Erstes Blatt.
Mauer G Anzeiger
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kann«.
Eiurückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 89 Fernsprechanschluß Nr. 605.
Donnerstag den 17. April
Fernsprechanschluß Nr. 605
1902
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 9.
Mus Stadt und Cand.
Hanau den 17. April.
Lokal-historische Notizen.
17. Apvil 1600. Große Feuersbrunst in dem Flecken Bergen bei Frankfurt, welche denselben zum größten Tbeil zerstörte.
17. April 1832 starb Karl Ludwig Wilhelm, Graf.von Jsenburg-Meerholz, der vierte dieser Linie, ohne männliche Erben, 69 Jahre alt. Ihm folgte der damals dreizehnjährige einzige Sohn seines jüngsten Bruders.
^r *
*
Beamtenpersoual-Nachrichten.
Ernannt: der Referendar Weiß zum Gerichtsassessor, der diätarische Gerichtsschreibergehilfe Kühn beim Amtsgericht in Marburg zum Gerichtsschreiber beim Amtsgericht in Greben- stein, der diätarische Gerichtsschreibergehilfe Lenz beim Amtsgericht in Cassel zum Gerichtsschreiber beim Amtsgericht in Sontra, der Gerichtsschreibergehilfe, Assistent Werner, in Gladenbach, zum Gerichtsschreiber beim Amtsgericht in Großen- lüder, der Güterexpedient Fricke zu Cassel zum Güterexpe- ditionsvorsteher, der bisherige Königliche Kreisbauinspektor F i tz zum Landesbauinspektor unter Uebertragung der Stelle eines bau- technischen und Revistons-Beamten bei der Hessischen Brand- versicherungs-Anstalt, bei der Zentralverwaltung des Bezirksverbandes des Regierungsbezirks Cassel: der Landessekretär Kröpf zum Obersekretär, der Sekretariats-Hilfsarbeiter Wep- ler zum Sekretär, beim Landeshospital zu Merxhausen: der Sekretariats-Hilfsarbeiter Theiß zum Sekretär, bei der Taub- stummen-Anstalt zu Homberg: der Hilfslehrer Fun ck zum Taubstummenlehrer, der kommissarische Landesrentmeister Stietz zu Gersfeld definitiv als solcher, die Straßenmeister-Anwärter Otto zu Gemünd, Weber zu Rauschenberg, R i v o i r zu Bieber, B ey e b a ch zu Oberkaufungen, Mantel zu Gndens- berg, Lißmann zu Lichtenau zu Straßenmeistern.
Angestellt sind: als Postassistenten: die Postassistenien Hufnagel, Herchenröder, Jffland und Luckhart in Hanau.
Üebertragen: eine Hilfsreferenten - Stelle bei der Ober- Postdirektion in Coblenz dem Postinspektor Kost aus Hanau, dem Sekretär Krick, bisher bei der Hessischen Brandversiche- rungs Anstalt, die Verwaltung der Landesrenterei zu Fritzlar probeweise, dem Regierungs-Assessor Dr. Re nner die Verwaltung der Spezialkommission zu Arolsen.
Entbunden: der Landesrentmeister Friedrichs von seinem Amte als Rentmeister der Landesrenterei zu Fritzlar und der Zentralverwaltung des Bezirksverbands des Regierungsbezirks Cassel zur Beschäftigung überwiesen.
Uebernommen: der Regierungs-Assessor W a x m a n n, seither in Melsungen, in die allgemeine Staatsverwaltung.
Versetzt: der Gerichtsschreiber Sekretär Bächstädt II in Großenlüder an das Amtsgericht in Eschwege, der Gerichtsschreiber Sekretär Czossek in Sontra an das Amtsgericht in Rosenthal.
Verliehen: dem ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät und Direktor des Anatomischen Instituts der Universität Marburg, GeheimenMedizinalrath Dr. Emil Gasser, der Rothe Adler-Orden 3. Klasse mit der Schleife, dem Re- gicrungs- und Baurath, Geheimen Baurath Wald hausen in Cassel, und dem Kreisbau-Jnspektor, Baurath Zoelffel in Marburg, der Königliche Kronen-Orden 3. Klasse, dem Re- gierungs- und Landesökonomierath Klostermann und dem Rechnungsrath Dierks der Rothe Adler-Orden 4. Klasse, dem Gerichtsschreiber, Rechnungsrath Preising in Cassel, der Königliche Kronen - Orden 3. Klasse mit der Zahl 60, dem Oberlandesgerichtsrath, Geheimen Justizrath Reimerdes, dem Geheimen Regierungsrath Callenberg und dem Katasterinspektor, Steuerrath Gehrmann zu Cassel, beimUeber- tritt in den Ruhestand der Rothe Adler-Orden 3. Klasse mit der Schleife.
