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Montag
1£ April
* „Lotterie-Freizügigkeit." In letzter Zeit wird in der Presse die Nachricht verbreitet, daß zwischen dem Königreich Preußen, dem Königreich Sachsen und den an der hessischthüringischen Lotterie beseitigten Staaten eine Vereinbarung abgeschlossen sei oder angestrebt werde, laut welcher die Loose der drei Lotterien in allen genannten Staaten zum Vertriebe zugelassen werden sollen, also die sogenannte Lotterie-Freizügigkeit gegenseitig zugestanden worden sein soll. Eine derartige Vereinbarung ist aber zwischen Preußen und anderen deutschen Staaten weder abgeschlossen noch zur Zeit beabsichtigt. Es ist mithin das Spielen in sämmtliben außerpreußischeu Staatslotterien nach wie vor strafbar.
* Postalisches. Die Einrichtung der Hausbriefkasten, das sind Briefkasten, welche der Wohnungsinhaber zur Ein- legung von Briefschaften am Eingang seiner Wohnung an- bringt, hat am hiesigen Orte längst noch nicht die Verbreitung gesunden, welche sie im öffentlichen Interesse verdient und in vielen anderen Orten erlangt hat, wo der Hausbriefkasten als selbstverständlicher Zubehörtheil jeder Wohnung betrachtet wird. Hausbriefkasten bieten in erster Linie den Vortheil, daß der Briefträger, ohne auf Klingeln und Oeffnen der Thür warten zu müssen, die vorliegenden Briefschaften abgeben kann. Wenn man bedenkt, wie oft der Briefträger auf seinem Bestellgange auf das Oeffnen der Thür, nachdem er vielleicht schon durch mehrmaliges Klingeln sich bemerkbar gemacht hat, warten muß, und wie oft er, wenn er vor verschlossene Thüren kommt, zwei und dreimal derselben Sendung wegen viele Treppen wieder hinaufstcigen muß, so läßt sich ermessen, welche Beschleunigung in der, Briefbestellung eintritt, wenn der Briefträger durch Einlegung der Briefschaften in die Hausbriefkasten des Wartens und mehrmaligen Wiederkehrens enthoben ist. Der Gewinn in der frühzeitigeren Empfangnahme der Postsendungen würde bald jedem Einzelnen fühlbar werden. Daß der Neugier des Dienstpersonals, in das Geheimniß der Briefschaften einzudringen, beim Vorhandensein eines Hausbriefkastens ein Riegel vorgeschoben wird, sei no^ nebenbei erwähnt, ebenso, daß auch andere Mittheilungen, wie Besuchskarten, Zeitungen u. s. w., durch den Hausbriefkasten bequem und sicher übermittelt werden. Wo ein abgeschlossener Korridor vorhanden ist, wird der Hausbriefkasten am zweckmäßigsten an der Innenseite der Korridorthür unter Herstellung eines Ein- wurfsspaltcs in der Thür angebracht; anderenfalls ist der geeignetste Platz neben dem Klingelzuge oder, wo ein solcher nicht vorhanden ist, an einer passenden Stelle zum Wohnungseingang. Wer also sich selbst eine Bequemlichkeit und eine schnellere und sichere Zuführung der Postsendungen und zugleich dem Briefträger eine Erleichterung seines oft schweren Dienstes verschaffen will, der bringe an seiner Wohnung einen Hausbriefkasten an. An Geschäften, wo solche Kasten billig zu haben sind, fehlt es auch hier am Orte nicht.
