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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev, Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. .

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 81

Fernsprechanschluß Nr. 605

Fernsprechanschluß Nr. 605*

1902

mag

Amtliches.

Landkreis Danau.

Bekanntmachungen des Kömgl.. Landrathsamtes.

Im Interesse der Versicherungsnehmer der Hessischen Brandversicherungsanstalt in Casiel wird hiermit auf eine Bestimmung des Reglements hingewiesen, deren Nicht­beachtung für die Versicherten erhebliche Nachtheile zur Folge haben kann, gegen welche bekanntlich Unkenntniß nicht schützt. Der § 34 des Reglements für die Hessische Brandversicherungs- anstalt legt den bei der Anstalt Versicherten die Verpflichtung auf, von allen nach der Versicherung eines Gebäudes in der Anstalt vorgenommenen baulichen Aenderungen binnen 4 Wochen der zuständigen Landesrenterei unter Vorlage einer von dem zuständigen Schätzer zu erwirkenden Schätzung An­zeige alsdann zu erstatten, wenn diese Aenderungen auf die Klassenstellung des Gebäudes von Einfluß sind. Dieselbe Verpflichtung besteht, wenn das Gebäude nach seiner Ver­sicherung eine feuergefährliche Benutzung überhaupt oder höheren Grades erhält, was z. B. schon bei Einrichtung von Schreinereien mit drei oder mehr Hobelbänken oder mit Dampf­betrieb der Fall sein würde. Hat der Versicherte in solchen Fällen die vorgeschriebene Anzeige unterlassen, so hat er nicht nur die Kosten der Revision zu tragen, wenn solche zu einer Aenderung der Klassifikation geführt hat, sondern er muß auch den höheren tarifmäßigen Beitrag von demjenigen Monat ab, in welchem die maßgebende Veränderung stattgefunden hat, bis zur neuen Einreihung doppelt bezahlen.

Hanau den 29. März 1902.

Der Königliche Landrath.

V 3078 v. Scheuch

_

Unter dem Viehbestand des Landwirths Philipp Grrttrer in Mittelbuchen ist die Martl- imd Klauenseuche festgestellt worden.

Ueber das Gehöft des Genannten wurde die Sperre verhängt. . Hanau den 8. April 1902.

Der Königliche Landrath.

J V 3363 I. A.: Schneider, Kreissekretär.

Heinr. Ludw. Kotier und Martin Dietz von Bergen sind zu Flur schützen der Gemeinde Bergen be­stellt und verpflichtet worden.

Hanau den 29. März 1902.

Der Königliche Landrath.

V 3106 v. Schenck.

Feuilleton.

31. Deutscher Chirurgkir-Kougreß.

Die Schlußsitzung des Kongresses wird ausgefüllt durch eine Reihe von Einzeldarstellungen aus dem Gesammtgebiet der Chirurgie. Herr Küster (Marburg) entwickelt das Krank­heitsbild der durch Verletzungen und Entzündungen entstan­denen Versteifung des Schultergelenkes bezw. seiner Schleim­beutel und gibt das entsprechende Behandlungsverfahren an. Herr Heußner (Barmen) spricht über die Heilung der Knie­verkrümmung durch Sehnen-Ueberpflanzung von der Beuge­nach der Streckseite unter Vorstellung einer Patientin. Herr Engels (Hamburg) zeigt an einem Patienten ein von ihm er­sonnenes künstliches Bein, welches das mit fortgenommene Kniegelenk in seinem Mechanismus möglichst vollkommen er­setzt; dem Träger eines solchen ist es möglich, mit gekrümmtem Knie festzustehen. Herr Samler (Königsberg) macht auf die Nothwendigkeit aufmerksam, nach den alten Vorschriften von Volkmann bei der Wundbehandlung nicht nur auf die keim- tödtenden Mittel, sondern auch auf die mechanischen Verhält­nisse, Druck- und Ruhigsiellung gebührend zu achten, was ihm besonders für seine Bruchoperationen zur glatten Heilung ver- holfen hat. Weitere Bemerkungen betreffen sein Operations­verfahren bei der Absetzung des Fußes am Fußgelenk und die Behandlung von Brand der Glieder. Herr Eckstein (Berlin) macht auf einzelne Vorschriften aufmerksam, welche bei dem Gebrauch der Parasin-Einpfropfung unter die Haut zur Deckung von Lücken, zur Verbesserung der Formen u. s. w. beachtet werden müssen bei gleichzeitiger Vorstellung von Pa­tienten, Herr Vulpius (Heidelberg) spricht über die Entstehung von Muskelverknöcherung nach Verletzungen, Herr Kölliker (Leipzig) über die Behandlung des sog. angeborenen Hoch- standes des Schulterblattes. Herr Braatz (Königsberg) über