Pensionirt: der Sekretär S p o h r bei der Hessischen Brand- versicherungs-Anstalt vom 1. Oktober d. J. ab.
* Kontrol-Versammlung. Freitag den 18. April, Vormittags 8^/3 Uhr, in Fechenheim(Schulhof): Reservisten und Wehrleute I der Garde und Provinzial - Infanterie der Jahresklassen 1889—1901 von Fechenheim-Mainkur; Vormittags 10^/2 Uhr: Reservisten und Wehrleute aller Waffen, mit Ausnahme der Garde und Provinzal - Infanterie (Jahrgänge 1889—1901) sowie die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften von Fechenheim-Mainkur.
* Erledigte Stelle. Die Pfarrstelle zu Thurn- hosbach, Klasse Waldkappel, mit dem Vikariat Diemerode, ist zur Erledigung gekommen. Bewerber haben ihre Meldungsgesuche binnen 4 Wochen an Königliches Konsistorium in Cassel einzureicken.
* Die nächste Hufschmiede - Prüfung findet hier am Samstag den 21. Juni d. I. statt. Anmeldungen zu dieser Prüfung sind bis zum 31. Mai d. J. an den Königl. Kreisthierarzt Collmann dahier einzureichen.
* Die Glaser- und Schreinerzwangs-Jnnung Hanau hält morgen Freitag Abend halb 9 Uhr in der „goldenen Gerste" eine außerordentliche Versammlung ab, in welcher folgende Punkte zur Tagesordnung stehen: 1. Erhebung der Beiträge und Geschäftliches. 2. Vortrag von Herrn Kaspar Müller über Bedeutung der Innungen und wer ist verpflichtet, derselben anzugehören? 3. Antrag des Gesellen- ausichusses. 4. Gesellenprüfung, Festsetzung der Lehrzeit für Lehrlinge. 5. Vergebung von Schreinerarbeiten und Verschiedenes. Alle Schreiner- und Glasermeister die selbständig das Handwerk betreiben, sowie diejenigen, die Schreinergehilfen beschäftigen, müssen dem Gesetze nach der Innung angehören. Im eigenen Interesse eines Jeden liegt es, in dieser Versammlung zu erscheinen.
* Wichtig für Schlosser-Gesellen. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe hat unterm 24. Februar d. I. an die betheiligten Herren Regierungs-Präsidenten folgenden Erlaß gerichtet: „Da der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten Werth darauf legt, daß künftig auch Schlosser durch den Besuch einer Baugewerkschule die Berechtigung zur Anstellung als Bahnmeister im Staatseisenbahndienste erlangen können, so bestimme ich, daß Schlosser, die den Tiefbau-Kursus an einer Baugewerkschule durchmachen wollen, auf Grund der vorzulegenden Zeugnisse über die praktische Ausbildung in ihrem Fache in die vierte Klasse einer Baugewerk- schule ausgenommen werden können.
* 56jähriges Arbeitsjnbilänm. Wie bereits mitgetheilt, konnte gestern Herr Konrad Haas auf eine 30jährige Thätigkeit in dem Posamentirgeschäft der Firma E. E y s e l (vorm. F. C. Zircher) zurückblicken. Dem Jubilar wurden aus diesem Anlaß außerordentlich zahlreiche und herzliche Ehrungen zu Theil. Die Gesangsabtheilung des Christlichen Arbeitervereins, dessen Vorstandsmitglied er ist, brächte dem Jubilar am Vorabend ein Ständchen, am Jubiläumstage selbst übermittelte der Verein ihm ein werthvolles Geschenk, ebenso stifteten Geschenke der Vorstand der Krankenkasse für, Sattler und Tapezirer und zahlreiche Privatleute. Das Geschäft ehrte seinen langjährigen Mitarbeiter u. A. auch durch ein hohes Geldgeschenk. Nächsten Sonntag feiert der Christi. Arbeiterverein das Jubiläum seines Vorstands-Mitgliedes auch noch im weiteren Kreise durch ein Familienfest.