* Sormtagskarten nach Frankfurt. Die Aufhebung der Sonntagskarten von Hanau nach Frankfurt a. M. hat bekanntlich in Hanau s. Zt. unangenehm berührt, infolge dessen der Vertreter unseres Wahlkreises, Herr Abgeordneter Emil Junghenn, wie schon in der SamstagS- Nummer kurz berichtet, Veranlassung nahm, die Angelegenheit am Freitag im Abgeordnetenhause zur Sprache zu bringen. Sobald der stenographische Bericht über diese Sitzung vorliegt, werden wir noch einmal darauf zurückkommen. Inder „Köln.Ztg.", 2. Morgenausgabe vom 12. April, befindet sich ein Artikel, überschrieben „Aus dem preußischen Landtage", in dem es heißt: „Der Abg. Junghenn brächte die auffällige Thatsache zur Sprache, daß zwar die S o n n t a g s k a r t e n von Frankfurt nach Hanau bestehen geblieben, die Sonntagskarten für die umgekehrte Reise aber aufgehoben worden sind. Die in den Verhandlungen des Bezirkseisenbahnrathes abgegebene Begründung des Regierungsvertreters erregte die Heiterkeit des Hauses, danach sollen nämlich solche Karten nur noch von großen Städten aus nach schönen Gegenden und landschaftlich bevorzugten Plätzen ausgegeben werden. Hanau ist danach ebenso wie Mainz als Bierdorf zu betrachten, während Frankfurt als große Stadt ihnen gegenüber steht." — Wir können noch _ hinzufügen, daß Herr Abg. Junghenn sich am Samstag mit dem Herrn Minister v. Thielen persönlich über die Angelegenheit unterhalten hat und der Herr Minister dabei mittheilte, daß die ganze Frage der Sonntagskarten nochmals einer ernstlichen Prüfung unterzogen werden würde. Jedenfalls gebührt unserem Herrn Abgeordneten Dank, daß er sich so warm dieser Sache angenommen hat.
* Akademie für Sozial- und Handelswisien- schafterr in Frankfurt a. M. Das Sommersemester der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften beginnt am nächsten Dienstag den 15. April mit einem Vorlesungsverzeichniß, das an Reichhaltigkeit das des Wintersemesters noch übertrifft. Während die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden im Winter durchschnittlich noch nicht 90 betrug, wird sie im Sommer über 100 betragen. An dem Zuwachs sind namentlich die Sprachen betheiligt. So wird jetzt auch Gelegenheit gegeben, Italienisch (Dr. Ott) und Spanisch (Oberlehrer Dr. Gräfenberg) an der Akademie zu lernen.
* Zur Hebung des Fremdenverkehrs und wohl auch des Bekanntwerdens unserer Stadt zum Zweck der dauernden Niederlassung in derselben hat der Vorstand des Vereins für städt. Angelegenheiten in auswärtigen Blättern eine Annonce erlassen, in welcher die Vorzüge unseres Gemeinwesens hervorgehoben werden. Die Bekanntmachung schildert die günstige Lage Hanaus an dem bireften Bahnnetz nach den bedeutendsten nördlichen und südlichen Städten, die hygienischen und sonstigen gemeinnützigen Einrichtungen, den Kurort Wilhelmsbad, die Bildungsanstalten, Sehenswürdigkeiten, seine Bedeutung als Industrie- und Handelsstadt, die gesunde Lage am Main mit der gebotenen Gelegenheit zu Ausflügen in den Spessart, Odenwald, Vogelsberg und Taunus u. s. w. Der Bekanntmachung liegt das anerkennenswerthe Bestreben zu Grunde, unserer Stadt durch Hebung des Fremdenverkehrs, durch den andere Städte so viel profitiren, neues Leben zuzu- führen und für diejenigen Fremden einen Ort zur Nieder- lasfung zu empfehlen, welche entweder das nervenzerstörende Hasten und Treiben der Großstadt oder die Einsamkeit auf
dem Lande verlassen und dafür die Annehmlichkeiten einer mittleren Stadt eintauschen wollen.