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Taglöhner Philipp Löchner und Konrad Gust von Bergen sind zu Nachtwächtern der Gemeinde Bergen bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 29. März 1902.

Elsaß-Lothringen.

In französischen Blättern kann man zuweilen von den tiefunglücklichen, sehnsüchtig nach Rettung ausschauenden elsaß- lothringischen Brüdern" lesen. Diese Auffassung ist grund­falsch ; der Wunsch ist hier der Vater deS Gedankens. In Wahrheit fühlen sich die Bewohner der Reichslande dank der gerechten und wohlwollenden deutschen Verwaltung nicht un­glücklich. Sie würden gerade eine Wiedervereinigung mit Frankreich für ein Unglück halten. Die Störungen, die mit dem Wechsel der Herrschaft verbunden waren, sind längst über­wunden ; die Bevölkerung hat sich den neuen Verhältnissen an­gepaßt, von der alten Generation sind viele zu Grabe ge­gangen das junge Geschlecht jubelt den Erben der Hoheu- zollern, dem deutschen Kaiser, zu, wo immer er sich dort sehen läßt. Was Fürst Bismarck im Jahre 1879 im deutschen Reichstage sagte:Ich habe noch heute Vertrauen zu dem deutschen Keime, der unzerstört, wenn auch überwuchert von dem glänzenden Firniß der französischen hundertjährigen An- gehörigkeit, vorhanden ist, und glaube, daß die früher französisch gezogene, von uns frisch gestutzte deutsche Eiche kräftig wieder ausschlagen wird, wenn wir Ruhe und Geduld haben," das ist schon heute zum größten Theil erfüllt.

Was war Elsaß-Lothringen in Frankreich und was ist es in Deutschland? Diese Frage prüfen, heißt die engen Bande aufdecken, durch die die Reichslande in weniger als einem Menschenalter mit dem deutschen Reiche verknüpft sind; heißt die wirtschaftliche Entwicklung jener Lande in den letzten 30 Jahren mustern und in seiner ganzen Größe einen Auf­schwung erkennen, wie er Elsaß-Lothringen in Frankreich nie beschieden sein konnte; heißt abwägen, was die positiven Thaten der deutschen Herrschaft für die Reichslande bedeuten gegenüber dem nachträglichen Interesse der Pariser für ein verlorenes Land, um das sie, als es noch ihr eigen war, sich nie sonderlich ge­sorgt haben. Um den Gegensatz zwischen einst und jetzt in voller Schärfe zu erkennen, blicke man nur nach der Hauptstadt des Elsaß: Was ist aus Straßburg geworden! Vor dreißig Jahren war es vernachlässigt und verwahrlost heute ist es eine Perle unter den mitteleuropäischen Städten. Fürwahr, diese Thatsache wiegt mehr als alle Sammlungen und Festvor­stellungen, die die Franzosen jetzt für ein in Paris zu er­richtendes Denkmal zu Gunsten der im Kriege 1870 gefallenen Elsaß-Lothringer verunstalten.