* Die Werningschen Kriegsspiele, deren Aufführungen demnächst hier ihren Anfang nehmen, zerfallen in drei Hauptabtheilungen, deren erste, mit einem Prolog eingeleitet, das Vorspiel des 70erKrieges an unseren Augen vorbeiführt. Das erste Bild „Germanias Wacht am Rhein" zeigt uns die Germania mit gezücktem Schwerte auf hohem Felsen thronend, umgeben von Deutschlands kriegsbereiter Heeresmacht. Nun folgt die denkwürdige Szene in Ems, bei der Kaiser Wilhelm I. dem Gesandten Frankreichs die Antwort gibt, welche nach dem Textbuch also lautet: „Melden Sie Napoleon: Mich bekümmert es sehr wenig, wer auf Spaniens Königsthron'; „Gern' bewahre ich. den Frieden, wie's gebietet Pflicht und Ehr', Von Napoleon'gebieten lasse ich mir nimmermehr I" Hehr und gebietend steht die Heldengestalt Kaiser Wilhelms I. da, während Benedetti sich grollend zurückzieht. Hoch geht die Begeisterung im Volke, als der Aufruf „An mein Volk" erlassen und die Kriegserklärung erfolgt, die Reserve einberufen und die Truppen hinaus müssen in Feindesland, um den übermüthigen Franzmann zu bekriegen. Das rothe Kreuz tritt in Aktion und Kaiser Wilhelm I. erneuert, nach , einem Besuche, des Mausoleums in Charlottenburg, das einfache, aber höchste Ehrenzeichen der Freiheitskriege, das eiserne Kreuz, auch für den Krieg 1870/71. Die beiden folgenden Bilder führen uns nun hinein in das Kriegs- und Lagerleben mit einem Bild „Posten vor dem Feinde", dem ein Bild folgt, betitelt „Hurrah, Franzosen gefangen". Hier kommen uns die ersten Rothhosen zu Gesicht, dann folgen „Feldwache", „Alarmirung der Feldwache", „Gefecht", „Schlachtfeld", welche, meisterhaft gestellt, uns einen großartigen Einblick in das Leben und Treiben unserer »tapferen Truppen gewähren. Wer kennt nicht das herrliche Bild „Nach der Schlacht bei Rezonville", als Moltke dem greisen Herrscher die Siegesbotschaft bringt, das ergreifende Bild „Kronprinz Friedrich Wilhelm an der Leiche des gefallenen französischen Generals Abel Douay's" und das herrliche Bild „Die Kaiserproklamation zu Versailles".
* Steigercorps. Gestern Abend wurde vom Steiger- corps der Freiw. Feuerwehr die Neuwahl für den kürzlich so jäh aus dem Leben abberufenen 1. Hauptmann C. Ohl vorgenommen. Das Interesse der Mannschaft an der Angelegenheit wurde durch deren vollzähliges Erscheinen dokumentirt. Nachdem Herr Karl Jacoby in Vertretung des Oberkommandanten die Bedeutung und Wichtigkeit der Stellung, welche das Steigercorps in der Freiw. Feuerwehr einnimmt, gebührend gewürdigt hatte, wurde zur Wahl geschritten. Aus derselben gingen hervor als 1. Hauptmann Herr Herrmann Elsaß, als 2. Hauptmann Herr Adam H e i l m a n n. Die Gewählten nahmen das Amt an und gelobten, das Andenken an den verstorbenen Hauptmann Ohl durch treue Hingabe an die gute Sache und kräftiges Zusammenhalten zu bewahren. Möge der gute Ruf, welchen das Steipercorps genießt, auch unter der neuen Leitung sich bewähren und der kameradschaftliche Geist, der in unserer Freiw. Feuerwehr herrscht, ebenso schöne Erfolge zeitigen, wie bisher.
* Die diesjährige BattMblüthe wird, nach dem Knospeuansatze zu urtheilen, sehr reich ausfallen. Vor Allem haben Birnen- und Kirschbäume üppig angesetzt. Innerhalb der letzten Tage ist die Baumblüthe sehr rasch vorgeschritten, und sehr viele Bäume prangen bereits schon im herrlichsten Frühlingsschmuck.