* Güter-Ladestelle Dörnigheim-Hochftadt. Bekanntlich sind seit Jahren die Bestrebungen der Interessentenkreise aus Dörnigheim und Hochstadt darauf gerichtet, am Bahnhöfe Dörniqheim-Hochstadt eine Güterladestelle zu erhalten. Nachdem die bezüglichen Verhandlungen eine Zeit lang geruht, kam vor einiger Zeit die Sache wiederum in Fluß, als zufolge einer Eingabe beider Ortschaften die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. sich zu weiteren Verhandlungen bereit erklärt und die beiden Ortschaften durch Beschluß ihrer Gemeindevertretungen für den gedachten Zweck die Hälfte der entsprechenden Kosten bewilligte. Die Gesammtkosten waren aus 14200 Mk. veranschlagt, sodaß die beiden Gemeinden je 3550 Mk. zu tragen hätten. Außerdem erklärte sich die Gemeinde Dörnigheim bereit, ein ihr gehörendes Geländestück, am Bahnhof gelegen, für die Errichtung der Ladestelle kostenlos zur Verfügung zu stellen. Am Freitag fand nun im Beisein von Vertretern der Kgl. Eisenbahndirektion, der Verwaltungsbehörde und beider Gemeinden eine Konferenz statt, um das angebotene Gelände auf seine Zweckdienlichkeit hin zu prüfen. Die Besichtigung ergab, daß dasselbe als nicht geeignet erachtet werden konnte, da die Güterladestelle in Hinsicht auf etwaige spätere Erweiterung nicht westlich der Dörnigheimer Straße, sonder östlich derselben errichtet werden muß. Auf dieser Seite steht der Gemeinde aber nur Gelände im Umfange von etwa 12^2 Ar zur Verfügung, während 30 Ar benöthigt werden. Die weiteren 17^2 Ar gehören vier Besitzern, von denen das betreffende Gelände erworben werden müßte. Die Eisenbahndirektion zeigte gegenüber der veränderten Sachlage ihr Entgegenlommen dadurch, daß sie sich bereit erklärte, die Mk. 3100 betragenden Mehrkosten des neuen Projekts allein zu übernehmen. Das baldige Zustandekommen der Errichtung der Güter - ladestelle, die beiden Gemeinden zweifellos große Vortheile bietet, wird nun wesentlich davon abhängen, daß die vier Besitzer des in Frage kommenden benöthigten Terrains Lokalpatriotismus walten lassen und entsprechendes Entgegenkommen beweisen, vielleicht versteht sich auch die Gemeinde H o ch st a d t dazu, einen Theil der Grunderwerbskosten mit zu übernehmen, umsomehr, als dieselbe, wie uns erinnerlich ist, bereits früher einen späterhin allerdings zurückgenommenen Beschluß faßte, 4000 Mk. für die Errichtung der Güterladestelle beizusteuern. Wir haben das Vertrauen zu den bethet- ligten Kreisen beider Gemeinden, daß die schon so lange an- gestrebte Errichtung der Güterladestelle nunmehr, nachdem auch die Eisenbahndirektion weiteres Entgegenkommen zeigte, zu einem allseits befriedigenden Abschlüsse qelangen wird.
* Vorstandssitzimg des hessischen Städtetages. (Eigener Bericht des „Hanauer Anzeiger".) In einer in F u l d a am Samstag den 12. d. M. abgehalte- nen Vorstandssitzung des hessischen Städtetages wurde die Tagesordnung für die am 6. und 7. Juni d. I. in M a r- b u r g abzuhaltende diesjährige Tagung des hessischen Städtetages wie folgt festgesetzt: 6. Juni: 1) Eröffnung. 2) Geschäftliche Mittheilungen und Erstattung des Kassenberichts.
3) Errichtung einer Ruhegehaltskasse für die Gemeindebeamten des Reg.-Bez. Cassel in Verbindung mit einer Wittwen- und Waisenkasse; Referent: Bürgermeister G a e r t n e r - Rinteln.
4) Haftpflicht-Versicherung der städt. Lehrer; Referent: Stadt- syndikus B r u n n e r - Cassel. 5) Stellungnahme zu den auf Aufhebung der kommunalen Verbrauchsabgaben gerichteten Beschlüssen der Zolltarifkommission des deutschen Reichstages; Referent; Bürgermeister Jochmus- Cassel, Korreferent: Stadtrath Boedicker- Cassel. 6) Eventuell: Versicherung der städtischen Feuerwehren gegen Unfälle. 7) Neuwahl an Stelle der ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes, Oberbürgermeister Schüler - Marburg, Bürgermeister Vocke-Eschwege und Stadtrath Boedicker-Casfel. — 7. Juni: 1) Versorgung der Stadt Marburg mit Trinkwasser; Referent: Geheimer Medizinalrath Prof. Dr. v. B e h r i n g- Marburg. (Im Anschluß hieran Besichtigung der von Herrn. Prof. v. Behring hinter der Roser-Straße ausgeführten Thalsperre). 2) Besprechung von Fragen, die aus der Mitte der Versammlung gestellt werden. 3) Bestimmung des Orts der nächsten Versammlung. — In dieser Vorstandsfltzung des hessischen Städtetages wurde weiter beschlossen, zur Theilnahme an der Versammlung deS Nasfauischen Städtetages die Herren Bürgermeister Vocke-Eschwege und Stadträth Boedicker- Cassel zu bestimmen.
* Schießübungen. Ein Bataillon der 166er ist heute Vormittag zu einer diese Woche andauernden Schießübung nach dem Griesheimer Schießplatz abgerückt. Nächste Woche, nach Rückkehr des ersteren Bataillons, begibt sich auch das andere Bataillon nach Griesheim.