einige Besonderheiten, welche bei der Keimfreimachung der Verbandstoffe durch Dampf beachtet werden müssen, Herr Hon- sell (Tübingen) empfiehlt den Lanolin- und Pastenverband, welcher neben manchen Vorzügen auch ein Ankleben der Ver­bandstoffe an der Wunde verhindert. Herr Silberberg (Odessa) empfiehlt die Anlegung in die Wunde versenkter Drahtklammern an Stelle der Nähte, Herr Ledderhose (Straß­burg) empfiehlt bei verhältnißmäßig spät zur Behandlung kommenden Bauchfellblasenverletzungen auf Grund einer Be­obachtung ein mehr abwartendes Verfahren, Herr Lenzmann (Duisburg) berichtet über durch Abschnürung des Wurmfort­satzes hervorgerufenen Brand des Blinddarms.

Kunst und Leben.

Gegen heiße Speise«» wendet sich Dr. Heinrich Pudor in einem längeren Artikel desTag", dem folgende Einzel­heiten entnommen seien: Man mag einem unverbildeten Thiere die köstlichste Speise vorsetzen: wenn sie noch raucht, rührt es sie nicht an. Selbst das unter dem Einfluß und der Ein­wirkung stehende Hausthier, wie der Hund, zieht, wenn man ihm eine Speise vorsetzt, die uns nur lauwarm erscheint, den Schwanz ein und macht sich davon oder wartet geduldig. Wir dagegen vermögen eine Speise zu essen, die brühwarm aus dem Ofen kommt. Fast kochend essen wir die Suppe, und vom Kaffee sagen wir, daß er so heiß sein muß, daß man ihn nicht trinken kann, wenn er 31t trinken sein soll. Und wenn eine Speise nicht mehr raucht, erscheint sie uns schon kalt; dann schimpfen wir wohl gar und meinen, die Speise sei nicht zu essen. Man probiere es einmal und halte den kleinen Finger in die Suppe, die man zu essen angefangen hat: so schnell als möglich wird man den Finger herausziehen, so heftig schmerzt die Berührung mit der heißen Suppe. Unseren Mund, unsere Zähne, unseren Magen haben wir da­gegen daran gewöhnt, daß er das, was der kleine Finger schmerzend emvfindet, ungenirt und ohne Unlustempfindung auf-

Elsaß-Lothringen hat unter der deutschen Herrschaft nicht nur seinen vollen Antheil gehabt an dem allgemeinen wirth- schaftlichen Aufschwung Deutschlands: die ganzen Grundlagen des wirthschaftlichen Lebens sind für das Land in der günstigsten Weise geändert: den Haupt-Erzeugnissen seines regen Gewerbe- fleißes ist der Markt erschlossen, auf dem sie am besten zu verwerthen sind, und der Wettbewerb genommen, mit dem sie in Frankreich den Kampf nicht aufzunehmen vermochten. Man betrachte nur die Entwicklung der Textil-Jndustrie des Landes. Als Elsaß-Lothringen zu Frankreich gehörte, war sie über die Achsel angesehen. Wie anders liegen die Verhältnisse dagegen heute für die gesammte gewerbliche Thätigkeit der Reichslande. Jetzt ist Handel und Wandel mit dem eigentlichen Markt, dem deutschen, eng verbunden; jetzt wissen alle Erwerbsklaffen, daß ihnen Rücksicht und Schutz gern gewährt wird, und die Erfahrung hat gelehrt, daß dieser Schutz gewährt werden kann und im vollen Einklang mit allen andern Lebeus-Jnteressen, denen die deutsche Wirthschafts-Politik dienen soll.

Neben diese für Elsaß-Lothringen wichtigsten wirthschaft­lichen Fragen treten die unschätzbaren Vortheile eines starken politischen Schutzes und der Stetigkeit der innern Lage; von dem Land der Revolutionen, der fortwährenden politischen Wirren und Unruhen ist Elsaß-Lothringen an das Land einer starken Regierung gekommen. Die Sicherheit und Festigkeit der neu geschaffenen Verhältnisse stärkt aber nicht nur die Reichsfreunde in der Westmark, sondern übt ihre Wirkung auch auf jene Theile der Bevölkerung, die heute noch dem deutschen Reiche ablehnend gegenüberstehen; auch sie sehen und fühlen, wie gefestigt die neue Lage ist, und finden sich schließ­lich mit einem Zustande ab, dessen Unabänderlichkeit ihnen durch die außerordentliche militärische Machtentfaltung deutlich ge­macht wird.