* Vom schwarzen Brett der Frankfurter Akademie. Am Freitag den 18. April beginnen folgende Vorlesungen: Vorm. 10 Uhr Professor Dr. Curtis, Lektüre I aus der modernen engl. Litteratur (leichtere Texte). Nachm,
6 Uhr Professor Dr. Bleicher, Versicherungslehre. Nachm. 6 Uhr Ingenieur Lehnert, Maschinen und Fabrikanlagen (Be- « sprechung). Nachm. 6 Uhr Professor Dr. Pohle, Uebungen im volkswirthschaftlichen Seminar (Vorbesprechung). Nachm. 7 Uhr Dr. Behn, Angewandte Physik (Physikalischer Verein). Nachm. 7 Uhr Professor Dr. Burchard, Privates Versicherungsrecht. Nachm. 7 Uhr Dr. Schnapper-Arndt, Bevölkerungslehre (mit Berücksichtigung der medizinischen Statistik).
* Hessenland. Inhalt der Nummer 8 des „Hessen- land" : Köstlin, Therese, „Die Nacht"; Sascha Elsa, „O, glaub' mir: könnt' ich zaubern" (Gedichte). — Weinmeister, Paul. „Hessische Sterbemünzen" (Schluß). — Armbrust, L. „Allerlei von Zauberei". — Traudt, Valentin. „Sonnentag" (nach dem Leben erzählt). — Naumann, Heinrich. „Eam Froijohr (Gedicht in Hinterländer Mundart). — Aus Heimath und Fremde. — Hessische Zeitschriftenschau. — Personalien. Briefkasten.
Aus dem Gertchtssaal.
Sitzung der Strafkammer II vom 16. April.
Beamte und Gemeinde.
Nette Zustände scheinen im Dorfe Hosenfeld bei Fulda zu herrschen, wie aus einer Beleidigungsklage des dortigen Pfarrers gegen den Maurer R. hervorgeht. Nach der Bekundung eines Zeugen, des Hilfsjägers Stein, wird überhaupt den Beamten, vom Nachtwächter bis zum Pfarrer, das Dasein möglichst zu verleiden gesucht, und zwar hauptsächlich von den jungen Leuten, welche im Sommer nach Westfalen arbeiten gehen. Dem Pfarrer hat man beispielsweise die Thüre zu- gebunden, ihm schmutzige Ansichtskarten und Briefe von Westfalen aus gesandt, dann bringt man ihm zuweilen eine Katzenmusik u. s. w. Als am Abend des 22. Dezember v. J3. der Pfarrer mit dem Hilfsjäger Stein durchs Dorf ging, wurde er wieder von einer ganzen Rotte unter Lärmen, Singen und Schimpfen verfolgt. Als der Pfarrer einer Gruppe Leute ihr Gebühren recht unwillig vorhielt, antwortete der Angeklagte in verletzenden Ausdrücken, was zu der Beleidigungsklage geführt hat. Das Schöffengericht hatte ihn wegen Beleidigung bestraft, hiergegen legte er Berufung ein. Er will nur die verletzenden Anreden des Pfarrers, wie Bengels oder Lümmel, zurückgewiesen haben. Der Angeklagte hat ebenfalls eine Privatklage gegen den Pfarren angestrengt. Durch die Bemühung des Vorsitzenden der Strafkammer kommt zwischen den Parteien ein Vergleich zu Stande, wonach der Pfarrer seinen Strafantrag, der Angeklagte seine Privatklage zurückzieht, Letzterer auch eine kleine Buße an die Armen zahlt und die Kosten des Verfahrens übernimmt.
Ein Scheunenbrand.
Am 14. Januar d. Js. brach in der Scheune des Schmieds A. zu Weichersbach ein Brand aus, der aber alsbald bemerkt und gelöscht wurde. Es waren ihm nur einige Hühner, welche über der Brandstelle logirten, zum Opfer gefallen. Der Brand war dadurch entstanden, daß glühende Asche in einen alten schadhaften kupfernen Kessel geschüttet wurde, welcher auf einer Holzunterlage stand, die durch herausfallende glühende Kohlen entzündet wurde. Die Beseitigung der Asche besorgte zugestandenermaßen stets nur die Ehefrau, welche der