V - Statistisches. Im Monat März 1902 wurden in unserer Stadt lebend geboren 80 Kinder, 44 Knaben und 36 Mädchen. — Gestorben sind, mit Ausschluß von 5 Todtgeborenen, 48 Personen, 19 männlichen und 29 weiblichen Geschlechts, darunter 12 Ortsfremde. Für die Stadt selbst bleiben 36 und auf 1000 Einwohner und aufs Jahr berechnet kommen 14,2 Todesfälle.
Von den Gestorbenen waren:
8
Kittder
im Alter vor
I 0—1
Jahr
3
II
ii ii u
1-5
Jahren
1
Kind
ii ii ii
5-10
ii
2
Personen
ii ti ii
10-20
u
1
Person
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20—30
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Personen
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30-40
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40-50
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50—60
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60—70
11
6
II
M 1! II
70-80
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4
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80-90
II
An Diphthene starb ein Kind von
auswärts,
an akuter Er-
krankung der Athmungsorgane 9 und an Lungenschwindsucht 5 Personen. Die Todesursache war in 6 Fällen Krebsleiden, in 3 Schlaganfall, in je 2 Fällen Knochentuberkulose, Bauchfellentzündung, Herzleiden, Hirnhautentzündung und tuberkulöse Hirnhautentzündung und in je 1 Fall Gehirnerweichung, Ader-
verkalkung, Krämpfe, Leberleiden, Herzlähmung und Zuckerkrankheit. Nicht durch Krankheit bedingt war der Tod bei 8 Personen: 6 Leute starken an Altersschwäche und 2 kleine Kinder an Lebensschwäche. Dr. Zeh.
* Stipendium. Der Königl. Zeichenakademie wurde von der Firma W. Behrens ein Betrag von jährlich 150 Mark zum Ausschreiben eines Wettbewerbs für Gegenstände der Goldwaaren-Jndustrie zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag soll jedes Jahr in zwei Preisen zur Vertheilung gelangen und wird die Aufgabe jeweils von der genannten Firma gestellt.
* Verscheuchte Kammelheerde. Ein bayerischer Viehhändler, der in verflossener Nacht 12 Hämmel nach Hanau zutrieb, gibt an, daß ihm in der Nähe von Hanau, an der Kreuzung der Niederrodenbach-Kahler Chaussee, durch Passanten die Heerde verscheucht worden sei, sodaß die Hämmel in den Wald sprangen und es auch nicht gelang, dieselben wieder einzufangen. Falls also Jemand einen derartigen herrenlos umherirrenden Hammel abfangen sollte, wird gebeten, zwecks weiterer Veranlassung der Kgl. Polizeidirektion dahier Mittheilung zu machen.
* 4000 Mark verbrannt! Wie uns einer unserer Korrespondenten berichtet, hat eine in Mümling-Grumbach wohnende Wittwe dem Schmerze über den Verlust ihres 21= jährigen Sohnes dadurch Ausdruck gegeben, daß dieselbe die ihr ausgehändigte Versicherungssumme von 4000 Mk., die in Papiergeld ausgezahlt wurde, in den Ofen warf und durch Feuer vernichten ließ. Der verstorbene junge Mann hatte sich vor Jahresfrist versickert.
* Recitation Monato. Wie wir hören, veranstaltet Herr Monato, der für kommende Saison an daS Stadttheater Crefeld engagirt ist, Donnerstag den 24. April im Saale der Dutralhalle auch in diesem Jahre einen Rezitationsabend unter Mitwirkung von Frl. Anny Hannewald, nunmehrigem Mitglied des Hoftheaters in Cassel, sowie der noch von vorigem Jahre in denkbar bester Erinnerung stehenden Coneertsängerin Frl. Rose Höfling aus Frankfurt a. M. Herr Monato, der sich bei uns bereits in seiner dramatischen Arbeit „Heimkehr" mit Erfolg als junger Schriftsteller zeigte, wird fast ausschließlich eigene Dichtungen, meist heiteren Inhalts zum Vortrag bringen. Frl. Rose Höfling singt u. A. die Arie der Rosine aus „Barbier von Sevilla" und „Variation über dem Carneval von Venedig", während Frl. Anny Hannewald heitere Dichtungen wie: Das Känschen rc. rezitirt. Wir wollen hoffen, daß die so vielversprechende Veranstaltung bei unserem geschätzten Publikum der verdiente Anklang finden wird.