Hus Stadt und Cand.

Hanau den 8. April.

* Musterung. Mittwoch den 9. April: Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Niederissigheim, Nieder- rodenbach, Neuhof, Oberdorfelden, Oberrodenbach, Oberissig- heim, Ostheim, Philippsruhe, Pulverfabrik, Ravolzhausen, Roßdorf, Rüdigheim, Rüdigheimerhof und Rückingen.

* Eisenbahn Personalien. Pensionirt wurde Zug­führer Getschmann in Hanau; die Fachprüfung 1. Kl. hat bestanden Civilsupernumerar Buccoli zu Hanau.

* Geschichtsverein. Wir weisen noch einmal auf die heute Abend in derCentralhalle" stattfindende Jahresver­sammlung des Geschichtsvereins hin. Nach dem geschäftlichen Theile beginnt um 7/s Uhr der Vortrag des Herrn Dr. Quilling aus Frankfurt, an welchen sich das gemeinschaft­liche Abendessen anschließt.

nimmt. Der Mensch gewöhnt sich ja schließlich an alles, und man kann ihn im Laufe vieler Jahre so vorbilden, daß er die Speisen nur essen kann, wenn sie heiß sind, daß sie rauchen. Man beobachte kleine Kinder, die noch nicht vorgebildet sind. So lange eine Speise raucht, werden sie sie nicht anrühren; muthet man es ihnen zu, werden sie schreien, sich abwenden, Aeußerungen des Ekels zeigen, oder wenn sie schon sprechen können, rufen:Au zu heiß." Aber man läßt ihnen keine Ruhe. Jeden Tag aufs neue bringt man ihnen die rauchenden Speisen, die Mutter selbst gibt dem Kinde das Effen mit dem Löffel ein und widerspricht dem Kind, es sei ja gar nicht mehr heiß, überredet das Kind und zwingt es, die Regungen seines Instinktes und seines natürlichen Gefühls zu unterdrücken und die Speise schnell hinunterzuwürgen. Das geht so weiter, jahraus, jahrein. Und allmählich wie könnte es anders sein gewöhnt sich das Kind daran, die Speisen heiß zu effen: es wirdabgebrüht", wie man treffend sagt. Es empfindet jetzt keinen Schmerz mehr, es kann es sich gar nicht anders mehr denken, ja, die Gewohnheit erzeugt sogar ein Gefühl der Annehmlich­keit : es mag jetzt ganz gern die Speisen so heiß essen, daß sie noch rauchen. Die Speise kommt in den Magen. Ist die Speise zu heiß, so wird der Magen, so werden die Schleim­häute des Magens überreizt, Magenkatarrh und dergleichen stellt sich ein. Der Magen verliert alsdann die Fähigkeit, die Speisen so zu verarbeiten, daß sie weiter geschickt werden können, um schließlich zu arteriellem Blute verarbeitet zu wer­den. Vielmehr kommen nun die Speisen mangelhaft verarbeitet, und mangelhaft eingeschleimt in die Därme, und die Folge- zustände sind Erkrankungen der Därme, Verschlechterung des Blutes, mangelhafte Ernährung. Weil es also so ernste Gefahren in sich birgt, die Speisen heiß einzunehmen, deshalb hat die Natur an die Pforten des Magens Wächter gestellt, die es dem Menschen mittels der Schmerzerzeugung sagen sollen, daß die Speisen eine zu hohe Temperatur haben. Das Kind und das Thier schmerzt deshalb die heiße Speise an den Lippen, an der Zunge, ja sogar an den Zähnen, und schon bevor es