesundheitszustand einzuholen.
Die Enthüllung des Lisztdenkmals in Weimar wird auf Wunsch des Großherzogs bereits am 31. Mai und nicht, wie erst geplant, Anfang Juni stattfinden.
Zulassung von Zuhörerinnen an landwirth- schaftlichen Hochschulen. Die landwirthschaftliche Hochschule in Berlin hat, dem Vorgang der Universität folgend, Damen für verschiedene Vorlesungen und praktische Uebungen zugelassen. Die Zulassung wird von einem Zeugniß über die wissenschaftliche Vorbildung, einem polizeilichen Führungsattest und erforderlichenfalls von der Genehmigung des Vaters oder Vormundes abhängig gemacht. Es muß auch die Erlaubniß des betreffenden Dozenten eingeholt werden.
Meyer-Försters „Alt Heidelberg" ist nun auch in Petersburg mit großem Erfolge über die Bühne gegangen, und zwar wurde es von einem deutschen Ensemble unter Leitung von Philipp Bock im Kaiserlichen Alexandra-Theater gegeben. Die Aufführung wird in den Petersburger Blättern sehr gerühmt. Das Haus war ausverkauft und es gab vielen Beifall.
Gedankensplitter.
Der Lügner haßt die Menschen, die ihm nicht glauben, und verachtet die, die ihm glauben.