* Liederabend. Einen selten zahlreichen Zuspruch hatte der Liederabend des Gesangvereins „Tonblüthe" am Samstag Abend zu verzeichnen, die „Centralhalle" vermochte die Besucher schließlich kaum noch zu fassen, ein Beweis für die Beliebtheit, deren sich die Liederabende bei dem musiklieben» den Publikum erfreuen. Die Darbietungen standen auf der gewohnten Höhe und ließen fleißige Schulung, gepaart mit guter Auffassung der Sänger erkennen. Der Dirigent, Herr A p p u n n, bat bei seiner Arbeit auf gutem Grunde bauen, da der frühere Leiter, Herr Lehrer Breidenbach, die „Tonblüthe" zu Tüchtigem herangebildet hat. Mit der Ouvertüre zur Oper „Oberon" leitete die Ulanen-Kapelle den Abend würdig ein, dann folgte als erster Chor das Rbeinlied von Attenhofer, „Dort liegt die Heimath mir am Rhein", der mit feinster Ausarbeitung seiner Schönheiten in packender Klangwirkung zum Vortrag gebracht wurde. Drei Lieder für Tenor- iolo von Schubert, Beethoven und Wolff: „Frühlingstraum", „Andenken" und „Heimweh" machten uns mit einem sehr talentirten Sänger aus Frankfurt, Herrn Carl Z e t s ck e, bekannt, der zweifellos bei weiterer Schulung noch Tüchtiges leisten wird, er mußte sich auch gleich zu einer Zugabe verstehen. Als ein prächtiger Solist zeigte sich auch Herr Appunn in den zwei Liedern für Bariton: „Ich denke oft ans blaue Meer" von Weingartner und „Wanderlied" von Schumann, eine sehr feinsinnige, lobenswerthe Darbietung. Ein ganz besonderes Interesse gewann der Abend durch die Aufführung der sechs niederländischen Volkslieder von Kremser mit Orchesterbegleitung, Harmonium und Klavier, wozu Herr Breidenbach zum besseren Verständniß vorher eine Schilderung dessen gab, was der Komponist in seinen Werken zum Ausdruck bringen wollte. Den „Wilhelmus von Nasfauen" (Baritonsolo) sang Herr Lehrer Appel in ganz vorzüglichem Vortrag, den „Abschied" (Tenorsolo) Herr Zelsche, die Begleitung auf dem Harmonium hatte Herr Breidenbach, die Klavierbegleitung Herr M i l b a ch inne. Rauschender Beifall belohnte die reizende Wiedergabe der berühmten niederländischen Volksgesänge, von denen Herr Breidew bach in der erwähnten Ansprache schon bemerkt hatte, daß man sich besonders jetzt ihrer gerne erinnere, weil Nachkommen jener Helden, die sie einst im Kampf gegen die spanischen Unterdrücker gesungen haben, nunmehr einen ebenso schweren Kampf im fernen Südafrika durchzufechten haben. Die Herren Appel und Breidenbach hatten dem Programm zwei hübsche „Kompositionen „Die Spinnerin" und „Das arme Däumchen" ein- verleibt, ihre Arbeiten wurden besonders herzlich applaudirt. Außer den genannten brächte das Programm noch eine Anzahl ausgewählter Lieder zu Gehör, darunter das liebliche „Wiegenlied" von Mozart. Die gesammte Ulanenkapelle waltete in gewohnter Weise ihres Amtes. Es war wiederum ein genußreicher Abend, der dem Gesangverein „Tonblüthe" zur Ehre gereicht.
& Rückingen, 13. April. (Vierte Lehrerstelle.) Infolge Uebersüllung der hiesigen Schulklassen hat sich die zuständige Behörde veranlaßt gesehen, die Anstellung einer vierten Lehrkraft zu beantragen. Verhandlungen über die Errichtung der betreffenden Stelle sind bereits eingeleitet. Bei der hiesigen Einwohnerschaft herrscht darüber allgemeine Genugthuung.
() Langenselbold, 14. April. Am Samstag Nachmittag 3*/* Uhr' ist in der zum Wohnhause Kreuze Nr. 24 gehörigen, zur Aufbewahrung von Holz und Fntteroorrälhen dienenden Halle Feuer ausgebrochen, welches sofort von den Nachbarn bemerkt und gelöscht wurde. Ueber die Entstehung